Making-of „Das dunkle System“

Stefan Schultz
11 min readAug 17, 2023

Zusammen mit Jannika Schultz, damals eine Kollegin, heute meine Frau, verbrachte ich im Herbst 2012 im Rahmen eines Journalistenstipendiums drei Monate in Peking. Unsere Recherche begann, als ich den Menschenrechtsanwalt Pu Zhiqiang traf.

Ursprünglich wollte ich Pu nur interviewen. Es ging um die Frage, ob die chinesischen Straflager wirklich geschlossen werden würden. Die Kommunistische Partei (KP) hatte dies seinerzeit in Aussicht gestellt und damit viel Aufmerksamkeit erzeugt. Pu war schon damals der Meinung, dass die Arbeitslager mitnichten geschlossen werden würden. Die Regierung würde schon einen Weg finden, sie gesichtswahrend weiterzubetreiben, sagte er.

Einige Wochen später, Jannika und ich wanderten gerade durch die Tigersprungschlucht in Yunnan, nahm Pu über meinen damaligen Übersetzter Edward Lee erneut Kontakt zu mir auf. Er sagte, er könne ein Treffen mit einem ehemaligen Arbeitslagersträfling arrangieren, der im Lager Xishanping in der Nähe von Chongqing gefangen gehalten worden war. Ich fragte Jannika, ob sie mit zu dem Treffen kommen wolle, um den Ex-Sträfling zu fotografieren. Sie wollte.

Xie Sunming

Kurz darauf saßen wir im Hinterzimmer eines Restaurants, dessen Besitzer ein Vertrauter Xies war, und begannen, ihn über seine Zeit in Xishanping zu interviewen. Xies Schilderungen waren präzise, er konnte sich sogar an Details wie die Nummer seiner Kleiderbox im Straflager erinnern. Da er Textilfabrikant ist, kann Xie zudem passabel zeichnen — was ebenfalls half, denn er konnte uns Gebäude- und Raumaufteilungen im Arbeitslager skizzieren.

Xie war außerdem mit anderen Ex-Sträflingen gut verdrahtet und konnte uns Fotos besorgen, die Häftlinge aus Xishanping herausgeschmuggelt hatten. Dazu schickte er uns Links zu Propagandaartikeln, in denen die KP ihre Version der Zustände in Xishanping schildert, ebenfalls mit Fotos untermauert. Nach und nach bekamen wir eine immer bessere Vorstellung, wie es in Xishanping aussieht und was dort vorgeht.

Nach einem sehr langen Gespräch, es müssen an die zehn Stunden gewesen sein, versprach uns Xie, er werde uns Kontakt zu weiteren Chinesen vermitteln, die im selben Zeitraum wie er in Xishanping gefangen gehalten worden waren. Die nächsten 14 Tage verbrachten wir fast ausschließlich damit, diese Augenzeugen und teils auch ihre Familien zu treffen.

Besonders stark berührten uns die Schilderungen von Li Yiwen, einem ehemaligen Militärpolizisten, der sein ganzes Leben fest an die guten Absichten der KP geglaubt hatte — bis ihm der Staat seinen Bauernhof wegnahm, seine Familie nur spärlich dafür entschädigte und er schließlich, als seine Nachbarn und er sich mit einer Petition dagegen wehrten, ins Arbeitslager Xishanping gesteckt wurde.

Recherche 2012 nahe Lis Dorf

Alle Interviewten — bis auf einen — wollten in der Geschichte mit ihren richtigen Namen genannt werden. Auch Fotos von ihnen sollten wir drucken, sagten sie uns. Die Gefahr staatlicher Sanktionen war ihnen bewusst. Sie wollten dieses Risiko aber eingehen. Manche hofften wohl, dass die KP nach Veröffentlichung unseres Artikels zugibt, dass sie zu Unrecht ins Straflager gesperrt worden waren. Andere wirkten, als wollten sie einfach nur ihre Version der Geschichte aufgeschrieben sehen, nachdem der Staat sie zu Verbrechern erklärt hatte. Den Interviewten, der seinen Namen nicht preisgeben wollte, nannten wir Sun.

