Play it twice — Ein Tribut an die Lieder

Dieser Text wurde bereits am 31.12.2014 bei den Blogrebellen veröffentlicht.

Freunde. Was haben wir dieses Jahr wieder gelauscht, an der singenden klingenden Unterwelt. Was haben wir gesucht, was haben wir stattdessen gefunden. Wo hat Musik uns hingebracht, in welchen Songs haben wir uns verloren, an welchen Alben haben wir uns nie satt gehört. Wo hat uns der dringliche Wunsch, Musik zu spüren, hingebracht. Wer hat uns begleitet, wer hat mit uns gestritten, über Chemie und den Gesang Thom Yorke’s. Welche Versuche haben wir unternommen, zu ergründen, wie wir auf bestimmte Harmonieverläufe reagieren und warum. Gibt es ein universelles Hörverhalten? Wie oft haben wir versucht, diesen einen Beat zu konservieren?

Ob es Mo Kolours ist, der mit Chaka Khan kuschelt, oder ein ewig lang nicht abgespieltes Lied von Tom Waits, das Gefühl etwas zu finden, etwas wiederzufinden, kennen wir nur zu gut. Was es aus einem macht, die Kraft der Musik und die hervorrufenden Reize und Wahrnehmungen, ist für jeden anders. Siehst du ein schimmerndes Blau-Grau, ist es eher ein Aggregatzustand oder ein Gefühl wie ein inneres Orchester? Alben, bei denen die Vergänglichkeit eingefroren zu sein scheint. Eine Melodie, eine Hook, ein Blick, eine Sucht.

Wie oft haben die Lieder Situationen wieder erweckt, wie lange hat unser Lachen nachgehallt. “Jazz macht frei!”, haben sie gesagt, und wir legten uns nackt über das Piano. Das Lachen, die Songs, alles gehörte immer zusammen.

Es lief fast immer Musik, als wir uns Geschichten erzählten und erfanden. Wenn wir daran denken, dass es die Welt des Hörens ist, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind, ist es der erste und letzte Sinn, der zählt. So visuell ausgeprägt und fixiert, wie wir dem Leben täglich begegnen, schadet es doch nicht, auch besser hin- und zu zuhören. Das Lauschen nach außen und innen verhilft uns zur Identität. Und die Welt der Musik ist uns ein Ort, nachdem wir uns sehnen, zu dem wir aber nicht reisen können. Wie es dort aussieht, kriegen wir nur zu hören.

Die folgenden Listen erzählen Geschichten und geben Eindrücke aus dem Hören unserer Freunde, unserer Begleiter, Anker und Inseln. Es mag schwer sein, nachzuvollziehen warum genau diese Snare, dieser Song, die Alben, Konzerte und Erlebnisse aufgeführt werden müssen, aber nur, wenn man nicht hinhört.

Erich Schmidt-Teichler / GrooveStation / Dresden

Es gibt nur einen Song 2014, zieh’s dir im Ganzen rein: Lemur — Befehlskette.

Mardt Stereo / BrokenHeart Recorder / Friedhofen

“Die 10 schönsten Orte an denen ich 2014 musiziert habe”

Nummer 1: “Das Loch” — Anfang des Jahres hab ich unterhalb einer Konzertbühne zwischen vielen Spinnen und alten Bierflaschen einen grottigen Musikraum eingerichtet. Es ist ein Loch, aber es ist mein Loch.

Nummer 2: “Schlammfeld hinter’m Schotterparkplatz” — eine geheimnisvolle Hecke und dahinter, eine paradiesische Panorama-Aussicht auf den Sonnenuntergang. Es ist zwar noch Winter, aber da muss ich einfach mein Schlagzeug für ein kleines Solo aufbau’n.

Nummer 3+4: “Parkhaus-Dach” und “Hotel-Hunde-Wiese” — für ein Blues-Pop Projekt lass ich mich auf eine Duo-Songwriter-Kooperation ein und die meiste Zeit unserer Arbeit verbringen wir mit der Schatzsuche nach inspirierenden Orten. Besonders schön ist die Hotelwiese mit herumrennenden Langhaar-riesen-Hunden. Das Highlight ist aber die gesperrte Dachetage eines alten Parkhauses. Mit impulsiv gestohlener Leiter und einiger Höhenangst-Überwindung erklimmen wir sogar den Haus-auspuff und genießen Rundumblick auf Höchstniveau.

Nummer 5: “Das Skeletthaus” — eine mystisch anmutende verlassene Fabrik in der ich gelegentlich spraye. Mit Sicht auf die Cityskyline nehme ich für das Blues-Dings einen vielversprechenden Gesangs-Neuling auf.

Nummer 6: “Die Stereo-Farm” — Das Blues-Dings soll eine Band werden und wir finden abgelegen der Zivilisation ein verlassenes Bauerngut, nennen es Stereo-Farm und spielen akustisch als Quartett mit Blick auf’s Feld durch die Löcher in Dach und Wänden.

Nummer 7: “10.000 Volt Zugdach” — zwei Bob Dylan Fans erklimmen in Woody Guthrie-Manier ein Zugdach um dort Gitarre zu spielen. 10.000 Volt drohen mich umzubringen, doch sofort wird die gesamte Gleisanlage still gelegt. Züge werden not-umgeleitet und für uns gibt’s die scheiß Bullen.

Nummer 8: “Wald” — ich werde Produzent für das Debüt eines Solokünstlers. Ich entwickle ein System, mit dem mir analoge Band-Aufnahmen ohne Steckdose gelingen und nehme die Demos mitten im Wald unter Bäumen, zwischen Moos und Piepmatz-Gezwitscher auf.

Nummer 9: “Das Stereo-Haus” — ich liebe die Ramones soo sehr!!! Wie Sex!!! Also erfinde ich eine Musik die beides miteinander verbindet und gründe eine Band. Die erste SEXPUNK EP spiele ich fast alleine im Stereo-Haus, meinem neuen Tonstudio, ein.

Nummer 10: “Badezimmer von Julia Viktoria” — halbnackt auf Fußbodenheizung lässt sich gut Gitarre spielen. Außerdem erfüllt sich hier ein langjähriger Wunsch: wir rasieren uns die Augenbrauen ab.

Ike Elastic / MK 34 & The Prince of Saturn / Dresden

  1. Mr. Scruff — Friendly Bacteria — Ninja Tune
  2. Mo Kolours — Mo Kolours — One Handed Music
  3. Orlando Julius & The Heliocentrics — Jaiyede Afro — Strut
  4. The Greg Foat Group — Live at the Playboy Club London — Jazzman
  5. Dopegems — Necksnappin’ — Heavenly Sweetness
  6. Gregory Porter — Issues of Life — Membran Media
  7. Plaid — Reachy Prints — Warp Records
  8. Cuthead — Total Sellout — Uncanny Valley
  9. Tinariwen — Emmaar — Wedge
  10. Moodymann — Moodymann — KDJ

@sechsdreinuller / RapRomantik / Offenbach

Track des Jahres (deutsch):

Definitiv “Maggo” von Mädness. Der Beat, der Text, das Video… und überhaupt! Einfach nur ein Brett, welches man sich auch in 10 Jahren noch gerne anhört. Und dazu der Dialekt, den ich als Vollbluthesse natürlich feiere.

Track des Jahres (international):

Schwer zu sagen, aber irgendwie alles an dem Apollo Brown mitgewirkt hat. Er schafft es den 90er-Jahre-Spirit ziemlich gut in die Neuzeit zu transportieren. Egal, ob es sich um seine Beat-Alben und seine Collabos handelt. Der Mann ist einfach gut.

Album des Jahres (deutsch):

“Russisch Roulette” von Haftbefehl. Ich komme eigentlich auf den Azzlack-Kram nicht so klar, aber mit der Zeile “Lauterborn Hardcore. Knacken steh’n Sparkasse, Richard-Wagner” hat er mich geknackt. Bin halt im Lauterborn (Stadtteil von Offenbach) groß geworden. Die Jungs standen wirklich immer an der Sparkasse. Früher war nebenan noch der “Göttertrunk” und ich habe mir am Kiosk immer ‘ne gemischte Tüte für ‘ne Mark geholt. Die Beats sind teilweise einfach nur krank. Brutales Album.

Album des Jahres (international):

Langweilig, ich weiß… es ist irgendwie Konsens, aber “Run The Jewels 2″ von El-P und Killer Mike ist ein Brett. So langsam kann ich mich mit diesen Beats irgendwie anfreunden. Ich muss in der Stimmung zu sein, aber es passiert teilweise schon recht viel.

Konzert des Jahres:

Da ich nur auf einem Konzert war, ist es gleichzeitig auch das Konzert des Jahres — Rockstah auf seiner Pubertour. Ich bin eigentlich nur hin, weil Max aus der Gegend ist, lustig twittert, der Tourtrailer mit Badesalz großes Kino war und der Refrain von Superheldenanzug echt catchy ist. Aber das Konzert war auch wirklich gut. Entertainer durch und durch!

