Gesundes Home Office

ShiftDigital
Mar 19 · 5 min read

Stadt-Gespräche - Folge 5

In den Stadt-Gesprächen reden wir, vom städtischen Start-Up ShiftDigital, mit Menschen aus der Verwaltung über Digitalisierung, E-Government und neues Arbeiten. In dieser Folge gibt Björn Schoppohl dir Tipps, wie du deine Tage im Home Office gesund gestalten kannst.

Nina da Costa: Ich gehe im Home Office quasi vom Bett zum Schreibtisch und, wenn es schlecht läuft, wieder zurück. Wie kriege ich mehr Bewegung in meinen Home Office-Alltag?

Photo by Nicolas Picard on Unsplash

Björn Schoppohl: Ich habe für mich den Mechanismus gefunden, meine Pause aktiv zu gestalten. Dabei ist es egal, ob ich zu Fuß zum Friseur gehe oder mir Laufklamotten anziehe und eine Runde jogge. Ich bin auch nicht so diszipliniert, dass das immer klappt, aber das baue ich möglichst in jeden Tag ein. Da muss man Selbstdisziplin haben. Was ich ganz oft im Büroalltag mache ist, eine Runde durch den Stadtpark zu laufen. Und dabei pflege ich auch Freundschaften: ich verabrede mich mit jemandem, um zusammen eine Runde spazieren zu gehen.

“Man muss sich selbst reell einschätzen und sich Grenzen setzen.”

Nina: Viele haben das Gefühl, sie müssten im Home Office mehr arbeiten. Wie kann ich mir diesen Druck nehmen oder zumindest erleichtern?

Björn: Da fällt mir gerade spontan keine Methode ein, aber auch das hat mit Selbstdisziplin zu tun: man muss sich selbst reell einschätzen und sich Grenzen setzen, zum Beispiel einen konkreten Start und ein klares Ende. Es mag Leute geben, die dazu morgens duschen, sich komplett anziehen und in einen eigenen Raum gehen müssen. Andere können ihr Home Office wahrscheinlich auch gut am Küchentisch machen. Das wäre nichts für mich — da muss jeder seine Mechanismen finden, die funktionieren.

“Wenn man seine Zeit sinnvoll einteilt, schafft man sich Freiräume — und die darf man auch nutzen.”

Nina: Verspürst du dieses Gefühl auch, dass du mehr machen musst, wenn du zu Hause arbeitest?

Björn: Nein, das habe ich definitiv nicht. Ich glaube auch, dass man sich mit ganz vielen von den Vorteilen im Home Office eine gewisse Freiheit erkauft oder ermöglicht. Wenn man in aller Ruhe arbeiten kann, ohne diese Netzwerk-Geschichten zu haben, die im Laufe des Tages sonst stattfinden, und wenn man seine Zeit sinnvoll einteilt, schafft man sich ja auch Freiräume. Und die darf man auch nutzen, denn genau so soll es sein. Wenn das kippt und Leute sagen “Ich habe dreizehn Stunden gearbeitet”, dann haben wir ein Problem. Diese Leute muss man schützen. Wenn sowas auffällt, ist das Aufgabe der Führungsebene.

Nina: Auf der anderen Seite kann es passieren, dass jemand weniger arbeitet.

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Björn: Genau, man muss auch gucken, ob ein Output erfolgt. Nicht, dass Leute sich morgens zum Schreibtisch schleppen und dann wieder ins Bett gehen, ohne, dass Ergebnisse erzielt werden. Ich glaube, es gibt jedes Extrem, aber das gibt es auch im ganz normalen Büroalltag. Ob ich an einem Schreibtisch sitze und Löcher in die Luft gucke oder das zu Hause mache, macht erstmal keinen Unterschied. Wenn man Fallzahlen hat, kann man sagen: Ich schaffe am Tag zehn Fälle, dann schaffe ich die zu Hause genauso. Oder man nutzt ein Kanban-Board, stimmt sich im Büro schon mal ab und schätzt so sein Pensum realistisch ein. Das wäre ein guter Ansatz.

“Der E-Mail-Kodex ist schwierig: sobald sich die erste Führungskraft nicht daran hält, muss sich keiner mehr daran halten.”

Nina: Im Home Office gibt es keine klare Trennung mehr zwischen Arbeit und Freizeit. Wie vermeide ich, dass ich auch nach meiner Arbeitszeit noch im Arbeitsmodus bin?

Björn: Rechner ausmachen, keine E-Mail-Benachrichtigung auf privaten Medien einrichten. Es gibt Unternehmen, die nachts ihre E-Mail-Server abschalten. Man kann noch Mails schreiben, wenn man das für seinen Seelenfrieden braucht. Aber geschriebene E-Mails gehen an niemanden mehr raus, sondern das geht erst wieder los, wenn der Tag beginnt. Das finde ich sehr schlau. Die Stadt Bochum hat einen E-Mail-Kodex geschrieben, den ich aber als relativ schwierig erachte: sobald sich die erste Führungskraft nicht daran hält, muss sich keiner mehr daran halten. Und das geht relativ schnell. Von daher brauche ich die Selbstdisziplin: Ich logge mich aus, mache meine Arbeitsumgebung zu und dann endet auch mein Arbeitstag. Dann muss ich auch nicht mehr arbeiten. Aber ich weiß, dass das schwierig ist.

Nina: Ist es für dich auch schwierig?

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Björn: Nein, für mich überhaupt nicht. Ich muss auch nicht auf jede WhatsApp-Nachricht antworten, wie ich nicht auf jede dienstliche E-Mail antworten muss. Im Prinzip haben wir die Regel bei der Stadt, dass man nur ein- oder zweimal am Tag in sein E-Mail-Postfach gucken muss — das mache ich schon viel öfter. Aber bei mir erklingen nicht dauernd irgendwelche Töne und es ploppen auch keine Fenster auf und halten mich von meiner Arbeit ab. Mich würde das komplett verrückt machen, wenn ich bei jeder neuen E-Mail zucken würde. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Es ist total wichtig, sich einen Anfang und ein Ende zu definieren.

“Es bezahlt einem am Ende keiner, wenn man sich selbst kaputt macht.”

Nina: Und das auch einzuhalten.

Björn: Genau. Man darf auch nicht denken, dass man am Wochenende unbedingt nochmal in die Mails gucken muss. Nein, muss man gar nicht! Dafür bin ich zu egoistisch. Das sollte man an der Stelle auch sein: Es bezahlt einem am Ende keiner, wenn man sich selbst kaputt macht. Das muss einem bewusst sein. Und da sind wir wieder beim Arbeitgeber Stadt: der lässt dich das auch machen, weil es Regeln gibt, die dich schützen. Da kannst du dich nur selbst ausbeuten. Natürlich ist die Gefahr groß, und ich glaube auch, viele Leute lassen sich relativ schnell ausbeuten. Viele Menschen haben auch das Gefühl, unersetzlich zu sein. Aber das ist tatsächlich annähernd niemand. Das muss man sich manchmal bewusst machen.

Nina: Hast du selbst eine Angewohnheit in Sachen Home Office, gegen die du ankämpfst oder die du dir abgewöhnen musstest?

Björn (lacht): Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht ablenken lasse. Das ist relativ ehrlich, aber ich kann mich schnell mal im Lesen irgendwelcher Sportartikel verlieren. Auch da muss man einfach diszipliniert sein.

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