“Wie kann man Käse nicht mögen?”

Diese Frage habe ich in letzter Zeit sehr oft gehört, und dabei bin ich erst seit wenigen Monaten vegan. Vor einem halben Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, jemals ohne Käse zu leben. Wer mich kennt, weiß, wovon ich rede — Brote mit einer Scheibe Gouda, von der sich halb Afrika ernähren könnte oder mindestens einer halben Packung Feta waren keine Seltenheit.

Wie kommt es also, dass ich lieber drei Wochen hintereinander jeden Abend auf ein Justin Bieber Konzert gehen würde, als in sowas reinzubeißen?

Falls du mit Veganismus wenig am Hut hast und gerne Milchprodukte zu dir nimmst, wird dir vermutlich gerade das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und glaub mir, meinem früheren Ich ging es genauso. Ein Sandwich wie da oben abgebildet löste regelrecht einen Orgasmus in meinem Mund aus.

Dass diese Mahlzeit wahrscheinlich nicht sonderlich nährstoffreich und gesund ist, das wird wohl kaum einer abstreiten. Aber dieses Sandwich ist nicht nur unglaublich fettig und lässt den Cholesterin-Spiegel in weit entfernte Höhen schreiten.

Bis der Käse nämlich das ist, was man auf dem Bild sehen kann, passieren einige Dinge, über die sich Liebhaber des salzigen Genusses selten bewusst sind.

Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Woher kommt die Milch? Klar, aus dem Euter der Kuh. Dabei wissen die meisten gar nicht, warum die Tiere überhaupt Milch geben. Ich wusste es ehrlich gesagt auch lange Zeit nicht so wirklich. Und doch ist die Antwort eigentlich total offensichtlich: Damit das Kalb die Muttermilch trinken kann, bis es groß genug ist, um auf feste Nahrung umzusteigen.

Bei uns Menschen ist das nicht anders, schließlich sind auch wir Säugetiere. Als Neugeborenes bekommen wir ebenfalls Muttermilch, bis es nicht mehr nötig ist, gestillt zu werden.

Die Milch erfüllt in jedem Fall den Zweck, das eigene Kind zu ernähren. Und nicht das einer fremden Spezies.

Leider bekommen die Kälber aber keinen Tropfen von dem ab, was für sie bestimmt ist. Stattdessen beansprucht der Mensch die Milch vollkommen für sich. Die Kälber müssen sich mit einem billigen Ersatz aus Wasser und Milchpulver zufrieden geben. Übrigens ist die Milch nicht das einzige, von dem die Kälber wenig zu Gesicht bekommen.

Auch ihre Mutter sehen die Neugeborenen im Schnitt keine 24 Stunden.

Viele Menschen gehen davon aus, dass Nutztiere wie Kühe und Schweine keine Emotionen empfinden können und ihnen eigentlich herzlich egal ist, was mit anderen ihrer Art geschieht. Die Realität sieht allerdings anders aus. Ich könnte euch jetzt beschreiben, was für eine Bindung zwischen der Kuh und ihrem Kalb herrscht und wie die Mutter noch Wochen nach der Trennung der beiden nach ihrem Kind ruft. Aber es ist einfacher, wenn ihr euch dieses Video anseht.

https://www.youtube.com/watch?v=SYJPbrxdn8w

In dem Video hat die Kuh sogar noch Glück, da sie eine grüne Wiese zu Gesicht bekommen durfte und nicht, wie üblich für die Tiere, ihr komplettes Leben in einer 4 Quadratmeter Box verbringen muss. Größer sind die Boxen nämlich nicht, in denen die konventionelle Haltung stattfindet. Mal abgesehen davon, dass sie aufpassen müssen, nicht in ihrer eigenen Scheiße auszurutschen, denn auf Hygiene wird in den Ställen kein Wert gelegt.