Scheiße des Jahres:

Langweiliger Promobeef. Ich disse dich, du disst mich. Ansage hier, Statement da. Irgendwelche Leute, die nix damit zu tun haben, melden sich… blablabla. Gähn.

Wunsch für 2015:

WIR BRAUCHEN MEHR SOULCLAPS

Björnson Reinemer / Dynamite Konzerte / Dresden

Naked Hands — Red LP Friling — The Mighty Monsieur Moustache Honig — It’s Not a Hummingbird, It’s Your Father’s Ghost Banda Comunale — Schall und Rausch William Fitzsimmons — Lions Beastie Boys — We Salute You

Konzert des Jahres war für mich Honig zu unserem Dynamite Geburtstag!

Manumaticx / soulhealing radio / Dresden

Kazi & Madlib — Blackmarket Seminar (Sergent) Shaolin Afronuats — Follow The Path (Freestyle) Retrogott & Kutmasta Kurt — RetroMastas (Treshold & ENTBS) Quantic — Magnetica (Tru Thoughts) Slowy & 12Vince — Ultima Radio (Akai47) Cuthead — Total Sellout (Uncanny Valley) FloFilz — Metronom (Melting Pot Music) AzudemSK — Classic (hhv.de) Verrückte Hunde — Tohuwabohu (Keep It Movin) Cookin’ On 3 Burners — Blind Bet (Freestyle)

FrauNova

SZA — Z (Lovetrack — Warm Winds) Mick Jenkins — Water (Lovetrack — Vibe) Pharoahe Monch — PTSD: Post Traumatic Stress Disorder

Walter Marinelli / Blogrebellen / Berlin

01. Various — Ode to Ghana 02. Hüttenzound — Hüttenzound 03. Opiuo — Meraki 04. The Ruffcats — The Essence 05. Yo!Zepp / Chrisfader / Testa — Von Seiten der Gemeinde 06. Magic Drum Orchestra — MDO (Tru Thougts) 07. Elektro Guzzi — Observatory (Macro Recordings) 08. Various — This Ain’t Bristol Selections 09. Steve Reich — Radio Rewrite (Nonesuch) 10. Various — Permanent vacation 3 (Permanent Vacation)

SAID / Hecht Stuy / What’s That Sound / The Wreck Shop / Dresden

Myron & E with The Soul Investigators — Going In Circles

Ivan Ave — Low Jams

Fatima — Yellow Memories

Damu The Fudgemunk — Public Assembly

Dave Sparkz & Wodoo Wolcan — High Rollers

Pete Flux & Parental — Traveling Thought

Fredfades & Ivan Ave — Breathe

Quendolin Fender — Nepomuk

Elaquent / Quendolin Fender / S. Fidelity — Beatgeeks 005

Charles Bradley — I Hope You Find The Good Life / Electric Victim

@bisaz / Prügeln & Genitalien / Jena & Berlin

Meine fav-LP’s 2014: 1. Snakadaktal — “Treasures”: Diese Band haben in 2011 in mir das ausgelöst, was viele beim Release von The XX empfunden haben: die Wut darüber, dass so junge Menschen so brutal und vollständige Musik produzieren und in melodisch einzigartige Kleider stecken können. Das hat sich Snakadaktal bis zur ihrer Auflösung 2014 nach dem Album Release bewahrt. Tragisch zwar. Aber das Album kommt vom Anspruch sehr nah an deren phänomenales Debüt-Album (Snakadaktal) heran. “Treasures” wirkt irgendwie reservierter und distanzierter, ich hatte das Gefühl, die Band hat ihre Trennung dort bereits besiegelt, was die Platte in Anbetracht der Auflösung völlig neu auflädt. Ich verliere mich beim hören. Genau wie beim ersten Album.

Das war es leider auch mit meinen Top-LP’s. Es gab gute Scheiben, aber meiner Meinung nach nichts, dass so ausgeglichen und aufgeräumt daher kam. Ich hatte große Hoffnung, dass Hundreds mit ihrem dritten Album an das Erste anschließen können. Aber leider ist ihnen das nicht gelungen. Sie haben Pop-Soundkulissen aufgebaut, die nicht die Bilder in einem wecken konnten, wie ich mir das gewünscht hätte. Hättet ihr mich mal 2013 gefragt. Ich hatte das Gefühl, dass das ein richtig gutes Jahr war. Ich hoffe auf 2015.

Top Konzerte 2014: 1. Massive Attack (Berlin): Ich habe keine Worte für die Musik von massive attack. The Wild Bunch. Bristol. Trip Hop. Dieses genre, das Massive Attack bis heute prägt, ist tief in meiner musikalischen Biographie verankert. Massive Attack haben sich dem großen Kommerz genau wie Tricky und Portishead versperrt. Dieses konzert war unbequem, voller Protest und sexuell ohne Ende. Ich habe noch ungefähr 4 Tage davon geträumt, wie man Namen der Guantanamo Häftlinge und deren Aktennotizen an Wände projiziert und zu Ungehorsam aufrufen. Schlichtes Band-Marketing. Großer Sound.

2. Mac Demarco (Berlin): Hör es und du weißt, was ich meine.

3. The Do (Berlin): Wenn man deren Aufnahmen hört, könnte man meinen, man hört The Cardinals, was es eher scheiße macht. Aber live, alter Besen. Was für eine Energie und Power von der Bühne gedonnert kam, ist nicht wirklich zu fassen. Nie habe ich so eine Lücke zwischen Platten und Live gesehen.

Toby Dubcore / Leipzig

Most loved ones in 2014: Fatoni — Die Zeit heilt alle Hypes Mr. Zebre — Chorriworks (ODG Prod) Naram — March of the Gremlins (Jahtari) Gavlyn — Modest Confidence (Broken Complex) David Starfire — Transformation (EP) Dubamix — Pour qui sonne le dub Asian Dub Foundation — The Signal and the Noise (Europarelease) Dubmatix — In Dub Tour de Force — Battlecry (Dub — Stuy Records) Roots Raid — From the Top (ODG Prod)

Rudy Gonzillah / Leipzig

ALBUM RELEASES 2014: 01 — C.W.STONEKING — “Gon’ Boogaloo” (King Hokum Records) 02 — WILD BILLY CHILDISH & C T M F — “Acorn Man” (Damaged Goods) 03 — CHERRY CASINO AND THE GAMBLERS — “Hi-No-Love” (Rhythm Bomb Records) 04 — FLAMING LIPS — “With A Little Help From My Fwends” (Bella Union) 05 — CHAIN & THE GANG — “Minimun RocknRoll (Fortuna Pop!, Radical Elite Records) 06 — ORANGE DISASTER — “Enemy Gospel” (We Are Not Eskimos Records) 07 — CHRONIXX — “Dread And Terrible” (EP, Chronixx Music) 08 — ORANGE GOBLIN — “Back From The Abyss” (Candlelight records, Back on Black) 09 — ELECTRIC WIZARD — “Time To Die” (Spinefarm Records) 10 — GOAT — “Commune” (Strandet Rekords, Subpop)

KONZERTE 2014: 01 — Orange Goblin (+ Saint Vitus) // Beatpol Dresden 02 — Reverend Beat-Man // Groove Station Dresden 03 — Astro Zombies (+ Retarded Rats) // Chemiefabrik Dresden 04 — Cherry Casino And The Gamblers (+ Ike And The Capers) // Noels Ballroom Leipzig 05 — Human Trash (+ The Fabulous Go-Go Boy From Alabama, Bloody Mary Una Chica Band) // Manfreds Leipzig 06 — Calaveras // Black Label Leipzig 07 — Bitty McLean (begleitet von Magic Touch) // Lido Berlin 08 — Errol Dunkley // Reggae Jam Bersenbrück 09 — Jesse Royal // Reggae Jam Bersenbrück 10 — Dead Elvis // Black Label Leipzig

(viel zu spät) ENTDECKT 2014: 01 — Beware of Mr. Baker (Dokumentationsfilm, 2012.auf DVD 2014) 02 — My Sleeping Karma (Band) 03 — Black Widow (Band) 04 — Blurt (Ted Milton. Band) 05 — “Canterbury Szene” (diverse Bands) 06 — Retrogott 07 — John Lennons Bücher (“Ein Spanier macht noch keinen Sommer” & “In Seiner Eigenen Schreibe”) 08 — Robert Crumb (Comic Chef) 09 — Shim Sham (Tanz) 10 — Instagram

COMEBACK 2014: I Belli Di Waikiki

Ed / Vup Crew — Dub Willner / Berlin, Dresden

Shabazz Palaces — Lese Majesty Hollie Cook — Twice Prince Fatty Vs Mungo’s Hi-Fi — Prince Fatty Vs Mungo’s Hi-Fi The Senior Allstars — Verbalized And Dubbed William S. Burroughs Conducted By Dub Spencer & Trance Hill – William S. Burroughs In Dub Lee Fields — Emma Jean DJ Vadim — Dubcatcher Various — From Here To There MEDL4 — Isostasy

saetchmo / Echochamber / Berlin

Tua “(R)evia” Dark Coalition “Badman” Compilation Buygore “Fresh Blood” Compilation Manu Shrine “Annatura Ash” Mahom “The skanking Cat” Albion Collective “Urban Archives” Infra Tribes “Soundsystem Culture 1” Bacon Dubs “Evolution”

Was sonst noch musikalisch wichtig für mich war: das Alin Coen Konzert im Huxley’s (da war ich mit meiner bestesten Kumpeline), Marcus Wiebuschs Song “Der Tag wird kommen” (weil Fussball brauch das mal langsam), Trailerparks “Fledermausland” (das ist DER Song von meinem Fussballbruder Paule und mir dieses Jahr), Rakedes “Jetzt gehst du weg” (halte ich für ‘ne echte Granate) und last but not least würde ich gern noch Kosikk und Audhentik erwähnen.

socialdread / houseofreggae / Berlin

8 essentielle Reggae & HipHop Alben, die ich 2014 gehört habe Ich habe sehr viel Musik gehört, vor allem Reggae, aber auch HipHop. Das Meiste habe ich schon wieder vergessen, aber diese acht Alben waren 2014 essentiell für mich.

