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Die politische Evolution der Unworte #Volksverraeter


Von Lügenpresse (2014) über Gutmensch (2015) zu Volksverräter, dem aktuellen Unwort des Jahres (2016): die neue Rechte setzt die sprachlichen Akzente in der politischen Debatte — und verrückt die Grenze des Sagbaren Jahr für Jahr weiter nach bleedright. 2016 darf hier als das Jahr bezeichnet werden, in dem die Stimmen von rechts endgültig im Nationalsozialisten Sprachraum angekommen sind.


War “Gutmensch” noch ein rechtskonservativer Kampfbegriff der 90er Jahre, hat “Lügenpresse” schon eine klare nationalsozialistische Nutzungstradition (neben einer kommunistischen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts). “Volksverräter” hingegen ist eindeutig ein Nazibegriff — das sind die mit dem Holocaust - deren Widergänger sich montags in Dresden treffen -#Pegida

“Altes Gift in neuen Mäulern”

Volksverräter ist ein Unwort im Sinne unserer Kriterien, weil es ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten ist. Als Vorwurf gegenüber Politiker_innen ist das Wort in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt. Der Wortbestandteil Volk, wie er auch in den im letzten Jahr in die öffentliche Diskussion gebrachten Wörtern völkisch oder Umvolkung gebraucht wird, steht dabei ähnlich wie im Nationalsozialismus nicht für das Staatsvolk als Ganzes, sondern für eine ethnische Kategorie, die Teile der Bevölkerung ausschließt. Damit ist der Ausdruck zudem antidemokratisch, weil er — um eine Einsendung zu zitieren — „die Gültigkeit der Grundrechte für alle Menschen im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik“ verneint. — Prof. Dr. Nina Janich Sprecherin der unabhängigen Jury zum “Unwort des Jahres”

“Die Lehre der Bundesrepublik war: “Volksverrat” landete im politischen Giftschrank. Das Unwort passt nicht zu Pluralismus und Demokratie. Wer es benutzt, betreibt Volksverhetzung.”

Die Eskalation der Unworte zeigt plastisch, dass wir uns mitten im Sprachgewitter rechtsradikaler und extremer Kräfte befinden. Der Kampf um die Demokratie hat begonnen; die Maske ist gefallen, nicht nur sprachlich.

Wir schauen 2017 in die hässliche Fratze von Nazis.

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