
Mit dir selbst ins Reine kommen: Ein Coachingtipp
Manchmal nimmst du dir vor, dir nicht mehr so viel vorzunehmen, und sitzt dann erst recht vor einer vollgestopften To-Do-Liste. Oder du beschließt, öfter Nein zu sagen und schaffst es dann einfach nicht. Oder du bist fest entschlossen, endlich mehr für dich zu tun und regelmäßig aufzutanken, vergisst es aber einfach wieder im Trubel deines Alltags.
Und als wäre das nicht schon schlimm genug, beginnst du dann mit dir zu schimpfen — deine Selbstkritik hat ihren großen Tag und läßt dir keine Sekunde Ruhe, weil sie diesmal genau weiß, dass sie sogar aus deiner Sicht recht hat: du selbst wolltest ja für mehr Freiraum sorgen, für mehr Erholung, oder öfter Nein sagen. Und ja: sie hat recht. Aber es wird nicht leichter, wenn du dich selbst beschimpfst, oder?
Manchmal müssen wir unsere Selbstvorwürfe ausmisten wie verdorbene Lebensmittel. Weil wir sonst einfach gar nicht mehr vom Fleck kommen — jeder neue Versuch in die Richtung dessen, was du dir vorgenommen hast, wird dann von diesen Selbstvorwürfen begleitet, und von missgünstigen Prognosen: “Hat ja beim letzten Mal auch nicht geklappt”, “Nimmst du dir ja eh wieder nur vor, ohne es wirklich zu tun”… und schon garantieren deine Erwartungen an dich selbst geradezu, dass es wieder nicht klappen wird. Aus diesem Teufelskreis musst du raus!

Dir selbst verzeihen — die Übung:
Wir stellen dir eine Übung vor, die wir im Coaching immer wieder mal einsetzen — und die geradezu Wunder wirkt.
Alles was du brauchst, ist:
- einen Stift
- Papier
- und einen ganzen Haufen Selbstvorwürfe
Erster Schritt
Schreib als erstes eine Liste all der Dinge, die du dir selbst vorwirfst. Fang bei dem Thema an, um das es bei dir gerade geht. Lass aber auch zu, dass dir dadurch auch noch alle möglichen anderen Dinge einfallen, die du dir selbst vorwirfst: Je mehr du zusammenträgst, umso wirksamer und erleichternder wird es anschließend:
Zweiter Schritt
Und jetzt verzeihe dir jeden einzelnen dieser Punkte. Schriftlich, und ausdrücklich. D.h. Du schreibst auf ein neues Blatt immer wieder neu: “Ich verzeihe mir, dass…” — und arbeitest dich durch deine ganze Liste von Selbstvorwürfen.
“Ich verzeihe mir, dass ich es nicht geschafft habe, nein zu sagen, als …”
“Ich verzeihe mir, dass ich wieder die ganze Woche durchgearbeitet habe, obwohl ich ganz klar beschlossen hatte, mir an mindestens zwei Abenden was Gutes zu tun”
“Ich verzeihe mir, dass ich schon seit 10 Tagen mein Training vernachlässigt habe”
Und so weiter, bis du jeden Punkt auf der Vorwurfs-Liste erfasst hast. Und wenn du merkst, dass du das zwar aufschreibst, es dir aber noch nicht wirklich verzeihst, dann verzeih dir das auch:
“Ich verzeihe mir, dass ich mir all das nicht so leicht verzeihen kann”
“Ich verzeihe mir, dass ich mir ständig selbst Vorwürfe mache”
“Ich verzeihe mir, dass ich mich selbst beschimpfe deswegen”
Wenn du durch bist, dann verbrenn die Vorwurfs-Liste, oder zerreisse sie in kleine Schnipsel, oder wirf sie einfach weg. Und heb die Verzeihens-Liste noch ein Weilchen auf, lies sie am gleichen Abend noch mal durch, und am nächsten Tag auch nochmal, und lass das Ganze einfach ein bisschen einsickern.
Kann sein, dass du diese Übung 2,3-Mal hintereinander machen musst, um wirklich reinen Tisch zu machen, kann auch sein, dass du manche Dinge mehrmals schriftlich verzeihen musst. Oft ist es aber auch so, dass du schon nach dem einen Mal eine enorme Erleichterung spürst und dich wieder so richtig im Reinen fühlst mit dir. Und dann kannst du auch das, was du dir vorgenommen hast, mit frischer Energie und erneuerter, liebevoller Geduld mit dir selbst wieder von vorne angehen!
Schreib uns, wenn du die Übung ausprobiert hast — wir wollen natürlich wissen, wie sie bei dir gewirkt hat!
Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf: solebenwieichwill.com