Wikipedia ist uncool? — Aber kennst du die 7 Gründe, welche Brockhaus & Co pulverisierte?

[… Beginn 3. Umsetzung | Stand: 6.12.2018, 10:31 | Work in Progress …]

*Was Brockhaus konnte, Wikipedia aber auch
**Womit Wikipedia Brockhaus & Co pulverisierte
***Was Wikipedia nicht kann, Wikidata aber schon

  1. Anonymes Publizieren* (Hierarchie vs. Workflow #Kritik)
  2. Ordnung durch Listen in Zettelkästen* (Lemma)
  3. Rationale Begründungstradition*
  4. Hypertext** (Art und Weise des Zusammenhangs zur Darstellung bringen)
  5. Dokumentation der Entstehung des Textes** (Transparenz der Interessen erzwingen)
  6. Kollaboratives Schreiben am Netz** (Multiperspektiven, Darstellung der unterschiedlicher Rationalitäten)
  7. Commitment without binding (Prozessualität vor Position)**
  8. Kollaborativ auch mit Rechnern (#SemanticWeb als aktuelle Herausforderung)***

[… Beginn 2. Umsetzung | 5.12.2018, 6:41 | Work in Progress …]

== VERSIONSGESCHICHTEN ==

=== VERSIONSGESCHIHTE 2 ===


Was Brockhaus & Co gut konnte, Wikipedia aber auch:

1 Anonymes Publizieren

Was vor 500 Jahren eine reFORMation ermöglichte, ist auch heute noch Grund für dramatische UNRUHE: Das anonyme Publizieren.

#Massenmedien waren damals das Medium — das Mittel — den einzelnen Körper — das Individuum, die ultimative Minderheit, “die unantastbare Würde des Menschen” — aus der Masse — der sozialen Verflechtungen — herauszulösen.

300 Jahre später — nach einer langen Phase der Gegenreformation — haben Massenmedien eine nächsten Durchbruch ermöglicht: Wir nennen es Aufklärung, Neuzeit, Moderne. Jetzt wurde Schulpflicht eingeführt. Jedes Kind sollte fähig sein, lesen und schreiben zu können. Eben: Sich selbst entfalten dürfen.

100 Jahre später wurde klar, dass diese Massenmedien Massen manipulierend leiten können. In Deutschland ins Verderben. Radio Beromünster ins Glück.

Vor 50 Jahren riefen die wildesten: Alle Macht der Super 8. Alle — jeder einzelne Körper — sollte selbst zu einem Manipulatör werden. Selbst Hand an legen, selbst Bilder schiessen können. Eine typische männliche, heroische, kriegerische Strategie: Respektieren musst du schliesslich ja nur, wer dich besiegen kann. Wenn ich mit dem Handy komme und den Quatsch, welchen du aussprichst auf Snapchat haue, wirst du “unruhig” und manchmal gar richtig “ungehalten”. Gell? — Das ist Medientheorie. Ganz praktisch.

Ok — “Möglichst einfach, aber nicht einfacher.” Sicher aber ist:

Seit 500 Jahren ist es so: Wenn du einen gedruckten Zettel in der Hand hast, auf welchem eine Information steht, welche “relevant” für dich und dein Leben ist, musst du davon ausgehen, dass auch noch ein zweiter Mensch, ein solches Blatt in Händen hält. Das sind dann bereits zwei Unterschiede, welche dir einen praktischen Unterschied machen: Du kannst nicht nicht handeln.

Bei einem Tweet ist das nicht anders, wie bei einem Flugblatt. Es geht nicht um Massen. Es geht nicht um Klickzahlen, nicht um Reichweite, nicht um Marktpenetration — wie die Werbefuzzis sagen . Die Herausforderung liegt nicht einmal mehr in der Distribution. Vergiss den Quatsch.

Nicht vergessen will ich, dass heute ein Normaluser wie ich, nicht mehr wirklich anonym Publizieren kann. Aber das wäre ein anderes Thema.