Das Ziel unserer Recherche war uns nun klar: Wir wollten im Detail herausarbeiten, unter welchen Bedingungen chinesische Bürger ins Straflager kommen, was ihnen dort widerfährt und wie sich ihre Persönlichkeit durch die traumatischen Erfahrungen verändert.

Recherche 2012 in Chongqing

Während unserer Recherchen erfuhren wir außerdem, dass die Straflager auch ein milliardenschwerer Wirtschaftszweig sind — genauer: ein System der Ausbeutung, in dem korrupte Polizisten teils ohne rechtliche Prüfung neue Arbeitskräfte für Straflager beschaffen. Bürger werden teils wegen absurd kleiner Vergehen wie dem Diebstahl einiger Mandarinen verhaftet und müssen dann im Lager für acht Euro Monatslohn im Akkord Billigprodukte erstellen. Wir wollten zeigen, wie diese Produkte über ein Netz aus Tarnfirmen in alle Welt verkauft werden. Und wie halbherzig viele Staaten die Herkunft solcher Produkte prüfen.

Unser Ziel war es, die Bedingungen im Lager auf der Basis von möglichst vielen unabhängigen Quellen und Aussagen zu rekonstruieren. Wir haben daher sechs Augenzeugen, die im selben Zeitraum in Xishanping waren, getrennt interviewt. Ihre Beschreibungen des Lagers und der dortigen Zustände glichen wir miteinander ab.

Nach und nach verstanden wir, in welchen Punkten Schilderungen schöngefärbt waren — wie unsere Interviewpartner versuchten, vor sich selbst und uns besser dazustehen.

Später, mit mehr Vertrauen, erzählten manche Interviewpartner, dass auch sie sich im Lager teils korrumpieren ließen, wie sie Beamte bestachen oder Gefälligkeitsdienste leisteten, um sich gegen die Willkür ihrer Wächter zu schützen. Und wie viel schlimmer noch als ihnen es Mithäftlingen erging, die weder Geld noch Verbündete hatten.

Unsere Interviewpartner versorgten uns zudem mit rund 8,5 Gigabyte an Dokumenten, Videos und Fotos, die viele ihrer Aussagen belegen. Wir glichen ihre Angaben zusätzlich mit den Schilderungen weiterer Sträflinge aus anderen Lagern ab, die sich in Berichten von Menschenrechtsorganisationen finden.

Videointerviews von Pu Zhiqiang mit weiteren ehemaligen Straflagerinsassen sowie zahlreiche chinesisch- und englischsprachige Presseberichte zum Thema Arbeitslager werteten wir ebenfalls aus. Ferner führten wir mehrere Experteninterviews und Hintergrundgespräche, unter anderem mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Amnesty International, einem ehemaligen Sonderbotschafter der Uno und einem Polizeichef in einer nahegelegenen chinesischen Provinz, der einmal in einem Straflager gearbeitet hat.

Das Netz der Tarnfirmen um Xishanping schließlich konnten Jannika, Edward und ich durch Recherchen in chinesischen Wirtschaftsdatenbanken offenlegen.

Auszug aus dem chinesischen Handelsregister

Nach Abschluss der Vorrecherche wählten wir drei der Augenzeugen für die Geschichte aus. Wir trafen sie von 2014 bis 2018 noch mehrmals persönlich und kommunizierten zwischendurch per Skype und E-Mail mit ihnen.

Die meisten in der Geschichte beschriebenen Orte besuchten wir zudem selbst. Edward, der als Chinese nicht auffiel, fuhr in einem Taxi auch zum Lager Xishanping und filmte und fotografierte das Gelände. Er entdeckte dabei, dass auch dieses Straflager — anders als von der chinesischen Regierung behauptet — mitnichten geschlossen worden war.

Straflager Xishanping

Die zuständigen Behörden hatten es schlicht umbenannt. Es ist, wie es auf seiner Website schreibt, jetzt offiziell eine Drogenentzugsklinik. Auch viele andere Arbeitslager heißen jetzt so. Folter und Zwangsarbeit finden nach Recherchen von Menschenrechtsorganisationen dort noch immer statt.

