CD vs. Vinyl vs. Lossless — Ein detailliertes Duell der Klangtitanen

Rum Coconutwater
5 min readJul 11, 2023

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CDs und Schallplatten haben sich im Laufe der Zeit zu bedeutenden Symbolen entwickelt und genießen einen beispiellosen Ruf. Jedes dieser Medien offenbart eine ganz eigene Klangqualität und ermöglicht eine faszinierende Hörerfahrung. In diesem Artikel werden wir tief in die Welt der Tonexzellenz einzelner Formate eintauchen und den spannenden Vergleich zwischen CD, Vinyl und digitalem High Resulition Audio noch weiter vertiefen.

Klangqualität

Schallplatten wird nachgesagt, dass sie wahre Meisterwerke der sonischen Kunst sein. Durch die subtilen Schattierungen und harmonischen Facetten, die durch die physischen Reliefs (Zacken innerhalb der Rille) auf der Platte erzeugt werden, entsteht eine unvergleichliche Akustik voller Wärme und Natürlichkeit. Jedes Relief repräsentiert einen spezifischen Ton. Doch ist der Vergleich von Abtastrate und Frequenzspektrum etwas verwirrend. Eine gängige 12 Zoll, 33 rpm Schallplatte hat ein Frequenzspektrum von ca. 22 kHz, was in etwa einer digitalen 44,1 kHz Samplingrate gleich kommt. Grund hierfür ist das sogenannte Nyquist-Shannon-Abtasttheorem, nach welchem die Samplingrate mindestens das Doppelte der höchsten darzustellenden Frequenz betragen muss, um das Signal korrekt zu erfassen. Die Bit-Tiefe einer LP liegt umgerechnet bei 24+ Bit.

CDs hingegen verwenden eine Abtastrate von 44,1 kHz , also 44.100 Samples pro Sekunde, um die akustischen Impulse so originalgetreu wie möglich wiederzugeben. Dabei wird eine Bittiefe von 16 Bit genutzt. Das Ergebnis ist eine geringer Bittiefe, aber auch geringere Nebengeräusche, wie z.B. das bekannte Grundrauschen einer Schallplatte.

Die Schallplatte gewährt mit ihrem breiteren Lautheitsspektrum und der beeindruckenden Klangdynamik ein unvergleichliches Qualitätsmerkmal gegenüber der CD. Denn das sogenannte erhöhte „Lautheitsspektrum“ von Vinyl bezieht sich auf die Inszenierung der Lautstärkeunterschiede in einer Audioaufnahme durch die Bittiefe. Bei Schallplatten ist das Lautheitsspektrum im Vergleich zu CDs etwas breiter (vereinfacht: CD 16 Bit/ LP 24+ Bit). Die physischen Reliefs in der Rille und die Variationen im Schalldruck ermöglichen eine natürliche Abbildung der Lautheitsunterschiede und verleihen der Musik eine besondere Lebendigkeit. Dadurch entsteht ein dynamischerer Klang mit deutlichen Unterschieden zwischen leisen und lauten Passagen. Dieses einzigartige Charakteristikum der Schallplatte macht das Hörerlebnis zu einer wahren Freude für audiophile Musikliebhaber*Innen.

Bei CDs hingegen basiert die Wiedergabe auf einer digitalen Abtastung und Speicherung des Tons in Form von Samples. Die Lautstärke wird dabei durch die Anzahl der Bits in der sogenannten „Bittiefe“ repräsentiert.

Taktile Erfahrung und Ästhetik

Vinylplatten bieten eine sinnliche und nostalgische Erfahrung, die in der heutigen computerisierten Welt kaum zu finden ist. Das Berühren der Platte, das Auflegen auf den Plattenteller und das Erleben der visuellen Eleganz einer LP sind Momente der Sinnesfreude. Das Cover in voller Größe ermöglicht ein ästhetisches und haptisches Vergnügen, das das Musikerlebnis auf eine ganz neue Ebene hebt. Ganz im Sinne der sog. “sinnlich-künstlerischen Erziehung” der Waldorfpädagogik passiert hier etwas, das wir Menschen in unserer künstlich, oft auch sehr virtuellen und isolierten Welt immer weniger finden. Und zwar geht es um das Erleben mit allen Wahrnehmungssinnen. Sei es visuell, auditiv, olfaktorisch (geruchlich), taktil (haptisch) oder interozeptiv (innerlich, empfindend) usw.

Auf der anderen Seite haben CDs ein praktisches und kompaktes Format. Sie sind handlich und leicht zu transportieren. Vor der Zeit des Streamings waren sie auch überall einsatzbereit. Doch CD-Laufwerke und -Player sind in 2023 ein rares Gut geworden. Einen Pluspunkt bietet aber die Tatsache, dass Jewelcases jederzeit ausgetauscht werden können, womit Abnutzungen an der Hülle leicht behoben werden können. Dann wäre da noch das Booklet, das neben der Artwork oft auch Texte über die Interpreten, ihre Geschichte, alte Fotos und gelegentlich auch die Lyrics der einzelnen Tracks enthält. Dies eröffnet den Hörern eine Welt der Informationen und Geschichten rund um die gehörte Musik. Im Falle der Lyrics gelegentlich auch poetische Erquickungen.

