Der Mensch und das Knurren — Teil 1

Ich habe bei Facebook einige Hundeseiten abonniert, natürlich nur wegen meines Berufes. Bei dem folgenden Bild, bin ich in’s Grübeln gekommen:

“Einen Hund für das Knurren zu bestrafen, ist wie die Batterie aus dem Rauchmelder nehmen” Zitat von TheDoggyLady

Es ist natürlich absolut wahr. Wer seinen Hund für das Knurren bestraft, der nimmt seinem Hund ein wichtiges Ausdrucksmittel. Für mich stellt sich im Moment eine andere Frage. Warum? Warum wollen wir nicht, dass unser Hund knurrt?

Ursprung des Hundetrainings

Entgegen meiner eigenen Erwartung stammt das moderne Hundetraining nur zum Teil aus der Dressur von Tieren für die Show. Der moderne Aspekt, also Clicker und Co. stammen aus diesem Bereich. Das Hundetraining selbst, also das Ausbilden von Hunden zu einem bestimmten modernen Zweck, stammt aus dem Militär. Ein moderner Zweck ist alles, was nicht der Jagd oder dem Ziehen von Karren dient. Diese Aufgaben bewältigten Hunde schon wesentlich länger.

Ein Hund, der wichtige Kabel zur Kommunikation verlegt. Quelle: Zhukov’s History Emporium

Aufgaben wie das verbringen von Medikamenten und verlegen von Kabeln wurden für Menschen zu gefährlich. In solchen Momenten glänzte dann unser bester Freund. Im Angesicht neuer Gefahren, wie des neu entwickelten Fahrezeugs mit dem Namen “Panzer”, bekam auch der Hund neue Aufgaben. Er kroch beladen mit Sprengstoff darunter und — wurde gesprengt. Eine Taktik, die auch im zweiten Weltkrieg wieder aufgegriffen wurde.

Ein Hund der, “bewaffnet” mit einer Sprengfalle, unter einen Panzer des zweiten Weltkrieges kriechen soll. Quelle: Gizmodo

Diese Taktik wurde, nach meinen Informationen, nicht sonderlich oft verwendet. Schließlich flossen mindestens ein Jahr und einige Monate Training in jeden Hund und es gab weitaus nützlichere Aufgaben für die Vierbeiner. Der lebende Beweis dafür ist Sergeant Stubby, der am höchsten dekorierte Hund des ersten Weltkrieges. Er hörte Artilleriegranaten lange vor seinen menschlichen Kameraden und warnte alle Beteiligten vor den Geschossen.

Die Disziplin fehlt

Genug Ausflüge in die Vergangenheit — was soll das Ganze? Jetzt, da wir wissen woher das Training stammt, können wir auch unser Problem mit dem Knurren genauer entschlüsseln. Im Militär, ich war selbst neun Monate ein Teil davon, werden einige Dinge groß geschrieben. Das wichtigste ist jedoch:

Die Disziplin

Diese hat sich auch in unsere Haushalte geschlichen. Jeder Hund soll brav “Sitz” machen, gehorchen, wenn ihm befohlen wird und gewiss nicht Widerwort leisten.

Es gibt sicherlich kein deutlicheres Widerwort als das Knurren! Quelle: Wikimedia Commons Autor: Smerikal

Wenn wir uns in unserer Trainingskultur von dem Gehorsam ohne Widerwort lösen können, können wir auch unser Problem mit dem Knurren lösen.

Er knurrte — ich strafte!

Wir wollen das unser Hund brav ist. Knurren gehört als Drohung nicht in das Repertoire eines braven Hundes. In Folge dessen bestrafen wir ihn für das falsche Verhalten. In den meisten Fällen wird eine körperliche Strafe folgen, also Schmerz (auch Anschreien fällt unter Schmerz, Hunde hören schließlich 200 Mal besser als wir).

Folgt man den Grundlagen der Lerntheorie für Hunde, heißt das, der Hund lernt sein Verhalten zu unterdrücken, denn:

Strafen, die negative Dinge wie Schmerz, hinzufügen, sorgen NIE für die Löschung von Verhalten, sondern NUR für die Unterdrückung.

Unser Problem ist also gelöst! Der Hund knurrt nicht mehr. Ergeben sich daraus wirklich neue Probleme? Wenn ja, warum?

Wie schon erwähnt nehmen wir unserem Hund mit dieser Strafe ein wichtiges Mittel, um seine Gefühlslage auszudrücken. Dieses fehlende Glied übernehmen zwei anderen Warnstufen. Der Hund starrt intensiver. Diese Stufe der Warnung fällt uns schwer, die meisten Menschen nehmen sie gar nicht wahr. Da dem Hund auch das Starren nichts nützt, setzt er ein was ihm übrig geblieben ist — Seine Zähne.

Auf ein Wort

Die Grundlage unseres Hundetrainings ist das Militär. Das heißt aber nicht, dass wir unserem Hund ein wichtiges Ausdrucksmittel nehmen sollten, nur um die Disziplin aufrecht zu erhalten!

Wenn ihr die Batterien aus eurem Feuermelder nehmt, wundert euch nicht, wenn ihr verbrennt!

Ein Hund der nicht knurren darf, weil er dafür bestraft wird, beißt möglicherweise. Hunde knurren oft nur, weil wir Fehler gemacht haben. Fasst euch an die Nase. Denkt nach! Wo liegt die Ursache für den knurrenden Hund?

Welche Signale sendet unser Hund vor dem Starren und Knurren? Was machen, wenn der Hund geknurrt hat? Antworten darauf im zweiten Teil!

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