Blog oder Blamage?

Ich betreibe eine private Website mit einem Blog. Nichts ungewöhnliches heutzutage.

Doch worüber schreibt man so in einem Blog? Meine Interessengebiete sind vielschichtig-querbeetchaotisch. Meist habe ich bis jetzt im Blog (www.soundmaennchen.de) über die für mich desaströsen Politikkatastrophen geschrieben. Über den Medienmainstream und Wahnsinn im täglichen Leben.

Das ist nun fast kaum noch möglich, da mein politisches Verständnis sich nicht an Parteien oder Ideologien ausrichtet, sondern einfach an Logik. Damit kommt man heute aber nicht weit. Was gut und richtig ist, und damit logisch, wird einem ideologischem Machtkalkül geopfert, dass weit am realen Leben vorbei geht. Ideologie geht über alles und steht über allem. Dies wird auf politischer Ebene zelebriert und durch die Medien in die Köpfe der Menschen geprügelt. Widerspruch wird nicht erwartet und auch nicht geduldet.

Wer da nicht mitspielt, wird gemaßregelt. Staatlich garantiert gibt es eine Meinungsfreiheit. Theoretisch jedenfalls. Praktisch wurden in jüngster Vergangenheit alle größeren Arbeitgeber in eine Situation gezwungen, ihre Arbeitnehmer vertraglich zu einer liberalen Haltung gegenüber Asylanten und Flüchtlingen anzuhalten. Wer dagegen, auch im privaten Umfeld, verstößt, muss mit Abmahnung oder Kündigung des Arbeitgebers rechnen. Nur gut, daß es hier eine staatlich garantierte Meinungsfreiheit gibt. Um diese Verpflichtung herum hat sich eine völlig neue Kultur von Anscheißern und Denunzianten gebildet, die das Internet nach derlei Meinungsäußerungen durchforsten und das den Arbeitgebern melden. Ein typisch deutsches Kleinbürgertum und Kleingeist tut sich da hervor und meldet pflichtbewusst.

Solche Auswüchse gab es auch schon im dritten Reich. Eine Diktatur der öffentlichen Meinung, die keine andere duldete. Ich möchte keine Aufforderungen zu Gewalt und Diskriminierung damit legalisieren, aber eine freie Meinung muss gewährleistet bleiben. Das muss eine Demokratie aushalten. Die verbale Präsenz der „Gutmenschen“ und gleichzeitige Abwertung von anderen Meinungen, und seien es auch nur mahnende Stimmen, ist für mich nicht (er)tragbar. Eine Gesellschaft beruht auf Diskussion und Austausch. Wenn es nur eine Meinung geben darf, gibt es auch keine Diskussion und keinen Austausch.

Doch es ist zu gefährlich, eine eigene Meinung zu haben in der heutigen Zeit. Wer finanziell von seinem Job abhängig ist, darf sich keine eigene Meinung mehr erlauben.

Ich bin ehemaliger DDR-Bürger und derartiges von früher gewöhnt. Hätte man 1989 den Menschen in Leipzig gesagt, welche Verhältnisse heute vorliegen, hätte es wahrscheinlich keine Wende gegeben. Warum soll man demonstrieren, wenn man nur eine Diktatur gegen eine andere tauscht?

Die heutigen Probleme können nur von allen zusammen gelöst werden. Kritische Stimmen sind keine Hetzer, sondern kritische Stimmen die gehört und ernstgenommen werden müssen. Denn auch in ihnen ist Wahrheit enthalten.

Wer Angst hat seine Meinung zu äußern, fühlt sich eingesperrt und unfrei. Er lebt in einer Diktatur. Angeblich leben wir aber in einer Demokratie, die die Meinungsfreiheit eines jeden und die Gleichheit von Allen garantiert.

Ich glaube aber, wir entfernen uns immer weiter davon.

Und was soll ich nun in meinen Blog schreiben?