Denn jetzt ist nicht die Zeit für Hass, sondern für Empathie.

“Twitter ist ein Medium, um Journalisten zu triggern. (…) Meine Twitter-Nachrichten haben schon zig Zeitungsseiten gefüllt.” Sagt Marcus Pretzell — und hat leider recht.

Marcus Pretzell. Verfluchte Heuchelei. Merkels Tote.

Jeweils zwei Wörter reichen, und ihr wisst, wovon ich rede. Der Landesvorsitzende der NRW-AfD hat sein Ziel erreicht: maximale Aufmerksamkeit.

Trotzdem schreibe ich darüber. Genau deshalb schreibe ich darüber. Warum? Dafür gibt es (mindestens) drei Gründe, hier in chronologischer Reihenfolge:

  1. “ Um sich medial Gehör zu verschaffen, sind daher pointierte, teilweise provokante Aussagen unerlässlich.”
    Frau Petry in einer internen Mail an AfD-Mitglieder, 7.3. 2016


Er hat es schon wieder getan. Ganz Deutschland diskutiert über ein Gedicht. Ganz Mediendeutschland. Zumindest diejenigen, die nichts Besseres zu tun haben. Und zumindest in meiner Filterblase sind es eine Menge Menschen, die seit drei Tagen einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit damit verbringen, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, weil sie unterschiedliche Meinungen über Jan Böhmermann haben.

Im Falle von Breaking-News mit anschließend unklarer Faktenlage hat sich das Was-wir-wissen-was-wir-nicht-wissen-Format (WW(N)W) etabliert. Gemessen an dem Aufruhr in meiner Timeline scheint mir eine solche Situation vorzuliegen. Außerdem bin ich verwirrt und möchte meine Gedanken ordnen. Höchste Zeit für ein WW(N)W.

Was wir wissen:

  • Aneinandergereihte Beleidigungen, die…


Mir geht es nicht gut. Ich mache mir Sorgen. Ich habe versucht, meine Angst wegzuschreiben.

Der Slack-Channel der Süddeutschen Zeitung. Am Freitagabend um 21:54 Uhr hatte ich ein mieses Gefühl. Kurz darauf kamen die Eilmeldungen.
  1. Vergangene Woche gab es drei entsetzliche Anschläge*: in Beirut, in Bagdad und in Paris.
    *Nils Kersten meint, dass wir nicht nicht von “Terroristen”, sondern von “feigen Mördern” sprechen sollten. Das finde ich nachvollziehbar. Deshalb habe ich das Wort “Terroranschläge” ersetzt.


Für den Tagesspiegel habe ich aufgeschrieben, was mich in der vergangenen Medienwoche geärgert hat — und was mich gefreut hat.

Worüber hast du dich in dieser Medienwoche/in der Berichterstattung am meisten geärgert?

Man wird doch wohl noch hetzen dürfen!

Man muss politisch nicht einer Meinung mit Syriza sein — man muss die demokratische Wahl einer neuen Regierung aber auch nicht zum Anlass nehmen, um alte „Pleite-Griechen“-Schlagzeilen aus der Mottenkiste zu holen. Die Bild hielt das offenbar für nötig und titelt „Das sollen die Griechen alles kriegen!“

Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland: 58 Prozent — Kai Diekmanns größte Sorge: sein iPhone

Dass der Artikel mal wieder „uns Deutsche“ in Kontrast zu „den Griechen“ setzt, ist das eine — noch ärgerlicher ist, dass er…


Social Media wird für Journalisten wichtiger. Trotzdem muss nicht jeder Journalist irgendwas mit Social Media machen. Ein Vermittlungsversuch.

UPDATE: Die eingebetteten Tweets scheinen nicht von allen Browsern richtig angezeigt zu werden. Wer Probleme mit der Darstellung hat: Es gibt einen Crosspost bei Lousy Pennies — garantiert inklusive Tweets.

Karsten Lohmeyer hat über Nachwuchsjournalisten und deren mangelnde Digitalkompetenz geschrieben. Die Überschrift macht Heftig.co und Co. ernsthafte Konkurrenz: Ich dachte, diese Jungjournalisten wären Digital Natives. Doch es war nur ein Märchen…

Das beispielhafte Clickbaiting ist nicht der einzige Grund, warum der Text von Karsten am Sonntag viel Aufmerksamkeit bekommen hat und fast den ganzen Tag ganz oben bei Rivva zu finden war. …


Ein Blogstöckchen geht um. Diesmal: völlig unverständlicherweise ungelesene Bücher.

Tatjana hat eines dieser Blogstöckchen in meine Richtung geworfen, und ich habe mich nicht rechtzeitig geduckt. Das ist mittlerweile schon so lange her, dass sich selbst das angeblich niemals vergessende Internet wohl nicht mehr daran erinnert hätte. Aber dann hat Christian meinem Gedächtnis doch wieder auf die Sprünge geholfen.

Zähle fünf Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast — sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge acht weitere Blogger und informiere diese darüber.

Weil ich brav war und auf den Rat meiner Mama gehört habe, ist jedes ungelesene Buch mit einem kleinen weißen Aufkleber gekennzeichnet. Was die Suche erleichtert. Nachahmenswert!

Fünf Bücher? FÜNF? Und das, wo mein Amazon-Wunschzettel mit dem…


Warum ich die Kritik an #Hoodiejournalismus nicht verstehe.

Der Anlass

Ich habe mich gerade auf Twitter darüber gewundert, warum zwei kluge Menschen (jedenfalls schreiben sie sonst häufig kluge Dinge) heute zwei Blogposts veröffentlicht haben, die ich nicht verstanden habe:

https://twitter.com/SimonHurtz/status/448205949493575681

Weil 140 Zeichen etwas zu kurz sind, um richtig deutlich zu machen, was ich meine, muss Medium dafür herhalten.

Was bisher geschah

Am Tag 1 nach #Hoodiejournalismus bedarf das Mem selbst ja vermutlich keiner Erklärung mehr. Wer diesen Text liest, steckt ohnehin tief in der Medien-Journalismus-Twitter-Filterbubble und ist von Adam-und-Eva-Einleitungen bloß gelangweilt.

Nur eine Anmerkung: Auf Twitter hat Harald Staun, der Autor des initialen FAS-Artikels, bereits am Sonntagnachmittag Stellung bezogen. Zum Beispiel hier:

Simon Hurtz

Ich mag Geschichtenerzählen. Manchmal sterben dafür Bäume, meistens schreibe ich ins Internet. Die SZ bezahlt mich dafür, das Social Media Watchblog nicht.

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