#ZwingliFilm #ZwingliWars

2 Lemmata

Genau gleich wie bei Brockhaus, ist es auch bei Wikipedia: Wenn du etwas wissen willst, muss du das Wort kennen, unter welchem du etwas “nachschlagen” willst. Wir nennen es Lemma. Diese wurden bei Brockhaus noch von A bis Z geordnet. Das ist für Wikipedia bereits nicht mehr nötig.

Bei einer Suche bei Google können wir zudem noch etwas flexibler fragen. Mit Alexa und Siri reden wir schon bald wie mit anderen Menschen. Der Punkt hier aber ist:

Menschen ordnen bis heute ihr Wissen so, wie sie es bei den Bäumen abgeschaut haben: Der dicke Stamm wurzelt geheimnisvoll im Boden und wird nach oben flatterhaft. Aber es lassen sich knackige Früchte ernten. (So?)

3 Rationalität und Vernunft

(…)

Womit Wikipedia Brockhaus & Co pulverisierte:

4 Hypertext

5 Dokumentation der Entstehung des Textes

6 Kollaboratives Schreiben am Netz

7 Commitment without binding

Was Wikipedia nicht kann, Wikidata aber schon:

8 Kollaborativ auch mit Rechnern: Mit allem rechnen. Rechne mit allem!

Es geht erst gerade so richtig los

9 Was noch?


[… Hier folgt der erste, spontane Freischrieb zur Umsetzung der Textidee …]

=== VERSIONSGESCHICHTE 1 ===


Es ist einfach, Wikipedia nicht so toll zu finden. Die meisten Gründe, dürften gut begründet sein. Am Besten von der Wikipedia-Community selbst. Aber hast du dich schon einmal gefragt, wie es möglich war, dass Wikipedia in bloss 7 Jahren so ziemlich alles auf den Kopf stellte, was das gesammelte Wissen so stolz zwischen feste — ledergebundene? — Buchrücken presste?

Ok. Von 2008 bis 2018 ging es dann mit Wikipedia stetig bergab. Wikipedia hat sich zwar als eine der meistaufgerufenen Adressen im Internet etabliert. Aber sonst so... Es läuft extrem viel schief. Streit mit der Wikipedia-Community zu suchen — Wer oder was ist das eigentlich? — ist wichtig, nötig, produktiv. Insbesondere mit der sehr speziellen deutschprachigen Community. Stichwort: [[WP:Relevanzkriterien]] Aus Gründen. Aber das wäre ein ganz anderes Thema.

Textsorte: Märchen, Tabu | #QDw3c #CastelbergerNode #ZwingliWars Stand: 4. Dezember 2018, 9.44h

Wikipedia wird nicht immer bleiben. Seit 2012 läuft Wikidata. Und wie um 2001 damals auch: ganz unter dem Radar von “professionellem Informationsjournalismus”. Aber dass du grottenschlecht informiert wirst, weisst du ja selbst. Sonst wärst du nicht hier. Gell? — Eben. Also:

Alles was du Wissen musst.

Denn es ist gekommen, um zu bleiben.

1 HYPERTEXT — Das scheint dir jetzt banal? Ein Text mit Links. Wenn du den Hyperlink nicht in seiner dramatischen, hierarchieunterlaufenden, grundlegenden Funktion verstanden hast. OMG: Weiter zu Feld 7 im Cluetrain Manifesto von 1999. Und tschüss…

2VERSIONSGESCHICHTE — Texte mit Hyperlinks werden überarbeitet. Ständig. Oft. Meistens. Aber 17 Jahre nach Wikipedia bietet kaum eine frei zugängliche Software diesen Service “Die Genese des Textes” zur Darstellung zu bringen. (Ok. Es ginge noch viel besser. Aber… ;-)

Wichtig bis hier her ist: Es wurde zwar allen Kindern in allen Schule gelehrt, dass das Wissen der Menschen nicht in der “die heilige Schrift” von Gott gegeben vom Himmel gefallen ist. Aber wie das von Menschen gemachte Wissen in den Brockhaus fand, wie dieser entstand, worum gestritten wurde, welche Interessen am Pressen waren: Davon erfuhren wir nichts. Ich meine: Du. Und ich. (so?) Wir wurden zum Glauben und Anerkennen angehalten. Das war längst lächerlich geworden. Zumal wenige Jahrzehnte davor der deutschsprachige Raum erlitten hatte, was massenleitende Medien anzustellen vermögen. NIE WIEDER.