Die Leitung des Straflagers baten wir mehrfach und über mehrere Kanäle um Stellungnahme, erhielten aber keine Antwort. Die EU und die Bundesregierung sprachen wir auf den Umgang mit Produkten aus chinesischen Lagern an und berücksichtigten die Antworten in unserem Text.

Im August und September 2013 begannen Jannika und ich, unsere Rechercheergebnisse grob zu strukturieren. Da wir seinerzeit noch vorhatten, die Recherche in Form eines Buchs zu veröffentlichen, arbeiteten wir in unserer Freizeit daran. In unserem Sommerurlaub fassten wir alle unsere Rechercheergebnisse in einem Word-Dokument zusammen, übertrugen zentrale Fakten und Szenen auf verschiedenfarbige Zettel und beklebten mit diesen eine etwa zehn mal fünf Meter große Wand.

Wir sortierten die Zettel so lange um, bis wir eine erste grobe Vorstellung davon hatten, wie Dramaturgie und Struktur der Geschichte aufgebaut werden können.

Dramaturgieplanung 2013

Im Juni 2014 zogen wir uns, erneut im Urlaub, mehrere Wochen zurück und erarbeiteten einen systematischen Fragenkatalog, um alle noch fehlenden Informationen, Kapitel für Kapitel, möglichst lückenlos zusammenzutragen.

In den folgenden zweieinhalb Jahren trugen wir diese Informationen mit Unterstützung unseres chinesischen Kollegen Edward zusammen. Immer wieder befragten wir unsere Protagonisten und andere Informanten per Skype, Mail und in persönlichen Gesprächen.

Weiteren Besuche in China dienten dazu, zu verfolgen, wie die traumatische Zeit in Xishanping in den Leben unserer Protagonisten nachwirkt. Xie betrieb schon bald wieder eine neue Fabrik, die wir auch besuchten; nebenher engagierte er sich stark gegen das System der Straflager.

Xies neue Fabrik

Sun wurde immer wütender und unerbittlicher und verstrickte sich bald in neuen Konflikten mit der Obrigkeit. Li kämpfte um die Widerherstellung seiner Reputation und um eine aus seiner Sicht angemessene Entschädigung für sein Bauernhaus.

Als sich abzeichnete, dass Li beide Ziele nie erreichen würde, veränderte sich sein Verhalten grundlegend. Er wirkte resigniert, gebrochen, schien keine Hoffnung mehr zu haben, dass ihm noch Gerechtigkeit widerfährt. Er traf sich zwar noch mit uns, beantwortete weiter unsere Fragen, aber die Interviews schienen ihm nun lästig zu werden.

Recherche 2014

Auch China veränderte sich allmählich. Die Internetzensur wurde strenger, die Führung der KP autoritärer; Überwachung und polizeiliche Sanktionen wurden härter, staatliche Einschüchterungsversuche häufiger.

Im Mai 2014 wurde Menschenrechtsanwalt Pu verhaftet, der noch immer ein enger Vertrauter von Li und Xie war. Unsere Protagonisten wurden zusehends schweigsamer. Xie wirkte paranoid, ließ sein Handy oft ausgeschaltet, ließ Anfragen teils wochenlang unbeantwortet. Wir sorgten uns, dass der Kontakt bald ganz abbrechen könnte.

Die Recherche wurde nun auch für uns zu einer großen Belastung. Die tausenden Stunden Arbeit in unserer Freizeit, die Kosten von mehreren Tausend Euro, die wir vorgestreckt hatten: All das stand plötzlich auf dem Spiel.

Dass die Geschichte letztlich doch noch veröffentlicht wurde, ist nicht zuletzt dem Empathievermögen unseres Kollegen Edwards zu verdanken. Wir fanden neue, diskretere Kanäle, um mit Xie zu kommunizieren. Und auch Li wirkte nach einiger Zeit wieder motivierter. Er sah zwar in unserer Geschichte keinen persönlichen Vorteil mehr, wollte der Welt aber einen tiefen und differenzierten Einblick geben, welche Zustände in den Straflagern herrschten, die doch eigentlich hätten abgeschafft werden sollen.

