#digitaleKirche aus der Sicht einer ehemals Kirchenfernen

Ich bin neu in der Kirche, dass heißt so richtig dabei bin ich noch nicht. Ich bin nämlich noch nicht getauft. Jedenfalls nicht christlich, aber das wäre eine andere Geschichte.

Mit Kirche und christlichen Glauben hatte ich lange nur sehr wenig am Hut. Die einzigen Berührungspunkte zur Kirche waren die Gemeindebücherei in meinem Stadtteil, ein paar Schulgottesdienste und der Flohmarkt der Kirchengemeinde.

Digitale Berührungspunkte gab es nicht.

Zur Kirche bin ich über meinen Freund gekommen, der in der evang. Kirche aktiv ist. Ich fand es komisch, dass er als junger Mensch aktiv in der evangelischen Kirche ist. In meinen Augen war die Kirche altmodisch, konservativ, homophob und langweilig. Kurz gesagt ich hatte einen Haufen Vorteile. Durch ihn änderte sich mein Blick auf Kirche. Nach einigen Monaten war ich vom Glauben fasziniert.

Ich stellte ihm viele Fragen und versuchte mich im Internet zu Informieren. Als digitale native ist das Internet einfach meine Hauptinformationsquelle. Aber gute Informationen zum christlichen Glauben sind entweder schwer zu finden, voll von theologischen Fachwörtern oder oft auch beides.

Irgendwann fand ich zufällig über Facebook die Podcasts der Initiative Worthaus. Die Vorträge von Theologen über verschiedensten Themen bieten eine Fülle von Informationen und haben meinen Glauben mitgeprägt.

Über meinen Freund entdeckte ich die #twomplet. Da kann ich mitbeten ohne Verpflichtungen, ohne Angst zu haben etwas falsch zu machen (Liturgie ist ziemlich kompliziert, wenn man es nicht kennt). Deswegen waren Angebote wie Twomplet für mich vor allem am Anfang meines Glaubensweg wichtig. Twomplet ist eine Art von digitaler Gemeinschaft im Glauben.

Das Digitale gehört in meiner Generation ganz selbstverständlich zum Leben dazu und wenn Glaube auch (weiterhin) zum Leben meiner Generation und der nachfolgenden gehören soll, dann kann sich Kirche der Digitalisierung nicht verweigern. Momentan sind Einzelne auf einem guten Weg, wenn sie unterstützt werden und die Digitalisierung ernst genommen wird, dann birgt die Digitalisierung Vorteile für die Kirche.

Das Netz bietet dabei besondere Chancen für niederschwellige, flexible Angebote der Kirche. Mit solchen Angeboten kann man leichter kirchenferne Menschen erreichen. Der Schritt in die Kirche, das Gemeindehaus oder das Pfarramt zu gehen benötigt oft Mut. Ein Klick im Netz erfordert diesen Mut in der Regel nicht.

Ich finde es meist sogar einfacher im digitalen Raum über Glaubensthemen zu reden/schreiben, als im direkten Gespräch.

Trotzdem bin ich mir sicher, dass Kirche im digitalen Raum Kirche im analogen Raum nie ersetzten wird, sondern immer nur ergänzen. Ja, es kann sein, dass es Menschen geben wird, die nur digitale Angebote der Kirche wahrnehmen werden, aber für die meisten ist es nur eine Ergänzung.

Mein Tipp an alle, die die #digitaleKirche mitgestalten und Entwickeln wollen, aber auch an diejenigen, die sich von der Digitalisierung überfordert fühlen ist Authentizität. Nicht jeder ist dazu geschaffen einen eigenen Youtube-Kanal zu betreiben, nicht jeder Pfarrer muss über Whatsapp erreichbar sein, nicht jeder Dekan braucht ein eigenes Twitterprofil. Aber jeder sollte etwas tun, sei es nur offen zu sein für die Digitalisierung der Kirche. „Ecclesia semper reformanda“ das gilt auch im Zeichen der Digitalisierung!

Im Folgenden noch ein paar Vorschläge zur #digitaleKirche, die ich in Pflicht und Kür unterteilt habe. Die Pflicht ist in meinen Augen dringend überfällig, damit die Kirche sich im Netz nicht blamiert.

Pflicht:

1. Ansprechende, informative, aktuelle Gemeindewebseiten.

2. Erreichbarkeit von Pfarrämtern und Pfarrern per E-Mail

3. Präsenz von (Landes-)Kirchen und EKD in den Sozialen Netzwerken

Meines Wissens sind alle Landeskirchen und die EKD auf Facebook, auf Youtube und auf Twitter vertreten. Und manche auch auf Instagram. Aber manche Kanäle haben peinliche Namen (z.B. EkiRInternet), werden nur zum Teilen von Links benutzt oder nicht regelmäßig gepflegt. Die meisten Kanäle sind außerdem fast gar nicht interaktiv.

Die Kür:

1. gepflegte Socialmedia-Auftritte von Gemeinden

2. Weiterentwicklung von Online-Seelsorge

3. Unterstützung und Bildung von Online-Communities zum Thema Glaube, vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene

4. Ausbau von ansprechenden, verständlichen Informationen über Glauben und Kirche im Netz

5. Entwicklung von partizipativen Onlinekampagnen, wie es sie bis jetzt vor allem im freikirchlichen Bereich gibt

Noch ein paar positive Beispiele für Authentizität:

Pfarrer Klaus Künhaupt auf Youtube

Pastora Cara (Twitter und Blog)

theresaliebt auf Instagram

Valerie und der Priester

Volontär Valentin von Evanglisch.de

chuckknowschurch.com

Hinweis: Der Lesbarkeit halber habe ich immer die männliche Form verwendet, natürlich meine ich damit auch Frauen

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