Afrika Afrika … AfrikaBurn

Zurück in Cape Town haben wir einen Pickup gemietet (oder “Bakkie” wie man sie hier nennt) und groß eingekauft: alles was man braucht für eine ganze Woche. Also alles alles, auch das Wasser zum Trinken, Händewaschen, Kochen und Duschen. Denn beim AfrikaBurn, dem einzigen/größten/bekanntesten Burn in Afrika gibt es nichts zu kaufen. Die Philosophie dahinter ist einfach: wenn man nichts kauft und jeder seinen eigenen Kram wieder mit nach Hause nimmt, bleibt nichts zurück.

“Leave no trace” ist das erste der elf Prinzipien beim AfrikaBurn

Das afrikanische Pendant von Black Rock City heißt Tankwa Town. Zwischen ihm und dem Rest der Welt liegen in jeder Richtung 150km Schotterstraße. Schon der Hinweg ist ein kleines Abenteuer. Von Cape Town planen wir zwei Tage mit einem Zwischenstopp in Paarl.

Im Bakkie auf der R355 mitten in der Karoo

Die Organisatoren bemühen sich sehr nicht den Eindruck zu erwecken, dass das “nur” ein Musikfestival wäre. Nein, im Mittelpunkt steht die Idee für eine Woche eine Utopie zu leben, eine Gesellschaft zu entwickeln die die Zwänge des Alltags ausblendet, in der sich jeder nach Belieben frei entfalten kann. Alles ist erlaubt was nötig ist für die “radical self expression”, solange es nicht gegen die 11 Prinzipien verstößt und niemand zu Schaden kommt. Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass “radical self reliance” meint: jeder ist für sich selbst verantwortlich — ausnahmslos.

Foto: Raul Aragão
Unsere Schaukel-to-go am Hauptbahnhof

Die kreative Entfaltung funktioniert am besten, wenn man nicht darüber nachdenken muss, was es vorher schon gab und was später noch kommen wird. Die Idee ist, jedes Jahr einen neuen Anfang zu machen, einen “blank canvas” der mit neuem Leben gefüllt werden will. Nach und nach wird dann während der Festivalwoche jedes Artwork in einem großen Spektakel verbrannt, sodass am Ende auch davon nichts übrig bleibt. Außer Fotos natürlich und davon nicht zu wenige, wie hier von unserem Zeltnachbarn Duncan.

Der “Hauptbahnhof” der Berliner Crew um das Laut & Luise Label vor und während des Burns

Die Burns sorgen für viel Spektakel (mit dem man sich prima auf Facebook brüsten kann). Das selbstständige Überleben in der Wüste lockt mit der Aussicht auf Survival-Abenteuer. Musik ist nicht die Hauptattraktion, sodass es eben keine Subkultur ist, die sich hier trifft. Entsprechend ist die Masse der Leute, verglichen mit alternativen Festivals in Deutschland, hier eher Mainstream. Für die meisten der 13000 “Participants” in diesem Jahr scheint es jedenfalls im Wesentlichen eine große Party gewesen zu sein. Wahrscheinlich ist es an sich schon eine Utopie, dass bei einem Event dieser Größenordnung jeder Teilnehmer mit der angedachten philosophischen Tiefe dabei ist.

AfrikaBurn, würde ich sagen, ist mehr sexy als öko, mehr Survival als Ausflug, mehr Community als Dancing. Und leider ist es auch mehr upper-class als jedermann, denn auch Utopie funktioniert in Afrika nur mit Aussortieren. Von den einheimischen Südafrikanern die wir getroffen haben, können sich jedenfalls nur die wenigsten einen Ticketpreis von reichlich 100€ leisten.

AfterBurn: Abreise aus Cape Town mit dem Fahrrad und vollem Gepäck zum Zug nach Johannesburg
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