Süchtig nach Glück — Mathematik hinter Glücksspielen

Alljährlich werden Bargeldbeträge, Autos, Handys, Flugreisen und Waren für mehrere Millionen verlost — bei von Firmen ausgelobten Preisausschreiben.

Inzwischen gibt es eine beachtliche Anzahl von Menschen, die diese Glücksspiele zum einträglichen Hobby gemacht haben.

Glücksspiele — Die Hoffnung auf den Gewinn

Denkst du darüber nach, ist dies auch logisch. Beim Lotto liegt die Aussicht auf den Jackpot bei rund eins zu 140 Millionen. Selbst bei großen Unternehmen wie Haribo, dem Kaffeeröster Jacobs oder bei Audi nehmen selten mehr als eine Millionen Glücksritter an der Auslosung teil.

Meist sind es deutlich weniger, weshalb die Gewinnchancen auch ohne angewandte Wahrscheinlichkeitsrechnung ganz offensichtlich erheblich besser sind. Hinzu kommt, dass die Preise sich sehen lassen können.

Kleinere Bargeldbeträge, aber auch große Summen von 100.000 Euro und mehr sind keine Seltenheit. Es werden Karibikkreuzfahrten verlost, der Romantikurlaub All inclusive auf Bali und gelegentlich steht bei Teilnehmern eines Preisausschreibens nach ein paar Wochen ein brandneues Auto vor der Tür.

Gibt es Seriengewinner beim Glücksspiel?

Hobbyglücksritter nehmen regelmäßig und über Jahre an Firmenverlosungen teil. Einige davon dokumentieren akribisch ihre Erfolge und präsentieren die dann auch auf Internetplattformen, die für diese Jäger nach dem Glück kreiert wurden. Das liest sich schon ein wenig wie ein Wettrennen.

Vorne liegt, wer der meisten Preise gewonnen hat. Manchmal wird auch der Spieler beneidet, dessen Gewinne zusammen den höchsten Wert haben. Dabei kommen lukrative, aber auch kuriose Preise zusammen.

Da gewinnt der Single einen Kinderwagen oder Einwegwindeln fürs Baby für ein ganzes Jahr. Diese für den Einzelnen unbrauchbaren Preise, lassen sich aber gut im Bekanntenkreis, notfalls bei e-bay verkaufen.

Auf den Portalen für Preisausschreiben sind gleich mehrere Glückspilze aufgelistet, die inzwischen 500, 1.000 und mehr Gewinne einstreichen konnten.

Der Einsatz ist denkbar gering. Viele Preisausschreiben sind online möglich und damit frei von jeglichen Gebühren. Bei anderen fällt an Kosten lediglich das Porto für die Postkarte an.

Wie findet man eigentlich Glücksspiele?

Illustrierte und Magazine, aber auch Supermärkte, Apotheken oder Kaufhäuser sind eine Fundgrube für diese Glücksspiele. Unerlässlich ist heute das Internet, willst Kreuzreisen oder ein neues Auto gewinnen.

Verschiedene Portale haben es sich zur Aufgabe gemacht, gezielt nach solchen Preisausschreiben zu suchen und diese zusammengefasst auf ihrer Web-Seite zu präsentieren.

Darüber hinaus gibt es Internetseiten, die für ihre Mitglieder an Preisausschreiben teilnehmen — gegen eine Mitgliedsgebühr selbstverständlich.

Dabei können sich die Spieler zwischen unterschiedlich kostspieligen Paketen entscheiden. So ist es möglich, ohne einen Handschlag dafür zu tun, monatlich an 100, 500 oder gar 1.000 Gewinnaktionen von Unternehmen teilzunehmen.

Achtung! Adressenhändler nutzen Glücksspiele!

Aber aufgepasst: Nicht alle Glücksspiele dienen der Werbung und dem Zweck, Menschen glücklich zu machen. Einige Unternehmen handeln mit personenbezogenen Daten; sprich mit Adressen.

Nimmst du an einem solchen Preisausschreiben teil, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass anschließend eine Flut von Werbung bei dir eintrifft; per Post, per Telefon oder als E-Mail.

Profis in Sachen Glücksspiele nutzen deshalb für diese Gewinnaktionen eine separate E-Mail-Adresse. Außerdem ist es ratsam, wirklich nur die Daten bei der Anmeldung preiszugeben, die zwingend erforderlich sind.

Außerdem ist es vorgekommen, dass Trickbetrüger derartige Spiele genutzt haben. Deshalb ist es eine eiserne Grundregel, niemals Bankverbindungen oder Kreditkartennummern anzugeben, denn diese sind für Glücksspiele nicht erforderlich.

Sind alle Glücksspiele bei Firmen real und fair?

Nein! Schwarze Schafe gibt es auch bei Preisausschreiben. Mitglieder einer bekannten Glücksspielseite für Preisausschreiben hegten den Verdacht, dass bei einem interaktiven Gewinnspiel betrogen worden war.

Es war extrem auffällig, dass die guten Preise alle einen Gewinner im Kölner Raum gefunden hatten; darunter Autos, Fernseher und Motorroller.

Als Nachforschungen angestellt wurden, gestand der Geschäftsführer der mit dem Preisausschreiben beauftragten Agentur ein, dass die Gewinne gezielt an Freunde und Bekannte weitergegeben wurden.

Wie hoch ist der Aufwand?

Ein Bild-Reporter machte den Selbstversuch. Er nahm in einem Jahr an 10.000 Preisausschreiben teil und konnte 189 Gewinne einstreichen. Dabei gewann er sechs Mal per SMS bei 221 Teilnahmen.

3.471 Postkarten waren in 75 Fällen vom Glück gesegnet. 2.337 Preisausschreiben im Internet honorierte Fortuna mit 20 Gewinnen. Auf Messen spielte er 161 Mal, was ihm 16 Preise einbrachte. Die 2.012 Glücksspiele per E-Mail waren in 49 Fällen vom Glück gesegnet.

Sein Bilanz nach einem Jahr: Zeitaufwand 1.645 Stunden, Porto und Telefonkosten 2.326,19 Euro. Die 189 Gewinne hatten einen Wert von insgesamt 6.255,73 Euro. Das macht unterm Strich einen pekuniär Gewinn von 3.929,54 Euro was einen Stundenlohn von 2,38 Euro ergibt.


Originally published at www.sportwettenradar.de on November 5, 2018.