3KOLLABORATIVES SCHREIBEN —Miteinander, gleichzeitig, zusammen einen Text, ein Projekt, eine Idee entwickeln: Das ist ein uraltes Anliegen. Weil es viele Herausforderungen gibt, in welchen nicht die Begründung von Autorenschaft das zentrale Anliegen ist. Aber attraktiv möglich geworden ist es erst durch “computer vermittelte Kommunikation” (cvK): Asynchron, dezentral, multiperspektivisch, lösungsfokussiert...

Wikipedia sammelt nicht Meinungen. Wikipedia sammelt Wissen. Aber eben nicht “mein” Wissen. Auch nicht “dein” Wissen. Wikipedia sammelt “freies Wissen”. Aber eben nicht nur “Wissen ohne Copyright”, sondern zusätzlich auch Wissen, was sich einer gewissen Bewährung bereits ausgesetzt hat und sich dort bewährt hat. Wissen also, was längst kein Anspruch mehr erheben kann auf eine einzelne Autorenschaft.

4LEMMA — Unterscheiden, definieren, zuordnen: Das ist typisch für analytisches Denken. Jedes Kind macht das und fragt sobald es reden kann: Warum? Warum? Warum? — Unter einem “Lemma” verstehen wir bei Wikipedia einfach das “Stichwort”, das “Thema”, die Grundform eines “Schlagwortes”. Wir machen eine Annahme und schreiben oben auf das Blatt in grossen Zeichen den “Titel”. (Und: käme jemand auf die sehr dumme Idee, Wikipedia auszudrucken — das wäre eine Provokation! Das würde bloss ein Künstler wollen können — die einzelnen Blätter würden von A bis Z gestapelt werden, wie damals im Brockhaus.) Danach arbeiten wir die Zeichenkette ab. Das versteht jedes Kind. Und auch du hast genaue Vorstellungen davon, was eine gute Beschreibung, eine sinnvolle Differenzierung und Darlegung des Begriffs ausmacht. Gell? — Und: Warum kannst du das? Genau:

5VERNUNFT — Selbstverständlich könntest du — mindestens so informativ und stimmig — ein Lemma tanzen, zeichnen, singen, in einem Gedicht umranken… Aber das ist — so weit ich weiss — innerhalb von Wikipedia noch nie passiert. Weil allen — fast allen — klar ist, dass es in einem Wiki schon auch darum gehen könnte, aber eben nicht in Wikipedia. Ganz ohne Anleitung wird geschrieben, weil offenbar wie klar ist, wie beschrieben werden soll: Neutral. Abstinent. Unaufgeregt. Argumente auf Argumente auf Argumente. Wenn es gelungen ist, merkst du es. Wenn du es selber machen willst, wird es sehr, sehr, sehr schwierig. Aber dass du es willst, das ist klar. Und mit dir tausende und abertausende von Menschen. Auch solche, welche eine ganz andere Meinung haben als du. Und gerade deine Feinde, fordern es ein: “Beschreibe bitte meine Perspektive so, dass ich mich in ihr wieder finden kann.” #agree2disagree Das ist unser Ausgangspunkt: Der Konsens zur Uneinigkeit.

Wikipedia hat der “Gemeinschaft der Gelehrten” den Atem geraubt. Den Schlaf auch. Denn plötzlich konnte das, was in der universitären Bibliothek im Overkill der Differenziertheit in Nullen und Einsen zerfallen war, in der Art und Weise ihres Zusammenhangens zur Darstellung gebracht werden. Dem Klerus vor 500 Jahren schallte “Sola Scriptura” entgegen. Und heute erleben die Professoren, was es auch damals meinte: “Keine Vermittlung — keine”.

