„Und? Wirst Du wieder zu iOS zurückwechseln?“


Das iPhone war für mich seit Version 1 das absolute Traum-Telefon. Ein Touch-Screen! Internet in der Tasche! Mails immer und überall abrufen und schreiben können! Und später dann auch noch Apps, mit denen man einfach jede nur erdenkliche Software-Funktion für sehr kleines Geld nachrüsten konnte. Fantastisch!

Mein erster Schritt in die mobile Apple-Welt war aber erstmal ein iPod Touch (mein insgesamt dritter iPod), den ich auch schon ganz fantastisch fand, der aber nunmal das große Manko hatte, dass man mit ihm abseits eines WLAN nur wenig anfangen konnte, zumindest was die ganzen Apps anging, die sich irgendwie mit dem Internet synchronisieren wollten. To-Do-Apps wie „Remember The Milk“ fand ich damals total super!

Über kurz oder lang führte also kein Weg dran vorbei: Ich brauchte ein iPhone! Inzwischen war Apple beim iPhone 4 angekommen, hatte aber immer noch dieses lästige Netlock-Problem. Doch eines Tages war es endlich soweit: Apple verkündete, iPhones fortan auch ohne Anbieterbindung verkaufen zu wollen und so ignorierte ich meinen Geiz, stellte mich in die lange Schlange im Apple-Store in Frankfurt und kaufte mir ein schwarzes iPhone 4 mit unglaublichen 32 GB. Was für ein Tag!

Fast zwei Jahre später.

Mein iPhone 4 und ich waren inzwischen beste Freunde geworden. Es war meine Immer-dabei-Kamera, ich postete munter Fotos bei Instagram, aktualisierte meinen Facebook-Status wann immer ich wollte, schnitt Urlaubsvideos auf dem Telefon, twitterte munter vor mich hin und alles war wunderbar, bis mein geliebter tragbarer Computer mit Telefonfunktion anfing seltsame Dinge zu tun. Oder eigentlich nur ein seltsames Ding: Das gute Stück beschloss gerne mal von einem Moment auf den anderen einfach nicht mehr eingeschaltet zu sein. Es fuhr nichtmal runter. Es war einfach nur aus. Eben noch surfte ich im Netz und im nächsten Moment war es, als hätte ich es nie eingeschaltet.
Der Apple-Store-Mann konnte mir auch nicht weiterhelfen. Das Analyse-Tool im Apple-Store zeigte keine Fehler an, ein zurücksetzen der Software brachte rein gar nichts. Ich musste der Tatsache ins Auge blicken, dass mein iPhone 4 und ich wohl getrennte Wege gehen mussten.
Aber was tun? Ein neues iPhone kaufen? Zu der Zeit war das iPhone 5 auf dem Markt und das fand ich nicht besonders spannend (und offenbar auch sehr viele andere Menschen nicht, denn der Apple-Store-Mann erzählte mir munter, dass das gute Stück stapelweise zurückgegeben würde und die Leute sich stattdessen Samsung-Smartphones kaufen würden. Was sein Chef wohl zu dieser Offenheit gesagt hätte?). Okay, das Display war beim iPhone 5 länger, die Kamera besser — aber aufregend war das nicht. Und schon gar nicht so aufregend, dass es mir mal eben über 700 Euro wert gewesen wäre, wo das iPhone 5s praktisch schon vor der Tür stand (und auch nicht großartig anders sein sollte). Also ein Android? Womöglich ein Samsung? Ich hasste Samsung. Ich fand Samsung-Telefone hässlich und irgendwie war mir die Marke total unsympathisch (bei Fernsehern komischerweise nicht, aber als Smartphone ging Samsung für mich gar nicht).