Alpheus / Good Prevails (Liquidator Music) Alpheus ist ein Rocksteady-Gott und Roberto Sanchez ein Überproduzent. Dieses Album ist ein Meisterwerk und wenn ihr euer Weihnachtsgeld für eine Schallplatte ausgeben wollt, dann bitte für diese. Mehr zur Platte lest ihr hier.

Tonto Addi meets Raggattack / Dancehall Showcase (Break Koast Records) 2014 war mein Jahr des digitalen Dancehall. Gemeinsam haben wir Ronny Trettmann auf den Sleng Teng Riddim gehoben. Die Sleng Teng Challenge läuft aktuell noch. Und Tonto Addi hat dieses großartige Album veröffentlicht. Leider ist es bisher noch nicht auf Vinyl erschienen. Hier erfahrt ihr mehr.

Sr. Wilson meets Genis Trani / Back To Rub A Dub Sr. Wilson aus Spanien ist mein Künstler 2014. Ich habe ihn Anfang des Jahres als Gast auf einem Album von Mellow Mood entdeckt. Der Mann deejayt wie die Jungs in den 1970er. Leider hat er kein Album veröffentlicht, aber gemeinsam mit Genis Trani das großartige Mixtape Back To Rub a Dub aufgenommen. Unbedingt reinhören!

Zvuloon Dub System / Anbessa Dub (Med.Tone Records) Analog aufgenommener Roots Reggae auf Amharisch und Tigrinisch. Klingt interessant? Ist saustark und definitiv mein Überraschungsalbum des Jahres. Was die Jungs aus Tel Aviv auf Anbessa Dub abliefern, sticht raus aus dem Einheitsbrei.

Tour De Force / Battle Cry (Dub-Stuy Records) Tour De Force sind zwei Jungs aus New York, die tief in der Soundsystem Kultur verwurzelt sind. Sie haben sich eine massive eigene Anlage gebaut und mit Battle Cry ihr erstes Album veröffentlicht. Die Zutaten: Reggae, Dub, Dubstep, eine Prise Dancehall, ordentlich Bass und Bläser, Bläser, Bläser. Hier geht’s zum Plattentest.

Earl Sixteen / Natty Farming (A-Lone Productions) Wie schon für Alpheus hat Produzent Roberto Sanchez auch hier dufte Arbeit geleistet. Warme, analoge Klänge, auf denen Earl Sixteen in bester Form singt. Das Album ist im Showcase Stil aufgenommen. Auf jede Gesangsversion folgt der Dub. Wunderschön.

Apollo Brown / Thirty Eight (Mello Music Group) Apollo Brown ist mein HipHop-Produzent des Jahres. Er hat einfach ein goldenes Händchen für Samples und zaubert die alte Schule der 1990er auf jede Platte, an der er beteiligt ist. Unbedingt prüfen!

Apollo Brown & Ras Kass / Blasphemy (Mello Music Group) Noch eine Apollo Brown Produktion. Blasphemy ist aber kein Instrumental Album, sondern dem Rapper Ras Kass auf den Leib geschneidert. Unglaublich, wie der Mann auf den Brownschen Beats abgeht.

Don Bonn / A Voice To Sing (Freetime Records) Ok, A Voice To Sing ist eine EP und kein Album. Aber diese EP ist sehr wichtig für mich, weil ich den Künstler tatkräftig unterstützt habe und wir inzwischen dicke digitale Freunde geworden sind. Abgesehen davon ist das natürlich großartige Musik.

Uwe Kaa / Eine Liebe (Irievibration Records) Die härteste Nachricht 2014: Mein Lieblingskünstler Uwe Kaa macht keinen Reggae mehr. Sein neues Album Eine Liebe ist trotzdem großartig, weil Uwe ein unfassbarer Texter ist.

Der Radius / Förderturm Funk / Dortmund

Zum ersten mal seit ein paar Jahren lag mein Fokus dieses Jahr nicht ausschließlich auf Musik, sondern hauptsächlich auf Politik. Dadurch hat sich einiges in meiner Sicht auf diese Gesellschaft, aber auch in der Auswahl der Musik die dieses Jahr wichtig für mich war, geändert. Natürlich ging Aphex Twins erster Release seit langem genau so wenig unter meinem Radar hindurch wie Caribous neue Platte oder das dritte BadBadNotGood Album. Nichts destso trotz spielten diese Platten eine kleinere Rolle in meinem Leben als so mancher Release der nicht 2014 erschien, aber trotzdem gerade in diesem Jahr und gerade in Anbetracht krasser Polizei Repressionen meine Gefühlslage extrem wiedergab und noch immer wiedergibt. Fuck authority, smash fascism and squat on!

D’Angelo — Black Messiah (RCA Records) Bis vorgestern wär noch Platz 2 dieser Liste auf Platz 1 gewesen. Und vielleicht ist es auch zu früh (Ich hab das Album jetzt 2 mal durchgehört) um diese Platte so abzufeiern. Aber, D’Angelo ist neben Erikah Badu eine Lichtgestalt des modernen Soul, einfach nur Liebe in Musik verpackt! In Tradition an den ehrlichen Soul der 60er, mischt D’Angelo Baladen mit herrschaftskritischen Tracks und schafft es ein Gefühl aufkommen zu lassen, das ich sonst nur bei Platten wie “Black Messias” oder “The Revolution will not televised” empfinde.

Waving the Guns — Schlachtrufe EP (Ohne Label) Einer von 2 nicht Vinyl Releases in dieser Liste und nicht mal aus diesem Jahr. Objektiv gesehen haben viele Musiker musikalisch besseres abgeliefert, subjektiv gesehen das wichtigste Album dieses Jahres. Zeckenrap ist meist so eine Sache für sich. Entweder verkopfte Theorie oder stumpfe Demo Parolen. Im Fall von Waving the Guns wird einfach der perfekte Mittelweg gefunden. Der Track “Nichts mit euch zu tun haben” ist in diesem Jahr mit meiner Gefühlswelt verschmolßen und hat den Soundtrack zu vielen Tagen und Stunden voller Wut auf Deutschland und die Bullerei geliefert. Grandioses Album!

Quantic — Magnetica (Tru Thoughts) Diggst dich so durch den Groove Attack, denkst dir so Quantic klingt gut und nimmst die Platte mit zum reinhören. Und “Zack” stehste ne Stunde am Plattenspieler und kommst gar nicht mehr klar. So gings mir dieses Jahr glaub ich zwei Mal mit Releases die ich einfach vorher nicht auf dem Schirm hatte. (Quantic releast einfach zu viel um seiner Arbeitswut komplett zu folgen.) Die Platte kann man Zuhause genau so genießen, wie mindesten vier Tracks davon jede Tanzfläche ins Schwingen bringen. Unfassbar gelungenes und eins der abwechslungsreichsten Alben des Wahl Columbianers.

Mo Kolours — Mo Kolours (One handed music) Bada Boom, Bada Bäng. Die andere Platte die ich erst im Plattenladen für mich entdeckt hab. Die zweite Stunde an besagtem Tag im Groove Attack ging für das hier drauf. Einfach nur ein Meisterwerk eines für mich bis dahin gänzlich unbekannten Produzenten. Expirementeles Hip Hop, House, Synthesizer, Broken Beat wasweißichwasdanochmitdrinist Gemisch. Aus der MPC Beat Bastler Perspektive der Release des Jahres.

AN KINEM — Mavi Soul Pt.1 (ava.) Bester Kollege seit meiner Exil Zeit in Aachen, bester Musiker seit er Musik macht. Klingt Scheisse, aber in meinen Augen ein bisschen das verkannte Genie der nationalen House, Techno, Hip Hop etc. Szene. Glaubste nicht? Hör mal die Platte. Die Tracks die da drauf sind waren teilweise schon vor 5 Jahren alte Sachen von ihm. Und der Retrogott haut auf der Remix 10′ einfach mal einen der besten House Tracks 2014 raus. Sowieso ist ava. das beste deutsche Label neben MPM und Jakarta. Die Genreoffenheit machts…

Gay Marvine — Bath House Etiquette Vol. 3 (Bath House Etiquete) Kam zwar 2013 raus, hat aber erst dieses Jahr Europa erreicht. Gay Marvine ist irgend son Ami, der in Tradition des frühen, dreckigen Chicago House, Edits bastelt. Alle Releases der Bath House Ettiquette Reihe sind groß,der Track Anxiety in Ecstasy ist für mich aber der Disco/House Tracks des Jahres! Unfassbares Ding.

