Tabu: Sexualität bei Menschen mit geistiger Behinderung

Förderschwerpunkt Liebe

Selbstbestimmte Sexualität als Menschenrecht

Vor dem Gesetz sind alle gleich!

Im Artikel 1 der UNO-Deklaration heißt es: „Der Geistigbehinderte hat die gleichen Grundrechte wie jeder andere Bürger seines Alters und Landes“. Artikel 3 des Grundgesetzes legt fest: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“.

Im Grundgesetz Artikel 2 steht, dass jeder Mensch das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt oder gegen keine verfassungsgemäße Ordnung bzw. das Sittengesetz verstößt.

Auch gibt es das Recht auf Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung. Zu diesen Attributen gehört ganz klar auch die menschliche Sexualität.

Sprechen wir Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung das Recht auf Sexualität ab, sprechen wir ihnen ihr Menschsein ab.

Sexualpädagogische Bildung – Recht auf Sexualaufklärung

Die Voraussetzung einer selbstbestimmten Sexualität ist die sexualpädagogische Bildung bzw. eine umfassende Sexualaufklärung. Ein Recht auf Sexualaufklärung wurde 1992 in Artikel 1, §1 des Schwangeren- und Familiengesetzes festgehalten.

Aufklärung, wann? Jetzt!

Wenn man vor der Frage steht, wann der beste Zeitpunkt für Sexualaufklärung ist, muss man antworten: Jetzt!

Aufklärung sollte in jedem Alter erfolgen. Im Kindes-, Jugend-, aber auch im Erwachsenenalter. Im Erwachsenenalter kann eine Sexualaufklärung besonders notwendig sein, da diese bei Menschen mit geistiger Behinderung im Kindes- und Jugendalter häufig nicht erfolgt.

Durch den Mangel an Aufklärung kennen viele Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ihre Rechte nicht und werden häufig Opfer sexueller Gewalt. Auch wird ihnen das Recht auf ihre körperliche Unversehrtheit genommen, wenn man sie, ohne vorherige Aufklärung, sterilisieren lässt oder ihnen das Hormonimplantat (o.Ä.) verschreibt bzw. einsetzt.

Welche Themen deckt eine Sexualaufklärung ab?

Die Sexualaufklärung sollte nicht nur das Thema Geschlechtsverkehr umfassen, sondern auch Themenbausteine wie:

  • Hygiene und Gesundheit
  • Pubertät
  • Körperwahrnehmung
  • Freundschaft
  • Liebe und Partnschaft
  • Ehe
  • Familienplanung und Schwangerschaft
  • Prävention sexuellen Missbrauchs
  • sexuell übertragbare Krankheiten

u.v.m.


Sexualität gehört zur Persönlichkeit des Menschen, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen stellen da keine Ausnahme dar.

Nicht nur das Thema Geschlechtsverkehr bei Menschen mit geistiger Behinderung wird häufig tabuisiert, besonders auch das Thema Familienplanung bzw. Kinderwunsch. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind Menschen wie alle anderen auch, viele von ihnen wünschen sich eine eigene Familie und Kinder. Angehörige nehmen diese Wünsche häufig nicht ernst.

Eine Aufklärung ist nicht nur bei Menschen mit geistiger Behinderung notwendig, sondern auch bei ihren Angehörigen und in ihrem weiteren Umfeld, bspw. im Wohnheim oder in der Schule.

Man sollte endlich aufhören, dieses Thema zu tabuisieren. Man sollte die Menschen selbst zu Wort kommen lassen und ihre Bedürfnisse und Wünsche ernst nehmen.


Mein Name ist Sarah Yilmaz und hier teile ich meine Gedanken mit euch. Wenn euch der Text gefällt, lasst mir ein Herz da oder/und folgt mir auf Twitter!

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