Ich recherchierte und las Tests und am Ende blieb mir nur die Erkenntnis, dass Samsung leider die besten Android-Smartphones herstellte, bzw. noch immer herstellt. Und wie der Zufall es wollte, war das Galaxy S4 gerade in der Woche auch noch bei Saturn im Angebot und für rund 500 Euro zu haben. Etwa 200 Euro günstiger als ein iPhone!

iOS ist für DAUs, Android für Fortgeschrittene

Mein Samsung und ich wurden aber nicht auf Anhieb beste Freunde. Ich fand die Verpackung billig, die Haptik war mies („Plastikbomber”) und der Samsung-Store in der Zeilgalerie wirkte auf mich wie ein Apple-Store für Arme. Dazu war die Akku-Laufzeit katastrophal. Überall konnte man lesen, dass der Akku des S4 ja ach so lange durchhalten würde (jedenfalls für ein Android-Telefon) und ich kam kaum über den Tag damit. Mit meinem iPhone hatte ich zwei Tage durchgehalten, jetzt musste ich manchmal schon nach der morgendlichen Zugfahrt das Ladegerät im Büro auspacken. War es mit meinem iPhone Liebe auf den ersten Blick, so mussten das Samsung und ich uns erst zusammenraufen. Und einfach war es nicht: Erschließt sich iOS zur Not auch noch einem absoluten DAU (Nerd-Sprech für „Dümmster anzunehmender User“), so ist Android eindeutig was für Fortgeschrittene, bzw. „für Ambitionierte“. Ich verbrachte das komplette erste Wochenende damit, mich durch die Systemeinstellungen von Android zu kämpfen und mir alle Unterpunkte genau anzusehen. Da gab es vier Oberrubriken, die zu etlichen Unterrubriken führten, die ihrerseits wieder zig Unterpunkte hatten. Sehr mächtig, sicher. Aber benutzerfreundlich sieht anders aus. Wenn mich später jemand gefragt hat, ob man lieber Android oder iOS kaufen sollte, habe ich immer gesagt: Android hat ganz klar seine Stärken und die Geräte sind in der Regel günstiger und auch sehr gut, aber ich würde zum Beispiel meiner Mutter niemals ein Samsung oder Sony oder HTC oderoderoder in die Hand drücken, sondern immer ein iPhone. Einfach weil es viel einfacher zu verstehen ist. An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert.

Was mich auch noch sehr störte, war das Nicht-Vorhandensein von einigen Apps, die ich unter iOS sehr gemocht hatte. Und tatsächlich ist es auch heute noch so, dass zahlreiche spannende Apps entweder deutlich später oder sogar nie für Android veröffentlicht werden und nur unter iOS laufen. Und bei den Apps die es gab, konnte ich teilweise Mängel in der Funktionalität oder im Design gegenüber den iOS-Versionen feststellen. Als Android-Nutzer kam ich mir manchmal vor wie ein Smartphone-Nutzer zweiter Klasse.

Mein geliebtes iPhone 4

“Du hast ihm doch eh nie eine Chance gegeben!”

Am Ende war es aber nicht das Betriebssystem oder die Hardware, die mich zum umdenken bewegt haben, sondern eine Aussage meiner Freundin, die, als ich gerade mal wieder über das Gerät am schimpfen war, zu mir sagte: „Du hast ihm (dem Samsung) doch eh nie eine Chance gegeben!“ Ich stockte, dachte nach — und kam zu dem Schluss, dass sie Recht hatte. Zu dem Zeitpunkt WOLLTE ich Android blöd finden. Einfach nur um eine Rechtfertigung zu haben, so schnell wie möglich zu iOS zurückwechseln zu können. Fanboy und so.

Von diesem Moment an wurde es anders: Ich kaufte mir eine neue Handyhülle, welche das Gerät für mich optisch aufwertete und sich mit der mattierten Oberfläche wesentlich besser anfühlte. Außerdem noch ein Akku-Pack, um das Telefon auch unterwegs aufladen zu können. Und ich gab Android einfach mal eine Chance.