Flying Lotus — You’re Dead (Warp) Ich erinnere mich noch wie ich in Aachen, kurz nach Release von FlyLos Cosmogramma, in dem einzigen brauchbaren Plattenladen stehe und nach dem Album frage. Der Verkäufer wollte mir darauf hin klar machen das Fly Lo echt nichts kann und langweilig ist. Nach einem heftigen Lachkrampf bin ich dann nach Hause gegangen und hab die Platte im Internet bestellt. So, nun zum aktuellen. Ich habe das letzte Album (Until the Quiet comes) als sein bis jetzt bestes wahrgenommen, da es Free Jazz, Elektronika, House, Hip Hop und Soul Elemente vereinte wie nie zuvor. Es war nicht so verkopft wie Cosmogramma und nicht so einheitlich wie Los Angeles. Obwohl You’re Dead da nicht ganz rankommt, ist es doch eine der besten Platten des Jahres. Free Jazz Breaks im Kontext synthetischer Musik begeistern mich einfach zu sehr.

Various — Ode to Delia (Ohne Label) Ode to Delia ist eine Beat Comlilation verschiedenster Produzenten die es mir einfach nur angetan hat. Es gab viele gute Beat Releases dieses Jahr, Betty Ford Boys seien hier mal hervor gehoben, aber dieser rein digitale Release kam irgendwie zur richtigen Zeit mit dem richtigen Sound um die Ecke. Wie vielleicht schon bemerkt der zweite nicht Vinyl Release in dieser Reihe, aber verdient haben es alle die daran beteiligt sind allemal! Saugt euch das Ganze via Soundclound und hörts Nachts, angetrunken aufm Nachhauseweg, dann wisst ihr worauf ich hinaus will.

WIZO — Punk gibts nicht umsonst (Hulk Räckorz) Meine Ansage am Anfang ist wahrscheinlich schon fast in Vergessenheit geraten. Außer WTG war bis jetzt echt nix politisches dabei. Naja, jetzt aber. Man mag sich ja fragen wie sich ne Punk Platte in diese Liste schleichen kann. Die Antwort ist simpel wie pragmatisch: Punk ist der Hammer! BASTA! So, jetzt mal das Minimum an Argumenten. Slimes erstes Album seit langem, geile Live Tour, geile Platte. Suff. Punk. Oi! Nazis sind Kacke! Prost!

Antilopen Gang — Aversion (JKP) JEEEAAAHHHH, Zeckenrap! Man verzeihe mir den steigenden Bierkonsum wärend des verfassens dieser Liste. Also, Allergie, Aversion, Anti Alles Aktion. Antilopen Gang. Enkeltrick. Wärend ich das hier schreibe fühl ich mich schlecht. Müsste eigentlich Platz 1 sein. Lest die Liste einfach falschrum. Ok, also jetzt mal so voll musikalisch, analystisch. Ich war bei der ersten Single “Goldener Presslufthammer” wirklich enttäuscht und skeptisch und halte den Track immer noch für den schwächsten der Platte. Als das Ding dann aber draußen war gabs für mich kein halten mehr. Alleine das ich grad Enkeltrick in diesen Kommentar geschrieben hab, lässt mich schon wieder den Refrain des gleichnamigen Liedes vor mich her singen. “Deutschrap muss sterben, damit wir leben können!” Mehr gibts nicht zu sagen.

Robin Locksley / Sir Robin & The Longbowmen / Dresden

1. Ty Segall — Manipulator (Drag City) Eigentlich erst richtig in diesem Jahr entdeckt, hat mich das Album und die leicht neue Route, die Ty darauf einschlägt, ziemlich überzeugt. Garage kann halt auch aufgeräumt gemütlich sein.

2. The Soundcarriers — Entropicalia (Ghost Box) Die Entdeckung des Jahres! Irgendwo zwischen Sandstrand, Weltraum und tiefen Grooves ergibt das Album eine Einheit, die viel differenzierter ist, als man auf den ersten Blick hört. (hehe)

3. Klaus Johann Grobe — Im Sinne der Zeit (Trouble In Mind) Ebenfalls erst dieses Jahr wirklich in meinen Musikkosmos gedrungen, haben es die Schweizer geschafft, wieder Gefallen an deutschen Texten und modern beeinflusstem Krautrock zu finden. Großes Kino in Space Disco!

4. Thee Oh Sees — Drop (Castle Face) Eigentlich geteilter 3.. Und trotz frischer Innovationen erhoffe ich mir immer noch mehr von John Dwyer. Und ich bin froh, dass er mich nicht enttäuschen wird.

5. Mac Demarco — Salad Days (Captured Tracks) Manchmal frage ich mich, wieso ich erst so spät auf gute Musik stoße, die nicht ganz frisch ist. Natürlich sind das trotzdem vorrangig Momente des Glücks. Und Mac Demarco macht einfach nur glücklich. Perfekt zum verballerten Sonntagsbiergelage und sowieso.

6. Temples — Sun Structures (Heavenly Recordings) Faszinierend und fast irreal rund, traue ich dem Spuk immer noch nicht so ganz recht und bin der Meinung, dass sich an dieser Band entscheiden wird, ob Psychedelic Rock wieder salonfähig wird. Ich hoffe es nicht.

7. Morgan Delt — Morgan Delt (Trouble in Mind) Eigentlich müsste das Album weiter oben sein, aber dazu hab ich es noch zu wenig gehört. Eigentlich ist es mehr oder minder auch schon 2012 erschienen. Eigentlich ist die Welt ja auch echt ok…wie dem auch sei, großartigstes Hirnkino mit verfrickelten Melodieläufen und Beats a lá Unknown Mortal Orchestra. Liebe ich.

8. Goat — Commune (Rocket Recordings) Obwohl ich zum Konzert in Berlin leider erst zur Zugabe da war und das Album nicht unbedingt dauer-rotiert ist, habe ich großen Respekt vor dem Afro-Funk-Psych, den sie irgendwie doch anders kreiieren und live sind sie wohl unter den Top 5 Bands des Jahres, natürlich genreübergreifend.

9. Snøffeltøffs — Hokus Pokus (Snowhite) Auch wenn sie meine Freunde sind und es ihnen ab und an schwer fällt, sich das einzugestehen, schätze ich ihr Tun sehr und unter anderem deshalb muss diese Platte auch propagiert werden. Schöner Kettwurst-Shit-Fi vom Feinsten. Für Leute, die sich ihr Leben nicht zerdenken wollen.

10. Lorelle Meets The Obsolete — Chambers (Captcha Records) Ich tu mich ab und an schwer mit der Masse an düsteren Bands, die sich im Psych-Genre bewegen, aber diese Platte ist einfach nur gut. Simpel und mit ordentlich Schmackes und auch live sehr zu empfehlen. Abgesehen davon sind die zwei MexikanerInnen total süße Mäuse!

Michael Thees / Kassel

1. Döll — Weit entfernt EP (WSP Entertainment) 2. Haftbefehl — Russisch Roulette (Urban) 3. FloFilz — Metronom (Melting Pot Music) 4. Retrogott & Kutmasta Kurt — RetroMastas EP (Threshold / ENTBS ) 5. Figub Brazlevic — KEATS 01: Moabit (Keats) 6. S. Fidelity — Five to Nine (Feelin Music) 7. Carpet Patrol (Suff Daddy & Torky Tork) — Carpet Patrol (MPM) 8. Dilated Peoples — Directors Of Photography (Rhymesayers) 9. Betty Ford Boys — Retox (Melting Pot Music) 10. Johnny Rakete — Per Anhalter durch die Galaxis (WirSindAlles)

Reggae Twins’ Frederik / Better Mus’ Come & Groove / Leipzig, Kiel

1. Redbone — “Come And Get Your Love Guardians Of The Galaxy” war für mich einer der geilsten Filme des Jahres 2014. Der Soundtrack “Awesome Mixtape Vol 1″ hat dazu beigetragen. Eine Mix aus 70er Jahre Softrock, Soul und Pop, der teilweise schon so schmalzig ist, dass es wieder lustig ist. Es schockt einfach wenn ein Superheld auf einem fremden Planeten Redbones Klassiker durch den Walkman pustet.

2. Jah Screechy — Walk & Skank: 2014 gabs die zweite Ausgabe vom Run Tings Festival in Kiel. Dieses Jahr hatten wir Jah Screechy zu Gast und sein größter Hit Walk & Skank auf dem Answer Riddim ist immer für einen Ohrwurm gut.

