Papa bringt die Kinder ins Bett

Bei Familie Oswald gibt es strenge Regeln. Um 19 Uhr geht das Licht aus, und die Kinder — Kurt und Franka — müssen schlafen gehen. Wenn Papa zu Hause ist, ist es meistens auch Papas Aufgabe, die Kinder ins Bett zu bringen. Papa ist ein wirklich guter Vater, aber die Regel mit dem Ins-Bett-Gehen, die funktioniert bei Papa nicht so gut wie bei Mama.

An einem Abend sind Papa und die Kinder zum Unfug machen aufgelegt. Nachdem sie eine Gute-Nacht-Geschichte gelesen haben, wird nicht das Licht abgedreht, sondern erst einmal gründlich gekitzelt. Papa, Kurt und Franka wälzen sich am Bett, so dass es ordentlich wackelt. Bald tut allen dreien der Bauch weh vor Lachen. Als das Kitzeln dann doch langweilig wird, kommen sie auf die Idee, sie könnten singen. Sie singen ziemlich falsch, aber dafür so laut, dass Mama eingreifen und von unten rufen muss, dass es endlich ruhig werden soll. „Wir wollen noch auf deinen Beinen fliegen!“, betteln die Kinder. Papa lässt sich breitschlagen, denn ihm macht es selbst großen Spaß, die Kinder auf seinen Beinen zu balancieren. Kurt will schon bald nicht mehr fliegen, also wird das Spiel etwas verändert. Während sich Franka weiterhin auf Papas Füßen balancieren lässt, zerrt oder drückt Kurt an Papas Bein, um das „Flugzeug Franka“ zum Absturz zu bringen.

Nach einer Weile sagt auch Papa, dass es nun wirklich Zeit ist, das Licht auszumachen und zu schlafen. Für den nächsten Tag ist nämlich geplant, Oma und Opa zu besuchen. „Das ist der letzte Start für heute, das Nachtflugverbot tritt in einer Minute in Kraft“, sagt Papa. „Einmal noch — bitte, bitte, bitte, bitte!“, sagt Franka. „Na gut, mit einer Sondergenehmigung geht noch ein allerletzter Start.“ Freudig springt Franka auf Papas Füße und schwebt durch die Luft, bis Kurt es schafft, mit großer Kraftanstrengung dafür zu sorgen, dass Papas rechtes Bein umknickt und Franka hinunterfällt. Sie kracht dabei auf Kurt, und Papa macht sich Sorgen, dass sich jetzt eines der Kinder verletzt hat. Es gibt aber keine Tränen, sondern ein vergnügtes Gekicher, gefolgt von einem Flehen um einen letzten, jetzt aber wirklich letzten Flug. „Dafür brauchst du aber eine Extra-Sondergenehmigung“, sagt Papa zu Franka. „Die habe ich“, sagt Franka und streckt ihre Hand aus, als wollte sie ihrem Papa die Extra-Sondergenehmigung zeigen.

Als auch dieser Flug gelandet ist, geht endlich das Licht aus, und die drei kuscheln sich eng aneinander. Glücklich schließen sie ihre Augen. Derjenige, der als erstes einschläft ist, wie könnte es anders sein: Papa.