Tipps für authentischere Intranet-Kommunikation

Authentizität ist das Keyword per se für Interaktion im Social Web. Dabei gilt, was Marie-Christine Schindler & Tagio Liller (PR im Social Web, 2014, S. 19) folgendermaßen ausdrücken: „Authentizität verschafft man sich nicht selbst, sie wird von außen zugeschrieben.“ Das Erscheinungsbild wird von den Bobachterinnen/Beobachtern bzw. den Mitmachenden — den „Prosumerinnen und Prosumern“ (ein mittlerweile allgemeingültiger Kunstbegriff, das aus den Wörtern „Produzent/-in“ und „Konsument/-in“ zusammengesetzt ist) — mit ihren Erwartungen und ihren Vorstellungsbildern, die sie von Personen, dem Unternehmen, seiner Marke haben, verglichen. Ob etwas als „authentisch“ bewertet wird, ist also von der Beobachterin/vom Beobachter abhängig — und daher kaum messbar, weil subjektiv.

In den Medien des Social Web, im „Mitmach-Web“, gilt Authentizität als unbedingte Forderung für Glaubwürdigkeit und der „Dialog auf Augenhöhe“ als Voraussetzung, will eine Person/ein Unternehmen Follower und eine rege Beteiligung dieser. Ist Authentizität an sich also nicht objektiv bewertbar (weil subjektiv wahrgenommen), kann man doch an der Beteiligung einen Hinweis sehen, ob etwas als authentisch und somit „folgenswert“ wahrgenommen wird.

Das Intranet ist nun oft nicht unbedingt der Ort der Beteiligung und viele Intranet-Manager/-innen klagen sogar über geringe Nutzung. Oft ist das Intranet eine Plattform für Unternehmensinfos, Dokumente, Arbeitshilfen, Menübestellungen, Top-Down-Beiträge … Hier einige Ideen, die dabei helfen, Intranet-Kommunikation authentischer zu gestalten und damit eine regere Nutzung, ja sogar Beteiligung, anzuregen.

1. Meinungen einholen und Diskussionen anregen, z.B. durch Umfragen, Gewinnspiele, Quiz, Votings, Aufwerfen von Fragen/Themen …

2. Like- und Kommentar-Funktionen sind ein direktes Feedback und erweitern die Möglichkeiten für das Monitoring: Was beschäftigt die Mitarbeiter/-innen? Wo ist man auf dem richtigen Weg? Wo braucht es mehr Informationen?

3. Es belebt die Beitragsvielfalt und Interaktion, wenn Mitarbeiter/-innen eigene Beiträge initiativ erstellen können, z.B. Themenbeiträge, Fotos in der Galerie posten u.ä.

4. Intranets mit Interaktionsmöglichkeit fungieren als Themen-Radar für neue Top-Down-Beiträge. Durch Monitoring der Beiträge der Mitarbeiter/-innen bekommt man einen Einblick, was beschäftigt. Aufgegriffen in Top-Down-Beiträgen kann man so Themen weiterführen, aufwerfen, Fragen beantworten …

Eine authentische Intranet-Kommunikation bietet auch einen Nutzen für das Unternehmen selbst:

1. Mehr Nutzen für Mitarbeiter/-innen wird generiert. Sie können Themen beisteuern, diskutieren, die sie interessieren. Ihre Themen werden aufgegriffen.

2. Intranetnutzung wird erhöht. Es ist wahrscheinlich, dass die Mitarbeiter/-innen auch andere Beiträge als die von ihnen generierten eher lesen und das Intranet mehr als „ihres“ erfahren.

3. Mitarbeiter/-innen werden auf ihrem Weg zur „Social-Fitness“ begleitet. Durch Aktivität im Intranet lernt man auch die „Logik“ der Sozialen Medien näher kennen und übt die Rolle als Prosumer/-in.

Spricht sich ein Unternehmen für mehr Authentizität in der Intranet-Kommunikation aus, muss es sich auf Folgendes einstellen und Vorsorge treffen:

· Die informelle Sprache der persönlichen Beiträge hat eine andere Tonalität als offizielle Informationen top-down. Leser/-innen müssen klar unterscheiden können, welche Beiträge offiziell und welche persönlich sind.

· Guidelines können den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern dabei helfen, Beiträge zu formulieren und ihnen die Angst nehmen, das zu tun. Z.B. Hinweise zum Sprachstil.

· Auch von offizieller Seite sollte man ab und an auf Beiträge, Vorschläge reagieren — und zwar auf Augenhöhe — und sich so an den Diskussionen beteiligen, sie nicht nur anregen. Sonst ist die Motivation zur Interaktion bald dahin.

Das sind nur einige erste Ideen und Gedanken. Ich freue mich über Ergänzungen und Kommentare.