Ist die KI bald der bessere Pfarrer?

Im Jahr 2053 ist die Maschine der bessere Chirurg, so eine Studie unter Experten für künstliche Intelligenz (KI). Spätestens in 45 Jahren soll die KI dann den Menschen in allen Berufen übertreffen — auch in der Seelsorge? Wobei es auch viel schneller gehen könnte, immerhin prognostizierten 2015 die selben Experten für das Spiel “Go” erst den Durchbruch im Jahr 2027, allerdings hat Google das inzwischen ja bekanntlich bereits geschafft. Mit der Bezeichnung der HLMI, der “high-level Machine Intelligence”, wollen die Forscher eine künstliche Intelligenz definieren, die den Menschen übertrifft.

Dabei haben wir doch bekanntlich schon beim Menschen selbst immer wieder Probleme damit, seine Intelligenz zu messen und zu skalieren: Was ist mit “Intelligenz” denn überhaupt gemeint? Und sprechen wir Deutschen da nicht sowieso an den englischen Formulierungen gnadenlos vorbei? Immerhin bedeutet das englische “intelligence” keineswegs dasselbe wie das deutsche “Intelligenz”, wenngleich auch Google es so übersetzt: Eher ist damit eine Aufklärung, die Einsicht oder Information gemeint.

Die nächste Schwierigkeit sehe ich darin, zu definieren, wann es die KI wirklich “geschafft” hat: Was bedeutet denn, sie ist “besser” als “der Mensch”? Natürlich ist dies bei einem Brettspiel wie ‘Go’ noch relativ simpel zu definieren, auch bei manch anderen Berufen wie dem in der Studie genannten LKW-Fahrer oder auch dem Verfassen von Hausarbeiten kann man sich ja noch eine gewisse Qualitäts- und Quantitäts-Kriterienskala vorstellen. Aber spätestens bei Berufen, beidenen es um Empathie oder Kreativität geht, frage ich mich wirklich, wie man dies “messen” will (ganz unabhängig davon, wie man das einer Maschine beibringt)?

Wirklich spannend ist eine ganz andere Aussage der Studie: Die Forscher haben bei den Überlegungen auch angeführt, wie schwierig offensichtlich die Vorhersagen für die Experten gewesen seien: Große Unterschiede wurden festgestellt, vor allem auch regionale Unterschiede (beispielweise gingen Nordamerikaner im Schnitt davon aus, dass Maschinen Menschen erst in 70 Jahren in allem übertreffen werden, asiatische Experten dagegen glaubten im Durchschnitt, dass es bereits in 30 Jahren soweit ist) — dies zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich wir Menschen auf dieser Welt doch sind.

Und aktuell fasziniert doch die Vielfalt in den Ideen zum Einsatz von künstlicher Intelligenz viel mehr als die langfristigen Aussichten. Wenn die Gegenwart schon so spannend ist, wen interessiert dann, was in 45 Jahren der Fall sein wird? Das Potential der KI ist doch aktuell noch bei weitem nicht ausgeschöpft: Erst vor kurzem wurde eine Anwendung vorgestellt, die alleine durch die Akustik, also durch zuhören, undichte Ventile oder Pumpenfehler entdeckt — und die sich dabei ständig selbst weiterentwickelt, weil sie dazulernt! Wenn die KI heute schon bei Industrieanlagen zuhört, kann sie bestimmt in 30 Jahren auch den Menschen zuhören, die zu ihr kommen und ihr Herz ausschütten, ein Beruf, den heute die Pfarrer machen. Jetzt kann man sagen, dass der Job vom Pfarrer ja vielseitiger ist, als zuhören. Aber Predigten schreiben durch Textanalyse existierender Predigt-Archive kriegt eine KI auch heute schon hin. Flüssiges Text-to-speech schafft sie wohl spätestens in 10 Jahren — hoffen wir nur, dass dann auch noch Menschen in den Gottesdienst kommen.

Ist die KI also tatsächlich bald der bessere Pfarrer? Ich denke nicht. Denn das Wunder der menschlichen Gemeinschaft, der heilige Geist wenn zwei oder drei Menschen(!) beisammen sind, den kann man nicht einfach künstlich nachbauen, der ist ein Gottesgeschenk. Und da wird immer etwas bleiben, was eine Maschine nicht ersetzen kann und auch niemals ersetzen muss. Aber das wird der Mensch lernen müssen, nicht die Maschine…