Mercedes SLK: Ein Roadster mit Update-Bedarf und Fun-Faktor


Der Mercedes SLK 250. Ein Roadster, den ich zwei Wochen lang über Deutschlands Straßen jagen und ausführen durfte. Über 2.500 Kilometer. Und ich bin zwiegespalten. Der Wagen wirkt wie ein altes, englisches Schloss. Schön anzuschauen, klassisch anmutend, zugleich veraltet und etwas schrullig. Was das Käuferpublikum nicht stört.

Der meistverkaufte Roadster Deutschlands

Doch, in der Tat, der SLK verkauft sich gegenüber den vergleichbaren Modellen mit Abstand besser. Vom SLK wurden 2013 insgesamt 4.928 Einheiten zugelassen. Der BMW Z4 kommt auf 2.569, der Audi TT Roadster auf 1.606 und das Jaguar F-Type auf 724 neu zugelassene Einheiten. Selbst wenn man das Audi A3 Cabrio hinzuzieht, reicht es nicht: 1.265 Kunden konnten sich für dieses Modell begeistern.

Woran es liegt? Am Preis sicherlich nicht. Das 250er Modell — das ich fuhr — kostete in der Ausstattung rund 70.000 Euro. Klar ist der Preis immer und zuerst der erste Faktor beim Kauf. Kein Wunder, dass mit 2.991 SLK 200ern — das Einsteigermodell —weit mehr als die Hälfte aller SLKs zugelassen wurden. Die o.g. Konkurrenten bringen allerdings preislich kaum weniger auf die Waage, wenn sie nicht quasi nackt auf die Straße kommen sollen. Was markant auffällt, ist der Anteil der Zulassungen für die Privatnutzung: Mit 52% kommt der Mercedes SLK auf einen Spitzenwert (Z4: 38%, TT: 22%, F-Type: 24%, A3: 24%). Kann das mit ein Grund sein, warum der SLK den anderen Roadstern den Verkaufsrang so deutlich abläuft? So recht kann ich mir den Unterschied zwischen gewerblicher und privater Nutzung nicht erklären. Womöglich liegt es daran, dass er bei den weiblichen Käuferinnen gut ankommt?

Der SLK ein Frauenauto?

Statistisch gesehen kann man die Frage recht einfach mit einem klaren Nein beantworten: Egal ob man den 200er, 250er, 250er CDI, 350er oder 55er AMG betrachtet, es sind nur 14% als weibliche Halterinnen registriert. Übrigens, beim Z4 sind es 13%, beim TT 11%, beim F-Type 5% und beim Audi A3 13%. Auch nicht großartig anders. Womöglich hat dann der SLK etwas Besonderes, was im Technischen verborgen liegt? Irgendeinen Kniff, zum Beispiel ein sich exorbitant schnell schließendes Verdeck?

Das Schneckendach

Der SLK nervt. Ehrlich! Der Motor muss laufen. Erstens. Zweitens, das Auto muss stehen. Und drittens muss man lange 22 Sekunden warten, bis das Verdeck offen oder zu ist. Das kann an einer Ampel schon mal kurz werden. Und wenn man losfahren muss? Verharrt das Verdeck in dem Zustand, in dem es sich befindet, halb geöffnet. Und es piept und warnt! Bis man irgendwo wieder stehenbleibt.

Die Verschlusszeitendramas im direkten Vergleich mit einigen Auswahlmodellen:
- SLK 22 Sekunden, 0 KM/h
- Z4 20 Sekunden, 0 KM/h
- BMW 3er Cabrio 22 Sekunden, 0 KM/h
- BMW 1er Cabrio 22 Sekunden, bis 40 KM/h
- E-Klasse Cabrio 20 Sekunden, bis 40 KM/h
- Audi TT Roadster 12 Sekunden, bis 50 KM/h
- Audi R8 Spyder 19 Sekunden, bis 50 KM/h
- Audi A3 Cabrio 9 Sekunden, bis 30 KM/h

Audi setzt hier klar die Benchmark. Kurz (es muss ja nicht blitzschnell sein) und man kann fahren. Punkt! Es gibt aber noch weitere Punkte am SLK, die mich gestört haben.

Was noch nervt

Die Ablagemöglichkeiten sind im SLK mehr als bescheiden. Niemand erwartet einen Kofferraum, in den ein Kinderwagen hineinpasst. Aber man wird doch noch irgendwie irgendwas in den Türen ablegen können, ohne sich die Finger zu verrenken. Ne. Kannste außer Taschentücher-Müll knicken. Und die Mittelkonsole bietet auch kaum etwas an.

Wer mit dem Wagen nicht nur cruisen will, sondern die 244 KM/h ausfahren möchte, wird ab 160 sein Ohrenwunder erleben. Es wird im Wageninneren dermaßen laut, so dass man sich fragt, ob da wirklich ein Stern auf dem Lenkrad prangt.

Die Mittelkonsole mag damals 2011 wirklich nett ausgesehen haben. Aber heute wirkt das Comand-Infotainment Syetem überfrachtet und überladen. Hier zeigt der neue Audi TT Roadster klar auf, was ein schöner, aber aufgeräumter Innenraum bedeutet. Gerne auch benzig-wohlfühlig, aber nicht mehr diese Armada an Schaltern. Das ist so 2000er.

Warum verkauft sich der SLK so gut?

Und nun? Was nun? Letztlich entscheidet bei einem Roadster das offene Fahren. Das Aussehen des Wagens, eben der zweite Faktor nach dem Preis. Und natürlich die Alltagstauglichkeit, zur Not auch mal längere Strecken bewältigen zu können. Beim Letzteren gilt: Es ist ein Mini-Benz und so fährt er sich. Gemütlich. Über den Preis kann man ebenfalls nicht meckern. Der ist im Wettbewerbsumfeld üblich.

Womöglich ist es dann doch der klassisch anmutende Innenraum, der edel und luxuriös (mir zu altbacken) herüberkommt und wunderbar zum offenen Cruisen passt? Und natürlich das Kleid nicht vergessen. Ich habe selten in einem Auto gesessen und derartig viele Daumen-Hochs bekommen. Was mit dem Urteil mehrer Autobegleiterinnen einhergeht, die den Wagen testhalber nutzen und ausfahren konnten (Rhein-Main, Hannover und Hamburg), bei gute und schlechtem Wetter: “Er sieht einfach klasse aus”. Eine ist Bloggerin und hat natürlich darüber geschrieben: Der Mercedes SLK 250 – ein Roadster der Fahrspaß garantiert.

Technische Macken hin, Altbackenes her, der Wagen wirkt in Verbindung mit seinem Design und spricht anscheinend daher so viele Käufer an, so dass der Wagen fast an die 50% Anteilsmarke im Premium-Roadster Bereich kommt (Porsche habe ich nicht dazugezählt, da ich den unter Sportwagen einnorde).

Also lassen wir zum Abschluss die Bildersprache auf uns wirken:

Mich läßt der Wagen etwas ambivalent zurück. Fun ja, Aussehen außen geschmackvoll (für manch einen zu pompös, der lieber ins klarere Designsprachenregal von BMW oder Audi greift), Innenraum altbacken, Technik dringend update-bedürftig.

Mein Dank an Daimler, die mir den Testwagen für zwei Wochen überlassen haben. Und ebenso Dank an Sandra Schink, die diese tollen Fotos gemacht hat, zu denen ich nicht einmal ansatzweise in der Lage bin☺ Ich bin mehr für die quietschibunti-artificial-filter Fotos zuständig. Seht Ihr schon;)