Warum ich meinen Job gekündigt habe, um 10 Monate durch Lateinamerika zu reisen

Blick auf den Berg der vierzehn Farben in Humahuaca (Argentinien).

Dieser Beitrag ist aus drei Gründen etwas besonderes. Das ist mein erster Beitrag auf Medium, die erste Blogparade, an der ich teilnehme und der Inhalt ist sehr persönlich. Ich berichte ich über eine wichtige Entscheidung, die mein Leben sehr positiv beeinflusst hat. Warum? Die Zielsetzung dieses Artikels (im Rahmen der Blogparade Entscheidungen) ist, dich zu ermutigen deine Träume zu leben sowie dir zu helfen, Entscheidungen leichter treffen zu können.

Wichtige Entscheidungen können einfach sein

Die Entscheidung meinen unbefristeten Arbeitsvertrag zu kündigen, die schnucklige Wohnung aufzugeben, unseren geliebten, alten VW-Golf zu verkaufen und alle Möbel zu verschenken oder auf den Sperrmüll zu bringen, ist mir leicht gefallen. Warum? Weil es sich richtig angefühlt hat.

Es geht um Prioritäten

Zum Zeitpunkt dieser wichtigen Entscheidung war ich beruflich erfolgreich und meine Arbeit im Bereich digitale Kommunikation für Banken wurde sogar außerhalb der regionalen Sparkassenwelt wertgeschätzt. Ich wurde mehrfach als Keynote-Speakerin angefragt, war Teil des Newsroom-Teams des DSGV (Deutscher Sparkassen und Giroverband) beim Sparkassentag 2016 und mir wurde sogar angeboten ein Fachbuch zu schreiben. Das alles habe ich erreicht, weil meine Priorität auf meiner Arbeit lag.

Reflektieren tut gut

Ich reflektiere viel und gerne und habe mir auch die kritische Frage gestellt, wozu ich das alles mache. Berufsbegleitende Weiterbildung, Fachkongresse, Gastbeiträge, ein eigenes Fachblog und Vorträge kosten Zeit und Energie. Wie man seine knappen, persönlichen Ressourcen einsetzt, entscheiden die Prioritäten. Mit der Entscheidung für diese Reise, habe ich die Prioritäten temporär neu gesetzt, um mir einen lang ersehnten Traum zu verwirklichen.

Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Ich hatte das große Glück bereits nach meinem Abi 11 Monate in Ecuador, Peru und Bolivien verbringen zu dürfen. Seitdem träume ich von einer Rucksackreise durch ganz Lateinamerika. Den Zeitpunkt für diese Traumreise habe ich mehrfach und aus verschiedenen Gründen verschoben. Man findet immer einen Grund der für den Erhalt des gegenwärtigen Zustands spricht (und wenn man die Gründe nicht selbst findet, hilft das soziale Umfeld). Meistens geht es um Sicherheit und Planbarkeit. Und irgendwann ist es dann plötzlich zu spät für Freiheit und Abenteuer.

Nichts ist sicher, alles ist möglich

In meinem beruflichen und privaten Umfeld gab es einige Vorfälle, die mich in meiner Entscheidung bestärkt haben. Eine Bekannte, die jahrelang davon gesprochen hat was sie alles macht, wenn Sie endlich in Rente geht, ist ein halbes Jahr vor dem Zeitpunkt, für den sie gelebt hat, verstorbenen. Zwei Kollegen haben ihr ganzes Berufsleben darauf hin gearbeitet, befördert zu werden und viele Überstunden geleistet. Die beiden erhofften, endlich frei werdenden Führungspositionen haben aber überraschenderweise zwei junge Frauen erhalten, denen die Herren auch noch unterstellt wurden. Diese Entwicklungen waren völlig unvorhersehbar.

Die Zeit war reif

Mir war klar, dass ich beruflich weiter kommen will und gerne mit einem noch strategischerem Fokus arbeiten möchte. Diese berufliche Veränderung war leider nicht absehbar. Wegen der fehlenden Perspektive wäre ich, so oder so, nicht lange bei diesem ersten Arbeitgeber geblieben. Mein Freund hat im Sommer sein Masterstudium erfolgreich beendet. Also aus mehreren Gründen ein guter Zeitpunkt für eine Auszeit, bevor der Fokus (wieder) auf dem erklimmen der Karriereleiter liegt.