Dafür achten die Milchbauern mit großer Sorgfalt darauf, dass ihre Kühe sobald wie möglich wieder schwanger werden. Nach der Geburt ihres Kalbes dauert es keine zwei Monate, bis die Kuh sich wieder darauf freuen darf, ein weiteres Kind zu verlieren. Um es diesen Prozess extra angenehm für die Mütter zu machen, injiziert man ihnen Bullensperma, indem dieses mit der Hand im Allerwertesten platziert. Na wenn das nicht unglaublich geil klingt.

Macht euch nichts vor. Die glückliche Herde auf der grünen Wiese existiert nur auf den Wurstverpackungen. Bio-Freilandhaltung bei Kühen macht kaum 3% der Haltung aus und auch dort sind die Kühe lediglich dazu da, möglichst viel Milch zu produzieren und später als Steak auf dem Teller zu landen.

Übrigens ist Milch nicht ansatzweise so gesund für uns, wie gerne behauptet wird. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, wir würden Milch für starke Knochen und als wichtigen Calcium-Lieferanten benötigen. Dass wir Calcium für unsere Knochen benötigen, ist richtig; aber anstatt den Körper mit diesem Nährstoff zu versorgen, sorgt Milch dafür, dass der Körper übersäuert und sich zum Ausgleich Calcium aus den Knochen zieht. Die Folgen sind unter anderem schwerwiegende, Knochen betreffende Krankheiten, welche mit dem Milchkonsum angeblich vorgebeugt werden sollen.

Kein Wunder, dass die Länder mit dem höchsten Milchkonsum auch die häufigsten Erkrankungen an Osteoporose vorzuweisen haben. Zudem sind 75% der Weltbevölkerung laktoseintolerant.

Und mal ganz abgesehen davon: Milch ist voll mit Hormonen, gedacht zum Heranwachsen der Kälber. Im Körper eines Menschen wächst hingegen das Risiko für Brust- und Prostatakrebs, da wir keine heranwachsende Kühe sind und die Flüssigkeit nicht für uns gedacht ist.

Die dauerhafte, unnatürliche Schwangerschaft, die den Kühen aufgezwungen wird, tut den Körpern der Tiere logischerweise nicht gut. Die Euter sind teilweise so schwer, dass die Kühe nicht mehr laufen können. Entzündungen und Schmerzen sind durch das tägliche Melken mit mechanischen Maschinen vorherbestimmt. Dadurch finden sich um die 100 000 Eiterzellen pro ccm Kuhmilch, oft noch mehr. Guten Appetit!

Nach etwa fünf Jahren sind die Kühe körperlich so ausgelaugt, dass die Milchproduktion stark nachlässt und sie zu nichts mehr zu gebrauchen sind → ab zum Schlachter, mit mehreren Elektroschocks betäubt werden und schlussendlich die Kehle aufgeschlitzt bekommen.

Würdest du Hundemilch trinken? Oder Schimpansenmilch? Krokodilsmilch? Wohl kaum. Beim Gedanken daran, ein Tier wie den eigenen Hund zu melken, dürfte sich den meisten das Gesicht zusammenziehen. Aber bei Kühen ist das okay?

Ich möchte niemandem vorschreiben, was er zu essen hat oder wie er zu leben hat. Das kann ich auch gar nicht. Aber Fakt ist, dass hinter der Milchindustrie viel Leid steckt. Mit jedem Einkauf, der Milchprodukte beinhaltet, unterstützt man Tierquälerei und führt seinem Körper Ungesundes zu.

Ob dir das Wert ist, musst du selbst entscheiden.

Es geht auch anders, und das, ohne verzichten zu müssen. Allein, was die Milchalternativen angeht, bietet der Markt heute unheimlich viel. Von Soya- und Reismilch über Hafer-, Kokos- und Mandeldrinks findet jeder einen passenden Ersatz, der um einiges gesünder ist, besser schmeckt und hinter dem kein Leid steht.

Für weitere Infos kann ich dir “Earthlings”, “Gabel statt Skalpell” und “Cowspiracy” empfehlen.