Meine Entschuldigung für Instagram.

Ich selbst habe einen Account auf Instagram (und Facebook).
Aber was gebe ich online (vor allem bei Instagram) über mich selbst Preis und was erwarte ich mir eigentlich davon? Was sind die Beweggründe all dieser Millionen von Menschen — und mir, die Dinge online zu stellen?
Ich gebe schon zu, mir macht es Spaß meine Momente und Erinnerungen im Netz zu teilen, ich bin auch eine dieser Menschen, die gerne mal ihr selbstgekochtes Essen fotografieren und posten. Die Frage warum ich all das mache, habe ich mir ehrlich gesagt bisher so direkt und bewusst noch nie gestellt.. Und natürlich freue ich mich darüber, wenn ich ein “like” für eines meiner Bilder erhalte. Aber ich würde nicht von mir behaupten, dass ich darüber enttäuscht bin, wenn eines meiner Bilder nicht mindestens 10 Likes hat. Auch bin ich keine dieser Menschen die morgens aufsteht und als erstes Facebook und Instagram checkt und sofort neue Bilder von sich hochlädt.

Ich denke ich teile einfach gerne meine schönen Momente mit anderen, genauso gerne wie ich mir eben die schönen Erinnerungen und Momente meiner Freunde anschauen möchte — man muss dazu sagen ich versuche es bewusst zu vermeiden, Personen oder Gruppierungen zu folgen, die in mir Gefühle wie z.B. Neid aufkommen lassen. Klar denke ich mir manchmal auch bei Bildern meiner Freunde ‘wär doch jetzt super in Las Vegas zu sein, anstatt sich hier den hintern abzufrieren’ , aber die Schiene, dass ich anderen nacheifere, fahre ich nicht.
Ich finde es nunmal unglaublich spannend andere zu verfolgen, die auf Reisen sind, in einer anderen Stadt wohnen oder vielleicht doch sogar in der selben Stadt wie ich wohnen und einfach andere Dinge als ich entdecken. Manchmal sind sie aber auch in Indien, Kanada, Neuseeland, Thailand und was weiß ich noch wo sonst, Orte, von denen ich bisher vielleicht gar nicht wusste, dass ich sie sehen möchte.

Ich folge Accounts, die sich mit dem Reisen und Wandern beschäftigen um mir Inspirationen für neue Ziele zu suchen, Accounts, die sich mit Sport und einem gesunden Lebensstil befassen, weil es mir selbst wichtig ist. Die Möglichkeit all dieses Wissen teilen bzw. sich auf diese Weise Inspirationen suchen zu können, ist so einfach wie nie und so bereichernd wie nie — finde ich. All diese Bilder spornen mich an all diese Orte besuchen zu wollen und die Rezepte, die ich finde bringen mich dazu immer neues auszuprobieren.
Für mich ist Instagram eine Entdeckungsreise.

Ich entscheide, was möchte ich sehen und was möchte ich zeigen. Freiheit ist eben auch die Freiheit, sich zu verweigern. Und ich denke dieses Bewusstsein ist der Kern der ganzen Geschichte. Die Schwierigkeit ist es sich in dieser Fantasiewelt von tollem Essen, wundervollen Einrichtungen, atemberaubenden Orten und schönen Menschen nicht zu verlieren. Und um dieses Bewusstsein zu besitzen muss man mit Sicherheit eine gewisse Reife, Erfahrung und auch Wissen über die Verbreitung von Medien besitzen. Und das ein 12-jähriges Mädchen sich von all diesen Aspekten völlig übermannt und überfordert fühlt und eventuell in die komplett falsche Richtung abrutscht passiert sicher schnell. Für viele ist dieser Lifestyle leider auch das non plus ultra, alles darunter wird nicht akzeptiert und mit weniger wollen sich viele dann auch einfach nicht mehr zufrieden geben, in der Angst sie könnten weniger Wert oder weniger Aufmerksamkeit als andere bekommen. Selbstbewusstsein ist hier sicher ein super Stichwort. Dieses leidet mit am meisten.

Ich behaupte mal, davon bin ich weit entfernt, aber vielleicht bin ich auch nur wie eine dieser anderen, die sich ihrer Situation gar nicht mehr bewusst ist und nur eine reine Entschuldigung für ihre komplette Selbstdarstellung sucht.

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