Search Funds und Unternehmensnachfolge — Geschichte und Verbreitung in Deutschland

1984, ein drückender Sommer liegt über der Universität Stanford. Prof. Irving Grousbeck grübelt: Im ganzen Land sind Unternehmer auf der Suche nach Nachfolgern und Käufern für Ihr Unternehmen. Gleichzeitig finden sich in der Klasse, die er an der Business School der kalifornischen Elite-Universität unterrichtet, viele engagierte und motivierte Studenten die ein Unternehmen weiterführen und entwickeln wollen.

Wie lassen sich beide Seiten zusammenführen? Prof. Grousbeck, selbst erfolgreicher Unternehmer, stellt sich der Herausforderung und entwickelt den “Search Fund“. In den USA etabliert sich das Modell. Aufgrund der Nachfolge-Herausforderungen im deutschen Mittelstand interessieren sich auch immer mehr Unternehmer und potenzielle Nachfolger für das Konzept.

Search Funds für die Unternehmensnachfolge / Quelle: IESE Business School: International Search Funds — 2018

Was also ist ein Search Fund und wie unterscheidet sich das Model von Private Equity, dem Management Buy-out und ähnlichen Alternativen?

Um die Unterschiede und Vorteile zu verstehen, lohnt es sich zu vergegenwärtigen was eine erfolgreiche Unternehmensübergabe benötigt.

Im Wesentlichen zwei Dinge: Erstens, einen neuen Geschäftsführer, also einen operativen Leiter der das Unternehmen mit Geschick und Einsatz vorantreibt. Zweitens, Kapital um die vorherigen Gesellschafter auszuzahlen. Insbesondere im Mittelstand, ist der Geschäftsführer oft gleichzeitig Gründer und Mehrheitsgesellschafter.

Ein Searcher oder ein “Search Fund Betreiber” geht durch drei Phasen: Erstens, er bemüht sich potentielle Geldgeber von seiner Fähigkeit als Unternehmer und zukünftiger Geschäftsführer zu überzeugen. Diese Geldgeber werden nun Investoren in den Search Fund. Im zweiten Schritt, macht der Searcher macht sich auf die Suche, nach einem passenden Unternehmen, dessen Eigentümer verkaufen will.

Ergibt sich eine passende Gelegenheit, dann kauft der Searcher mit dem Kapital seiner Investoren das Unternehmen und führt es als Geschäftsführer fort — Schritt drei. Die Investoren partizipieren entweder an einem Verkauf in der Zukunft oder an Gewinnausschüttungen. Soweit das Konzept — betrachten wir Search Funds nun aus den relevanten Perspektiven.

Searcher als Nachfolger — Perspektive des Unternehmers

Aus der Sicht des Unternehmensverkäufers ist ein Searcher eine Alternative zu den bestehenden Optionen. Im Bezug auf die Geschäftsführung sind die wesentlichen Optionen:

  • familieninterne Nachfolge
  • ehemalige Mitarbeiter (Management buy-out)
  • Neues, externes Management (Management buy-in)
  • Mitarbeiter von strategischen Investoren (Partner oder Wettbewerbern)
  • strategische Investoren (wie Ookam Software): eine flexible Lösung

Im Bezug auf die Kapitalquelle ist ein Search Fund eine Alternative zu:

  • Finanzinvestoren: Private Equity für Management buy-in und buy-out
  • Das Laufende Geschäft: Strategen
  • Langfristige, unternehmerische Investoren: Strategische Holding
  • Banken

Grundsätzlich sind Strategen oft bereit den höchsten Preis zu zahlen, da Synergien klar erkennbar sind und ein gutes Verständnis des Marktes besteht. Private Equity Investoren haben oft den Vorteil stringenter Prozesse, agieren jedoch mit dem klaren Ziel des Weiterverkaufs.Im Gegensatz zu strategischen Investoren, die bei Definition in einem Markt aktiv sind, haben Private Equity Investoren eine größere Auswahl von potenziellen Unternehmen und sind daher nur bei wirtschaftlich attraktiven Unternehmen ein relevanter Käufer.

Für den Unternehmer ist ein Search Fund also insbesondere in zwei Szenarien eine relevante Alternative:

Erstens, es ist dem Unternehmer wichtig, die Person die als potenzieller Käufer in Betracht kommt zu kennen. Zweitens, es stehen keine Alternativen zu Verfügung.

Search Funds sind eine Option für verkaufsbereite Unternehmer auf Nachfolgersuche

Search Funds als Alternative zur Gründung und der Konzernkarriere

Der Ursprung an einer Business School prägt das typische Searcher Profil bis heute — Anfang bis Mitte dreißig, oft mit unternehmerisch Erfahrung oder einem Hintergrund in der Unternehmensberatung (Details dazu in den unten verlinkten Studien). Der Wunsch nach Gestaltungsmöglichkeiten und größer Verantwortlichkeit sind oft ausschlaggebende Gründe für die Searcher.

Aus dieser Perspektive sind andere Karrierepfade die wesentlichen Alternativen für die Searcher:

  • Karriere im Konzern (wenig unternehmerisch)
  • Karriere als Investor oder Berater (wenig Gestaltungsmöglichkeiten)
  • Gründung eines eigenen Unternehmens (mangelnde Ideen, höheres Risiko)

Gleichzeitig ist die potenzielle Vergütung, durch signifikante Eigentümerschaft riskanter aber potenziell deutlich höher als in den meisten Alternativen.