Plötzlich entdeckte ich, dass ich einige Features von Android doch ganz cool fand. Die Kamera vom S4 ist zum Beispiel wirklich gut. Okay, da kann Android jetzt nichts für. Aber die Möglichkeit, frisch aufgenommene Bilder direkt an irgendeine beliebige App weiterreichen zu können, fand ich schon sehr praktisch. Es ist sehr einfach, ein Foto aufzunehmen, es dann an “VSCO Cam” zur Bearbeitung weiterzugeben und von dort an Instagram zur Veröffentlichung zu schicken. Da wurden richtige Workflows möglich, ohne zwischendurch einmal den Home-Button drücken zu müssen.
Außerdem gefiel mir, dass ich mit Apps wie „Tasker“ einiges automatisieren konnte. Ich habe zum Beispiel eingestellt, dass das Telefon in den Flugmodus geht, wenn ich im Zug sitze (ich trage alle Zugfahrten direkt aus der Bahn-App in den Kalender ein. Findet Tasker jetzt im Kalender zur jeweils aktuellen Zeit einen solchen Eintrag, aktiviert er den Flugmodus. Ist das Kalender-Event abgelaufen, geht auch der Flugmodus aus. Funktioniert natürlich nur wie gedacht, wenn der Zug sich auch an den Fahrplan hält. Also selten. Aber egal.). Oder dass Wi-Fi und GPS laufen und die Location-Ortung angestoßen wird, sobald ich die Lauf-App starte, um beim verlassen des Hauses nicht erst warten zu müssen, bis das Telefon endlich irgendeinen Satelliten gefunden hat. Oder dass ich mit verschiedenen Launchern das Telefon ziemlich gut an meine Bedürfnisse anpassen kann, ohne es rooten oder jailbreaken zu müssen (wobei ich meinen Lieblingslauncher Aviate irgendwann dann doch wieder löschen musste, weil er das System ziemlich ausgebremst hat. Jetzt bin ich beim „Google Now Launcher“ gelandet.). Oder dass man für alles mögliche Standard-Apps definieren kann. Also problemlos den Standard-Browser austauschen oder das Mailprogramm. Und auf einmal mochte ich mein Android dann doch.

Die 9 lästigsten Macken meines Samsung Galaxy S4

Es gibt aber noch immer Dinge, die mich tierisch nerven.

1.) Mein Galaxy hat die seltsame Angewohnheit, dass sich hin und wieder das Funkmodul aufhängt. Dann steht im Display zum Beispiel „4G“, es werden aber keine Daten mehr übertragen. Versucht man den Flugmodus zu aktivieren, hängt es sich in einer Endlosschleife auf. Der Flugmodus befindet sich dann irgendwo zwischen „aktiviert“ und „deaktiviert“, es funktioniert rein datentechnisch nichts mehr und es bleibt einem nur ein Neustart des Telefons.

2.) Irgendwelche Apps “verheddern” sich manchmal in Endlosprozessen und sorgen dafür, dass das Telefon irgendwas immer und immer wieder macht und dabei die Prozessorlast in die Höhe schnellt. Am Ende läuft es fühlbar heiß und das so lange, bis der Akku leer ist. Wenn man nicht aufpasst, ist das Telefon dann schon morgens um 9 Uhr nur noch bei 17 Prozent Akku — obwohl es drei Stunden vorher frisch vom Ladegerät kam. Auch hier hilft dann nur ein Neustart.

3.) Das S4 bringt jede Menge „Bloatware“ mit, also Software, die vom Hersteller mitgeliefert wird, die man aber gar nicht haben will. Zum Beispiel die App der „Bild“ oder “Flipboard” (was nicht unbedingt schlecht ist, von mir aber nicht genutzt wird) oder irgendwelche Hotel-Apps. Deinstalliert man sie, werden sie einem beim nächsten System-Update automatisch und ohne Nachfrage wieder neu installiert und man kann sie wieder alle löschen. Sehr lästig! Ich weiß zwar, dass irgendwelche Telekommunikationsanbieter auf ihren gebrandeten Geräten Software ungefragt mitgeben, aber dass ein Telefon, das direkt vom Hersteller kommt, sowas auch hat, finde ich schon frech. Okay: Bei Apple habe ich auch Apps dabei, die ich nicht brauche und nicht löschen kann (z.B. „Passbook“). Aber dabei handelt es sich um Apple-Apps und nicht um Apps von Drittanbietern, die vermutlich Geld dafür bezahlt haben, damit sie auf meinem Telefon vertreten sind.

4.) Noch immer kriege ich längst nicht alle interessanten neuen Apps auch gleich für mein Android (z.B. Yik Yak oder Scannable). Handelt es sich nicht gerade um eine Google-App, muss ich noch immer oft mehrere Wochen oder Monate warten, bis es die App auch für Android gibt — wenn überhaupt!