Etwa Mitte 2017 hatten wir alle nötigen Informationen beisammen. Wir beschlossen, die Geschichte doch nicht als Buch zu veröffentlichen, sondern als Multimediaspezial auf SPIEGEL ONLINE. Wir hatten mittlerweile sehr viele Videos, Fotos und Originaldokumente beisammen, die wir zur Steigerung der Glaubwürdigkeit und des empathischen Erlebens zeigen wollten.

Im November 2017 gab mir SPIEGEL ONLINE einen Monat frei. Ich schreib in dieser Zeit den Text auf.

Schreibcamp 2017

In den folgenden Monaten wurde mein Text von der SPIEGEL-Dokumentation geprüft und von mehreren Kollegen redigiert. Vor allem Birger Menke, inzwischen geschäftsführender Redakteur, gab sich mit der Redigatur große Mühe. Er las den Text insgesamt viermal von Anfang bis Ende, jedes Mal unter einem anderen Blickwinkel und gab mir viele wertvolle Denkanstöße.

Parallel dazu hatten wir im Spätsommer 2017 mit der Erstellung eines Multimediakonzepts begonnen. Ziel war es, den Leidensweg unserer drei Protagonisten emotional erfahrbar zu machen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass unsere Vision mit den vorhandenen Formaten auf SPIEGEL ONLINE nicht zu verwirklichen sein würde.

Wir arbeiten zunächst als Fünferteam zusammen: Jannika, Edward und ich waren für inhaltliche Frage zuständig; der Illustrator Michael Meißner und der Motiondesigner Birk Reddehase machten sich daran, Schlüsselerlebnisse unserer Protagonisten aus der Zeit im Lager in Form von Animationen zu rekonstruieren.

Uns war wichtig, in der Rekonstruktion so präzise wie möglich zu sein. Wir führten weitere szenische Interviews, in denen Li, Xie und Sun die ausgewählten Szenen noch einmal genau schilderten. Auch kleine Details wie der Farbton einer Hose oder die Position eines Wächters im Raum waren uns wichtig. Die Beschreibungen glichen wir, wo wir konnten, mit den Fotos aus Xishanping ab, die wir während unserer Recherche gesammelt hatten.

Entwurf einer Animation
Vorlage für die Animation

Gleichzeitig war uns klar, dass die Animationen trotz aller Detailbemühungen nur Annäherungen an die Wirklichkeit sind und dass wir das auch kenntlich machen wollten. Wir wählten daher eine leicht surreale Ästhetik. Erinnerungslücken zum Beispiel stellten wir in Form von räumlichen Leerstellen da, wie sie in fotorealistischen Animationen nicht vorkommen würden.

Die technische Umsetzung der Animationen war anspruchsvoll. Denn auch hier wählten wir ein kaum erprobtes Format: Birk baute die Animationen am Computer vor, inklusive Kamerafahrten und Musik — Michael zeichnete danach in diese dreidimensionalen Animationen hinein seine Illustrationen.

Screenshot einer fertigen Animation, 2018

Nebenbei begann ich, Rohfassungen der Videos für die Geschichte zu schneiden. Jannika begann, die für die Geschichte passenden Bilder auszuwählen. Zusammen mit Edward suchte ich zudem geeignete Originaldokumente heraus, um sie in der Geschichte zu verlinken. Wir erstellten außerdem Kalligrafien mit einer Software. Dazu fertigte Michael noch weitere, statische Zeichnungen an.

Alle Texte, Videos, Animationen, Fotos, Illustrationen, Originaldokumente, Karten, Kalligrafien, O-Töne und Sounds wollten wir im nächsten Schritt so zusammenfügen, dass sich ein möglichst nahtloser Erzählfluss ergibt. Wechsel zwischen Medialitäten sollten ohne Brüche in Atmosphäre, Dramaturgie, Erzähltempo und -rhythmus erfolgen. Anders als in vielen anderen sogenannten Storytellings sollte der Text zudem nicht hierarchisch über den anderen Multimediaelementen stehen.