Dafür sind drei Fähigkeiten kritisch:

  • Finanzierung der Suche, die typischerweise > 2 Jahre dauert
  • Finanzierung der Akquisition, ein Betrag der oft mehrere Millionen umfasst
  • Fähigkeit das Unternehmen erfolgreich zu führen

Eine relativ unbekannte größe stellt dabei die Suche — schlicht weil die wenigsten Erfahrungswerte haben — in diesem Kontext sind die amerikanischen Vergleichswerte recht interessant — im Zeitraum von 2014–2015 kam es bei 500 angesprochenen unternehmen typischerweise zu 2 ernsthaften Diskussionen und nur bei einer, also ⅕ von einem Prozent zur Due Diligence.

Aus der Studie: Stanford Business School: 2016 Search Fund Study: Selected Observations

Die erforderliche Zeit ist also enorm.

Umso wichtiger die Finanzierung der Suche und die Sicherung des Kapitals zur Übernahme des Unternehmens. Denn — sollte die Due Diligence und die anschließenden Verhandlungen zum Erfolg führen muss der Kauf finanziert werden.

Search Funds aus der Sicht von Investoren

Für Investoren sind Search Fund eine von vielen möglichen Anlageklassen: Aktien, Staatsanleihen, Immobilien und Schulden stehen im Wettbewerb um das Kapital. Search Funds haben einige Besonderheiten:

  • Erstens, ist die Einstiegshürde typischerweise signifikant, d.h. eine Investor muss beispielsweise mindestens 50,000 investieren um an dem Fund teilzuhaben. Der Grund dafür ist schlicht, dass das Management von Investoren signifikante Ressourcen beansprucht und je kleiner die Investition der Beträge werden, desto größer die Zahl der zu betreuenden Investoren.
  • Zweitens, Search Funds bieten kleineren Investoren Zugang zu Investitionen in privaten Unternehmen. Diese Art der Investition ist aufwendig und typischerweise nur über Private Equity Fonds abbildbar und damit häufig sehr großen Anlegern wie Versicherungen oder Banken vorbehalten.
  • Drittens, ein Search Fund ist eine recht persönliche Art der Investition. Oft stehen die Investoren, häufig selbst Unternehmer, dem Search mit Rat und Tat zur Seite und können so die Reise des Searchers und seines Unternehmens miterleben.

Trotzdem ist ein Search Fund eine Anlageklasse und muss sich dementsprechend an der Kennzahl Risiko/Ertrag messen lassen. Die zur Verfügung stehenden Zahlen aus den USA — zeigen relativ konsistent gute Werte für die Investoren auf die in einen Search Fund investieren konnten:

Die Zahlen stammen ebenfalls aus der Stanford Studie

Häufige Fragen:

Private Equity Management Buy-In (MBI) vs. Search Funds

Ein Management Buy-Out bezeichnet man Einkauf eines externen Managers in ein Unternehmen. Dies bedeutet, ein Führungskraft wird zugleich Gesellschafter und Geschäftsführer oder zumindest Teil der Geschäftsführung. Der Mechanismus ist hier der selber wie der eines Search Fundes, nur ist wird die Finanzierung nicht von einer größeren Gruppe von Investoren vorgenommen, sondern typischerweise von einem Private Equity Fond und gegebenenfalls Banken.

Der wesentliche Unterschied liegt also in der Finanzierung. Da Private Equity Fonds häufig eine Verkauf nach 4–7 Jahren anstreben unterscheidet sich die Vorgehensweise der neuen Manager oft von denen eines Searchers. Gleichzeitig sind Private Equity Fonds meist in größeren Unternehmen investiert, also nur begrenzt im Wettbewerb mit Search Funds.

Private Equity Management Buy-Out (MBI) vs. Search Funds

Bei einem Management Buy-Out kaufen bereits bestehende Mitarbeiter und Führungskräfte einen Teil des Unternehmens in dem Sie arbeiten — typischerweise ebenfalls mit der Unterstützung von Private Equity Fonds. Der Unterschied zum Search Fund ist klar — die neuen Geschäftsführer müssen nicht “suchen” es geht um die Anteile des Unternehmens in dem Sie bereits arbeiten.

Über den Autor:

Mit Ookam investiert der Autor, Steffen Bünau, in Softwareunternehmen die sich in Nachfolgeszenarien befinden.

Die Konferenz https://www.nachfolgeunternehmer.org wird ebenfalls von Ookam veranstaltet und ist der führende Treffpunkt für Unternehmer in der Nachfolge in Deutschland.

Außerdem veranstaltet die IESE Business School eine jährliche Konferenz für internationale Search Fund interessierte.

Zeitungsartikel zum Thema Nachfolge / Search Funds

Süddeutsche Zeitung: Suche Chefposten, biete mich
Brand Eins: Der Nachfolger
Handelsblatt: Search Funds To The Rescue

Relevante Search Fund Studien

Stanford Business School: 2016 Search Fund Study: Selected Observations
IESE Business School: International Search Funds — 2018

Nächste Schritte:

Schreiben Sie mir eine Email: s.buenau@ookam-software.com