Roboter im Dienste der Umwelt?

Autonome Roboter werden zu handelnden Subjekten — und zur Technikethik muss sich eine Maschinenethik gesellen: Im Unterschied zur Technikethik, die sich mit der Technikentwicklung und -anwendung befasst, beschäftigt sich die sogenannte Maschinenethik mit der Moral von Maschinen. Denn wenn jetzt hochautomatisierte und (teil-)autonome Systeme agieren, stellt sich unweigerlich die Frage, nach welchen ethischen Prinzipien durch diese gehandelt wird. Welches Ziel verfolgen diese Roboter? Und: Wenn Sie dieses Ziel erreicht haben, wie geht es dann weiter? Aber auch die Frage: Wenn sich auf dem Weg zu diesem Ziel etwas an den Rahmenbedingungen ändert oder neue Erkenntnisse eine Nachjustierung erfordern: Kann der Roboter dies leisten?

Roboter sollen Rotfeuerfische, die keine natürlichen Feinde haben, jagen

Alle diese Fragen schlagen jetzt plötzlich hart in der Realität auf: Denn es gibt ein neues Projekt eines US-amerikanischen Forschungsteams, das Projekt Rise (Robots In Service of the Environment), bei dem gezielt durch autonome Roboter Fische gejagt werden sollen. Eine bestimmte Art, die sich vermutlich in Folge der mit dem Klimawandel steigenden Wassertemperaturen immer weiter weltweit ausbreitet. Das Ziel klingt dabei simpel: Die Roboter sollen in großer Stückzahl autonom unterwegs sein und die Population der Rotfeuerfische dezimieren. Doch die bereits genannten Fragen bleiben:

Wenn Sie dieses Ziel erreicht haben, wie geht es dann weiter?

Nehmen wir einmal an, diese Roboter sind erfolgreich: was dann? Bestenfalls werden Sie entsorgt bevor der letzte Rotfeuerfisch getötet wurde und die Sache ist “erledigt”, weil die Population “eingedämmt” wurde (wie viele solche Fische sind denn “normal”?). Schlimmstenfalls lernt der Mensch daraus, dass sein Einfluss auf die Umwelt noch viel weitreichender sein kann, als bisher — und mißversteht seinen Herrschaftsauftrag (Gen 1) mal wieder grundlegend. Vermutlich wird es uns niemals gelingen, die Folgen unseres Handelns bis ins Letzte vorhersagen zu können. Doch mit dem Einsatz autonomer Roboter “im Dienste der Umwelt” potentiert sich diese Unmöglichkeit noch um weitere Variablen.

Können Roboter ihr eigenes Handeln hinterfragen?

Doch was ist, wenn neue Erkenntnisse die ursprünglich intendierten Ziele zum Einsatz der Roboter verändern: Können Roboter nicht nur dazu lernen, sondern sich auch selbst in ihrem Handeln hinterfragen? Es ist doch klar, das nicht der Rotfeuerfisch die Ursache des Übels ist, sondern vielmehr ein Symptom eines viel größeren, weltumspannenden Problems darstellt. Und sobald klar ist, welche Maßnahmen tatsächlich gegen die Ursachen gerichtet erfolgreich sein können, stufen wir das Handeln der autonomen Jagd-Roboter möglicherweise als falsch ein — und müssen diese wiederum “einfangen”…

Roboter im Dienste der Umwelt = Roboter “gegen” den Menschen?

Solche Roboter “im Dienste der Umwelt” sind also im eigentlichen Sinne autonom handelnde Maschinen, welche die Umweltzerstörung des Menschen im Dienste des Menschen eindämmen sollen. Das Ziel dabei ist doch, wenn man ehrlich ist, nur ein Umweltschutz vor dem Menschen. Denn wenn der Mensch die tatsächlichen Ursachen seiner Umweltzerstörung wirklich bekämpfen würde, bräuchte es auch keine Roboter im Dienste der Umwelt mehr, bei denen noch nicht endgültig geklärt ist, nach welchen ethischen Prinzipien diese handeln werden. Doch stattdessen baut man lieber hochautomatisierte, vollautonome Roboter, die in den Weltmeeren einen ganz bestimmten Fisch jagen, der (eigentlich) keine natürlichen Feinde hat. Bis auf den Menschen — und seine Roboter.