Es gibt kein richtig und falsch

Eine Entscheidung ist eine Türe, die man bewusst öffnet, ohne zu Wissen, was sich hinter der oder den anderen Türen verbirgt. Ich entscheide mich immer bewusst für einen Weg, den ich gezielt einschlage und nicht gegen eine Alternative. Mit dem treffen einer Entscheidung schafft man Tatsachen. Diese zu bereuen ist sinnlos, insofern man sich aus guten, überzeugenden Gründen für etwas entschieden hat. Ich habe keine Ahnung, wo ich jetzt wäre, wenn ich mich nicht auf diese Reise begeben hätte. Das spielt auch keine Rolle, denn die Gründe, die mich hierher nach Patagonien geführt haben, haben sich nicht geändert. Deshalb denke ich bei Entscheidungen auch nicht in den Kategorien richtig oder falsch, sondern begründet oder unbegründet.

Es gibt immer mehrere Alternativen

Wenn man vor einer Entscheidung steht hat man häufig das Gefühl des “entweder oder”. Es gibt aber immer mehr als zwei Alternativen. In meinem Beispiel hätte ich auf den ersten Blick die Reise machen oder meinen Job behalten können. Ich hätte aber auch beides haben können, beispielsweise in Form einer kurzen Urlaubsreise. Eine weitere Möglichkeit ist weder noch und die fünfte häufig vergessene Alternative ist etwas komplett anderes zu machen, beispielsweise ein eigenes Start-Up zu gründen.

Entscheidungen trifft man nie allein

Sobald ich zurück nach Deutschland komme, stehen viele neue Entscheidungen an. Welche Stadt, welcher Arbeitsbereich, welcher Arbeitgeber? Zum Glück weiß ich (meistens) genau was ich will. In diesem Fall eine abwechslungsreiche, strategische Tätigkeit im Bereich digitale Kommunikation, gerne mit Kundenkontakt und fantastischem Arbeitsklima. (Falls du mir diesbezüglich zufällig weiterhelfen kannst: Ich bin gut per Mail erreichbar und ab Juni wieder in Deutschland.) Je mehr Möglichkeiten man hat, desto schwieriger wird es vermeintlich. Ich empfinde jedoch die Situation, dass mir so viele Wege offen stehen, als sehr positiv. Meine Mutter sagt immer: “Es ist gut mehrere Eisen im Feuer zu haben.” Deshalb werde ich vermutlich viele Bewerbungen verschicken. Mich beruhigt jedoch, dass ich die Entscheidung nicht alleine treffe. Mein Freund, meine Familie und Freunde spielen bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle. Auch der potentielle Arbeitgeber hilft mir bei der Entscheidung, denn er muss sich aufgrund meiner Bewerbung für mich entscheiden. Und dann entscheiden wir uns im Idealfall, wenn alles passt, bewusst füreinander oder eben für eine Alternative.

Happy End

Ich liebe Filme und Bücher mit Happy End. Deshalb möchte ich auch diesen Artikel positiv beenden. Mein Freund und ich reisen inzwischen seit fünf Monaten durch Südamerika und weiter fünf Monate liegen vor uns, bevor wir von Mexiko aus zurück nach Deutschland fliegen. Wir hatten bisher viele tolle Erlebnisse. Wir sind auf Puerto Rico gemeinsam mit Meeresschildkröten geschnorchelt, haben in Ecuador einen Monat bei meiner Gastfamilie im Regenwald gelebt und an der Küste Buckelwale gesehen, in Peru magische Momente in Machupicchu erlebt, atemberaubende Sonnenaufgänge gesehen und viele wunderschöne Wanderungen in der vielseitigen Natur unternommen. Eine Anreihung vieler kleiner und großer glücklicher Momente, an die wir uns unser Leben lang erinnern werden.