Wenn die Temperaturen steigen und die Laune sinkt- Die Sommerdepression

Gerade für Frauen kann die Sommerzeit alles andere als eitel Sonnenschein sein — wie die Sommerdepression die Lebensqualität überschattet

Sie tritt seltener auf als die allbekannte Winterdepression und betrifft großteils die weibliche Bevölkerung, oftmals schleichend kommt sie in den Alltag der Betroffenen schon in der Frühjahrszeit und erreicht ihr Hoch mit den Höchsttemperaturen des Sommers. Während die Winterdepression weitgehend mit biologischen Erklärungsansätzen begründbar ist, wie etwa der Mangel an Licht durch die Kürze der Tage, liegt bei der Sommerdepression ein solcher biologischer Hintergrund nach vielen Expertenmeinungen nicht vor. 
Die Symptome, von denen gerade Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren berichten, sind hingegen die Gleichen einer Winterdepression, typisch sind eine große Antriebslosigkeit, geringeres Hungergefühl oder etwa der Wunsch soziale Kontakte zu vermeiden. 
Doch was macht die auch als „saisonal affektive Störung“ bezeichnete Sommerdepression zu einer Verhaltensstörung, welche auch bei Frauen auftritt die sonst nie zu Trübseligkeit oder gar depressiven Verhalten neigen? 
Wer kennt den Gedanken nicht, schon Monate vor Sommerbeginn fragen wir uns, ob wir den perfekten Strandbody diesen Sommer endlich erreichen können. Bereits im Frühjahr lächeln makellos geformte Modelkörper von den Plakaten der Modefirmen auf uns herab und diktieren uns das vermeintliche Ziel für die kommende Sommerzeit. Die aufkommende Vorfreude auf Sonne und Strand wird überschattet von dem Druck diesen Idealen zu entsprechen. Dazu kommen jeden Sommer neue Trends wie „Thigh Gap“ oder aktuell die „Bikini Bridge“ welche unsere Wahrnehmung des eigenen Körpers selbst unterbewusst statuieren. 
Mit den steigenden Temperaturen steigen dann auch die Selbstzweifel, Komplexe und die Angst sich den Blicken von Freunden, dem Partner oder dem Umfeld auszusetzen und die Schwierigkeit den Alltag zu meistern. Während die Sonne und die luftigen Temperaturen vielen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und der Gedanke an abendliche Treffen mit Freunden im kurzen Kleid im Biergarten oder den kommenden Urlaub im Bikini die Lebensgeister der meisten aufblühen lässt, können Betroffene der Sommerdepression nur an die vermeintlichen Schattenseiten der Saison denken.

Den Druck, den wir uns meist selbst in unseren Köpfen aufbauen geht einher mit einem verzogenen Body Image, fehlender Selbstakzeptanz und der allgemeinen Annahme, dass der Sommer die Zeit des Jahres ist, in der wir glücklich sein müssen. 
Betroffene Frauen sehen ausschließlich die „Schwachstellen“ ihres Körpers, fühlen sich unattraktiv — zu dick, zu alt, zu…. Diese Liste ließe sich beliebig weiterführen. Man wird dominiert von einem Gefühl nicht mithalten zu können oder nicht den allgemeinen Erwartungen zu entsprechen.

Als Folge ziehen wir uns zurück, vermeiden bewusst Momente in denen wir das Gefühl haben uns nicht unter unserer Kleidung verstecken zu können. Diese Verhaltensweise kann schlimmsten Falles dazu führen, dass unser Alltag während des Sommers für uns nicht ausführbar scheint. Dieses Gefühl wird dadurch intensiviert, dass unser Umfeld in ausgesprochen guter Laune ist, welches gegensätzlicher zu der Eigenen nicht sein könnte.

Linderung für Betroffene?

Zunächst ist die Einsicht wichtig, dass wir eine solche Sommerdepression nicht aussitzen sollten, sondern mit unseren Freunden offen unsere Zweifel ansprechen. Wie wir sehen werden, sind keinem von uns ähnliche Gedanken fremd. Der soziale Austausch, Sport, besonders an der frischen Luft und bewusstes Essen setzen in unserem Körper einen gesunden Cocktail von Glückshormonen frei und machen langsam Lust einen solchen eventuell wieder unter der Sonne zu genießen. 
Beginne den Tag mit einer morgendlichen Laufrunde, etwa mit Kollegen oder dem Nachbarn, verwöhne Dich mit einem Rezept aus der mediterranen Küche und lade Freunde ein, neue sommerliche Gerichte zu testen und so mit einer Mischung aus Bewegungs- und Entspannungstherapie den Druck etwas zu lösen.
Gegebenen Falles, sollte keine Besserung der Symptome auftreten kann auch mit professioneller Hilfe gearbeitet werden, den ansonsten vermag eine solche Periode chronisch zu werden und auch die kommenden Sommer wie eine schwarze Wolke über uns hängen.