3. Al Campbell — Rasta Time: Vor ein Paar Wochen hat mir Thore von Thundering Vibration einen Youtube Link geschickt. Ein Soundman der sich bei seinem Namen von den zwei größten Soundmen Englands bedient, spielt in einer Location, die meine Küche sein könnte, ein absolut fettes Set und bringt die Vibes an die Decke. Als Thore den beim Upon My Soul Weekender gespielt hat, habe ich zum ersten mal jemandem geld für einen Pull Up geboten

4. Chronixx — Rasta Man Wheel Out: Ich konnte mir über umwegen Chronixx’ EP auf Vinyl ergattern. Starkes Stück, der Junge wird nicht zu unrecht gehypet. Durfte ihn live beim Reggae Jam erleben dieses Jahr.

5. Die Bullen — Die Bullen Komm: Während ich diese Zeilen zusammentrage ist ACAB Tag. Da hab ich mich erinnert, dass dieser moderne Klassiker des Kieler Polizeiorchesters auch 2014 erschienen ist.

6. Clarendonians — I am Sorry: Eigentlich kein Tune des Jahres für mich, aber Repräsentant einer Riesenüberraschung. Am 4. Januar fand zum dritten mal unser Nighter “Groove” in der Kieler Schaubude statt. Die erste Party lief beschissen, die zweite war besser. Ich hab vor der dritten Party das schlimmste befürchtet. Partyloch nach Silvester, Mucke die in Kiel anscheinend nicht wirklich gut ankommt, weder flyern noch plakatieren gewesen. Ich hab King Irie gefragt ob er das mit mir durchstehen will. Resultat: Der Laden war voll und die Party ging bis fast 7 Uhr. Deswegen ein King Irie Top 5 Tune aus dem zweiten Groove Magazin.

7. The Magic Touch — Guess Who’s Coming To Dinner Version: Bitty McLean im Berliner Lido war für mich vielleicht das Konzert des Jahres. Eigentlich fand ich ihn fast schon ein bisschen ausgelutscht, aber live war das was ganz anderes. Er hat es einfach geschafft einen rappelvollen Laden mit bester Laune anzustecken. Magic Touch als Backing Band dazu war die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Ihre Steppers Version von Black Uhurus Klassiker bzw von Bittys “Plead My Love” hat mich umgeboxt.

8. Errol Dunkley — Acapella Medley at Reggae Jam: Nach einem Haufen Dancehall und noch viel mehr auf Dauer ermüdendem Rasta Geseiere hat Errol auf dem Reggae Jam meine Seele berührt. In der Mitte seines Gigs schwieg die Backing Band still und er spielte ein Acapella-Medley seiner verstorbenen Bredrin. Gregory, Delroy, Sugar Minott und mehr. Ich hätte fast geflennt. Bestes Konzert für mich auf dem Jam.

9. Action Bronson — Easy Rider: Zur Abwechslung mal wieder ein Lied, das wirklich 2014 erschienen ist. Ich weiss nicht was fetter ist. Der Beat, der Rap oder Action Bronson, haha. Das Instrumental samplet ein türkisches Psychedelic Lied: “Ad?m?z M?sk?nder B?z?m” von Mazhar Ve Fuat. Ich kann mir den Track fünf mal hintereinander reinziehen.

10. Delroy Wilson — Better Must Come: Stellvertretend für unsere neue Nighterreihe “Better Mus’ Come” in Leipzig. Alle drei Parties waren super. Wenn wir eine neue Location haben geht es 2015 mit mehr internationalen Gast DJs weiter.

Silvester Klement / derbe.de / Berlin

Das Beste, was ihr zum Thema Musik in 2014 lesen werdet

Laut last.fm ist meine Top 10 aus 2014: 1. Kanye 2. Jay Z 3. Haftbefehl 4. K.I.Z. 5. Milonair 6. Savas 7. Beyoncé 8. Childish Gambino 9. Kendrick Lamar 10. Cro

Im Grunde alles wie immer. Cro ist süß, Kendrick die Zukunft, Gambino auch, Beyoncé ist unsere Diana Ross, Savas ist der gute Rapper von früher, K.I.Z. alle schwul, Jay Z fickt Diana Ross, Kanye Gott.Bleiben Milonair und Hafti. Zu Hafti hab ich auf dieser Internetseite schon einmal etwas geschrieben, den muss man einfach lieben. „Russisch Roulette“ war ziemlich gut und dieses Mal heißt der Farid Bang, der das beste Lied des Albums ruiniert, Marteria. Regen, Traufe, dies, das. Am besten hat Hafti mir dieses Jahr in „Julius Cesar“ gefallen, einfach nur, weil ich Zertifikate mag und er in der Hook auf irgendwas mit einem Zertifikat hinweist. Hafti hat deutschen Gangsta Rap tanzbar und massenkompatibel gemacht. Kann man nicht haten.

Milonair ist ein Hamburger und genau wie Celo und Abdi ein weiterer Typ aus dem Hafti-Umfeld, mit dem man Playstation zocken und lustige YouTube-Videos gucken will. Mein Lieblingslied von ihm war „Bleib mal locker, Lan“. Im Video hält er zwei Welpen in die Kamera, während die beiden anderen (Hafti und Hanybal) grimmig tun. Außerdem ist die Punchline „Was bring dir Felgen, wenn du keine Reifen hast?“ von so großer philosophischer Tiefe, dass Aesop-Rock-Fans die Rucksäcke platzen.

In meinem zweiten Liebling von ihm („Ballermann“) sagt er „WAS SOFTAIR? SCHARFE GESCHOSSE!“. Milonair ist also in der Lage, mit den größten Philosophen unserer Zeit in einer Liga Ballett zu spielen, sich aber gleichzeitig nicht zu schade, eine karriereendende Blutgrätsche auszupacken. Kann man nicht haten.

Irgendwann im Sommer lief außerdem „Dies, das“ von Dexter, Audio88 und Yassin auf unendlicher Rotation. Dexter produziert wie ein Gott und rappt wie ein Gymnasiast. Aber: Er tut dies auf einem Track mit Audio88 und Yassin und wirkt dabei nicht so peinlich wie er könnte. Immerhin. Und dass Audio88 und Yassin so sehr rasieren, dass Gillette und Wilkinson sich gegenseitig darin überbieten, wer in ihren Namen Rasierer veröffentlichen darf („Ich wär gern Gangsta geworden, doch bin zu schön für den Knast“), ist auch nichts Neues. Kann man nicht haten.

Meine persönlichen Entdeckungen des Jahres waren Sonne Ra und Mick Jenkins. Sonne Ra ist Snoop Dogg, wenn er aus Jena käme. „Liebe tötet deinen Feind und öffnet die blutige Faust“. Kann man nicht haten.

Mick Jenkins klingt wie Andre3000 macht in deinem Ohr ein Kind mit Common. Oder so. Kann man nicht haten.

Zwischendurch waren auch Dipset wieder da und ließen eine Hymne da. Und am Ende labert Dame Dash Müll. Kann man nicht haten. Nur vorspulen. Bis 2015.

arvo lurie weller / to synchronize love to the beat of the show

1 Caribou — Our Love 2 Ja, Panik — Libertatia 3 The Notwist — Close to the Glass 4 Taylor McFerrin — Early Riser 5 Trümmer — Trümmer 6 Real Estate — Atlas 7 Flying Lotus — You’re Dead 8 ClickClickDecker — Ich glaub dir garnix und irgendwie doch alles 9 Damon Albarn — Everyday Robots 10 Steve Gunn — Way Out Weather

hugo heiter / rADIO³ — perlen der popkultur / dresden

Klaus Johann Grobe — Im Sinne der Zeit (Trouble In Mind): DAS Album des Jahres von DER Band des Jahres! Nicht nur eines der besten Konzerte dieser Saison (s.u.), auch vereint das Debut des Schweizer Duos, dass mittlerweile zu einem Trio angewachsen ist, melodisch reizvolle Synthesizer-Klangwelten, groovend tanzbare Bassläufe und sphärisch-träumerische Gesangsmelodien — vom die Füße zappeln lassenden Grundrhythmus des Schlagzeuges mal ganz abgesehen. Keine Ahnung, was das für Musik ist: Zu bandmäßig für Elektro, zu ernsthaft und wavelastig für Disko, zu melodisch für Post-Punk, zu verträumt für Krautrock (ach?). Ein unschlagbarer Beweis, dass man für intensiv eindringende Musik weder Gitarren noch feste Genres braucht.

Anspieltip: “KOthek

Chuckamuck — Im Knast EP (Staatsakt): Eine der beiden EPs, die in diese Liste (ausnahmsweise) aufgenommen wurden. Grund: Einzige Veröffentlichung der vier Berliner Rotzlöffel aus dem Jahre 2014. Nicht so wichtig wie die beiden Alben Wild For Adventure und Jiles, aber ein Jahr ohne Chuckamuck ist für mich seit 2011 nicht mehr denkbar. Derber Rock’n’Roll aus den 60ern, gespielt mit lässiger Punkattitude aus heutigen Tagen, gekrönt von (absichtlich) schön schiefem und (nebenbei) so herzergreifend melodischem Gesang, der von allen Bandmitgliedern getragen wird. Dass man das bei Liveauftritten nur am Rande bemerkt, weil man seit dem ersten Song drauf und dran ist alle Energie rauszulassen, sei nur nebenbei bemerkt. Ich habe eine Woche später immer noch gegrinst und dem Rock’n’Roll-Gott gehuldigt, dass ich mich für zwei Stunden zehn Jahre jünger fühlen durfte.

