Unsichtbar und ungreifbar — das Digitale Geld

Elke hilft ihrer Freundin Sonja manchmal aus ihren Laden zu putzen. Wenn alles drunter und drüber läuft bleibt einfach nicht immer die Zeit dazu und Elke freut sich über das Geld. Elke macht das unregelmäßig aber meistens zweimal im Monat. Zum Schluss gibt es ein bisschen Geld und meistens noch eine Flasche Sekt. Eine ganz normale Freundschaftsaktion mit ein bisschen Entlohnung wie sie die ganze Zeit überall abläuft. Beim Babysitten, beim Rasenmähen oder bei kleinen Arbeiten für die Großeltern. Aber was sagt eigentlich das Finanzamt dazu? Sollte Elke nicht lieber ihre Freundin geringfügig einstellen und Lohsteuern zahlen für die Arbeit? Bei einer so regelmäßigen Arbeit wäre dass eigentlich die Pflicht. Aber da das Geld ja nirgendwo niedergeschrieben ist wird es niemals ans Licht kommen.

Bei Digitalem Geld wäre das anders. Elke müsste das Geld ihrer Freundin überladen oder überweisen. Das würde zwar wahrscheinlich genau so schnell gehen aber es würde verzeichnet sein. Auch der Kauf der Flasche Wein wäre gespeichert. Es gibt zwar immer noch das Bankgeheimnis aber die Möglichkeit besteht natürlich es aufzuheben um Digitale Geldwäsche und Steuerhinterziehung aus dem Weg zu gehen. So wie man bei einer Steuerprüfung ja auch seine Kontoauszüge vorzeigen muss wäre es viel einfacher die Transaktionen zu beobachten und dann Konsequenzen daraus zu bilden. Elke sollte auf jeden Fall dringend Sonja anmelden — nicht dass sie bei der nächsten Kontrolle auffällig wird.

Die Frage bei den Transaktionen ist auch ob man beginnen muss sich dann zu rechtfertigen wie bei dem Verwendungszweck bei der Überweisung. Elke und Sonja müssten ja nicht unbedingt was eintragen aber nach der 3o. Zahlung wäre es schon so langsam mal spannend zu wissen warum Sonja immer Geld bekommt.

Mit der Abschaffung des Physischen Geldes würden uns sehr viele Möglichkeiten genommen. Man könnte nicht mehr sein Geld holen und unter der Matratze lagern wenn es einem zu mulmig wird was die Banken so treiben. Wenn es weg ist, ist es weg. Es gibt keinen Ort wo man es suchen könnte.

Für viele würde es auch schwierig werden die Kontrolle darüber zu behalten da es ja nichts physisches gibt was plötzlich weg ist wenn man pleite ist. Den Schock den einige bei ihrer Kreditkartenabrechnung bekommen würde zum Alltag werden. Die Übersicht ist schnell verloren wenn sich die breite des Geldbeutels nicht ändert. Natürlich könnte im Nachhinein alles online eingesehen werden. Aber es könnte eben auch kontrolliert werden. Die vollständige Kontrolle über unser gesamtes Geld würde verloren gehen. Und ob das die neu gewonnenen Möglichkeiten aufwiegen ist nicht gewiss. Einkäufe würden ein bisschen schneller Funktionieren, Handtaschendiebe würden in die Röhre schauen und Männerhosen würden nicht mehr abgewetzt durch den Geldbeutel hinten rechts.

Die offenen Fragen die noch zu klären sind, wie viel hergestellt werden müsste und wie man es unter Kontrolle hält. Ob Geldwäsche so schwerer oder leichter würde und wie das ist mit den fremden Währungen. Dies zu beantworten braucht noch eine Weile, da sich in den meisten Fällen es sich so verhält wie bei der Europäischen Zentralbank die noch keine Notwendigkeit sieht darauf komplett umzustellen.

Dass das Modell “Digitales Geld” im großen und ganzen funktioniert wie man bei Bitcoins EC-Karte und Kreditkarte sieht wäre es eigentlich eine Überlegung Wert die Lage einfach so zu lassen wie es aktuell ist und die zwei Wege parallel laufen zu lassen. So hätte jeder die Möglichkeit so zu bezahlen wie er es möchte aber die Kontrolle über das Geld wäre trotzdem noch gegeben.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/europaeische-zentralbank-bargeld-bitcoin-digitale-waehrung-euro/seite-2 (zuletzt abgerufen: 06.05.2017)

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