Von Vertigo bis zum Cinemagram

Im Wintersemester 2016 hatte ich das Vergnügen, im Rahmen der Lehrveranstaltung “Video und Multimedia” viel Neues über die Arbeit mit Film und Video zu lernen. Dozent Hubert Weizer versteht es, das Storytelling-Prinzip auch auf den Aufbau seiner LV zu übertragen. Langeweile war hier Fehlanzeige, praxisorientieres Lernen die Regel.

Um uns während der Präsenztage nicht nur mit schnöder Theorie zu beschäftigen, wurden in Gruppenarbeit vier Stationen besucht und in Eigenregie kurze Videos gedreht. Über einen Zeitraum von 1,5 h je Station hatte jede Gruppe die Vorgabe, ein vorzeigbares Video zu erstellen, wobei Ideenfindung, Planung und Umsetzung jede Gruppe selbst regelte.

1, Stopp-Motion

Stopp-Motion-Animationen sind digitale Daumenkinos. Bild für Bild wird aneinandergereiht und als Video oder animiertes .gif exportiert. Wir entschieden uns für einen Mix aus digital und analog und nutzten die Peripherie des Vorlesungsraumes, der uns zur Verfügung stand.

Erik, unser Hauptdarsteller, wurde vor einer weißen Wand fotografiert, während seine Umgebung über einen Beamer um in herum projeziert wurde. Mit Hilfe eines Grafiktabletts zeichnete ich einen kleinen Vogel und konnte diesen über zwei Zustände (Flügel oben, Flügel unten) animieren. Der Vogel wurde so Bild für Bild auf der Beamerfläche anders positioniert, bis die gesamte (recht überschaubare) Story im Kasten war.

Ein typischer OIDA-Moment im Leben von Erik

Das Interessanteste hier war die Ideenfindung zusammen mit der Kombination verschiedener technischer Utensilien, die zur Verfügung standen. Jedes Teammitglied konnte sich mit seinen Stärken einbringen und zusammen wurde ein nettes Ergebnis produziert.

2. Cinemagram

Ich liebe Cinemagrams. Standbilder, in die subtile Bewegungen in Endlosschleife eingearbeitet sind, die man manchmal erst auf den zweiten oder dritten Blick bemerkt. Grundsätzlich ist jedoch nur ein Teil des Bildes animiert. Dieses Ergebnis bekommt der Kreateur durch

a, das Filmen von zwei sich nicht überschneidenden Handlungssträngen vom gleichen Standpunkt aus, die in der Postproduction zu einer Aufnahme zusammengefügt werden

b, eine Filmaufnahme wird in der Postproduction von einem Standbild aus der Filmsequenz überlagert. Ein Bereich des über dem Film liegenden Bildes wird ausmaskiert, so dass nur in diesem Bereich die Bewegung darunter erkennbar ist.

Sonja steht heute ein wenig neben sich

Cinemagrams haben einen tollen, aber bizarren Effekt. Obwohl ich mir regelmäßig und gerne gut gemachte Cinemagrams anschaue, war ich noch nie bei der Erstellung involviert. Hat großen Spaß gemacht.

3. Vertigo

Schon von Altmeister Alfred Hitchcock eingesetzt, macht sich dieser Effekt eine optische Täuschung zunutze. Beim Vertigo-Effekt fährt die Kamera auf Schienen, während das fokussierte Objekt durch eine gegenläufige Anpassung der Brennweite während der Fahrt in unveränderter Größe im Bild bleibt. Dadurch wird der Bildausschnitt des Hintergrundes entweder größer (bei der Zufahrt — dolly in, zoom out) oder kleiner (bei der Wegfahrt — dolly out, zoom in) wodurch ein unnatürlicher sogartiger Effekt entsteht.

Wer das ganz genau wissen möchte, klicke bitte hier.

Man sieht diesem kurzen Clip nicht wirklich an, welcher technische Aufwand dahintersteckt. Zuallererst benötigten wir ein Schienensystem, worauf die Kamera fährt. Manuell musste dann die Brennweite während der Fahrt angepasst werden, was einige Übung erforderte. Nur mit Hilfe unseres Dozenten waren wir als NonPros auf diesem Gebiet in der Lage, die Aufgabe fertigzustellen.

4. 360°-Panorama

Wir benutzten die Ricoh THETA S-Kamera mit zugehöriger App, um ein 360°-Panorama-Video auf der Terasse des FH-Hauptgebäudes zu shooten. Von der Technik her finde ich das toll und einfach zu bedienen, ist aber alles proprietär. Schade, dass ein normales Smartphone so etwas noch nicht ganz so überzeugend hinbekommt. Ist aber sicher nur eine Frage der Zeit.

Leider steht dieses Video nur auf Facebook, ich bin mir aber sicher, ihr habt schon andere und schönere 360°-Panoramen gesehen.

Was bleibt hängen

Spannende und interessante Tage hatten wir während dieser Praxisphase. Gegen Ende der Vorlesung noch Hands-on zu gehen und praktische Erfahrungen zu sammeln, hat großen Spaß gemacht. Obwohl ich schon im Bachelor-Studium mit Video gearbeitet hatte, hat mir diese LV noch einmal vergegenwärtigt, dass mit Videoprojekten immer großer Aufwand betrieben werden muss. Kameras, Technik, Licht, Postproduction zusammen mit den Fachkräften, die alles effizient bedienen können, kostet eben einiges. Trotzdem sind Videos heute allgegenwärtig und oft höchst erfolgreich. Daher ist für uns als künftige Content-Strategen die Aufgabe, vorher genau zu analysieren und zu planen, welches Ziel eine Videoproduktion haben soll. Und ebenfalls zu hinterfragen, ob ein Video wirklich das beste Medium für die Übermittlung unserer Message ist. Denn nur um ein Video um des Videos willen zu produzieren, macht es zuviel Arbeit und ist zu kostenintensiv. Ist aber das Video die beste Wahl, gut gemacht und mit einer guten Story ausgestattet, gibt es wohl kaum etwas Besseres.

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