#DeleteFacebook — Eine Anleitung

Wie werde ich Facebook los in 10 Schritten

Rohpost
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Apr 23, 2018 · 8 min read
Freiheit für dich und deine Daten. “A man stands with his arms outstretched on a grassy slope in the mountains” by Dino Reichmuth on Unsplash

Spätestens seit den US-Präsidentschaftswahlen 2016 war Facebook ein Dauerthema in den Medien und Leser-Kommentaren. Es wurde diskutiert über die Einflussnahme durch Russland, Fake News und die Gefahr von Hate Speech auf sozialen Medien. Ein präsidentieller Skandal jagte den anderen, begleitet von markigen Tweets. Die Kritik an Facebook war zwar deutlich, glich aber eher einem leisen Grundrauschen.

Dann kam der Skandal um Cambridge Analytica: Das Unternehmen hatte Millionen von Facebook-Nutzerdaten gesammelt und dazu verwendet, Menschen in ihrer Wahlentscheidung zu beeinflussen. Als Reaktion entstand der Hashtag #DeleteFacebook. Von Persönlichkeiten wie Brian Acton, WhatsApp-Co-Founder und ehemaliger Facebook-Executive, bis hin zu Schauspielern wie Will Farrel oder Susan Surrendon — die Welt war gegen Facebook. Den Eindruck bekam man zumindest, wenn man die Medien verfolgte.

Was aus der Bewegung geworden ist

Einbrüche in den Nutzerzahlen oder Rückgänge in den Einnahmen? Dergleichen hatte Facebook nichts zu verzeichnen. Ein Vergleich: Im letzten Jahr gab es schon einmal ein derartige Bewegung. Der Hashtag #DeleteUber war als Reaktion auf den Skandal um Uber-CEO Traveis Kalanick entstanden. Der Unterschied war jedoch, das Uber-Nutzer zugleich auch dessen Kunden sind. Die 200.000 gelöschten Profile machten sich entsprechend im Umsatz des Unternehmens bemerkbar. Deshalb sah sich Uber unter Druck gesetzt und musste Konsequenzen ziehen. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die App Lyft, die ein Konkurrent von Uber ist und für empörte Nutzer eine Alternative darstellte.

Bei Facebook ist die Situation anders. Unter anderem durch das Aufkaufen von Konkurrenten will sich Facebook alternativlos machen. Zudem sind dort die Nutzer selbst das Produkt. Die Kunden hingegen sind Werbetreibende. Um Facebook finanziell zu treffen, müssten also schon sehr viele Nutzer ihr Profil löschen, damit sich die werbenden Kunden von der Plattform zurückziehen. Bei 2,1 Milliarden Nutzern ist ein solcher Trend nicht leicht zu erreichen. Der einzelne Nutzer hat kaum etwas gegen den Konzern in der Hand.

Entsprechend blieb der #DeleteFacebook Hashtag ein Sturm im Wasserglas. Facebook hat das Unbehagen seiner Nutzer erkannt und arbeitet deshalb an Lösungen. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um Schönheitskorrekturen, mit denen das wenig hübsche Angesicht kaschiert werden soll. Aktuell beschäftigt sich das Unternehmen damit, wie der Newsfeed optimiert werden kann. Ziel ist, den Nutzern wieder ein persönlicheres Gefühl zu geben und sie zu mehr Interaktion anzuregen. Damit ändert Facebook jedoch nicht sein Geschäftsmodell. Änderungen im Sinne der Nutzer wird es kaum geben. Lediglich solche, die dafür sorgen, dass Facebook auch weiterhin Werbung schalten und Daten sammeln kann.

Warum das Wechseln so schwer ist

Wenn sich Menschen heute über Facebook unterhalten, ist kaum noch Euphorie zu spüren. Vielen sind die Probleme mit dem sozialen Netzwerk längst bewusst. Trotzdem fällt es schwer, sich davon loszureißen. Warum ist das so?

