Ratgeber machen nur Autoren reich

Und warum die Lektüre trotzdem sinnvoll sein kann


Wem dienen eigentlich Bücher, die erklären möchten, wie man reich & erfolgreich wird? Mir drängt sich mitunter der Verdacht auf, dass lediglich die Autoren dieser Bücher die Attribute reich und erfolgreich für sich verbuchen können. Wobei ich “erfolgreich” dabei auch noch mal zur Diskussion stellen würde.

Was ich mir von den Büchern wie “So denken Millionäre” von T. Harv Eker, “Hört auf zu arbeiten!” von Anja Förster und Peter Kreuz oder auch “Die 4-Stunden-Woche” von Tim Ferris gewünscht hätte, wäre eine klare Benennung der Adressaten gewesen. An wen richten sich diese Hinweise, Tipps, Ratschläge? Richten sie sich gleichermaßen an Unternehmer, Führungskräfte, Angestellte, Arbeitslose, U20- und Ü60-Jährige? Oder gibt es Einschränkungen bei der Anwendung der verschiedenen “Modelle” auf eine Adressatengruppe?

Für mich bleibt dies ein entscheidender Makel an diesen Ratgeber-Büchern: wohin würde das führen, wenn alle so konsequent leben würden? Sind diese “Modelle” also nur eingeschränkt nutzbar? In den meisten Büchern habe ich den Eindruck gewonnen, dass stumpf davon ausgegangen wird, dass alle diesem propagierten Weg folgen könnten, wenn sie nur den Elan dazu aufbrächten. Für mich als Selbständigen und Unternehmer klingen ja viele Dinge plausibel und umsetzbar, andere sind hingegen kaum bis nicht praktikabel. Die Anwendbarkeit schiene mir jedoch in noch weitere Ferne gerückt, wenn ich als Angestellter diese Bücher lesen würde. Ferris geht immerhin bewusst auch auf Angestellte ein und versucht aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten.

Des Weiteren finde ich es immer verwunderlich, wie weit manche Erfolgsstrategien voneinander entfernt liegen. Natürlich, mir ist auch klar, dass es nicht einen Königsweg gibt. Und wenn es ihn gäbe, würden ihn schließlich bereits alle benutzen. Aber zum Teil werden stark divergierende Ansätze verfolgt.

Nur ein Beispiel: T. Harv Eker geht davon aus, dass man nur mit vollkommenem Selbsteinsatz und bedingungslosem Engagement den Wohlstand erreichen könne. Dazu gehöre auch, auf ungewisse Zeit 16 Stunden Arbeit in Kauf zu nehmen. Tim Ferris behauptet in seinem Buch “Die 4-Stunden-Woche” wiederum, dass an einem idealen Arbeitstag alles Wichtige bereits bis zum Mittag erledigt sei.

Klar, die beiden Positionen schließen sich nicht zwangsläufig aus. So könnte man erst einen bestimmten Zeitraum lang hart arbeiten, um sich dann im Anschluss peu à peu einer 4-Stunden-Woche anzunehmen. Nach Ergänzung schreien die Positionen aber auch nicht wirklich.

Womöglich ist das aber gar nicht der Anspruch solcher Bücher, jeden für ein bestimmtes Modell zu bekehren. Ich persönlich erachte solche Bücher vielmehr als einen guten Input von außen, der dazu anregt, seine eigenen Verhaltensweisen zu überdenken, gegebenenfalls sinnvollere zu entwickeln oder anderswo erfolgreiche Strategien auf sein eigenes Leben umzumünzen.

Wenn das eigentliche Ziel dieser Werke also ist, den Leser zum Nachdenken über die eigene Situation anzuregen, haben sie durchaus ihre Berechtigung. Zugegeben, ich mag diese Bücher. Sehr sogar. Ich denke, dass jeder Mensch besser werden und seine Potenziale voll ausschöpfen möchte. Und wenn uns auch nur ein kleiner Gedanke aus der Lektüre dieser Werke diesem Ziel ein Stück näher bringt, so hat sich das Lesen gelohnt.

10/2011, Salar de Uyuni, Bolivia