Anspieltip: “Kehrtage

Thee Oh Sees — Drop (Castle Face): Auch wenn mich Drop von der Lo-Fi-Psych-Garage-Institution um John Dwyer nicht so sehr fesselt wie sein Vorgänger Floatin Coffin, muss dieses Album hier aufgenommen werden. Warum? Mastermind Dwyer hat die komplette Band einmal ausgewechselt und bleibt sich dennoch treu (wie geht das?), Thee Oh Sees spielten ihren allerersten Dresden-Gig und ich konnte nicht dabei sein (Das Leben ist ein Hund!) und außerdem, was heißt hier warum? Das sind die OCs, man! Reinhören, aufsaugen, fertig.

Anspieltip: “Camera

Häxxan — Häxxan (Heroic Leisure): Schiefer, unrhythmischer Krach (so scheint es!) aus Israel, der einem da vor den Latz geballert wird. Wunderbar mehrstimmiger Gesang mit eingängigen Zeilen (so ist es!) vor dem Hintergrund einer verzerrten Soundkulisse, die an My Bloody Valentine erinnern könnte, wenn die nicht völlig andere Musik machen würden. Also sucht man die Ähnlichkeit doch eher in Richtung der geographisch weit weg liegenden, US-amerikanischen Westküste und denkt an Ty Segall und Thee Oh Sees (s.o.). Aber man soll ja auch gar nicht soviel denken, sondern mitgrölen, tanzen, Bier verschütten, einen Kater erreichen und sich am Ende fragen: Wie haben die drei das geschafft?

Anspieltip: “Oh No” (Live in an empty auditorium in Tel Aviv)

Menace Beach — Lowtalker EP (Memphis Industries): Oben erwähnte My Bloody Valentine würden an dieser Stelle wohl besser als Vergleich passen, wenn man die ersten Töne hört: zumindest einigermaßen hohe Wälle aus verzerrter Gitarre und verhalltem Gesang. Dazu eine ordentliche Portion Druck für’s Gemüt und fertig ist der Mix. Eine weitere EP hier einfließen zu lassen ist dem einfachen Fakt geschuldet, dass die Band bisher keine sonstige Veröffentlichung herausgebracht hat. Man sollte sie auch gar nicht auf die Shoegaze-Richtung reduzieren, da z.B. in “Where I Come Frome” auch durchaus schnellere Töne angeschlagen werden, die mit Verträumtheit genauso viel zu tun haben wie Schneefall an einem Julitag.

Anspieltips: “Fortune Teller“, “Where I Come From

Purling Hiss — Weirdon (Drag City): Man möchte — vor allem als Sachse — schreien “Ja, ja, ja!!!”, wenn der Refrain des ersten Songs “Forcefield of Solitude”, untermalt von melodiös rauhem Grungepoppunk, einem entgegenschleudert: “I turn down the radio!”. Und so geht es weiter, Song für Song werden hier Hymnen entwickelt, die nicht nur völlig eingängige, schön dreckige Popsongs darstellen, sondern vor allem noch Botschaften enthalten, die einem aus der Seele sprechen und doch so simpel sind: “No more lies”, “I had no invitations, there’s nowhere to belong”. Mal langsamer, mal schneller, jedoch immer mit Melodie und vor allem eins: wunderschön.

Anspieltips: “Forcefield Of Solitude“, “Six Ways To Sunday

Les Rivals — Les Rivals (Casbah Records): Schöner, sanfter, psychedelischer Garagen-Powerpop, der aus den 60er Jahren als Weiterführung der 13th Floor Elevators oder aus den Mod-Tagen der darauffolgenden Dekade entstammen könnte, aber doch im gegenwärtigen Paris beheimatet ist. Dass es sich hier um fünf Franzosen handelt, kann man leicht am Bandnamen erkennen, am Gesang würde das mitnichten klappen: Sehr sehr britisch kommen sie daher, so dass man bei „Glory Days“ nicht umhinkommt zu denken: Da werden doch The Clash verarscht! Ist es nur ein Augenzwinkern? Oder können die einfach so gut englisch? Wie auch immer: Geht ins Ohr! Für jeden, der auf die Allah-Las steht zu empfehlen.

Anspieltip: “Glory Days

Meatbodies — Meatbodies (In The Red Recordings): Wer auf der Plattenhülle den kleinen Labelsticker “In The Red” entdeckt, der weiß’ auch ohne genauen Blick auf das Plattencover schon, in welche Richtung das Ereignis gehen wird: schwer, drückend, verzerrt, psychedelisch — kein Ponyhof auf jeden Fall! Daher überraschen die ersten Töne nach dem Intro eigentlich auch nur derart, dass es hier zusätzlich noch extrem punkig und schnell zur Sache geht. Ty Segall unterstützt am Schlagzeug, der Großteil des Hau-Drauf-Werkes stammt jedoch aus der Feder von Chad Ubovich und wird auch größtenteils von ihm eingespielt. Klingt wie: Fuzz, Ty Segall Band, Mikal Cronin, Black Lips.

Anspieltips: “Wahoo“, “Him

Eagulls — Eagulls (Partisan Records): Wut! Melodie! Aber noch viel mehr Wut, nicht nur in der Stimme! Sie machten Anfang 2013 auf sich aufmerksam, als sie einen offenen Brief auf ihrem Blog veröffentlichten, der — gelinde gesagt — fast alles auf’s Schärfste beleidigte und vor den Kopf stieß, was sich im Musikbusiness so herumtreibt. Gab natürlich Ärger (und Bekanntheit), die Band deklamierte es als Scherz und hat den offenen Brief durch ein Bild eines durch die Beine gedrängten Penisses ersetzt. Abgesehen von dieser netten Episode, die die Band natürlich auf ewig verfolgen wird, machen die 5 Jungs aus Leeds Punk bzw. Post-Punk mit einer Energie, die sprachlos macht und dich fragen lässt, wo denn plötzlich die Wut herkommt, die so langsam in dir heraufsteigt und eigentlich auch ausgelebt werden muss. Wo sind hier ein paar Pflastersteine?

Anspieltips (beide von der 2012er EP — aber so gut!): “Coffin“, “Moulting

Jack White — Lazaretto (Third Man Records): Was für eine Platte! Bei den ganzen Feautures der “Ultra-LP”, die sie einzigartig machen und größenteils auch erstmal überhaupt auf einer Vinylscheibe vorzufinden sind, könnte man glatt die Musik darüber vergessen: Hologramm-Engel, die sich drehen, die A-Seite läuft von innen nach außen und startet — je nach Position der Nadel — mit einem akustischen oder elektronischen Intro, selbst die Label in der Mitte beinhalten zwei versteckte Songs, wobei — um den ganzen die Krone aufzusetzen — eine Seite bei 45, die andere bei 78 RPM gespielt werden muss. Dass man die Musik aber dennoch beachtet, liegt zum einen an der musikalischen Gewandheit dieses, ich lehne mich mal aus dem Fenster, Genies und zum anderen an der deutlich rockigeren Ausrichtung im Gegensatz zum Vorgänger Blunderbuss, den ich persönlich zu bluesig fand. Auch wer den White Stripes hinterhertrauert, wird hier auf seine Kosten kommen.

Anspieltip: “High Ball Sleeper

Konzerte 2014: Klaus Johann Grobe (22.9., Altes Wettbüro Dresden) Thee Oh Sees + Gelbart (26.8.,Scheune Dresden) Ty Segall + J.C. Satan (5.11., Beatpol Dresden) Bassdrum Of Death + Zentralheizung of Death (25.11., Groove Dresden) Audacity + Häxxan (8.9., Groove Dresden) Freddy Fischer (7.11., Groove Dresden) Mountain Witch (3.9., Groove Dresden) Brian Jonestown Massacre + Weird Owl (12.6., Beatpol Dresden) Caribou (21.6., Mauerpark Berlin) Flying Socks + Projekt 2+ (21.1., Groove Dresden) King Khan & The Shrines + Chuckamuck (23.3., Scheune Dresden)

Moritz Stetter / demotapecomix / Hamburg

01. Timber Timbre — Hot Dreams (Arts & Crafts) 02. The Coral — The Curse of Love (Skeleton Key Records) 03. Adult Jazz — Gist Is (Spare Thought) 04. Niobe — Child of Paradise (Onglagoo) 05. Karl Hector & The Malcouns — Unstraight Ahead (Now-Again) 06. Bohren & Der Club of Gore — Piano Nights (PIAS) 07. Peter Walker — Has Anybody Seen our Freedoms? (Delmore Recordings) 08. The Brainstems — Cold Sweatin’ (Peacebath Records) 09. The Amazing Snakeheads — Amphetamine Ballads (Domino Records) 10. Chuckamuck — Im Knast (Staatsakt)

der digitale flaneur zählt auf / Berlin

Haftbefehl — Russisch Roulette (Urban) Guts — Hip Hop After All (Heavenly Sweetness) Nehruviandoom — dto (Lex) Team Avantgarde — Absolut (Vinylrelease) (Edit) Antilopen Gang — Aversion (JKP) Eloquent & wun two — Jazz Auf Gleich (Sichtexot) Bugseed — Magnetics LP (bugseed.bandcamp.com) Carlos Cipa — All Your Life You Walk (Denovali Records) Avishai Cohen Trio — From Darkness* (RazDaz Recordz) Ez3kiel — Lux* (Ici d’Ailleurs / Broken Silence)

(* beides Mal: Publikation in Dtl. erst 2015)

finneus funk / dresden

2014 — die Guten ins Töpfchen, die Schlechten soll der Teufel holen!