Umzüge können anstrengend sein. Gemeinsein geht es leichter. Photo by Barth Bailey on Unsplash
  1. Facebook ist omnipräsent. Das Internet ist übersät mit den dunkelblauen Like- und Share-Buttons. Als würde man als frisch gebackener Nichtraucher einen Spaziergang durch eine Stadt machen, in der an jeder Straßenlaterne ein Aschenbecher hängt. Hinzu kommen die vielen Webseiten und Apps, bei denen man sich nicht mit seiner E-Mail Adresse, sondern bequem mit dem Facebook- oder Google-Account angemeldet hat. Um Anwendungen wie Spotify dann weiterhin nutzen zu können, muss zunächst manuell die Verbindung zu Facebook getrennt werden.
  2. Facebook ist in der Arbeitswelt verankert. Für viele ist ein Ausstieg aus Facebook schon aus beruflichen Gründen kaum möglich. Das gilt unter anderem für Studierende, die wichtige Informationen und Unterlagen in Facebook-Gruppen austauschen und durch Facebook-Events von der nächsten Uni-Party erfahren. Noch mehr trifft das aber auf Politiker, Journalisten, Blogger, Unternehmer zu: Solange ihre Zielgruppe auf Facebook ist, müssen auch sie dort sein.
  3. Facebook bindet die Nutzer. Sich auf Facebook zu verbinden ist schnell und unkompliziert. Zu vielen Menschen haben wir deshalb nur dort einen Kontakt hergestellt. Sei es die Studienfreundin aus dem Auslandssemester oder der Kollege aus dem Betriebspraktikum. Diese Kontakte müssen entweder mühselig in ein anderes Netzwerk übertragen werden oder gehen endgültig verloren, wenn das Profil gelöscht wird.
  4. Facebook ist ein mediales Ökosystem. Kehrt man Facebook den Rücken, muss man sich nicht nur eine Alternative suchen, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Als eierlegende Wollmilchsau möchte sich die Plattform in möglichst viele Bereiche unseres Lebens drängen: Veranstaltungen planen, Nachrichten lesen, Sachen kaufen und verkaufen, Wohnungen suchen, Themen diskutieren, Spiele spielen und vieles mehr. Für all das muss ein Ersatz gefunden werden.

Wenn man im Internet nach Alternativen zu Facebook sucht, werden oft andere soziale Netzwerke wie Instagram, Twitter oder Pinterest vorgeschlagen. Doch diese Unternehmen haben ganz ähnliche Geschäftsmodelle und ihre Plattformen vereinnahmen unser Leben genauso wie Facebook es tut. Ein Wechsel in eines dieser Netzwerke wäre das Gleiche, als würde man einen Fisch in ein anderes Aquarium setzen. Die Frage muss deshalb also eigentlich lauten: Wie kann ich die Kontrolle über meine Daten und meine Kommunikation mit anderen Menschen zurückbekommen? Was kann ich tun, um nicht länger das Produkt eines Unternehmens zu sein?

“Facebook, wir müssen reden.” So beendest du diese ungesunde Beziehung. Photo by Sami Mititelu on Unsplash

Wie werde ich Facebook los in 10 Schritten

Wir haben für dich 10 Punkte gesammelt, die dir dabei helfen können, soziale Medien und speziell Facebook besser unter Kontrolle zu bekommen. Wenn du weitere Ideen hast, teile sie mit den anderen, indem du unten einen Kommentar schreibst.

