Alles Scheiße seit Oktober.

Mitte September bekommt meine Frau im 300 km Entfernten Heidelberg eine Stelle ab 1.10. 
 
 Zimmersuche innerhalb eines Tages, Umzug innerhalb einer Woche.
 
 
 30. September alleine zurück nach Bochum, da ich in Essen noch in einer Video Agentur als Illustrator und Animator arbeite. 
 
 1.10. Nach Osnabrück zu meinen Eltern, weil es der Katze, die ich vor 16 Jahren mit unserem Hund gefunden habe nicht gut geht. 
 
 2.10. die Katze stirbt. 
 
 4.10. zurück nach Bochum allein in einer kalten Wohnung die zum Teil schon eingepackt ist. 
 
 1. Oktober Wochenende alleine und viel zu tun.

Stress mit der Krankenkasse wegen offener Rechnungen aus der Zeit meiner Selbstständigkeit von vor 6 Jahren.
 
 30.10. gekündigt worden da wenig zu tun ist und ich eh bald wegziehe. 
 
 Ab jetzt heißt es Wohnungen in Heidelberg suchen und besichtigen, ständig hin und her fahren, „normal“ in der Agentur bis zum 30. November arbeiten, Bewerbungen schreiben, Problem mit der Krankenkasse Regeln und nicht lösen. 
 
 Ende November Wohnung gefunden, fast doppelt so teuer wie in Bochum, muss aber ab 1.12. übernommen werden. Alle anderen Wohnungen waren nicht günstiger, nur kleiner. Also innerhalb von 2 Wochen einen Nachmieter finden, Wohnung verpacken mit gemietetem Transporter an zwei Wochenenden alle Sachen nach Heidelberg bringen, und alles Ummelden was geht. 
 
 In Bochum mit Freunden einpacken in Heidelberg alleine im strömendem Regen Auspacken und alle 10 min. Den Transporter umfahren, weil ein Nachbar raus will. Die Straße ist eng und man kann weder richtig Parken mit so einem Teil, noch wenden.

In Bochum mitten in der Innenstadt gewohnt mit leben und Geräuschen. In Heidelberg ist die Wohnung in einem eingemeindeten Dorf, ich verstehe zum ersten Mal was Totenstille bedeutet. Alles was man außer dem Regen hört ist alle 15 Minuten die Kirchturmglocke, die auf Augenhöhe in 300 Metern steht. 3 Mal am Tag wird das einfache bim zu einem Weihnachtsgottesdienst Gebimmel.

Am nächsten Tag zurück nach Bochum in eine fast leere, kalte Wohnung alles was noch da ist. Kleinkram, Kartons, ein Schreibtisch, ein Bett.

Eine Woche Später, zweiter Umzugstag in Bochum mit Freunden einpacken in Heidelberg mit einem Freund und einem Helfer Auspacken und am selben Tag wieder zurück, weil der Transporter zu teuer wird. Und am nächsten Tag die Wohnungsübergabe an den Nachmieter ist.

Abends in der leeren Wohnung einen Nervenzusammenbruch bekommen und zu einer Freundin gehen, die demnächst 300 Km weit entfernt ist.

Am nächsten Tag, mit einem mit Resten vollgestopften Wagen zurück nach Heidelberg.

Warten bis meine Frau von der Arbeit kommt und dann in ein Restaurant. Wir haben unseren 8. Hochzeitstag. Durch Erschöpfung und hohe Ausgaben hätten wir eh nicht jeder ein Menü geschafft, deshalb hat uns die Alge (Ein Lichtblick in Heidelberg) ein Menü für eine Person so zurecht gemacht, dass es für zwei Personen war.

Die nächsten 2 Wochen zu 90% alleine in einer Wohnung, in der nichts steht, versuchen Kisten auszupacken und dabei Bewerbungen schreiben. Weiterhin herrscht Totenstille, die einzigen Geräusche sind die Kirchenglocken und die in den Zwingern gequälten Hunde in der Nachbarschaft. Die Geräuschkulisse ist eine Verzerrte Kakophonie aus Einsamkeit, Angst und Qualen aus der jedes Geräusch als Solist hervortritt 
 
 Über Weihnachten zu den Schwiegereltern und einen halben Tag zu den eigenen Eltern mit Umweg über Bochum, da dort noch Sachen bei einem Freund lagern. 
 
 Zurück nach Heidelberg, da meine Frau arbeiten muss.

Also um 7 aufstehen, 400 Km Auto fahren, Meine Frau direkt zur Arbeit fahren, zurück in die Kalte Wohnung in der ein paar Sachen ausgepackt und eingeräumt sind.

Bis Silvester Bewerbungen schreiben, Sachen aus und umpacken und weitere Möbel aufbauen. 
 
 Silvester zurück nach Bochum und Dortmund zu Freunden. Es war entspannt.
 Neujahr zurück nach Heidelberg, da meine Frau wider arbeiten muss.

1. Januar Woche, meine Frau hat eigentlich Urlaub. Aus der entspannten Woche, in der wir weitere Möbel aufstellen wollten und uns die Gegend ansehen wurden einzelne Stunden mit vielen Unterbrechungen, da meine Frau in Ihrem Urlaub eine Messe vorbereiten musste, die ab der zweiten Januar Woche anfängt.

2. Januarwoche. Meine Frau ist für 10 Tage auf einer Messe. 
 
 9. Januar Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Alle anderen Bewerbungen haben nichts ergeben, keine Antwort, keine Absage, nichts. 
 
