Von gestohlenen Handys und pixeligen Spielen

Mein iPhone ist ein hochmodernes Smartphone mit allem drum und dran. Ich freue mich trotzdem am meisten über so richtig pixelige Games.

Hyperkin hat angeblich vor aus dem iPhone einen richtigen Gameboy zu machen. (Quelle: MobileGeeks)

Es war einmal…

An einem Herbstabend schließen meine Kollegin und ich den Laden ab. Es war eine lange, ruhige Schicht, bei der es am Ende dann doch noch einmal Turbulent wurde. Vor meiner Schicht im Kaffee hatte ich schon einige Stunden im Labor gearbeitet. Zwölf Stunden war ich also jetzt unterwegs, wach war ich noch länger.

Der Laden ist abgeschlossen, wir umarmen uns zum Abschied. In dieser milden Nacht hatte sich meine Kollegin entschlossen mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Ich entschloss mich zur U-Bahn zu spazieren und dann in einem von der gelben Wagons Richtung heimat zu gleiten.

Selbst wenn ich nicht eingeschlafen bin, Müdigkeit gräbt sich in das Gehirn und schaltet dort langsam, Stück für Stück, Synapsen aus. Jeder kennt ihn, den Punkt, an dem wir anwesend, aber auch abwesend sind.

In der Bahn checke ich mein Smartphone, wie immer gleiten meine Finger routiniert über den Bildschirm. Von Facebook zu Twitter und wieder zurück. Meine Station nähert sich. Ich schmeiße mein Handy einfach in den Rucksack. Vorne in die kleine, praktische Tasche. Dort finde ich es immer schnell wieder.

Auf dem Heimweg fällt mir auf, dass sich mir jemand auffällig nähert. Es ist längst dunkel in Berlin und ich laufe in eine Seitenstraße. Noch gehe ich in meinem normalen Tempo, aber die Person schließt erschreckend nahe auf. Zu nah für meinen Geschmack und ich schlage beunruhigt ein eiliges Marschtempo an. Es scheint zu funktionieren, mein Tempo zwischen gehen und joggen schüttelt den Verfolger ab. Ich habe mich nicht umgesehen, wahrscheinlich war das nur einer dieser paranoiden Großstadtmomente. Schließlich lebe ich seit 25 Jahren hier und mir ist noch nie etwas passiert!

Endlich daheim. Endlich in mein Bett, endlich meine Freundin in den Arm nehmen. Alle Lichter sind gelöscht, die Ampel an unserer Straße ist schon deaktiviert. Ich freue mich einfach auf zu Hause.

In dem Moment, wo ich meinen Schlüssel aus der Tasche krame fällt es mir auf.

Die praktische, kleine Tasche… Hatte ich die nicht zugemacht?
… Fuck

Mein Smartphone ist weg. Ich fange an wild zu wühlen. Es gibt wichtigere Dinge, die hoffentlich noch vorhanden sind. Ich krame und suche als hätte dieser kleine Beutel endlosen Tiefen. Ich bete. Ich hoffe.

Gott seit Dank. Schlüssel und Portemonnaie sind noch da. Nur das Handy ist weg. Ich setze mich kurz. Das Herz klopft weniger, das Adrenalin lässt nach. Meinem Körper fällt wieder ein, wie erschöpft er ist. Bitte, geh endlich schlafen.

Neues Smartphone, neues Glück

Den darauf folgenden Tag habe ich komplett frei. Gestresst starte ich eine Suche durch den Apple Support und melde den Diebstahl der Polizei über eine Online Funktion. Mir ist ziemlich schnell klar, dass ich dieses Handy wohl nicht wieder sehen werde.

Eine kognitive Dissonanz baut sich in mir auf. Stöbern und suchen, vergleichen und gucken. Ich recherchiere gerne und neue Technik kaufe ich wirklich sehr gerne. Trotzdem habe ich erst gerade etwas Geld sparen können und ich wurde bestohlen. Bestohlen! Mitten in der Nacht, mitten in Berlin.

“Schatz, warum muss es ein iPhone sein?”
“Für den Komfort.”
“Und warum das größte iPhone?”
“Komfort?”

Ich hatte mich schnell für ein neues Gerät entschieden. Ein iPhone 6 Plus. Ein modernes Smartphone mit allen nötigen Details.

Zwei Dimensionen voll scheinbar unendlicher Möglichkeiten

Jetzt sitze ich hier. Mit einem Display, mit so viel Detail, das auf ihm keine Pixel zu erkennen sind. Bei jedem neuen Gerät, lade ich erst einmal alles runter. Hauptsächlich die Apps, die ich vorher auch schon einmal hatte. Vielleicht verändern sich die Spiele ja durch das neue Gerät. Wer weiß das schon?

