Killer-Roboter: Forscher-Boykott bei Künstlicher Intelligenz!

Eine Uni und ein Rüstungskonzern schließen sich zur Entwicklung von tödlichen autonome Waffensysteme zusammen: Das führt zu einem weltweiten Aufschrei und Boykottaufruf, dem seither 57 Professoren gefolgt sind. In letzter Zeit scheint es immer heftiger und lauter, empfindlicher und aufbrausender zuzugehen, wenn es um KI geht. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Google den KI-Projekt-Vertrag mit dem Pentagon nicht verlängern will. Mitarbeiter verurteilten die Beteiligung an dem Militärprojekt und forderten die Beendigung der Zusammenarbeit aus ethischen Gründen, befürchteten aber auch, dass das gute Image Googles darunter leiden könnte. Einige Mitarbeiter hatten deswegen sogar gekündigt.

Doch was haben wir überhaupt von der sogenannten “Künstlichen Intelligenz” zu erwarten? Das Spiel mit der Angst funktioniert doch nur, weil dieser Populismus daraus gespeist wird, dass die meisten gar nicht so genau wissen, womit wir es zu tun haben! Und noch viel schlimmer: Das Bild der “künstlichen Intelligenz”, “autonomer Systeme” wird primär von Science-Fiction-Filmen bestimmt. Aber wie nahe sind die an der Realität?

Nun, wichtig wäre an dieser Stelle zu klären, ob wir überhaupt von “Intelligenz” reden sollten — und ob “Maschinelles Lernen” tatsächlich die richtige Bezeichnung für den Vorgang ist, wenn Maschinen sich Wege aneignen, eine Aufgabe zu erledigen, für die sie nicht programmiert wurden. Denn ein solcher “Lernprozess” läuft maschinell grundsätzlich anders ab als beim Menschen. Und auch “Intelligenz” ist im deutschen Sprachgebrauch etwas anderes als in der Herkunft von “KI”, nämlich “AI” (artificial intelligence). Das “CIA” (central intelligence agency) würde ja auch niemals jemand mit “Zentrale intelligente Agentur” übersetzen, oder? Was aber bedeutet “intelligence”? Als Übersetzungen ins Deutsche werden dabei “Aufklärung”, “Information” und “Nachrichten”, aber auch “Verstand” und “Einsicht” vorgeschlagen. Je nach Zusammenhang sprechen wir hierbei also von der reinen Informationsbeschaffung bis hin zur deutschen “Intelligenz”. Dieser Begriff ist aber, egal in welcher Sprache, durchaus unpräzise und wird in der KI-Forschung noch viel ungenauer verwendet: Hier ist das Ziel nämlich (nur), menschliche “intelligente” Handlungen von Maschinen bzw. künstlichen Systemen nachahmen zu lassen. Das Ziel, die finale Handlung, ist das Entscheidende und soll den Menschen imitieren.

Wenn Software für spezifische Situation geschaffen wird, um beispielsweise beim Schach oder den Brettspiel Go zu gewinnen, dann hat das wenig mit eigenständiger Intelligenz zu tun. Hier wird in einer konkreten Situation der Mensch imitiert — sicherlich beeindruckend gut und reproduzierbar, doch noch lange nicht beängstigend flexibel und eigenständig. Die “Künstliche Intelligenz” deshalb gleich zu etwas Mystischem, Unnahbarem und Zauberhaften zu überhöhen, wäre unangebracht, findet aber leider statt. Vor allem im Bereich Marketing wird mit Roboterhunden von Boston Dynamics oder Libellen von Festo mit der Emotionalität der Menschen “gearbeitet”, ein Spiel mit dem Feuer. Denn im Blick auf echte Bedrohungen wie die Kooperation großer KI-Forschungslabore mit militärischen Einrichtungen zur Entwicklung und Optimierung von autonomen Waffensystemen sind populistische Provokationen Nebelkerzen, die vom eigentlichen Problem ablenken.

Wir sollten deshalb verstehen, was mit “KI” gemeint ist — oder den Begriff besser vermeiden, wie es auch Timo Daum vorschlägt. Er empfiehlt eine andere Bezeichnung, kommt dann aber nur mit einem unbefriedigenden “Software 2.0” als Vorschlag… Solange sich nichts anderes durchsetzt sollten wir also weiter Aufklärung betreiben: Es ist mal wieder fast wie beim Menschen, “Künstliche Intelligenz” ist gar nicht so intelligent wie es manchmal aussieht. Und manchmal doof genug, ganz blöde Fehler zu machen. Passen wir auf sie auf.