Ich lese immer wieder davon, dass Projektstellen für Digitalisierung geschaffen werden oder ein Fonds aufgesetzt wurde oder besondere Pfarrstellen eingerichtet werden, damit das mit der Digitalisierung in der Kirche vorangeht. Das ist gut gemeint, aber ich habe doch ein paar Anfragen an diese Vorgehensweise:

Die digitale Transformation, auch “digitaler Wandel” genannt, ist ein Veränderungsprozess der alle Bereiche des menschlichen Lebens und Zusammenlebens durchdringt und sich “nicht aufhalten lässt”, so wird es einem häufig erklärt. Das klingt im ersten Moment simpel, wer es wirklich verstehen will, muss sich fragen, was das konkret bedeutet: Es heißt, dass wir uns grundlegend verändern und…


Die vollstädige Broschüre ist hier zu finden

Machen wir uns nichts vor: Als die langfristige Projektion der Kirchenmitglieder in Deutschland veröffentlicht wurde waren es schon ernüchternde Zahlen. Die Schock-Reaktionen ließen auch nicht lange auf sich warten, auch die Tagesschau berichtete darüber als die Einschaltquoten für diese Nachricht mit 9,8 Millionen fast so hoch lagen wie die prognostizierten Mitgliedszahlen für die Evangelische Kirche in Deutschland im Jahr 2060 (10,5 Mio.). Als “Mitgliederschwund”, “Mitgliederverlust” wird diese Entwicklung dort bezeichnet. …


Nachdem ich hier schon ein paar Jahre davon schreibe, habe ich in den letzten Monaten das Gefühl, dass inzwischen alle über “Künstliche Intelligenz” reden — die meisten leider, ohne angemessen Ahnung davon zu haben. Auch die Zugriffsstatistik auf meinen Artikel zum “Unterschied zwischen Automatisierung und Autonomisierung” lässt den Schluss zu, dass dieses Thema mehr und mehr an öffentlichem Interesse gewinnt. Doch kürzlich habe ich einen Online-Artikel entdeckt, der mir aus der Seele gesprochen hat und sich mit dem Aspekt befasste, was wir heute großzügig alles mit “KI” bezeichnen. Unter dem vielsagenden Titel “Auch 2029 wird es keine Künstliche Intelligenz geben…


Wenn wir von Digitalisierung sprechen, werden gerne Facetten “verteufelt” oder als “the next big thing” in den Himmel gelobt. Alles geht heutzutage immer schneller, es wird einem schwindlig, wenn man den “Evangelisten” (allein der Name schon!) auf Konferenzen und Vorträgen zum Thema KI zuhört. Doch mit der Panik, eigentlich heute schon von China & Co. abgehängt worden zu sein und das Gefühl, ständig hinter einer Entwicklung her zu hinken, belügen wir uns selbst. Das stimmt nämlich eigentlich gar nicht. Und das ist etwas, was wir nicht nur gerade diese Woche gemäß der Fastenaktion 7 Wochen ohne auch dringend bleiben lassen…


Nachdem in den letzten Jahren die überraschenden Meldungen neuer Forschungsfelder und Potentiale von Künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Mensch-Maschine-Interaktion (engl.: HMI) schier endlos schienen, ist inzwischen diesbezüglich etwas mehr Ordnung eingekehrt und so langsam scheint es, als findet die KI und alles was damit zu tun hat, seinen Platz in Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Vor allem stößt diese neue Technologie immer mehr an menschgemachte Grenzen: Sei es, weil Menschen Angst davor bekommen, weil sich ihr Einsatz als ineffizient herausgestellt hat oder weil die KI diskriminiert — Immer lauter werden die kritischen Stimmen.

Dass Einsatzgebiete, die mehr Angst als Hoffnung machen


So langsam habe ich den Eindruck, dass mit allem was ich lese wohl viele wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren: Nach den Prognosen, die Welt zu verändern oder zumindest einen Durchbruch zu erleben — kommen jetzt wohl die Realisten wieder öfter zu Wort, die von “Digitaler Ehrlichkeit” sprechen und einem überschätzten Hype. Nun, ich hielt mich auch bereits 2017 nicht zurück, die von Autonomisierung ausgelöste Todesangst der Menschheit zu beschwören. Doch ich muss auch dieser “anderen Seite der Medaille” ihre Daseinsberechtigung einräumen, vielleicht haben wir alle diese Aspekte viel zu lange übersehen oder verdrängt. …


Wenn Unfälle passieren, ist menschliches Versagen eine der häufigsten Ursachen dafür — was sehr oft als Argument für beispielsweise autonome Fahrzeuge angeführt wird. Das ist ja auch nicht falsch, lässt jedoch auch schnell die Schlussfolgerung zu, dass moderne Assistenzsysteme die Anweisungen ihrer menschlichen “Piloten” vielleicht erst einmal kritisch analysieren sollten bevor sie blindlings gehorchen und aufgrund dessen erst die wirklich schlimmen Fehler machen. Mit anderen Worten: Immer mehr wird der Mensch selbst zum größten Problem im System.

“Solange Roboter das Steuer nicht selbst in die Hand nehmen, können sie aber auch auf andere Weise für mehr Sicherheit auf den Straßen…


Bei den Chancen für “KI made in Germany” hängt alles daran, welchen USP Deutschland bzw. Europa für sich entdecken kann: Und viele sind sich inzwischen einig darüber, dass es hierbei um Vertrauen geht.

Vertrauen in eine KI kann aber nur aus großer Transparenz und Zuverlässigkeit erwachsen — und strengen Regeln, die ohne Ausnahmen eingehalten werden. Klingt alles nach Deutschland? Ja, noch. Doch wenn wir uns nicht auf diese Merkmale besinnen, sondern uns von chinesischen Social Scoring Tendenzen oder einem amerikanischen Silikon Valley Tatendrang anstecken lassen, vergeuden wir wertvolles Potential und ruinieren unsere Zukunftschancen. Das haben auch Experten im Bereich Digitalisierung…


Ist die Menschenwürde (un)antastbar?!

Ja, die Menschenwürde wird digital angetastet — ich will Ihnen dies im Folgenden mit sieben teils vielleicht auch ein bisschen frechen Thesen erläutern. Ich bin heute vor allem deshalb hier, weil ich in der Praxis in den letzten zehn Jahren viele Online-Erfahrungen machen konnte — deshalb liegt auch bei meinen Thesen der Schwerpunkt auf der Praxis, die ich als Struktur in drei Bereiche untergliedert habe: Die Praxis der Digitalisierung (und ihre Folgen), die Praxis der Kirche als Aufgaben und Perspektiven und die Praxis der Lebensweise, worin ich die Menschenwürde als Aufgabe verstehe. …


Noch im März schrieb ich darüber, wie übermächtig, unsichtbar und unkontrollierbar die künstliche Intelligenz unser Leben beeinflusst und Menschen diskriminiert, manipuliert oder Lebenschancen reguliert. Heute muss ich ein weiteres “Puzzleteil” zu diesem Gesamtbild hinzufügen, da ich nicht mehr nur die von “denen da” entwickelte KI verteufeln will. Stattdessen müssen wir uns alle mal schön selbst an der Nase fassen (das ist jetzt eine Metapher, das brauchst du nicht wirklich zu tun) und realisieren, dass wir bei dem ganzen “immer mehr” und “immer besser” es geradezu provozieren, auch mehr überwacht zu werden. Nicht nur Bonitätsprüfungen (quasi wie die Schufa) laufen künftig…

Stefan Hartelt

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