Wenn Künstliche Intelligenz zur Religion wird

Wenn Maschinen “denken”, künstliche Intelligenz maschinelle Prozesse “intransparent” werden lässt, dann verunsichert dies oder es führt zu Angst und Ablehnung. Doch das Potential von KI ist riesig. Während die Einen dabei einerseits zugeben “Wir verstehen es nicht, aber es funktioniert”, warnen die anderen (Elon Musk) vor den Gefahren: “Das größte Risiko für unsere Zivilisation”. Wo aber liegt der Weg dazwischen?

Die Maschinenethik beschäftigt sich mit der schwierigen Situation, in der Maschinen Subjekte von Handlungen sind und Menschen zu Objekten dieser Handlungen werden — doch die dafür zugrunde liegende künstliche Intelligenz hat viel tiefgreifendere Auswirkungen als die meisten von uns sich dies vorstellen können. Putin lässt dieses Potential erahnen, wenn er davon spricht, dass derjenige, der “bei KI in Führung geht, wird die Welt beherrschen”… Doch weshalb ist das überhaupt so?

Sämtliche Probleme der Menschheit sollen gelöst werden können mithilfe von künstlicher Intelligenz — Sie wird derzeit zum Allheilmittel aufgrund der nebulösen, undeutlichen Prognosen, was eine KI alles bewältigen wird. Wozu kann sie eingesetzt werden, was kann sie leisten? Fast alles ist denkbar, Potentiale und Risiken sind schwer abzuschätzen. Dies macht einen Teil der Prognosen so imaginär, dass erste Redakteure von einer “neuen Religion” sprechen. So ist neuerdings zu lesen “ Tatsächlich ist Künstliche Intelligenz in China zur Religion geworden. Sämtliche Probleme, die der rasante Aufstieg der Volksrepublik zur zweitgrößten Wirtschaft geschaffen hat, soll diese Technologie lösen. So prophezeien das die Eliten der Milliarden-Nation.” Doch dabei werden die Potentiale dieser neuen Technologie nur instrumentalisiert: industrielle Produktqualität soll gesteigert, der Wohlstand erhöht werden — und eine globale Führungsrolle wiedergewonnen und verteidigt werden. Doch die Fragen danach, welche Auswirkungen oder Folgen dies auf die Menschen haben soll, bleiben periphär.

Verrückter klingt, was Anthony Levandowski, ehemaliger Google-Mitarbeiter, Multimillionär und Mittelpunkt der Klage zwischen Uber und Waymo, getan hat: Er “hat eine religiöse Vereinigung mit dem Namen “Way of the Future” gegründet. Zweck dieser Organisation soll es sein, “eine Gottheit basierend auf künstlicher Intelligenz zu entwickeln und zu unterstützen”.” Auf diesem Weg erschafft er tatsächlich eine Religion, die Halt und Orientierung in einem künstlichen Wesen finden soll, welches auf Basis der künstlichen Intelligenz einen für den Menschen stets nicht nachvollziehbaren Anteil enthalten wird. Ob jedoch ein auf diese Weise geschaffenes System tatsächlich konkrete Hilfe in der Bewältigung des menschlichen Lebens bieten kann und mit der Gottesvorstellungen der Weltreligionen “mithalten” kann, wage ich zu bezweifeln: Denn Glaube lebt auch von Zweifeln und von Liebe. Und künstliche Intelligenz soll mir Hoffnung auf persönliches Heil machen? Na ja, Anthony, die Idee ist ja ganz süß, aber das war’s dann auch schon…