Digitale Kommunikation für die Soziale Arbeit: Ein Muss, keine Option #Kommentar

In den letzten Monaten durfte ich bei vielen Trägern und Einrichtungen aus den verschiedensten Bereichen Vorträge, Beratungen und Workshops halten. Im Kern ging es immer um den sinnvollen Einsatz digitaler Kommunikation für die Arbeit und/oder Öffentlichkeitsarbeit der Sozialen Arbeit.

Die folgenden drei Fragen habe ich — in verschiedenen Formulierungen — am häufigsten gehört:

  1. “Brauchen wir das wirklich? Unsere Klienten sind doch noch gar nicht online unterwegs.”
  2. “Wir sind lokal gut vernetzt, unsere Klienten kennen uns. Öffentlichkeitsarbeit ist für uns nur lokal wichtig, nicht online.”
  3. “Digitales betrifft uns nicht. Wir arbeiten schließlich mit Menschen.”

All diese Aussagen haben mich bis vor wenigen Monaten noch sprachlos gemacht, teilweise auch wütend. Heute nicht mehr. Heute sehe ich sie als Gesprächsanlass und -chance an.

In diesem Kommentar will ich alle drei nutzen um deutlich zu machen, warum Digitale Kommunikation für die Soziale Arbeit unverzichtbar ist. In meinen TEDx Talk gehe ich darauf auch ein.

Digitale Kommunikation: Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit

Was ist der Auftrag der Sozialen Arbeit? Je nach Arbeitsfeld, Klienten und auch Geldgeber variiert er natürlich. Doch der Kern ist aus meiner Sicht immer gleich:

Soziale Arbeit soll die Menschen unterstützen, die Hilfe brauchen und sich nicht selbst helfen können. Wo möglich geschieht das in Form der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Klienten werden möglichst dazu befähigt, ihr Leben so selbstständig zu führen, wie das im Rahmen ihrer Lebensrealität möglich ist.

Gehe ich von diesem Auftrag aus, ist Digitale Kommunikation ein Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit. Dann muss sie Thema in der Arbeit mit den Klienten sein.

Denn Digitale Kommunikation ist längst Teil des täglichen Lebens und der Lebenswelt der meisten Menschen, eben auch der Klienten. Wenn ich diesen Punkt anspreche kommen oft negative Begriffe wie Cybermobbing, Darknet, Identitätsdiebstahl, Online Betrug und ähnliche zur Sprache.

Alles valide Risiken. Doch es gibt auch viele Chancen und viele der genannten Risiken können durch Information und Kompetenz im Umgang mit digitalen Kanälen minimiert werden.

Diese Kompetenz entsteht, vor allem bei hilfsbedürftigen Klienten, jedoch nicht von selbst. Hier sind, nicht nur aber eben auch, Sozialarbeitende gefragt, die mit ihren Klienten die notwendigen Kompetenzen aufbauen und das nötige Wissen zielgruppengerecht vermitteln.

Wenn die Soziale Arbeit ihren Auftrag ernst nimmt, muss sie ihre Klienten bestmöglich unterstützen. Kompetenzvermittlung und ein achtsamer Umgang mit Digitaler Kommunikation ist dann zwingend Teil der Arbeit. Rigorose Ablehnung und Dämonisierung der Kommunikationskanäle und Technik sind fahrlässig und kontraproduktiv.

Digitale Kommunikation: Ein Muss für die Soziale Arbeit

Der geschätzte Hendrik Epe schreibt in seinem aktuellen Blogbeitrag zur ersten Social Innovation Night in Freiburg:

Und eine gestaltbare Bedingung für Innovation ist die Vernetzung mit anderen Menschen, anderen Denkweisen, neuen Impulsen, anderen Organisationen. Interdisziplinäre Vernetzung, Austausch in nicht vorgegebenen Rahmen, ohne Vorgaben, ohne konkrete Zielsetzung.

Digitale Kommunikation, die aktive Nutzung von Blogs und Social Media, können bei dieser Vernetzung helfen. Doch der Nutzen Digitaler Kommunikation für die Soziale Arbeit geht weit darüber hinaus.

Ich meine: Digitale Kommunikation ist ein absolutes Muss für die Soziale Arbeit. Und zwar schlicht deshalb, weil immer mehr Menschen — und die kommenden Generationen in noch viel stärkerem Ausmaß — sich primär über Soziale und Online Medien informieren.

Ob das gut oder schlecht ist, wird subjektiv sehr unterschiedlich bewertet. Vor allem ist es jedoch eine Tatsache.

Und diese Tatsache gilt es anzuerkennen. Da hilft kein Wegschauen, kein Ignorieren. Soziale Arbeit — namentlich Träger und Einrichtungen — müssen Digitale Kommunikationswege und -möglichkeiten nutzen, um mit den Menschen zu kommunizieren.

Wollen sie gesellschaftlich relevant bleiben, führt an diesen Kommunikationskanälen kein Weg vorbei.

Das mag heute noch übertrieben klingen. Und vielleicht dauert es noch einmal fünf oder zehn Jahre, bis meine Aussage in vollem Umfang zutrifft. Doch schon heute verlagern sich Aufgaben der Sozialen Arbeit in andere Bereiche, verliert die Soziale Arbeit den Kontakt zu Klientengruppen.

Noch sind das nur erste Entwicklungen, doch sie kündigen — beispielsweise in der Jugendarbeit — Trends an.

Und auch die Arbeitsbereich — wie beispielsweise die Pflege von Senioren und älteren Menschen — deren Klienten noch nicht allzu online affin sind, erleben einen Wandel. Senioren werden online aktiv. Angehörige informieren sich online über Einrichtungen und tauschen Erfahrungen aus.

Wenn Soziale Arbeit ihrem Auftrag gerecht werden und relevant bleiben will, muss sie die Möglichkeiten der Digitalen Kommunikation nutzen. Nicht weil ich damit Geld verdiene oder von Social Media begeistert bin. Schlicht weil Digitale Kommunikation Teil des täglichen Lebens ist und es noch viel stärker werden wird.

Wir stehen erst ganz am Anfang der Digitalen Kommunikation. Wer sich heute damit befasst, kann die nötige Kompetenz und Basis aufbauen, bevor es absolut überlebensnotwendig ist. Doch genau das wird es sein: Überlebensnotwendig. Und zwar eher früher als später.

Leseempfehlung zum Thema: Soziale Arbeit 4.0 von der geschätzten Sabine Depew


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