Animation 2018

Gemeinsam mit dem Programmierer Chris Kurt entwickelte ich eine entsprechende neue Erzähloberfläche, in der es möglich ist, Medialitäten ineinanderzublenden. Wir nannten das Prinzip Mixedmedia und entwickelten für diese Art der Erzählung neue Darstellungsformen.

Der Haupttext setzt sich auf unserer Mixedmedia-Oberfläche teils in den Videos fort. Bewegte Elemente wie Videos, O-Töne und Animationen starten automatisch und verwandeln sich nach dem Abspielen in statische Bilder. Atmosounds wechseln synchron zu den im Text beschriebenen Orten und machen die Orte der Erzählung erfahrbar.

Screenshot aus der Mixedmedia-Reportage

Beim Ausarbeiten der Multimedialität waren der damalige Multimedia-Chef Jens Radü, der Multimedia-Redakteur Roman Höfner und die After-Effects-Spezialistin Aida Marquéz eine große Hilfe.

Sie unterstützen uns, die Elemente visuell aufeinander abzustimmen und eine Logik zu entwickeln, wie die Geschichte auf verschiedenen Bildschirmgrößen funktioniert. Wir fertigten letztlich von einigen Videos mehrere unterschiedliche Formate an, um sie sowohl hochkant als auch quer, sowohl auf einem großen Computermonitor als auch auf einem iPhone4 gut darstellen zu können (im Bild: Entwurf für Videolösung mobil-quer).

Alle multimedialen Elemente sollten sich logisch aus der Geschichte ergeben, l’art pour l’art wollten wir vermeiden. Oberstes Ziel war es, die von den Protagonisten geschilderten Erfahrungen für den Rezipienten tief erfahrbar zu machen. Die Rezipienten sollten die Welt der Straflager nicht nur kognitiv verstehen — sondern sie auch emotional begreifen.

Im Herbst 2018 beschloss ich, ein letztes Mal nach China zu fliegen, um mit Li letzte Videoaufnahmen zu machen und letzte Detailfragen zu klären. Wenige Tage vor Abflug wurde ich gewarnt, dass der chinesische Geheimdienst sich nach mir erkundigt habe und dass ich in China vermutlich beschattet werden würde. Ich stornierte meine Reise. Unser China-Korrespondent Bernhard Zand beschaffte die fehlenden Videos und Antworten letztlich für mich.

Als die Geschichte komplett fertig war, ließen wir sie von einer mehrköpfigen Testgruppe auf verschiedenen Geräten testen. Die Anregungen der Probenutzer pflegten wir in den Code ein. Dann telefonierten wir noch einmal mit unseren Protagonisten. Wir informierten sie und ließen uns bestätigen, dass sie noch immer mit der Veröffentlichung der Geschichte unter ihren Klarnamen einverstanden sind. Alle stimmten zu.

Die Geschichte wurde am 25.11. auf SPIEGEL ONLINE veröffentlicht. Die Nutzer können zwischen deutscher und englischer Sprache wählen. Die Geschichte erreichte im ersten Monat nach ihrem Erscheinen rund 775.000 Leser und 4,72 Millionen Page Impressions. Die durchschnittliche Verweildauer im dritten Teil der Geschichte lag am Erscheinungstag bei 9:24 Minuten — und damit ein Vielfaches über dem Durchschnitt. Wir erhielten viele Leserbriefe, die die faktische und emotionale Tiefe der Geschichte lobten.

Einige Wochen nach Erscheinen von „Das dunkle System“ telefonierten wir noch einmal mit Li. Er sagte, weder er noch die anderen hätten wegen der Geschichte Besuch von der Polizei bekommen. Er sei froh, dass sich die Welt nun ein Bild von den Zuständen im Lager Xishanping machen könne. Doch er habe keine Hoffnung, dass sich für ihn oder irgendeinen der anderen 1,4 Millionen Chinesen etwas bessern werde.

Lis Familie

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