Kurz mal schnell was gemacht
“Kannst du das mal schnell machen? Du hast doch bestimmt Photoshop und kennst dich damit aus.” — Ein Zitat das bestimmt jeder der entfernt mit Gestaltung zu tun hat bestimmt kennt.
Photoshop, kaum ein anderer Name hat in der Gestaltung in der digitalen Zeit sich breit gemacht wie dieser. Er gilt als Wunderwaffe gegen alles was nicht schön ausschaut und gegen jedes gestalterische Problem was sich erdenken lässt. Wenn man von Gestaltung keine Ahnung hat auf jeden Fall. Das riesengroße Halbwissen was sich mit der digitalen Revolution in den Köpfen der normalen Menschen angesammelt hat macht das Leben eines studierten Gestalters nicht einfacher. Jeder der irgendwo ein Programm auf seinem Computer rumliegen hat nennt sich mittlerweile Gestalter und kennt auch den Cousin dritten Grades von dem Nachbarn quer über die Straße der mit seinen zwölf Jahren sich Photoshop gecrackt hat und damit jetzt “ganz ganz tolle Plakate machen kann”. Ein bisschen Schlagschatten ein bisschen Verlauf und noch eine tolle Struktur aus dem Internet drüber, gemischt mit einer fancy Schriftart und fertig ist das Meisterwerk.
Dei Meinung das man nur tolle Programme braucht um gut zu gestalten ist leider schon ziemlich fest in den Köpfen verankert. Der Research und die ganze Vorarbeit, alles was man später “nicht sieht”, wird dabei vergessen und ist doch eigentlich auch nicht nötig oder. Es reicht ja wenn “du nur ganz schnell was machst, muss nicht aufwendig sein”. Nur leider bedeutet das in den meisten Fällen schnell was hinzuschludern und auf dem Niveau von Fiverr zu arbeiten. Das ein studierter Gestalter sowas eigentlich nicht machen kann weil er dadurch seinen Namen und Ruf kaputt macht beachten viele nicht, sie müssen die Kosten für den Umzug und die Namensänderung ja nicht zahlen.
Durch die Reduzierung von den vielen technischen Geräten die früher noch gebraucht wurden um zu gestalten oder andere kreativen Tätigkeiten auszuführen hat natürlich auch zur Folge dass viele meinen wenn sie die technische Möglichkeit schon haben können sie es auch gleich machen. Da man heute eigentlich nur noch den Computer braucht kann dadurch jeder der einen hat ja auch alles machen und so entstehen transmediale Arbeiten heute als one man show. Der Gestalter macht also schlussendlich auch viele Sachen die er gar nicht gelernt und hinterfragt hat. Und so machen Produktgestalter Plakate, Interaktionsgestalter übernehmen Fotografische Arbeiten und Kommunikationsgestalter machen Videos. Jeder prescht in das Berufsfeld des anderen hinein und macht dadurch den Markt und auch weiter die Vorstellungen in den Köpfen der Menschen kaputt. Können wir uns nicht einfach in die gute alte Zeit zurückversetzen als der Fotograf noch fotografierte, der Gestalter für die grafische Umsetzung und das Konzept zuständig war und der Programmierer das dann digital umsetzte? Wieso muss jeder heute ein all in one Genie sein dass sich in jedem Bereich super gut auskennt — und sind wir doch mal ehrlich, wer kann das schon von sich behaupten. Es ist keine Schande Hilfe von Spezialisten zu brauchen und anzufordern, nur im Team entstehen gute arbeiten. Leider ist es heute ein Eingeständnis von Schwäche jemanden zu fragen ob er mit seinen Kernkompetenzen helfen kann und bevor man dann für gut gemachte Arbeit auch noch bezahlen muss macht man es lieber dann doch selbst. Die Leute sehen den Unterschied doch eh nicht.