Mit Erlaubnis zur Übersetzung. Von Nik Custodio (@nik5ter). Ursprünglich veröffentlicht hier bei Medium unter dem Titel: “Explain Bitcoin Like I’m Five”.

Wir sitzen auf einer Parkbank. Es ist ein toller Tag.
Ich habe einen Apfel dabei. Ich gebe ihn dir.
Du hast jetzt einen Apfel und ich habe keinen Apfel mehr.
Lass uns mal genau hinschauen was gerade passiert ist:
Mein Apfel wurde dir physisch in die Hand gelegt.
Du weißt, dass es passiert ist. Ich war da. Du warst da. Du hast ihn berührt.
Wir benötigen keine dritte Person um diese Transaktion auszuüben. Wir benötigen auch nicht Onkel Tommy (welcher ein berühmter Richter ist), der mit uns auf der Parkbank sitzt um zu bestätigen, dass der Apfel von meinem Besitz in Deinen übergegangen ist.
Der Apfel gehört dir! Ich kann dir keinen weiteren Apfel mehr geben, weil ich Keinen mehr habe. Ich kann den Apfel, den du jetzt hast nicht mehr kontrollieren. Der Apfel hat komplett meinen Einflussbereich verlassen. Du hast nun die volle Kontrolle über den Apfel. Du kannst ihn deinem Freund geben wenn du möchtest, und dieser kann ihn wiederum seinem Freund geben und so weiter.
So sieht ein echter physischer Austausch aus. Es wäre dasselbe als wenn ich dir anstatt eines Apfels eine Banane gegeben hätte, ein Buch oder sagen wir eine 50-Cent-Münze oder einen 5-Euro-Schein.
Zurück zu Äpfeln!

Nun angenommen: ich habe einen digitalen Apfel. Hier hast du ihn. Ich gebe dir meinen digitalen Apfel.
Aha! Jetzt wird es interessant!
Woher weißt du, dass genau dieser digitale Apfel, welcher vorher meiner war, nun deiner ist und wirklich dir gehört? Denk’ da mal eine Minute darüber nach.
Ist ein wenig komplizierter, stimmt’s? Woher sollst du wissen ob ich den digitalen Apfel nicht vorher schon als E-Mail-Anhang an Onkel Tommy geschickt habe? Oder an deinen Freund Peter? Oder auch an meine Freundin Jenny?
Vielleicht habe ich ja mehrere Kopien des Apfels auf meinem Computer gespeichert? Vielleicht stelle ich den Apfel sogar ins Internet und Millionen von Menschen laden ihn sich runter.
Wie du hier schön sehen kannst, ist dieser digitale Austausch schon eine erheblich komplizierte Angelegenheit. Digitale Äpfel auszutauschen hat wenig damit zu tun, echte physische Äpfel auszutauschen.
Ein paar extrem schlaue Computerwissenschaftler haben sich für dieses Problem sogar einen eigenen Begriff einfallen lassen: dies nennt man das Double-Spending-Problem. Aber mach dir deswegen keine Sorgen. Alles was du hier wissen solltest, ist, dass dieses Problem eine ganze Weile lang ungelöst blieb.
Aber lass uns doch eine eigene Lösung des Problems finden.
Kontenbücher

Idee: Evtl. sollten diese digitalen Äpfel in einer Art Kontenbuch überwacht werden. Es wäre im Grunde ein Buch, in dem alle Transaktionen eingetragen werden — ein Buch zur genauen Buchführung sozusagen.
Dieses Kontenbuch, welches ja digital wäre, müsste in seiner eigenen Welt existieren und jemanden haben, der sich darum kümmert.
Im Grunde wie bei World of Warcraft. Blizzard, die Jungs die das Computerspiel entwickelt haben, führen auch ein Art digitales Kontenbuch, in welchem alle flammenden Feuerschwerter verzeichnet sind, die sich im gesamten System befinden. Cool! Also jemand, wie diese Jungs, könnte auf unsere digitalen Äpfel aufpassen. Klasse—Problem gelöst!
Probleme
Leider gibt es hier einige Probleme:
- Was ist wenn einige der Jungs von Blizzard heimlich mehr erstellen? Jemand trägt einfach ein paar mehr dieser digitalen Äpfel auf sein Konto ein, wann immer sie oder er Lust dazu hat!
- Es ist nicht dieselbe Situation wie auf der Parkbank. Da waren nur du und ich anwesend. Blizzard zu nutzen, ist wie Onkel Tommy (einen Dritten) aus seinem Gericht zu uns zu rufen (habe ich schon erwähnt, dass er ein berühmter Richter ist?) und das für jede unserer Transaktionen. Wie kann ich dir bloß meinen digitalen Apfel über —du weisst schon— “den normalen Weg” geben?
Gibt es einen Weg, um unsere Transaktion auf der Parkbank, nur du und ich, auf digitale Art und Weise zu vollziehen? Hört sich schwer an…
Die Lösung