  1. Persönliche Daten überblicken: Schaue nach, welche Daten auf sozialen Netzwerken über dich gesammelt werden. Bald tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft. Unter anderem ist darin festgehalten, dass der Umgang mit Daten transparent dargestellt werden muss und dass Nutzer ein Recht auf Datenübertragbarkeit haben. Zum Beispiel kannst du dir ab sofort bei Facebook deine Daten herunterladen. Damit bekommst du einen Einblick, was das Unternehmen überhaupt über dich speichert.
  2. Suchtfaktoren ausschalten: In einem Video haben wir erklärt, wie dich soziale Netzwerke von sich abhängig machen. Wenn du das Gefühl hast zu viel Zeit mit sozialen Netzwerken zu verbringen, bist du damit nicht alleine. Das Center for Humane Technology hat eine Liste von Maßnahmen zusammengestellt, die dabei helfen, die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken abzubauen. Zusätzlich kannst du einen Digital Detox machen: Das ist der komplette Verzicht auf Medien und Internet für einen begrenzten Zeitraum.
  3. Echt verbunden sein: Die großen sozialen Netzwerke unterstützen dich nicht dabei, Kontakt mit Freunden zu halten. Sie saugen deine Aufmerksamkeit auf, weil sie damit Geld verdienen können. Rohpost ist ein neues soziales Netzwerk, das eine echte Alternative bietet. Es unterstützt dich nicht nur beim Kontakt halten, sondern auch bei einer gesunden Medien-Nutzung. Eine Rohpost funktioniert ähnlich wie ein Newsletter, den du an ausgewählte Freunde schicken kannst, um sie auf dem neusten Stand zu halten. Damit du aber nicht deine ganze Zeit am Handy verbringst, kannst du nur eine Rohpost pro Tag schreiben.
  4. Alten Ballast abwerfen: Das Gefühl an ein soziales Netzwerk gebunden zu sein ist unangenehm. Genau wie beim Ausmisten zuhause kannst du es aber Stück für Stück auflösen, indem du Inhalte löschst, die nicht mehr wichtig sind. Zum Beispiel kannst du alte Posts und Nachrichten entfernen — das geht per Hand oder automatisiert.
  5. Zugang zu Apps sichern: Bevor du dich von Facebook trennst, solltest du prüfen, bei welchen Apps du einen sogenannten Social Login genutzt hast, dich also mit deinem Facebook-Account registriert hast. Bei diesen Apps solltest du nachsehen, ob du auf eine Anmeldung per E-Mail Adresse umstellen kannst. Falls das nicht möglich ist, musst du dir unter Umständen einen neuen Account anlegen. Gut zu wissen ist auch: Wenn du dein Facebook-Profil löschst und dann innerhalb von zwei Wochen den Facebook-Login bei einer anderen App verwendest, wird die Löschung deines Profils verzögert.
  6. Accounts richtig löschen: Wenn du deinen Account auf einem sozialen Netzwerk löschen willst, findest du im Internet hilfreiche Anleitungen. Denn ganz so einfach machen es dir die sozialen Netzwerke leider nicht. Auf dieser Webseite kannst du nachlesen, wie du vorgehen musst, um Facebook richtig zu löschen.
  7. Mit Freunden sprechen: Soziale Netzwerke machen Spaß, weil deine Freunde auch dort sind. Eine soziales Medium ist wie ein Gastgeber, der euch und eure Kommunikation beherbergt. Wenn euch der Gastgeber nicht mehr gefällt, ist es am besten, gemeinsam weiter zu ziehen. Sprich das Thema bei deinen Freunden an und überlege gemeinsam mit ihnen, ob ihr etwas neues ausprobieren wollt.
  8. Rosinen rauspicken: Es ist natürlich praktisch, wenn man so wie bei Facebook auf einer Plattform alle möglichen Funktionen vereint hat. Der Haken ist jedoch, dass du auf so einer Plattform auch viele Funktionen mitbekommst, die dir nicht gefallen und denen du ständig ausweichen musst. Das ist ein wenig so als würdest du eine Diät machen und müsstest im Supermarkt die vielen Regale mit ungesundem Fast Food ignorieren. Zudem kann die Plattform auf diese Weise sehr viel über dich in Erfahrung bringen. Deshalb ist es besser, sich Plattformen zu suchen, die genau das anbieten, was du gerade suchst. Es gibt andere Plattformen, auf denen man besser ein neues WG-Zimmer findet oder von tollen Veranstaltungen erfährt.
  9. Eine neue Kommunikations-Kultur leben: Facebook war ursprünglich als ein digitales Jahrbuch für College-Studierende gedacht. Und auch heute erinnert es an vielen Stellen noch an eine Plattform, die Erwachsene dazu bringt, sich wie Teenager zu verhalten. Ständig geht es darum, wer mehr Freunde hat, den schönsten Urlaub hatte und auf der coolsten Party war. Da sich alle im idealen Licht präsentieren, hat der oder die Einzelne das Gefühl, im Vergleich langweilig und erfolglos zu sein. Das ist ein Teufelskreis, der letztlich alle unzufrieden macht. Wenn wir die großen sozialen Netzwerke hinter uns lassen, ist das auch eine Gelegenheit, unsere Online-Kultur zu überdenken und künftig wieder ehrlicher und wertschätzender miteinander zu kommunizieren.
  10. Sich selbst engagieren: Die Datenschutz-Grundverordnung hat gezeigt, dass Politik durchaus einen Einfluss auf soziale Netzwerke haben kann. Du kannst diesen Prozess unterstützten, indem du dich politisch und gesellschaftlich für moderne Gesetze und mehr Verbraucherschutz einsetzt. Dabei können dir letztlich sogar die sozialen Netzwerke selbst helfen, indem du sie als Plattform verwendest, um deine Ideen mit anderen zu teilen.
Es ist Zeit für mehr Menschlichkeit im Netz — Photo by Amanda Dalbjörn on Unsplash

Auch wenn der Hashtag #DeleteFacebook eher ein kurzer Hype war, hat er gezeigt, dass wir uns in einem Umbruch befinden. Viele Menschen haben erkannt, dass die sozialen Netzwerke ihnen persönlich nicht gut tun. Nutzer beginnen, sich zu emanzipieren und ihre eigenen Spielregeln zu definieren. Das sind tolle Zeiten, die auch die Möglichkeit für mehr Kultur und Menschlichkeit im Internet mit sich bringen. Mit Rohpost wollen wir dazu einen Beitrag leisten. Vielleicht ist die App auch für dich und deine Freunde eine Alternative? Wenn du sie ausprobieren möchtest, kannst du sie kostenlos für iOS oder Android herunterladen. Wir freuen uns auf dein Feedback!

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