6COMMITMENT WITHOUT BINDING — Bei Wikipedia kannst du Mitarbeiten ohne, dass es dich zu irgend etwas verpflichtet. Du kannst ein einziges Mal ein einzelnes, falsch gesetztes Komma korrigieren. Oder ganz viele Einträge neu erstellen. Du bist zu nichts verpflichtet. Und alles dazwischen? Geht auch. — Alles geht. Nur das, was nicht geht, geht nicht. Aber wenn du dich an die Regeln hälst, die du gar nicht kennst, nach denen du aber lebst, wirst du auf viele Freundinnen und Freunde treffen, die dir helfen, deinen Eintrag zu machen.

Dass Spezialisten alles über Nichts und die Dummen nichts über Alles wissen: Das ist bekannt. Dass diese Gemeinschaft der Dummen auf eine gescheite Ideen kommen werden, das war klar. Wie aber eine solche nächste Idee — einer nächsten Gesellschaft — aussehen könnte: Darüber wird gerätselt. Dass aber Wikipedia eine Ahnung von diesem Unbekannten entwickelt hatte, das wird unter dem Eindruck von Wikidata immer deutlicher… Und jetzt also noch dies:

7KOLLABORATIV AUCH MIT MASCHINEN — Ok. Den Punkt wirst du nicht verstehen. Dass Bots — wir zählen sie liebevoll zu unseren “Helferlein” —Lese- und Schreiberechte haben, ist das Eine. Aber dass auch ganze Datenbanken ihre Hinweise “in Echtzeit” einbringen können: Daran wird seit 2012 intensivst gearbeitet. Und das löst insbesondere nächste Sorgen aus. An der #Wikicon18 war dies das Schwerpunktthema. Wir bearbeiten das Thema unter dem Hashtag #QDw3c. Tim Berners-Lee nannte es das Giant Global Graph (GGG), andere Linked Open Data, andere SemanticWeb. Bei uns heisst es Wikidata. Du kannst zuhören, wie es wächst.

Das willst du nicht verstehen? Aber vielleicht reichen dir ja die ersten sechs Punkte fürs Erste: Könnten sie erklären, warum Wikipedia einen so dramatischen Erfolg hatte von 2001–2008? Wird 10 Jahre danach erst so richtig deutlich, warum diese Errungenschaften nicht gelöscht werden. können?

8 Hast du noch einen anderen Punkt? Schreibst du ihn mir? Gerne ergänze ich es hier. Schreibe mir. Egal wo. Irgendwo unter @sms2sms. Zum Beispiel in: Twitter, Instagram, Soundcloud, Wikipedia (so?)

P.S.: Die Punkte sind im Nachtstream vom 2. Dezember 2018 im #CastelbergerNode entstanden. d!a!n!k!e Der Text wird sich noch stark verändern. Das ist keine Publikation :-P

Danke für die Hinweise

(korrigiert)
(verlinkt)

Social Maker Space, Asylstrasse 9, 8032 Zürich, Switzerland, #dfdu AG

Social Media: Twitter, Instagram, Soundcloud, Wikipedia via @sms2sms

Stefan m. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studium der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Autor, Künstler.

Ausstellungen und Performances in der Royal Academy of Arts in London (Frieze/Swiss Cultural Fund UK), im Deutsches Historisches Museum Berlin (Kuration Bazon Brock), in der Crypta Cabaret Voltaire Zürich (Kuration Philipp Meier) uam. Gewinner Migros Jubilée Award, Kategorie Wissensvermittlung. Diverse Ehrungen mit rocketboom.com durch Webby Award (2006–2009). Jury-Mitglied “Next Idea” Prix Ars Electronica 2010. Bis 2010 Macher von rebell.tv. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Information auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Verlag Hamburg. Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein. Er war drei Jahre Mitglied der Schulleitung Gymnasium Kloster Disentis. Seit Sommer 2014 lebt und arbeitet er in Zürich: #dfdu.org AG, Konstellatorische Kommunikation. (Entwicklung von Pilot und Impulsprojekten, gegründet 1997 mit Tina Piazzi)