 10. Januar, beim Vorstellungsgespräch Einladung zum Probearbeiten
 
 16. — 17. Januar und 22. — 24. Januar Probearbeiten in einer Agentur.
 
 25. Januar, Jobzusage für den 1.2.
 25. Januar mein linker Fuß ist geprellt. Laufen ist kaum möglich. Keine Ahnung wo das herkommt.
 
 29. Januar Termin in einer psychiatrischen Praxis für ein neues Medikinet Rezept.
 Ärztin will trotz Ambulanzbericht des vorherigen Arztes aus Bochum alle Untersuchungen neu haben und schreibt mir nur wiederwillig ein neues Medikinet Rezept aus.
 
 Anschließend zur zukünftigen Agentur humpeln, um den Arbeitsvertrag abzuholen.
 
 Den zukünftigen Kollegen und Arbeitgebern Vertrauen entgegen bringen und die Frage was man in der psychiatrischen Praxis gemacht hat. Ehrlich beantworten und sagen, dass man ADHS hat. Da mich die Erkrankung bei meiner Arbeit nicht behindert und weil ich damit, seitdem sie behandelt wird, noch nie Schwierigkeiten hatte habe ich darin kein Problem gesehen, außerdem war das Verhältnis mit Arbeitgebern und Angestellten in der zukünftigen Agentur bis zu diesem Zeitpunkt eher freundschaftlich. Mittlerweile weiß ich, dass es oberflächliche Freundlichkeit war.

Am 30. Januar ab 8 Uhr morgens bis 14 Uhr nüchtern zum Arzt, denn die Ärzte in Heidelberg wollen alle Untersuchungen neu machen, also einen kompletten Check-up. Ergebnis, alles OK aber zur Sicherheit gibt es Überweisungen zum Radiologen, Kardiologen und Augenarzt, sonst könne man mir erst mal keine weiteren Rezepte Ausstellen. Warum ich nicht zu einem Anderen Arzt gehe? Ich bin froh, dass hier überhaupt jemand ADHS behandelt und dass ich einen Arzt gefunden habe, der nicht als erstes auf seiner Webseite stehen hat, dass homöopathisch behandelt wird. 
 
 zurück nach „Hause“, also in die Wohnung. 16 Uhr Anruf der Geschäftsführer der Agentur, die mir mitteilen, dass man mich am ersten Tag entlassen wird, weil ich nicht gesagt habe, dass ich ADHS habe und sich für sie eine neue Situation ergeben habe, vor allem, weil ich erst nach dem Erhalten des Arbeitsvertrages gesagt habe, dass ich eine Psychische Erkrankung habe.

Boom, alles was dann kommt klingt wie aus großer Ferne, mir ist schwindelig, Wut, Trauer, Verzweiflung und Hilflosigkeit liefern sich in meinem Kopf einen Kampf, wer als erstes dran darf.

Alleine zurückgelassen, bestraft für etwas, was ein Teil von mir ist sitze ich auf dem Sofa, lasse das Telefon fallen und der Wut den Vortritt. Ich verwüste meinen Schreibtisch Schrei, heule und breche zusammen. In meinem ganzen Leben wurde ich noch nie so herablassend behandelt. Entlassen wegen einer Krankheit, ohne die Möglichkeit zu zeigen, dass sie einen nicht behindert, obwohl ich vorher eine Woche lang gezeigt habe wie ich arbeite und was ich kann und deshalb die Stelle bekommen habe.

Es bleibt der mitschwingende Vorwurf zurück, dass ich die Stelle erschlichen habe durch zurückhalten von Informationen.

Ich setze mich ins Auto und verschwinde. Ich fahre einfach nur los und fahre. Wohin, ich weiß es nicht. Auf einem Parkplatz halte ich an. Um mich herum wird es dunkler, Schneeregen fällt wie in Zeitlupe vom Himmel und lässt träge Tränen über die Scheiben des Fahrzeugs laufen. Ich schreibe meine Verzweiflung in die Welt hinaus und telefoniere mit einer Freundin. Im Fahrzeug wird es immer kälter, die Scheiben beschlagen und tauchen die Umwelt in ein Unscharfes Grau, dass auf grausam Ironische weise meinen Zustand widerspiegelt.

Antworten, Hilfe und Zusprüche helfen über den ersten Schock hinwegzukommen.

31.10. Um 8 Uhr zum Radiologen ich komme mir vor wie ein nutzloser Idiot, der nichts kann, außer Kaputt zu sein. Außerdem wie ein Bittsteller, wie fast überall in dieser Region.

Ab 13 Uhr zurück in die Wohnung und mit einer Anwältin telefonieren.
 
 1.2. depressiv auf dem Sofa liegen, mir weiteren Ärzten telefonieren, mit Anwälten telefonieren, mit Freunden telefonieren mit der Diskriminierungsstelle telefonieren.

2.2. Aufräumen Putzen, das Beste draus machen. Nur wie?

3.2. morgens ein Anruf meiner Eltern, dass mein Vater mit Herzinfarkt verdacht ins Krankenhaus gekommen ist, aber nichts festgestellt werden konnte. Es ihm etwas besser geht, ich aber eventuell schnell nach Osnabrück kommen müsste. 
 
 Ach so, ich sitze dann wieder alleine in der Wohnung in Heidelberg, höre dem höhnischen Gelächter der Kirchglocke zu und kann nicht weg, weil ich nicht richtig auftreten kann.

Ich habe keinen Antrieb was zu machen, außer die Ereignisse der letzten Wochen aufzuschreiben und erwarte nicht mehr viel, außer dass es schlimmer wird.