Alt aber Geil?


Immer dann, wenn es um automobile Wunder aus der Vergangenheit geht — wir nennen sie Oldtimer -, nehme ich dieses Wort in den Mund: “Oh, ein 386er”. Es ist weniger bewundernd gemeint, sondern mehr der Tatsache geschuldet, dass ich mit Oldtimern im Grunde nicht viel anzufangen weiß. Alte und veraltete Maschinen auf vier Rädern. So wie der 386er PC, alt und veraltet.

Meine Skepsis gegenüber diesen Maschinen ist nicht von der Hand zu weisen. Im Vergleich zu modernen Autos? Ich kann mich während einer Autobahnfahrt nicht zurücklehnen, den Lane Keep Assist die Spur und den dynamischen Abstandsregler automatisiert beschleunigen lassen. Ich habe weder Musik, noch Navi, weder Totwinkelwarner noch Bremsassisten, die mir Komfort und Sicherheit schenken.

Wie könnte demnach so eine Altmaschine dagegen schon anstinken? 386er gegen Intel I7 Turbo? Also habe ich mich zusammen mit der Fotografin Sandra Schink aufgemacht, um mir zu beweisen, dass es keinen Grund zur Faszination gibt. Zu den Classic Days am Schloss Dyck. Alt und Geil? Von Wegen! Alt und Lahm?

Schauen wir uns also die Beweisfotos an, die meine These bestätigen sollen. Begehen wir eine kleine Reise:

Und kommen wir gleich zu einem weichgelutschten Rücken, und die Front erst, wie kann man nur…

Ein Rücken der entzücken will… ach ja, nach der Scroll-Orgie die Front…

Das da nannte sich also Porsche. Aber beginnen wir die eigentliche Reise im Mutterland des hässlichen Automobil-Designs, so sagt man. USA. Land der Freiheit und großen Schlitten mit viel zu großen Motoren, die im tiefsten Bariton derart dahinbrabbeln, bis der Magen sich am Rücken anlehnt. Say Stingray

Sowieso, seit wann können Amis schicke Autos bauen?

Schauen die Mitfahrer daher so ernst drein?

Aber nicht nur die waren… zugegeben way cool, auch die Front ist very way cool

Und diese bullige Front erst, da braucht man ja ganze fünf Smart-Parkplätze:

Was also angesichts größter Parkplatznot könnte der Grund sein, dass diese Dame beim Anblick eines Plymouths so gut gelaunt ist?

Eine Randbemerkung: Auf Computermessen habe ich merkwürdigerweise das Fachpublikum nie derart fröhlich über 386er fachsimpeln gesehen. Strange das!

Fliegen wir von den USA nach Italien. Die ja angeblich so schöne Formen bauen konnten? Alfa, Fiat, Maserati, Lamborghini. Würde Euch etwa so eine Form begeistern können?

Alfa Romeo Montreal:

Fiat Dino

Der einzig wahre Lamborghini, von und zu Countach, ein echter Dreckskerl unter den Autos.

Maserati… well… ja… warum nicht…

Gut, zugegeben, die Italiener überzeugen womöglich durchaus, aber wer weiß das schon so genau. Das Autofieber grassierte natürlich nicht nur in Italien. Sogar die Belgier hatten eigens mit einer Göttin namens Minerva ihre Aufwartung vor Automobilkunden gemacht, nur um eines der zur damaligen Zeit edelsten Automobile der Welt zu erschaffen, das einem Rolls Royce in nichts nachstand und unter den Hochadligen Europas bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs heiß begehrt war.

Wo die Belgier sind, sind die Franzosen natürlich nicht weit weg. Würdet Ihr etwa diesen Citroen fahren?

Schwimmen wir schnell eine Runde von Frankreich über den Ärmelkanal. England. Es ist nicht nur das Mutterland des Fußballs. Neben Deutschland ist es auch das Mutterland der Automobilisten. Nachvollziehbar?

Von England geht die Reise nach Deutschland. Wer kennt sie nicht? Sinnbilder des Deutschen Wirtschaftswunders. So sah mal ein Volkswagen aus:

Und so sah ein Mercedes Benz aus, Ihr würdet doch da nicht etwa einsteigen und losfahren wollen?

Eine Schnauze, die auch ein Bett sein könnte. Mit Flügeltüren und Schaltern

Ja, ja, ein Mercedes. Die hatten schon was. Und Porsche? Täusche ich mich oder schaut der Herr hinter dem Lenkrad irgendwie beseelt drein?

Lag es nur am schönen Wetter? Den wundervoll passend zum Anlass gekleideten Damen? Oder am Porsche selbst?

Wir trafen sogar auf Menschen, die ihren Traum selbst erschufen. So diesen Lehrer in Ruhestand, der seit fast 50 jahren nach dem inspirierenden Hinweis seines Vaters an seinem Unikat schraubt: “Wenn Du unbedingt ein Auto haben willst, dann musst Du es Dir schon selber bauen!”. Gehört, getan! Und was für ein Unikat es geworden ist!

Der gute Mann nennt sein Werk “Beradino”. Über 10.000 Arbeitsstunden. 1968 erstmalig drangesetzt, um sich seinen Traum zu erfüllen. Einen Porsche 911 Motor hinten platziert. Inklusive einer Messkonsole, Umschaltern im Motorraum zum Starten und zur Belüftung des Wagens. Aber ja doch, der Wagen hat eine Straßenzulassung!

Die Beweisfotos sprechen eine eigene Sprache für sich, wie Ihr oben sehen konntet. Es mag durchaus sein, dass es einige unter uns gibt, die sich für diese Altmaschinen begeistern können und weiterhin begeistern werden.

Aber es gibt Hoffnung! Unsere Kinder werden sicherlich nicht in diese automobile Trance… doch… sie werden! Denn sie tun es bereits

Ich beging eine Reise und muss nun zugeben: Ja, verdammt, es gilt tatsächlich Alt und Geil!

Ich hoffe, Ihr habt ebenso wie ich diesen Blick in eine tolle, automobile Vergangheit genossen. Großen Dank für diese tollen Bilder, Sandra (mit noch mehr tollen Bildern)!

Besten Dank auch an Volkswagen für die Einladung zu den Classic Days!

Anbei noch einige Pressefotos (VW) zum Mitlunzen:

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