umgang(s)formen — was wir von @wikipedia lernen könn(t)en (2) #QDw3c

“Il fiore delle Mille e una notte” (1974) Pier Paolo Pasolini | Lange Jahre das Profibild @radiotheorie ;-)

Textsorte: Traum, Blitz | Aktuell: #QDw3c | Kürzlich: #pngpng #wikicon18 #wiwi18 #PaulWatzlawick | Was wir von Wikipedia lernen könn(t)en (1)

Das Mechanistische Weltbild ist alt.

Sehr alt. — Nein: Viel älter.

Seit aber die Elektrizität in die Kommunikation eingefahren ist — wie der Blitz — hat sich das Programm verändert:

Das ist ein Programm.

Mit einer sehr langen Laufzeit. Sehr lang. — Nein: Viel länger.

Um es (viel zu) kurz zu machen:

Die Umgangsformen auf Wikipedia seien schlimm?

Ja, das stimmt. Alte, dickbäuchige, weisse Männer. (So?)

Möglichst einfach. Aber nicht einfacher.

Die Theorien, welche die Frauen geschrieben haben, werden insbesondere von Frauen gemieden.

Zwei Lesevorschläge:

  1. Silvia Staub-Bernasconi. Steht in jeder Bibliothek. Ok. Dort wo Soziale Arbeit gelehrt wird. Nahtlos an die Vorstellung der frühen Sozialarbeitstheorien — und natürlich von Mary Parker-Follet —kann
  2. Sadie Plant gelesen werden. Sie stellt Ada Lovelace, die Tochter der Mathematikerin Annabella Byron, vor.

Silvia lebt in Zürich. Sadie in Biel. Beide wären ganz einfach zu treffen ;-)

3. Von Tim Berners-Lee weiss Wikipedia, dass er eine “Unitarische Weltanschauung” pflege. Tim hat HTML und das Semantic Web angedacht und auf den Weg gebracht…

Was das tut das hier zur Sache?

Die Tradition der progressiven Kräfte rund um die Erfindung des Buchdrucks — sagen wir diesen viel zu pauschal einmal: — “Die Täufer” und die theoriemachenden Sozialarbeiterinnen, haben gemeinsam, dass sie beide radikal “von der Komplexität der Welt” ausgehen. Und nicht von Kompliziertheit, wie die Mechaniker. Um eine Hausnummer zu erwähnen: René Descartes (1569–1650).

Will sagen: Täufer und jene erwähnten Frauen stehen also auf der Seite vom Blitz und nicht auf der Seite der Mechanik.

Doch! Genau das macht einen Unterschied, welcher einen praktischen Unterschied macht…

Dieser Unterschied wird von Marshall McLuhan, Friedrich Kittler, Niklas Luhmann, bis hin zum aktuell publizierenden Dirk Baecker erzählt:

Bei Marshall McLuhan und seiner Gutenberg-Galaxis, wird diese Verbindung von #Buchdruck und — wie es dann später bei Dirk Baecker genannt werden wird — #Computer explizit:

Es wird zwar streng zwischen dem Massenmedium #Buchdruck und dem Netzwerkmedium #Computer unterschieden…

  • Das Massenmedium verhindert qua Technik Feedback (Und erzwingt gerade dadurch Multiperspektive ;-)
  • Das Netzwerkmedium stellt Feedback her, qua Technik (Und erzwingt gerade dadurch Individualität ;-)

Qua!Qua!Qualität

… Aber der gemeinsame Kern liegt im Sozialen Impuls, jedweder Vermittlung — durch andere Menschen, durch Strukturen der gewaltbereiten Macht, durch tabuisierte Sachverhalte — zu unterlaufen. Das wird umstandslos als Qualität gesehen. Unter #Buchdruck. Unter #Computer. Radikal. Von den Wurzeln her.

Das 200-jährige “Sapare Aude” ist ohne das 300 Jahre frühere “Sola Scriptura” undenkbar. Und wir arbeiten heute — 100 Jahre nach dem dramatischen Höhepunkt der Neuzeit, Aufklärung, Moderne — stur, konsequent, unirritiert an der Idee:

Keine Vermittlung. KEINE

Was vor 500 Jahren in der Sprache der Religion sozial verhandelt werden konnte, das hat es heute ungleich viel schwerer:

Es müsste eigentlich möglich sein, es in der Sprache der Wissenschaft,

dem wissenschaftlichen Diskurs, im Workflow von These — Argument — Kritik, zur Sprache zu bringen. Dafür aber haben sich die wissenschaftlichen Disziplinen zu sehr spezialisiert und sind in ihren Forschungen — insbesondere in jener der Generierung von Drittmitteln — gänzlich gefangen und absorbiert.

Es müsste eigentlich möglich sein, es in der Sprache der Politik,

des politischen Diskurses, im Workflow von Problematisierung, Skandalisierung, Mehrheitenbildung, Abstimmung, zur Sprache zu bringen. Die Politischen Partein sind aber so in ihrem 200-jährigen, mechanistischen Links:Rechts — Fortschrittlich:Konservativ — Schema blockiert: Da kommt kein frischer Gedanke mehr rein.