Masters und CD- bzw. Vinylqualität

Bei Vinyl wird in audiophilen Kreisen oft von analogen Mastern gesprochen, die den spezifischen Charakter des Vinyls noch weiter betonen können. Jedoch seit 1982, als die Compact Disc von Philips und Sony gemeinsam auf den Markt gebracht wurde, finden auch sehr viele digitale Master ihren Weg auf Vinyl. Unter Berücksichtigung der oben ausgeführten Eigenheiten in der Klangqualität führt dies zu einem suboptimalen Ergebnis, das die Limitierungen von digitalen und analogen Formaten vereint. Es gibt Möglichkeiten, den Ton nicht-analog so zu modellieren, dass er dennoch vinyloptimiert ist. Dies stellt jedoch für gehobene klangliche Ansprüche keine Option dar. Bei vielen Veröffentlichung, gerade abseits des Mainstreams, kommt es auch regelmäßig vor, dass die Masterbänder nicht mehr auffindbar sind. Doch alleinig in Bezug auf die Qualität ist daher fraglich, ob eine Vinylveröffentlichung in solchen Fällen überhaupt sinnvoll ist. Auf der anderen Seite kann eine sehr ähnliche Qualität mit 24 Bit oder 32 Bit Digital-Masterns erzeugt werden. Dies übertrifft wiederum den Standard von 16 Bit bei der Compact Disc.

Nun, im Jahr 2023 und eigentlich schon seit dem Revival der Schallplatte (ab ca. 2006–2008 und anhaltend) ist es gängige Praxis geworden, digitale Masters auf Vinyl zu pressen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Wertvolle Originalbänder müssen nicht an Lizenznehmer verliehen werden. Porto, Zeitersparnis und nachträgliche Editierungen sind hier auch wichtige Themen, die es zu nennen gilt. Für audiophile Ansprüche ist somit die Wahl des richtigen Masters, unter Beachtung des herzustellenden Formates, entscheidend um qualitativ so nahe wie möglich an den Originaltonbändern zu bleiben.

CDs wurden anfangs noch in „AAD“* gepresst. Später dann, mit der zunehmenden Digitallisierung wurde “DDD”* das neue Verfahren der Wahl. Auch hier wird dem „AAD“* nachgesagt höhere Originaltreue des Klanges zu gewährleisten.

High-Resolution Audio

Eine weitere spannende Möglichkeit ist das High-Resolution Audio. Mit höheren Abtastraten und Bittiefen als CDs ermöglicht dieses Format eine noch präzisere Erfassung und Wiedergabe von Audiosignalen. Formate wie FLAC (Free Lossless Audio Codec), ALAC (Apple Lossless Audio Codec) oder DSD (Direct Stream Digital) haben eine verlustfreie Kompression und können eine beeindruckende Hochwertigkeit liefern.

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung im Bereich des High-Res. Audios ist die „Super Audio CD“, kurz SACD. Sie nutzt mit 24 Bit eine deutlich höhere Bittiefe, durch die die Musik präziser erfasst und wiedergegeben werden kann. Im Vergleich dazu nutzen herkömmliche CDs lediglich eine Tiefe von 16 Bit.

Zusätzlich zu den erhöhten Bittiefen gewähren Formate wie FLAC, ALAC und DSD eine verlustfreie Kompression. FLAC und ALAC nutzen eine Bittiefe von 16 oder 24 Bit, während DSD eine Bittiefe von 1 Bit verwendet. Obwohl die Bittiefe von 1 Bit im Vergleich zu den üblichen 16- oder 24-Bit-Bittiefen anderer Formate sehr niedrig erscheinen mag, verwendet DSD eine sehr hohe Abtastrate, normalerweise 2,8224 MHz oder 5,6448 MHz. Dadurch wird eine enorm exakte Darstellung der Audiosignale erreicht und ein großer Dynamikumfang ermöglicht.

Who’s the Winner?

Die Wahl zwischen Vinyl, CD oder digitalen Formaten hängt letztendlich von den persönlichen Vorlieben bezüglich Klang, Sinneserfahrung und Handhabung ab. Digitale Formate können besonders bei begrenztem Budget oder wenig Platz vorteilhaft sein, was für Menschen mit geringem Einkommen einen deutlichen Unterschied machen kann. Unter praktischen Gesichtspunkten nehmen CDs den zweiten Platz ein, da sie deutlich günstiger und kleiner sind als Vinyl. Wer schon mehrmals mit einer Plattensammlung umgezogen ist, wird verstehen, warum LPs an dieser Stelle den dritten Platz einnehmen. Doch da nun klar geworden ist, dass es verschiedene Beeinflussungsfaktoren für die persönliche Präferenz gibt, bleibt zu sagen, dass sich die unterschiedlichen Formate nur schwer miteinander vergleichen lassen, da jedes seine ganz eigenen Vorzüge hat. Dies gilt hinsichtlich der Qualität, aber auch auf weiteren Ebenen wie Anschaffungs- und Unterhaltungskosten, die Erfahrung beim Auflegen und persönliche Prioritäten.

~ Geschrieben von: DJ Kahuna, Co-Autor: Spock. 2023 für www.rum-n-coconutwater.com

*DDD (Digital Recording, Digital Mixing, Digital Mastering) und AAA (Analog Recording, Analog Mixing, Analog Mastering) sind Begriffe in der Audioproduktion. DDD steht für vollständig digitale Produktion, wohingegen AAA für eine durchgehend analoge Produktion steht.

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