Nach einiger Zeit, bestehend aus Runterladen, Installieren und Deinstallieren, dominieren jetzt liebevoll gezeichnete Pixelsprites mein iPhone. Gemeinsam mit ihnen stürze ich mich in allerlei Gefahren. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich diese Sprites echt gerne wiedersehe.

Slayin ist wahrscheinlich mein absolutes Lieblingsspiel, wenn es um Spielzeit geht. Sound, Design, einfach alles passt zusammen. Ich bin froh, es für mich wieder entdeckt zu haben.

Als ich Slayin das erste Mal gestartet habe, war ich mir gar nicht bewusst, auf was für ein Abenteuer ich mich einlasse. Jede Minute, die in diesem Spiel vertickt, macht es ein bisschen intensiver. Mehr Monster, andere Monster und ab und zu der Händler, der wie ein Rettungsschiff am Horizont in einer der beiden Ecken des Raumes auftaucht. Die Steuerung ist nicht besonders kreativ, sie fühlt sich dafür aber fantastisch an und der Soundtrack ist großartig.

Das Studio Nitrome versucht sich immer wieder an neuen Ideen. Ich finde es faszinierend, wie viel sie aus dem Touchscreen als Steuerungselement heraus holen. Sie verzichten auf eingeblendete Buttons und nutzen das, was der Touchscreen ihnen bietet. Zusätzlich zu den innovativen Steuerungsmöglichkeiten bieten alle Spiele von Nitrome einen einzigartigen Look. Jede Woche in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag kommen neue Spiele im App Store raus, ob eines von Nitrome dabei ist, erkennt jeder Fan sofort.

Die Spiele von Nitrome sind fast alle interessant. Mein Favorit ist aber “Vault”. Das Spiel mit der Bohne, die stabhochspringt. Es bietet einen tollen Twist für das Genre Endless Runner.

Ein ganz neues Spiel, dass viel Aufmerksamkeit bekommen hat, ist Downwell. Es ist wie Slayin und ein bisschen wie Bayonetta. Vor allem ist es aber großartig. Genau wie in Slayin ist es das einfache Prinzip, dass diesen Arcadetraum für mich so gut macht. Einfach fallen und schießen. Ab und zu noch ein Upgrade. Es ist nicht viel, was Downwell bietet. Gute Spiele brauchen manchmal eben einfach nicht viel.

Bei dieser Serie hätte ich selbst nie gedacht, dass sie mir so gut gefällt. Tower of Fortune hat vor kurzem den dritten Teil veröffentlicht und ich habe den ersten Teil jetzt noch einmal installiert. Damit habe ich einen alten Dämon wieder erweckt.

Beide Spiele haben eine extreme Pixeloptik, gerade wegen dieses Minimalismus in Design und Gameplay gefallen sie mir. (Downwell Screenshot Quelle: Downwell Website)

Das Spiel bietet kaum mehr als eine einfache Slotmachine, die als Mechanik für den Kampf genutzt wird. Dabei wird das Setting relativ düster dargestellt und zusätzlich werden einige kleine RPG Mechaniken eingestreut. Es wäre viel Platz gewesen, um Geld aus den Taschen der Spieler zu ziehen. Eine Slotmachine ist nun einmal eine Slotmachine, aber der Entwickler GameStew sieht ab von solchen Methoden. Gold zu kaufen ist zwar möglich, aber unnötig, wenn der Spieler es nicht super eilig hat.

Auf ein letztes Wort…

In den letzten Jahren dominieren Pixel die Indieszene. Retro ist so in, dass es den meisten Leuten inzwischen zu den Ohren raus kommt. Dieses Symptom ist bei mir aber noch lange nicht zu spüren.

Mein Traum ist es, das ich irgendwann einfach mein iPad aufstelle, einen Controller meiner Wahl in die Hand nehme und dann zocke ich Spiele von der Qualität eines NeoGeo oder Super Nintendo. Je arcadiger, desto besser ist es für mich! In Teilen ist das ja schon möglich, auch wenn ich erst einmal ein neueres iPad dafür brauche (dessen Anschaffung durch den Diebstahl in unendliche Ferne gerückt ist).

Ich bin gespannt, welche Pixelperlen die Indie-Entwickler dieser Welt im Laufe des Jahres noch für mich bereit halten.

➤ Alles rund um das Thema Games bereitet mir Freude und ich stehe auf Twitter jeder Zeit für euch bereit — Also schreibt mir!

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