Die Naivität einer unterbelichteten Mutter

Gestern hatte ich das Vergnügen meine drei Cousins zu unterhalten; Max*, Niklas* und Jonas*. Max ist 5, Niklas 7, und Jonas 14. Lasst mich eins sagen: Deren Mutter hat so gut wie alles bei der Erziehung falsch gemacht.

Nur zur Info; diese Frau ist nicht meine Tante. Sie ist bzw. war die Freundin von meinem bereits verstorbenen Onkel. Seit seinem Tod geht es den Kindern nicht gerade besser; für Jonas eher sogar das Gegenteil.

Fangen wir aber erst mal mit Max an.

Ja, er ist noch sehr klein, aber ist es normal, dass er noch kein richtiges Wort sagen kann und nur lautstark vor sich hin brabbelt? Seine Mutter meint sogar “er müsse den Kindergarten wiederholen, weil er zu klein ist”.

Zu klein?! Ich persönlich habe noch nie gehört, dass ein Kind den Kindergarten wiederholen muss. Und das auch noch wegen seiner Größe.

Ich glaube ja, dass er noch nicht soweit für die Grundschule ist, weil er kein vernünftiges Wort sagen kann und auch noch denkt er sei eine Katze.

Ja, richtig gelesen! Er krabbelt auf allen Vieren und miaut die ganze Zeit. Und seine Mutter findet das auch noch gut. Anstatt ihm ein paar Wörter beizubringen, soll er miauen, weswegen er bereits im Kindergarten gemobbt wird.

Fehlt nur noch, dass sie ihm Katzenfutter gibt…

Niklas ist für sein Alter schon ein kluges Köpfchen. Das liegt allerdings daran, dass er viel Zeit mit meiner Tante — seine Tante ist sie ja nicht, er kennt sie nur als Jule — verbringt. Jule hilft ihm auch bei den Hausaufgaben und unternimmt etwas mit ihm. Dadurch ist er auch sehr offen und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Jonas ist derjenige, der die Arschkarte gezogen hat. Seit dem Tod seines Vaters ist er sehr zurückhaltend geworden. Weder seine Mutter, noch Jule kümmern sich um ihn. Er meidet jeglichen sozialen Kontakt, wodurch sein Selbstbewusstsein sehr darunter leidet.

Er darf sich nicht einmal gegen seine Brüder wehren. Ja, die zwei Kleinen dürfen auf seiner Nase rumtanzen; wenn aber er etwas dagegen macht, wird er von seiner Mutter regelrecht angeschrien.

Das durfte ich gestern sogar hautnah miterleben, und geriet sogar selbst in die Schusslinie:

Meine Mutter und ich haben uns dazu entschlossen die drei Jungs und deren Mutter nach Hause zu fahren (sie selber besitzt weder einen Führerschein, noch ein Auto). Das Drama begann schon bei den Kindersitzen. Gerade mal für ein Kind war ein Sitz verfügbar. Mein alter Kindersitz ist schon seit Jahren kaputt; sie selbst hatte nur den Einen für Max.

Und was ist mit Niklas?

“Er braucht doch keinen Kindersitz mehr.”

Mein Onkel hat sich vermutlich gerade viermal im Grab rumgedreht. Wie kann man einen 7-Jährigen ohne Kindersitz ins Auto setzen?! Nicht nur, dass meine Mutter hätte erwischt werden können und ein Bußgeld hätte zahlen müssen; der Kleine hätte sich bei einem Unfall schwer verletzen können!

Nichtsdestotrotz mussten wir jetzt dieses Risiko in Kauf nehmen. Jonas und ich saßen ganz hinten, die Kleinen in der Mitte, sie auf dem Beifahrersitz. Wir beiden sollten auf Max und Niklas aufpassen, dass sie keinen Blödsinn während der Fahrt machen.

Max hat natürlich wieder rumgealbert und Jonas genervt. Er hat sich dagegen gewährt, indem er Max’ Mütze weggenommen hat. Der Kleine hat natürlich lauthals losgebrüllt.

Da bin ich dazwischen gegangen.

“Wenn du ruhig bist, kriegst du deine Mütze wieder.”

Da dreht sich deren Mutter mit gehobenen Zeigefinger zu mir. “Fräulein, Fräulein…!”

Nach dieser Aktion hat sie noch zu meiner Mutter gesagt, dass “Frauen ohne Kinder doch gar nicht wissen wie man Kinder erzieht”.

Wie bitte?!

Ich habe ein Jahr lang freiwillig in einem Grundschulhort gearbeitet; ich musste 20 Kinder (manchmal sogar ohne Erzieher) beaufsichtigen und habe dies auch gemeistert; und diese Person, die sich gerade mal um zwei von drei Kindern ausreichend kümmert, sagt auch noch hinter meinem Rücken, dass ich unfähig bin Kinder zu erziehen?!

Von mir aus steck’ Max und Niklas sonst allen Mist in deren Ärsche, aber wenn gerade der Älteste nichts bei dir zu melden hat und unter beinahe menschenunwürdigen Bedingungen bei dir leben muss, da muss ich mich doch ehrlich fragen wieso du noch mehr Kinder willst.

Du läufst in den neuesten Klamotten durch die Stadt, während Jonas gerade mal vier (!) Pullover und zwei (!) Hosen hat. Und Essen kochst du auch nicht für die Kinder; zum Mittag gibt es nur 5-Minuten-Terrinen von Maggi. Und lieber gehst du zehn Kilometer wandern als dich um einen Job zu kümmern.

Auch wenn Jonas von dir wie Scheiße behandelt wird; ich werde dafür sorgen, dass er aus seinem Schneckenhaus herauskommt und endlich etwas dagegen tut. Und Max werde ich auch noch in seine Schranken weisen. Ganz egal, was du davon hältst.

Das Kind steht bei einer Mutter an erster Stelle; nicht sie selbst.

*Zum Schutz der Kinder wurden die Namen geändert.