Was wäre wenn wir dieses Kontobuch Jedem geben würden? Anstelle eines einzigen Kontobuchs auf einem Server von so etwas wie Blizzard, würde es sich auf jedem Computer befinden. Alle Transaktionen, die jemals getätigt wurden, seit der ersten Transaktion, stehen in diesem Buch drin.
Man kann es nicht manipulieren. Ich kann dir keine digitalen Äpfel senden, die ich nicht habe, weil sich das nicht mit dem System synchronisieren liesse. Es wäre zudem ein extrem starkes System, was zu manipulieren wäre — vor allem wenn es später sehr groß wird.
Das System wird es nicht von einer einzelnen Person kontrolliert. Somit ist da auch niemand, der einfach entscheiden kann, sich mehr digitale Äpfel zu geben. Diese Regeln wurden schon ganz am Anfang so gesetzt. Der Code und die Regeln sind Open-Source—du weißt schon, so eine ähnliche Software, wie die, die in dem Android-Smartphone deiner Mutter verwendet wird. Oder wie Wikipedia: es ist da, um von schlauen Menschen erweitert, betrieben, gesichert, verbessert und geprüft zu werden.
Du kannst dich an diesem Netzwerk auch selbst aktiv einbringen, das Kontobuch aktualisieren und mit drüber schauen ob auch alles fehlerfrei funktioniert. Für diesen Aufwand kannst du sogar 25 digitale Äpfel als Belohnung erhalten. Um ehrlich zu sein, dies ist sogar der einzige Weg um in diesem System neue digitale Äpfel zu erzeugen.
Ich habe hier einiges vereinfacht dargestellt
…aber dieses System gibt es genau so wirklich. Man nennt es das Bitcoin-Protokoll. Und diese digitalen Äpfel sind die “bitcoins”. Raffiniert!
Also siehst du nun was passiert ist? Was ermöglicht dieses öffentliche Kontobuch?
- Es ist Open-Source. Erinnerst du dich? Die Gesamtzahl aller möglichen Äpfel wurden ganz am Anfang im Kontobuch festgelegt. Ich kenne die genaue Anzahl. Innerhalb des Systems weiß ich, das sie limitiert (knapp) ist.
- Wenn ich eine Transaktion tätige, weiß ich, dass mein digitaler Apfel nachweißlich meinen Einflussbereich verlassen hat und vollständig dir gehört. Dies wird im öffentlichen Kontobuch eingetragen und somit verifiziert.
- Weil es ein öffentliches Kontobuch ist, benötige ich nicht Onkel Tommy (eine dritte Person) um zu beweisen, dass ich nicht betrüge, mir heimlich Kopien anfertige oder Äpfel zwei mal versende, oder dreimal…
Innerhalb des Systems ist der Austausch von digitalen Äpfeln nun genauso wie von physischen Äpfeln. Es ist jetzt genau so als würde ein physischer Apfel meine Hand verlassen und in deine Tasche verschwinden. Und genau wie auf der Parkbank benötigt der Austausch nur zwei Personen: dich und mich—keinen Onkel Tommy als Zeugen.
In anderen Worten: es ist so wie bei echten, realen Dingen.
Aber weißt du, was dabei cool ist? Es ist alles digital. Wir können nun mit 1.000 Äpfel, oder 1 Millionen Äpfel oder nur 0,0000001 Äpfel handeln. Ich kann es dir mit einem Klick senden und kann es dir auch immer noch senden während ich in Nicaragua bin und du zur selben Zeit in New York.
Ich kann diesem digitalen Apfel auch noch andere Dinge anhängen! Es ist halt alles digital. Ich könnte auch einen Text—einen digitalen Gruß—mitsenden: Sachen wie einen Vertrag, ein Aktienzertifikat oder eine Identitätskarte…
Das ist doch klasse! Wie sollen wir mit diesen “digitalen Äpfeln” nun umgehen oder Diese bewerten? Die sind ganz schön nützlich, nicht wahr?
Nun sehr viele Menschen streiten sich aktuell über das Thema. Da gibt es Debatten zwischen der einen Wirtschaftsschule und der anderen. Zwischen Politikern, Programmierern.. Ich gehe die Liste jetzt nicht einzeln durch. Einige Menschen sind schlau. Andere wiederum falsch informiert. Manche sagen das System sei enorm viel wert und wiederum andere meinen, es sei nichts wert. Ein paar nennen sogar harte Zahlen: 1.300 US$ pro Apfel. Einige sagen, es sei digitales Gold oder eine Währung. Andere sagen, es sei im Grunde so etwas wie Tulpen. Einige Leute sagen, es wird die Welt verändern. Andere sehen darin nur einen kurzlebigen Trend.
Ich habe meine eigene Meinung dazu.
Das ist aber eine Geschichte für’s nächste mal. Aber vergiss nicht, mein Kind, du weißt jetzt mehr über Bitcoin als die meisten Anderen.
Mit Erlaubnis zur Übersetzung. Von Nik Custodio (@nik5ter). Ursprünglich veröffentlicht hier bei Medium unter dem Titel: “Explain Bitcoin Like I’m Five”.
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