Die Sache mit der Reichweite

“Wie viele Leser haben Sie denn auf Ihrem Blog?” Die Frage kommt nach einem Inhouse Workshop bei einem meiner Kunden. “Genaue Zahlen hab ich nicht im Kopf, einige tausend im Monat. Müsste ich nachschauen.” Die Reaktion auf meine Antwort: Ein irritierter Blick, ein offener Mund und sichtbares Unverständnis.

Die Reaktion ist mehr als nachvollziehbar. Schließlich habe ich mit dem Team ein strukturiertes Monitoring im Unternehmen eingeführt, klare Ziele definiert — in umgekehrter Reihenfolge — und die Mitarbeiter in der Nutzung der Statistiken geschult.

Wie kann ich da meine eigenen Leserzahlen nicht kennen? Genau das ist das Thema dieses Artikels.

Absolute vs. relevante Reichweite

Den Anstoß haben mehrere Gespräche mit verschiedenen Menschen — Kollegen, Coachees, Freunden, Netzwerkpartnern — gegeben. Auch Menschen, die mich gut kennen, können manchmal nicht verstehen, wie ich Zahlen und Reichweite sehe.

Sascha Pallenberg brachte es vor kurzem in einem Interview hervorragend auf den Punkt:

„Viele unserer Leser kommen aus dem journalistischen Bereich oder von Firmen aus der Branche. Die finden es gut, wenn wir auch mal Leuten auf die Füße treten. Wenn diese Leute dann unsere Beiträge lesen und sich damit beschäftigen, das ist Relevanz“

Hat diese Relevanz mit Reichweite zu tun? Sicher, aber eben nicht mit absoluter Reichweite, die sich rein in Zahlen definieren und messen lässt.

Daher spreche ich von relevanter Reichweite:

Relevante Reichweite beantwortet genau zwei Frage: Erreiche ich die Menschen, die mir wichtig sind? Biete ich ihnen genug Nutzen?

Wächst die Zahl der Menschen, die bei mir Nutzen finden und die ich erreichen will, ist das eine zunehmende relevante Reichweite. Sie führt schlussendlich zu der von Sascha Pallenberg angesprochenen Relevanz

Zahlen können egal sein

Aus diesem Verständnis erklärt sich auch meine oft polarisierende Aussage:

Zahlen sind mir bei meiner eigenen Kommunikation egal.

Wichtig: Meiner eigenen. Für Kundenprojekte kann das, je nach Zielsetzung , anders aussehen. Und auch wichtig: Ich beziehe mich auf absolute Zahlen wie Leserzahlen und ähnliche Daten.

Inhaltliche Kommentare, lebendige Diskussionen, neue Kontakte , aktiver Austausch — diese Zahlen und Aspekte sind mir wichtig.

Ich weiß, dass diese Haltung nicht für jeden nachvollziehbar, geschweige denn praktikabel ist. Muss sie auch nicht. Für mich und meine Kunden ist sie richtig und wichtig.

Absolute Reichweite kann sinnvoll sein, viel wichtiger ist jedoch relevante Reichweite.

Die Frage aller Fragen:

Wie seht ihr das?

Nachtrag: Gerhard Schröder von Kreative Kommunikationskonzepte hat auf Facebook in den Kommentaren einen lesenswerten Artikel — bitte hier entlang — ergänzt der zeigt, dass der Begriff nicht neu ist. Ich wünschte nur, er bekäme mehr Bedeutung.