Vandy — Wir haben einen Van gekauft

Hallo aus der National Library of Australia.

Nun sind wir seit mehr als 3 Wochen in Australien. Sydney haben wir vor 2 Wochen verlassen. Wie zuletzt schon angerissen, habe ich mir ein Auto gekauft. Damit auch direkt ein erstes, größeres Drama durchlebt. Und auch in Australien kann es kalt sein. Nun nach den kälteren Tagen werde ich mich sicher noch zurücksehnen. Die Kühlflüssigkeit im Auto müsste nämlich aufgefüllt werden. Lässt man aber einen Mechaniker an die Klimaanlage, geht das grundsätzlich richtig ins Geld. Daher wird Australien mit offenen Fenster bereist. 
Nun aber zurück zum Anfang.

Wieder sitzen wir in einer Bibliothek, um diese Zeilen zu schreiben. Ein großes Gebäude neoklassizistischer Architektur. So stand es in der Beschreibung bei Google Maps. Davor ein großer Parkplatz, wie vor jedem großen Gebäude hier. Wir sind in Canberra. Den zweiten Tag in Folge. Aber auch nur weil es eigentlich regnen sollte und wir unsere Weiterfahrt daher auf morgen verlegt haben. Ansonsten wären wir sicher keinen zweiten Tag in diese Stadt rein gefahren. Sowieso bestätigt mir diese Stadt, dass Planstädte eher dazu tendieren langweilig zu sein. Nun, jede Stadt hier ist mehr oder weniger in einem Raster angelegt und somit geplant, Canberra ist aber dennoch anders. Eine Stadt ohne Stadt. Meinem Eindruck nach besteht diese Stadt nur aus Familienhäusern und Villen nicht aber einer Altstadt. Das Museum zur Geschichte Australiens ist dafür aber super interessant und die Bibliothek im Inneren, mit dem 80er Jahre Interior ist absolut sehenswert. Ironisch ist, dass Canberra gestern als drittbeste Stadt weltweit für Städtetrips von Lonely Planet ernannt wurde. Lassen wir das so stehen.

Life isn’t meant to be easy.

Nach Canberra wären wir nicht gekommen, wenn wir nun nicht den Luxus und die Flexibilität hätten, die wir mit Vandy haben. Vandy ist der bescheuerte Name, dem wir einem Nissan Urvan von 1990 verliehen haben. Gekauft habe ich diesen vor zwei Wochen in Shellharbour. Er ist als kompletter Campervan ausgestattet. Spüle, Gasherd, ausklappbares Dach und vieles mehr, alles vorhanden. Vom Vorbesitzer war der Nissan eher als Familien-Camper fürs Wochenende ausgestattet. So gehörten ein Fernseher, ein Ofen und sogar eine Mikrowelle zur Ausstattung. Kam direkt alles raus! Auf den Luxus kann ich verzichten, denn der Platz ist knapp bemessen. In den darauf folgenden Tagen ging ich total dabei auf, innen sowie außen zu basteln. (Franzi das würde dir auch so sehr gefallen!)

Hey Papa — ganz ohne Klebestreifen! Und jede Schraube ist wieder an ihrem Platz!

Wir blieben tagelang in dem Ort, in dem wir auch das Auto gekauft haben. Fuhren unzählige Male in den Baumarkt und ins Shoppingcenter um Bettdecken, Besteck, Kisten und ganz viel anderen Quatsch zu kaufen. Nils war genervt, ich total aufgeregt.

Fast fertig und …

Wieso sollte damit das große Abenteuer losgehen, wenn man auch direkt mal ein kleines Drama erleben kann? Nach 4 Tagen Shoppingcenter, basteln, Shoppingcenter, Baumarkt, Bier, basteln, Shoppingcenter, wollte Vandy nicht mehr. Er sprang nicht mehr an. Hatten die kurzen Strecken der Batterie den Saft ausgesaugt? Unwissend was Autos angeht aber voller Hoffnung es bald mit dem Lade-Kit gelöst zu haben, suchten wir die Batterie. Es sollte 40 Minuten dauern, bis wir alleine diese gefunden hatten. Letztlich stellte sich natürlich heraus: Es war nicht die Batterie! Mit dem immer wiederkehrenden Geräusch eines Motors, der nicht anspringen will, lockten wir einen älteren Camper an. “Es klingt nicht nach Batterie, eher nach dem Zulauf des Kraftstoffes.” Nun war uns klar: Für heute sitzen wir auf dem Campingplatz fest. Nils verlängerte unseren Aufenthalt und ich machte einen Mobilen Mechaniker aus. Dieser konnte am nächsten Tag auch nichts weiter ausrichten, als dem Vergaser die Schuld zu diagnostizieren. Ciao 150,- $. Den Vergaser könne aber nur ein Spezialist machen. Und wieder ciao 170,- $ für den Abschleppdienst, der uns zu diesem fuhr. Er verabschiedete sich mit den Worten: “Life isn’t meant to be easy.”

Da der Mechaniker eine volle Werkstatt hatte, musste Vandy länger dort bleiben. Wir haben uns für die Zeit in einem Hostel der nächst größeren Stadt Wollongong einquartiert. Der Mechaniker gab mir mit ersten Anrufen weniger Hoffnung auf eine schnelle und vor allem günstige Lösung.

Hey Robbin, well we’re having here a bit of a drama…

An diesen Tagen fühlte ich mich so schlecht wie schon lange nicht mehr. Ich habe geglaubt Schrott gekauft zu haben. Schon damit gerechnet ihn zum Schrottplatz bringen zu müssen. Und sowieso wie soll es dann generell weiter gehen? Gott da kam echt so viel zusammen. Es ist ja auch so, dass ich während der Tage zuvor andere kleine Mängel entdeckt habe. Diese hätte man beim Kauf sehen müssen und den Preis damit runter gehandelt. Dann wäre das okay. Beim nächsten Van weiß ich worauf ich gucken muss. Darüber hinaus hatten die Stadt und das Hostel auch nicht viel zu bieten gehabt und Nils war gesundheitlich angeschlagen. Nach einem Telefonat mit Mutti und einer Pizza am Abend hatte ich mich wieder gefangen.

Am nächsten Tag kam dann auch doch der erlösende Anruf. Ich könne ihn am nächsten Tag abholen und soll 840,- $ mitbringen. Ciao 840,- $, Ciao!

Mit 60 Km/h im 2. Gang

Er sprang an. Er fuhr. Wir wollten nur noch raus aus diesem Ort und endlich einen Road-Trip erfahren.

Und so fuhren wir von nun an südlich der Küste entlang. Und wie wir fuhren. Jeden Tag entschieden wir spontan, wo wir lang fahren wollen, welchen Strand wir besuchen wollen und gen Nachmittag suchten wir uns einen Campingplatz in der Nähe raus.

Wir haben jetzt schon so viel schöne Natur gesehen. Beeindruckende Strände, alle menschenleer. Nun Australien hat über 10.000 Strände, wenig überraschend also. Wir haben zusammen mit Papageien und Kangaroos zu Abend gegessen und so viel mehr erlebt. Das Drama ist damit entschädigt. Spannend sind immer wieder größere Hügel oder Berge. Vandy hat einen relativ kleinen Motor. Also gehts auch mal mit 60 Km/h im zweiten Gang den Berg hoch. Was soll’s, wir haben Zeit mitgebracht.

Ach ja, ich habe ein Video gemacht:

*Wir — das sind Nils und ich. Nils schreibt auch. Das kann man hier nachlesen: http://rueggebrecht.com/australien.php

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