Roman Rackwitz, Gamification, Motivation

Gamification im Kontext der Selbstmotivation. Oder: was ist es wirklich?

Vor kurzem saß ich mal wieder im Zug fest. Solche Situationen können aber auch sehr nützlich sein. So nutzte ich Twitter, um einfach mal zu fragen ob jemand etwas zum Thema Gamification wissen möchte.

Dabei kam folgende Frage von Anja:

Im nachhinein betrachtet empfinde ich diese Frage also so elementar, dass ich sie hier noch mal gezielt angehen möchte.

Dieses Dilemma der Selbstmotivation kann wohl jeder gut nachempfinden. Regelmäßig stehen wir vor der Aufgabe, uns selbst zu motivieren z.B. Routineaufgaben durchzuführen. Die Frage/Hoffnung Gamification hierfür evtl. zu nutzen ist also durchaus nachvollziehbar und nachdem ich etwas darüber nachgedacht habe auch genial, um hoffentlich endlich mit dem leidigen Thema Punkte & Badges als Kernelement von Gamification aufzuräumen.

Haben Sie schon einmal versucht sich selbst mit Punkten zu belohnen, für eine Aufgabe die sie nur ungern ausführen wollen? Haben Sie? Oder hat es sogar funktioniert? Eben. Wir verarschen uns doch nicht selber! Oder anders ausgedrückt: Selbst wenn wir uns nach einer unerfreulichen Arbeit mit etwas gutem belohnen wissen wir, dass wir uns selbst einfach nur bestochen haben. Bitte nicht falsch verstehen, wir haben uns diese Belohnung ja verdient aber interessanter/spannender/erfreulicher wurde die unerfreuliche Aufgabe deswegen noch lange nicht, richtig?

Aber: warum denken wir, dass solch eine Methode plötzlich bei anderen wahre Motivation hervorrufen sollte wenn es bei uns selbst nicht gelingt? Dies ist ein interessantes Phänomen, dass ich selbst immer wieder in meinen eigenen Workshops erlebe. Auf die Frage “Was würde Sie motivieren im Unternehmen zu bleiben bzw. motivierter zu sein?”, antworten die Personen fast immer: mehr Verantwortung, Anerkennung, eine bedeutungsvolle Aufgabe, usw. Auf die Frage “Was würde wohl Ihre Kollegen motivieren?” erhält man statt dessen zum Großteil die Antworten: Mehr Geld, ein Auto, ein Titel, usw..

Diese unterschiedliche Einschätzung in Bezug auf “Was motiviert mich?” und “Was motiviert andere?” bezeichnet auch ein Dilemma bei Gamification.
Die meisten Gamificationanwendungen können Sie in die Tonne treten, da sie genau auf diesem Dilemma basieren!

Ich wette, dass Sie Gamification immer dann lesen und hören wenn es um eine Art Punktesystem geht, richtig? Kundenbindungsprogramme geben Punkte für den Einkauf → Gamification. Eine to-do-liste/App verteilt Punkte nach getaner Arbeit → Gamification. Unternehmen verteilen Punkte in Ranglisten um z.B. die Außendienstmitarbeiter in einem Wettkampf zu motivieren → Gamification.

Auch wenn diese Belohnungssystem durchaus erfolgreich sein können, ist das KEIN Gamification. Oder andersherum gesagt: Gamification kann Punkte & Badges beinhalten aber nur weil eine Aktivität Punkte & Badges verteilt, ist es noch lange kein Gamification. Aber worin liegt also der Unterschied?

Na ja, solange wir nur nach Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme auf Mitarbeiter, Kollegen, Kunden, usw. suchen werden wir uns schwer tun mit ‪Gamification‬, da dies eher auf dem Prinzip der indirekten Rahmenbedingungen basiert.
Der Punkt ist: Engagement und Motivation kann man nicht befehlen. Man kann versuchen zu bestechen; ist jedoch nicht sehr nachhaltig.

Lösung: das Schaffen der geeigneten Rahmenbedingungen, in denen der Mensch mit der größten Wahrscheinlichkeit eine spielähnliche Faszination erreicht. Welche sind das?

1. Informationstransparenz
2. (Echtzeit)Feedback
3. Ziele/Regeln
4. Herausforderung
5. Entscheidungsfreiheit innerhalb der Regeln.

Diese 5 Elemente sind ‘der kleinste gemeinsame Nenner’ aller spielähnlichen Aktivitäten, die wir freiwillig (also gerne) machen: Videospiele, Brettspiele, Spiele jeglicher Art, Sport, Hobby, usw..

Hier werden diese 5 Elemente genauer erklärt:

Roman Rackwitz, Slideshare, Gamification

Gamification basiert auf dem Erfolgsgeheimnis spielerischer Umfelder und KEIN Spiel wird gespielt nur weil man dort Belohnungen bekommt. Das ist nie der Grund weshalb man sich hinsetzt und Monopoly, Risiko oder Schach spielt. Stattdessen geht es in erster Linie um die Herausforderung, das ausprobieren neuer Taktiken, die soziale Interaktion, usw..

Meine Kurzantwort auf Twitter für Anja war

Aber ich denke die Antwort wurde der wirklichen Bedeutung der Frage nicht gerecht. Daher war es mir wichtig, hier noch eine genauere Antwort nachzuschieben. Vielen Dank an Anja für die Frage, die Konversation danach und vor allem auch die Gedanken und Überlegungen, die sich für mich selbst im Nachhinein ergaben.

Falls Euch dieser Artikel gefallen hat und Ihr denkt, dass er auch für weitere Personen in eurem Umfeld interessant und hilfreich sein kann, würde es mir sehr viel bedeuten wenn Ihr ihn mit diesen Leuten teilt. Danke…

Mehr zum Thema Gamification (& und auch Social Media) findet ihr regelmäßig unter www.romanrackwitz.de