Kybernetik & Gamification. (M)Eine Traumkombination.

Den Begriff Gamification haben inzwischen wohl die meisten schon mal gehört. Daher erkläre ich ihn an dieser Stelle jetzt nicht. Wer gerne mehr wissen möchte, findet hier und hier etwas dazu.
Oder hier ein Video vom Talk auf dem UXDay in Mannheim:

Und was ist Kybernetik? Sie ist eine Forschungsrichtung, die sich mit der Steuerung und Regelung von komplexen und dynamischen Systemen beschäftigt. Vor allem die Kybernetik 2.Ordnung ist hier relevant, da sie sich mit Systemen auseinandersetzt, innerhalb derer der Steuernde des Systems nicht mehr einfach vom zu steuernden System zu trennen ist. Klingt erst einmal kompliziert, ist aber recht einfach zu verstehen, wenn man sich beispielsweise ein Computerspiel ansieht.

Hier gibt es zwei Instanzen: den Spieler und das Spiel selbst. Diese treten in eine Interaktion/einen Dialog miteinander, und bedingen sich dadurch gegenseitig. Heißt: Das Spiel gibt etwas vor, wodurch der Spieler sich für ein bestimmtes Handeln entscheidet, was den weiteren Spielverlauf beeinflusst und zu Möglichkeiten führt, die wiederum das Handeln des Spielers beeinflussen. Möchte man also den zukünftigen Verlauf eines Spiels vorhersagen, kann dies nicht gelingen, indem man Spiel und Spieler getrennt voneinander betrachtet, sondern muss immer deren gegenseitige Wechselbeziehung mit einbeziehen. Erst die Rückkoppelung zwischen erster und zweiter Ordnung liefert die entscheidenden praktischen Konsequenzen für den Erfolg und gleichzeitig ist es auch der Schlüssel für das Phänomen der Selbstorganisation bestimmter komplexer Systeme wie der Natur oder auch im Spiel.

Mich haben beide Bereiche in ihren Bann gezogen. Mit Gamification beschäftige ich mich bereits Vollzeit seit 2009 und mit dem Thema Kybernetik setze ich mich seit ca. 8 Monaten auseinander. Das Faszinierendste aber für mich ist, wie sehr jeweils das eine Thema mir dabei hilft, dass andere besser zu verstehen. Ich denke, dass Dank des Beispiels und unserem Verständnis für Spiele Kybernetik viel eher massentauglich verständlich gemacht werden könnte, und umgekehrt hat sich mein Verständnis für die Entwicklung von Gamification-Design unglaublich weiterentwickelt. Und dabei kratze ich ja gerade mal an der Oberfläche! Dank der Kybernetik und meinem Lernen in Bezug auf das Verständnis von komplexen Systemen und ihrem Innenleben, geprägt von wechselseitigen Beziehungen, sind wir in der Lage, Gamification nicht nur als kurzfristiges Unterhaltungswerkzeug einzusetzen, sondern als langfristigen Ansatz im Unternehmen, über die Grenzen von Abteilungen und Quartalsabschlüssen hinweg, zu implementieren.
Zum Beispiel: die Betrachtung von positiven und negativen Rückkopplungsverfahren in der Kybernetik und ihr Transfer in unser Gamification-Design. Unabdingbar im Kontext komplexer, sich selbstregulierender Systeme.

positive Rückkopplung & negative Rückkoplung

Aber dazu dann in einem anderen Post mehr…

Meine Einstieg in das Thema Kybernetik verdanke ich übrigens Winfried Felser und der Schultheiß Projektentwicklung bzw. Ali Ramezani und Konrad Schultheiß. Vielen Dank dafür!!

Das war ein unglaubliches Aha-Erlebnis für mich :-)


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