10. Kosmonaut Festival 27.-29. Juni 2014 @ Stausee Rabensein / Chemnitz So besonders oder irgendwie herausragend ist das Kosmonaut eigentlich nicht. Warum es trotzdem hier die Top-Ten eröffnet hat einen simplen Grund: es sind wie so oft die Menschen die dran beteiligt sind und die kleinen Dinge.Der Sommer wusste Ende Juni noch nicht so richtig was er eigentlich werden will, Chemnitz liegt irgendwo im nirgendwo. Ach und wenn man eh grad im Festivalmodus ist, kann man ruhig mal nen Blick riskieren wenn man grad in der Gegend ist. Die angesprochenen Menschen sind meine überaus erfahrene Festivalgang, die kleinen Dinge ein ein Meter mal ein Meter großer Abstellschuppen mitten auf dem Festivalgelände. Das Ding schimpfte sich „Wettbüro“, war tagsüber immer besetzt und Mensch konnte hier einen Tipp abgeben, wer den der ominöse geheime Headliner sein wird. Klingt alles ganz harmlos, ist es aber nicht wenn meine Suffköppe und ich entdecken, dass die Bude irgendwann nicht mehr besetzt ist, aber auch nicht abgeschlossen. Ich denke es ist absolut logisch und nachvollziehbar, wenn wir volltrunken wie wir waren die Gunst der Stunde genutzt haben und das Wettbüro einfach wieder eröffnet haben. Hummel, Roy und Lisa quetschten sich rein, ich mit den andren davor und es dauerte keine fünf Minuten, bis sich die ersten Kosmonauten hinter uns anstellten und ihren Tipp abgeben wollten. Auch die eindringliche Ansage, dass wir nur irgendwelche Idioten sind die das Ding gekapert haben scheint niemanden so richtig beeindruckt zu haben. Ein paar zuckersüße kleine Mädels wollten unbedingt noch ihren Tipp abgeben. Wir daraufhin in professionellstem Englisch: „no headliner“. Wollten sie nicht glauben. Wir mit Nachdruck: „there are no headliners!“ Wollten die Mäuse immer noch nicht glauben. Roy in seiner charmantesten Art: „no FUCKING headliners, bitches!“. Mittlerweile hatten sich einige dutzend Festivalbesucher in die Schlange zum wieder eröffneten Wettbüro eingereiht und wir mussten die Katze aus dem Sack lassen, der geheime Headliner war niemand anderes als die weltberühmten „no-fucking-headliner-bitches!“ Frage mich wann die 2015 wohl so überall auf Tour gehen werden. Song: // Schwule Mädchen //

9. Death from Above 1979 — The Physical World Über die Jungs kann man ja sagen was man will, aber nach viel zu langer Abstinenz haben die mit der Scheibe einfach mal das bitternötige Quäntchen Krach rausgehauen, was 2014 gefehlt hat. Für mehr Radau aus den Boxen, word! Song: // Trainwreck 1979 //

8. Future Islands — Singles Auch über die Jungs lässt sich trefflich streiten, aber das hier ist was ganz persönliches. Nicht wenige empfinden Stimme und Gestus vom Frontmann neben Waterboarding als eines der schlimmsten Folterinstrumente der CIA. Mag sein, aber ich steh drauf, wenn dieser Typ auf der Bühne wie kongolesischer Hochlandgorilla herum springt und schreit und schwitzt und sich mit der Faust auf der Brust trommelt. Die Naturforscher unter uns wissen, dass Gorillas aber auch sehr einfühlsame Wesen sind — die Platte beweist das. Song: // A Dream Of You And Me //

7. Wild Beasts 21. November 2014 @ Electronic Beats im Täubchenthal / Leipzig Oh ja, Electronic Beats. Letztes Jahr in Dresden war das schon ne musikalische Offenbarung — warum also nicht auch in Leipzig vorbei schauen. Mit dem nicht-Auftritt von Warpaint, oder dem schwulsten Auftritt ever von Asbjörn (im positiven Sinne! Was der blonde dänische Jüngling mit seinen Hüften macht ist der Wahnsinn!) halt‘ ich mich nicht lange auf. Das Zuckerle war eindeutig der Gig von Wild Beasts. Ich kenne keine Band wo Kopf- und Bassstimme auf derart eingängig-popige Art harmonieren. Setzt die Kopfstimme jagt mir schon Schauer über den Rücken. Aber wenn der Bass einsetzt krieg ich einfach nen Eisprung und will breitbeinig auf die Bühne hüpfen. Song: // A Simple Beautiful Truth //

6. Sam Smith — In the Lonely Hour Noch so ne Sahneschnitte. Sam Smith hat mit seinem Debüt wohl den herzzerreißendsten homopop des Jahres abgeliefert. Das darf er aber auch. Dem glaub ich das. Wer so ehrlich und so klar von love und dem ganzen Scheiß singt, der darf mich gerne ma um ein Date bitten. Wie wärs mit Samstag? Da hab ich noch nix vor. Song: // Like I Can //

5. Editors 12. März 2014 @ Alter Schlachthof / Dresden Die Editors — wie Interpol, nur in schlecht und überflüssig sagen manche. Mir egal, die Jungs sind auch ne ganz alte Liebe von mir und das Konzert im Schlachthof folglich ein Muss. Der völlig überbordende Pathos, den die Jungs da von der Bühne runter geträllert haben tropfte Stunden später immer noch an mir hinab. Wenn ich dran denke wie der Frontmann über die Bühne gehüpft ist und die ganz großen Gesten brachte — eine endlose Orgie war das. Der Typ hatte doch die ganze Zeit Sex mit seinem Klavier und seinem Mikrophon! Früher war mehr Pathos? Bullshit! Heute, genau heute darfs gerne noch bissl mehr Pathos sein! Song: // Bones //

4. Spoon — They want my Soul Spoon, dachte ich mir so, sind die nicht auch so 2006? Da war doch mal was, fand ich die in grauer Vorzeit nich mal richtig geil? Mit der Platte wusste ich wieder warum. Dank der LP sind Spoon wieder eine der Wiederentdeckungen schlechthin. Bei dem Album stimmt aber alles. Wenn ich meine Wiedergabestatistiken durch sehe, dann liefen die bei mir rauf und runter — zu Recht! Mal werden die dir Songs sanft vor die Füße gelegt, manchmal brachial um die Ohren gehaun. Ich würd mich fast dazu hinreißen lassen zu behaupten die Platte hat keinen einzigen schlechten oder nur durchschnittlichen Song. So muss Rock’n’Roll früher mal geklungen haben. Song: // Let Me Be Mine //

3. José González 10. Oktober 2014 @ Täubchenthal / Leipzig Dazu kann und will ich nicht viel sagen. Das war schön, einfach nur wunderschön. Herzmoment pur! Song: // Far Away //

2. Trümmer — Trümmer Die Jungs wurden ja dieses Jahr dann doch noch ganz beachtlich von der Presse gelobt. Musikalisch alles unausgereift, keine große Kunst. Die Texte irgendwo zwischen Schlager und Punk. Aber genau deswegen ist das Debüt für mich Album des Jahres. Was die Jungs um Paul Pötsch transportieren, leben und verkörpern ist ein Gefühl und zwar genau das Gefühl von Ratlosigkeit, Wut und Alles-wird-gut, was uns Twenty-Somethings so gern nachgesagt wird. Scheiße verdammt, zwischen Selbstoptimierung und Selbstausbeutung muss es doch noch was andres geben? Vieles läuft schief in der Welt, in unserm Land, auf unseren Straßen. Niemanden scheint’s zu interessieren. Was ist denn nun mit der Revolte? Wo bleibt denn die Euphorie? Trümmer stellen die richtigen Fragen. Song: // Wo ist die Euphorie? //

  1. Arcade Fire 17. Juni 2014 @ Junge Garde / Dresden Arcade Fire — die beste Liveband der Welt (hat mal irgendjemand gesagt) endlich mal selbst live zu erleben war ein großer Traum. Dieses Jahr wurde er wahr. Im Grunde genommen ist jedes Konzert, jedes Festival, jedes musikalische Ereignis danach bedeutungslos. Eigentlich könnte ich nach dieser musikalischen Offenbarung beruhigt sterben. Ich machs aber mal lieber nicht, sonst könnte ich ja die Gelegenheit verpassen Arcade Fire irgendwann noch mal zu sehen. Bestes Konzert des Jahres. Bestes… ach hör doch auf, Worte bringen’s nicht. Und der Reflektor! Alter, der Reflektor! Ich hör auf, das Konzert war viel, sehr viel, fast ein bisschen zu viel. Song: // Reflektor //

Markus Mehlig / Tape That / Dresden

1 Wun Two — Rio 2 Gibmafuffi — Trinkhallenromantik 3 MC Bomber — PBerg Battletape #3 4 Dream Panther — Beyonce’s Child 5 Carpet Patrol — Carpet Patrol 6 Retrogott — Loopings (Beattape) 7 Sterio — Transmissions EP 8 Cuthead — Total Sellout 9 Sylabill Spill — Steine und Zwiebeln 10 Audio88 — Der letzte Idiot

Carmen Sense / Bandsalat

Blues Pills / Blues Pills / Nuclear Blast Da hatte und hat mich, bei jedem weiteren Hören, der Wahnsinn wieder! Tanzende Raubzüge durch’s Land, liebevolle Kneipenschlägereien, Knastausbrüche…. Ich wär, dank übertriebener Gefühlsausbrüche durch die Musik, zu so ziemlich allem bereit — was verboten ist und Spaß macht.