Wissenschaft und Politik — von ihren Megaphonen wollen wir nicht einmal schreiben — sind in die Position des Klerus vor 500 Jahren gerückt und reagieren genau gleich, wie ihre Altvorderen.

Ist das ein Problem?

Nein. — Vor 500 und 200 Jahren hat auch niemand den Klerus gefragt, ob ein Traktat gedruckt werden kann. Ich frage auch niemanden, ob ich einen Tweet absetzen darf, gell?

Das nervt?

Ok. Dann weiss ich, auf welcher Seite du stehst. Du Mechaniker, du ;-)

Ich weiss, es gibt auch viele Frauen, welche Mechaniker sind. Es so zu formulieren haut einfach besser rein. (So?)

Wissenschaft und Politik trauen wir nicht einmal eine Gegenreformation zu. Es ist besser, diese Institutionen zu meiden. Alle beide.

Löst das Panik aus?

Nein. — Nächste Projekte einer Nächsten Gesellschaft sind bereits hoch über den Horizont aufgestiegen. Sie sind beschreibbar, beobachtbar, problematisierbar. Wir nennen es:

#QDw3c — Arbeit an Wikipedia/Wikidata

Hier gehts zum aktuellen Arbeitsstand.

(…)

Die Umgangsformen sollen so schrecklich sein auf Wikipedia. Stimmt das?

Ja. — Auf Twitter soll es ja angeblich auch so sein gell?

Warum das gar kein Problem ist? — Ich erklärs dir schnell: hier:

Medienkompetenz erkennen wir heute daran, dass nicht auf das geschaut wird, was gezeigt wird.

Das erinnert dich an Bildersturm? — Gute Idee ;-)
#medienkompetenz @SamirFilmmaker

WORK IN PROGRESS

re:load für aktuellen Schreibstand

Ich arbeite aktuell an diesem Text… re:load für aktuellen Schreibstand

umgang(s)formen

  1. Was wir von #PaulWatzlawick 50 Jahre nach den Formulierungen seiner Axiome zu sagen hätte? 
    — Stimmt. Im 4. Axiom kam damals die Unterscheidung “digital:analog” vor, erinnerst du dich noch? ;-)
  2. Warum ich mich an Edit-Wars auf Wikipedia beteilige?
    —ein 50 Minuten Vortrag in Wien an der #wiwi18
  3. Was wir von Wikipedia lernen könnten (2) 
    M/Ein Beitrag an der #wikicon18 am Bodensee

Journalismus kann Wikipedia nicht erklären.

Für den Anfang einige wichtige Unterscheidung, um einen Zugang zu Wikipedia zu entwickeln.

Zunächst ist wichtig sich zu erinnern: Wikipedia ist 2001 entstanden und hatte ihren Höhepunkt um 2008. Wir befinden uns als 10 Jahre nach dem erstaunlichen “Erscheinen”dieser kollaborativen Lese-Schreibplattform. Die Probleme von Wikipedia wird innerhalb von Wikipedia selbst am besten dokumentiert.

(…)

es gibt keine zentralredaktion, keine chefredaktion, keine büroleitung.

wikipedia ist eine enzyklopädie (nicht ein lexikon)

es wird sekundärliteratur verabeitet(relevanzkriterien)

es geht um die sachebene (nicht die beziehungsebene)

es wird keine theoriefindung gemacht. (die machen wir auf twitter, so?)

die diskussionsseite

die versionsgeschichte

daten — informationen — wissen

warum die deutschsprachige wikipedia so aggressiv ist?

wie wikidata die verkrustungen der deutschsprachigen wikipedia revolutionieren wird…

die liste der gelöschten unterscheidungen (professionell:laie)

die idee des arguments…

woran erkenne ich ein argument?

“wissenschaftlich schreiben” als eine gesellschaftlich internalisierte methode…

wie konnte mit einer lausigen software innerhalb von monaten eine wikipedia entstehen, welche einen vergleich zu den grossen enzyklopädien nicht scheuen muss?

(…)

Sind die Probleme also wirklich gar nicht so schlimm?

Doch. Sind sie freilichdoch. Darum arbeiten wir ja so intensiv an #QDw3c ;-)

Hier gehts zum aktuellen Arbeitsstand.

Social Media: Twitter, Instagram, Soundcloud, Wikipedia via @sms2sms

Stefan m. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studium der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Autor, Künstler.

Ausstellungen und Performances in der Royal Academy of Arts in London (Frieze/Swiss Cultural Fund UK), im Deutsches Historisches Museum Berlin (Kuration Bazon Brock), in der Crypta Cabaret Voltaire Zürich (Kuration Philipp Meier) uam. Gewinner Migros Jubilée Award, Kategorie Wissensvermittlung. Diverse Ehrungen mit rocketboom.com durch Webby Award (2006–2009). Jury-Mitglied “Next Idea” Prix Ars Electronica 2010. Bis 2010 Macher von rebell.tv. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Information auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Verlag Hamburg. Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein. Er war drei Jahre Mitglied der Schulleitung Gymnasium Kloster Disentis. Seit Sommer 2014 lebt und arbeitet er in Zürich: #dfdu.org AG, Konstellatorische Kommunikation. (Entwicklung von Pilot und Impulsprojekten, gegründet 1997 mit Tina Piazzi)