5.) Als Macbook-Nutzer bleiben mir nur Workarounds, wenn ich meine Musik (iSyncr) oder Fotos (Airdroid) vom Rechner auf das Telefon oder umgekehrt transportieren will. Ich weiß nicht wer da Schuld hat (Apple oder Google), aber es ist auf jeden Fall lästig.

6.) Lästig ist auch, dass es bei Android keine wirkliche Lösung für Backups gibt. Eine Kollegin hat mal einen Beitrag über Datensicherung bei Smartphones gemacht. Sie testete diverse Android-Apps und fragte mich dann, was für bekannte Backup-Apps es denn für iOS geben würde. Ich: „Gar keine.“ Sie: „Wie, gar keine? Da muss man doch auch seine Daten sichern können!“ Ich: „Ja, klar. Einfach mit iTunes verbinden — fertig.“ Und dann auch nicht nur irgendwelche Einstellungen, Apps oder sonstige Daten, sondern einfach wirklich alles. Sehr praktisch! Mir schleierhaft, wieso man sowas nicht bei Android eingebaut hat.

7.) Auch das Thema Kindersicherung (das mich jetzt nicht wirklich betrifft, aber egal) ist bei iOS viel, viel einfacher gelöst. Bei Android brauche ich Extra-Apps, iOS kann das alles von Haus aus.

8.) Mein Samsung ist zwei Jahre neuer, hat einen Quadcore-Prozessor — und ist nicht halb so performant wie mein iPhone 4. Es ruckelt und hakt immer wieder, die Kamera-App braucht eine gefühlte Ewigkeit, bis sie mal einsatzbereit ist und Apps stürzen gerne mal ab oder hängen sich auf. Die Tastatur bleibt hin und wieder im Bild hängen und geht nicht mehr weg, obwohl ich mich nach einem Druck auf die Home-Taste wieder auf dem Start-Bildschirm befinde. Und und und. Es gibt haufenweise kleine Ärgerlichkeiten, die manchmal einfach einen etwas „buggy“ Eindruck hinterlassen.

9.) Und ganz gewaltig geht mir auf den Geist, dass man nie weiß, ob überhaupt und wenn ja wann man ein Android-Update bekommt oder nicht. Lollipop ist jetzt schon seit Monaten draußen und ob mein S4 es je ausgeliefert bekommt ist fraglich. Bei Apple weiß ich, dass ich für ein paar Jahre mit Updates versorgt werde. Bei Android kann es einem passieren, dass man überhaupt nie ein Update auf die nächste richtig große Version bekommt.

Bleibt noch die Antwort auf die Eingangsfrage (die mir übrigens von einem iPhone-Nutzer gestellt wurde): Werde ich wieder zu iOS zurückwechseln oder nicht? Ich sag mal: Jein

Fazit

Einerseits mag ich mein Android inzwischen wirklich sehr. Durch die vielen Modifikationsmöglichkeiten auf Software-Ebene habe ich es zu „meinem“ Android gemacht. Klar, auch bei einem iPhone kann ich Apps installieren. Aber ich kann sie nicht so miteinander verzahnen, wie ich es bei Android kann. Auch wenn iOS sich inzwischen etwas geöffnet hat und auch dort Apps miteinander kommunizieren können —so wie bei Android ist es dort noch lange nicht möglich.
Andererseits ist ein iPhone einfach „aus einem Guss“. Da arbeiten Hardware und Software auf eine Art zusammen, wie ich es bei einem Telefon von Samsung mit einem Betriebssystem von Google nicht habe. Ein Android-Smartphone ist für mich ein wenig wie ein Windows-PC, wo der Treiber der Grafikkarte manchmal nicht richtig mit dem von der Soundkarte kann und so weiter.
Ich bin also zwiegespalten und glaube, ich werde es im Zweifelsfall aus dem Bauch raus entscheiden und von der Qualität der eingebauten Kamera abhängig machen. Das HTC One habe ich zum Beispiel nur wegen der schlechteren Kamera nicht gekauft. Außerdem wird es darauf ankommen, welches Gerät gerade „frischer“ ist, wenn der Zeitpunkt für den Wechsel gekommen ist.
Und egal was es dann werden wird: Es wird ein gutes Smartphone sein, welches mir die dann folgenden Jahre gute Dienste leisten wird.