The Picturebooks / Imaginary Horse / Riding Easy Records (Action Bronson / Mr. Wonderful / … kommt ja erst in 2015 Atlantic/Vice … however) Zu “Your Kisses Burn Like Fire” war ich in diesem Jahr mit Easy Rider Bronson in einem Stripsaloon. Stellt Euch ein Mashup vor. Videos & Tunes laufen ineinander. Action landet, nachdem der Berg gerufen und das Gitarrensolo ein Ende gefunden hat, in einem legendären Stripsaloon. Er tritt durch die Schwingtür und begibt sich zielstrebig an die Theke zu seiner rechten, ordert einen Whisky und begutachtet die Ware. Aus den Rundtischen ragen Stangen empor, an denen herrliche Huren zugange sind. Sein Blick fällt auf die Treppe, die nun von der göttlichen Alten der Picturebooks begangen wird. Action Bronson zielsicher anvisiert, funktioniert sie den Tresen kurzerhand zum Laufsteg um. Der Barkeeper macht ihn, bereits in Ekstase verfallen, mit einem Baseballschläger begehbar. Wortlos wird Ihr ne Pulle vom braunen Gold gereicht, die sie professionell anpumpt und sich tanzend zu Mr. Wonderful begibt. Ihr Sexappeal würde selbst Selma Hayek in den Schatten stellen; wenn Sie ihrem Beispiel folgt, vor Bronson halt macht, in die Kniebeuge geht und ihn küsst. Völlig berauscht beginnt er „Your Kisses Burn Like Fire“ zu singen und lässt sich, willig wie Tarantino, zehenlutschend den Whisky seines Lebens servieren. Verdammt! Gibt es sowas überhaupt? Irgendwo? Wenn ich groß bin, will ich ‚nen Stripsaloon mit Schwingetür und / oder Filmmusikdirektor werden. „Your Kisses Burn like fire“ und „Easy Rider“ sollten jedenfalls liebe machen. Die Direktoren des Jahres waren zweifelsohne

Dilated Peoples / Directors of Photography / Rykodisc (Warner) Let your thoughts fly away hat mich in einen tranceartigen Zustand versetzen können und zur befreienden Überzeugung geführt, dass die Platte im Ohr der Stoff für zukünftige Erinnerungsbretter sein wird. Neuer Classic.

Verb T / Medicated Dreams / High Focus Records Meine Fresse, wie lange ich mir bereits die Herrschaften von High Focus herbeiwünsche ist unbefriedigend für jeden, der bereits in den Genuss gekommen ist und eine gottverdammte Schande für dieses Schland. Die Jungs killen geschlossen unbeirrt. Wir sollten eine Petition starten.

Fliptrix / Polyhymnia / High Focus Records Eine der absoluten Faves! Der erste Track fickt bereits so dermaßen von den Füßen. Folglich läuft man beim zweiten, dank Einsatz von Rag’n Bone Man, in Gefahr völlig die Fassung zu verlieren.Apropos…

Rag’n Bone Man / Put that Soul On Me / High Focus Devil’s Pie verdammt! Der vorbildlichste Feuchtmacher seit einer gefühlten Ewigkeit. Es ist schier unmöglich unberührt zu bleiben, während Rag’n Bone Man mit seinem Vibratorvibe das tiefste Tief stimuliert und man ganz unbedacht, dafür gefühlvoll, Arschklatscher in der Luft verteilen könnte.

Apathy / Connecticut Casual / Demigodz Records & Dirty Version Von ‘ner neuen Platte hab ich schon ewig geträumt und er hat meinen Wunschtraum verwirklicht.

Via Rosa / Cinderella ‚99 / … über soundcloud gefunden, ohne Label? Ich hör nur in den seltensten Fällen „Frauenrap“, die Platte mag ich aber echt gern. Dame des Jahres.

Broke/ / Sketches / … über bandcamp gefunden, ohne Label Hab ich in Schleife laufen gehabt.

Said sur la place / Daddy Bug & Friends diggin’ Classics Die erfreulichste Post des Jahres auch. Ich stand da im Platzregen und Ronny Ramone hat mir einen Anlass zum tanzen gegeben! Herzensdank auf ewig.

Audio88 / Der letzte Idiot / Analog Alpha Audio und Anhang kommen am 24. März und geben im Kölner Underground ein Konzert. Ich freu mich immer, wenn Rapkonzerte dahin ausgelagert werden. Die üblichen Veranstaltungslocations ziehen mich kaum noch. Im Underground hab ich die Erfahrung gemacht, dass das Publikum und / oder die Stimmung eine bessere ist. Subjektiv! Tickets für’n März gibt’s für 13.90€ …

Smellington Piff — Notice of Eviciton

Allah-Las / Worship The Sun / Innovative Leisure

Betty Ford Boys / Retox / MPM

Twit One / Invisble Headsets / … bandcamp? HA! Und soeben auf’n letzten Drücker noch von diesem Twit Uno verzaubert worden, wie schön is das denn?!

Der Track der mich echt am abartigsten hat ausrasten lassen in diesem Jahr, war Pomrad — Dwang (This Day EP) .. man müsste Schaufel und Sparten zum überrap zwingen. Is halt leider ‘ne 2013er Platte … aber so für dich / euch .. whisky pumpen, hören, rasten und zwar aus … mit “Jackie Diiiiiii ohne dich ist nichts los…” von S&S im Anschluss. Sollten wir auch mal gemeinsam zelebrieren!

Das wundervollste was mir musikalisch widerfahren ist, war tatsächlich die Taxifahrt zur Welle One Love! Nachdem mein eigentlich vorbestellter Taxifahrer, lauthals über seinen Ersatzfahrgast hinwegpöbelnd, mit dem mittleren winkend an mir vorbeifuhr, kam ein 50jähriger Ostblockchameur mit unverkennbarem Akzent zur Rettung. Nachdem er die erste Ladung an schmutzigen Witzen und zweideutigen Bemerkungen abgeballert hatte, meinte er „aaah .. ich bin schmuuutziger alter Mann“. Was zum Wohlfühlfaktor und noch mehr Vorfreude, auf Euch Lüstlinge, führte. Während ich ihm zu erzählen begann, dass er mich gerade zur Aufnahme einer Radioshow mit guter Musik bringt, wurde ich umgehend zum Bluetooth DJ ernannt. Von der Südstadt bis Ehrenfeld lies er die Boxen kotzen. An roten Ampeln, fingen die Leute, nach anfänglicher Verwirrung, an zu tanzen und Monsieur Chauffeur war ebenfalls hart am abspacken. Auf die Frage „Ja und watt hörst Du eigentlich so?Vielleicht hab ich auch was für dich dabei!?“ .. meinte er nur „Njaaaaaa.. ich hooore alleees und wenn ich einen geraucht hab, sogar Klassik!“. Vor Carsten’s Tür angelangt lief „Brothers On The Slide“. Es war der schönste Gang zum Musikaltar und dem Zusammenschluss mit den Jungs. Hach!

Wir vergessen nicht, dass es nicht nur Musik ist, auf die wir hören sollten. Der letzte Beitrag zur Welle One Liste kommt von Roman Weingartner, San Francisco.

Romanowski / San Francisco

10 People that have been murdered by the police in the US

OSCAR GRANT ALEX NIETO ERIC GARNER MICHAEL BROWN SEAN BELL JOHN CRAWFORD AEMAND BENNETT ALAN BLUEFORD AMADOU DIALLO EZELL FORD

Vielen Dank an Flo und Liebke, für die Liebe und Geduld. Danke Quitzi, FrauNova, Bisaz, Silvestah, und Mardt für die Worte, die ständige Inspiration. Erich, Ike, Moritz, Hugo und Björnson für die Musik. Liebe an Arvo, Martin, Tobi, Carmen, Mardi und Fredi für ihre Freundschaft.

Welle One Love!