Wir müssen uns wieder vielmehr als Gestalter der Welt empfinden

Ein Gespräch über Creative Leadership, Plurale Ökonomik und die Gründung einer Hochschule mit Silja Graupe, Mitgründerin und Vizepräsidentin der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues und Professorin für Ökonomie und Philosophie.

Steffen Vogt
Dec 6, 2019 · 11 min read
Silja Graupe ist promovierte Ökonomin sowie Mitgründerin und Vizepräsidentin der Cusanus Hochschule. An der seit 2015 staatlich anerkannten Hochschule in freier Trägerschaft ist sie Professorin für Ökonomie und Philosophie sowie Leiterin des Instituts für Ökonomie.

Ich möchte als erstes auf Ihre Hochschulgründung zu sprechen kommen — welche, für sich genommen, ein sehr kreativer Akt ist. Sie haben von Grund auf eine neue Hochschule in freier Trägerschaft aufgebaut, um neuen Perspektiven und schöpferischem Denken einen Raum zu geben und beide wieder vermehrt in die Welt zu bringen und dort handlungswirksam werden zu lassen. Welche Rolle spielt die Kreativität grundsätzlich an der Cusanus Hochschule?

Kreativität wird oft nur als eine Art Genius verstanden, der gleichsam aus der Tiefe des Unbewussten hervorquillt und Menschen eher einfach nur passiert, als dass sie ihn gestalten könnten. Denken Sie nur an die so oft verbreitete Mär, die besten Ideen kämen einem morgens unter der Dusche.
Doch Kreativität hat auch und gerade sehr viel mit dem Durchbrechen von festen Denk- und Handlungsgewohnheiten zu tun, die uns normalerweise zu selbstverständlich sind, als dass wir ihre Veränderung überhaupt für möglich hielten. Und dieser Durchbruch ist weder zufällig, noch lässt er sich kausal verursachen. Doch lassen sich wesentliche Vorbedingungen für ihn schaffen. Das Wichtigste dabei ist, so scheint mir, nicht nur mit festeingefahrenen und weitgehend unbewussten Gewohnheiten zu denken, sondern über sie reflektieren zu lernen — sowohl im individuellen wie auch sozialen und historischen Maßstab. Denn nur so können sich wirklich neue und vormals für unmöglich gehaltene Freiräume des Denkens öffnen. Im Wesentlichen ist es genau diese Fähigkeit der schöpferischen Imagination, die wir Studierenden an der Cusanus Hochschule vermitteln wollen.

Dabei ist Kreativität in jedem Falle gepaart mit Verantwortung, weil sie ja nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern an den Grundfesten unseres gewöhnlichen Umgangs mit uns selbst und der Welt rüttelt. Kreativität ist keine abstrakte Angelegenheit, sondern erschließt unmittelbar Freiräume im Handeln. Damit muss man verantwortungsvoll umgehen lernen. Günter Anders nannte dies einmal die Bildung „moralischer Phantasie“.

Wo lässt sich diese moralische Phantasie an der Cusanus Hochschule entdecken?

Wichtig ist mir als Mitgründerin, dass wir Akademikerinnen diese Art der Phantasie nicht nur lehren, sondern selbst so gut es geht (vor)leben. Deswegen zeichnen wir uns maßgeblich verantwortlich nicht nur für die Lehre und Forschung, sondern auch für die Gründung, den Aufbau und den Erhalt der Hochschule. Interessanterweise kommt genau dies in Deutschland extrem selten vor. Wo werden Wissenschaftler schon eigenständig organisatorisch und unternehmerisch tätig? Doch für uns ist die Freiheit der Lehre und Forschung, die wir brauchen, in staatlichen Zusammenhängen oder an anderen privaten Hochschulen schlicht nicht in ausreichendem Maße auffindbar. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, die eigenen Erkenntnisse in die Praxis zu tragen und damit neue Strukturen für die akademische Bildung zu schaffen und Verantwortung für sie zu übernehmen.

Ich glaube, Kreativität bedingt immer die Verantwortungsübernahme für die getroffenen Entscheidungen. Einzustehen und Haltung zu zeigen für den eigenen Weg und damit auch gegen mögliche Alternativen. Ohne Verantwortungsübernahme bleibt es im Ideenraum, dauerhafte Veränderung braucht die Verantwortung.

Ja, richtig. Und sie braucht auch ein Wissen und Können, um mit bestehenden Strukturen entschieden umzugehen. Ich persönlich bin stark von der Philosophie des ost-asiatischen Raums, speziell dem japanischen Kontext geprägt. Dort gibt es den schönen Begriff kata, der übersetzt so etwas wie kreative Routinen bedeutet. Dahinter verbirgt sich die Idee, erst einmal Regeln befolgen zu lernen und Strukturen wirklich zu verstehen, um sie erst dann zu durchbrechen bzw. frei mit ihnen zu spielen. Denken Sie etwa an einen virtuosen Geigenspieler. Er kann improvisieren und interpretieren, nicht weil er einfach nur drauf losspielt, sondern weil er jahrelang ausführlich geübt und geprobt hat. Nicht weil er die Regeln des Geigenspiels ablehnt, sondern weil er sie genauestens beherrscht, kann er mit ihnen spielen oder sie sogar durchbrechen und so vielleicht sogar einen ganz neuen Stil schaffen.


„Das Spiel ändert sich in seinen Spielregeln und Spielzügen zugleich.”


Gerade in der jüngeren Generation beobachte ich allerdings eher ein anderes Kreativitätsverständnis. Dieses geht davon aus, Kreativität könne sich abseits und in reiner Ablehnung von bestehenden Strukturen entfalten. Dies birgt aus meiner Sicht zwei Gefahren: Erstens lässt es bestehende Strukturen unangetastet und zweitens droht es, diese am Ende doch nur unbewusst zu reproduzieren, da man sich zwar frei fühlt, es aber nicht ist.

Wie genau leben Sie Ihr Verständnis von Kreativität beim Aufbau der Cusanus Hochschule?

Im Wesentlichen wie besagter Geigenspieler. Einerseits müssen wir alle Normen einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule erfüllen. Und zugleich schauen wir stets, was sich in diesem auf den ersten Blick recht engen Gerüst anders machen und bewegen lässt. Das Spannende daran ist, dass diese Art der Kreativität am Ende auch das Gerüst selbst nicht unangetastet lässt. Wenn man wirklich in ihm und an ihm zu arbeiten beginnt, dann eröffnen sich mehr und mehr Freiräume, von denen man an anderen Hochschulen vielleicht noch nicht einmal weiß, geschweige denn sie zu leben wagt. Und so entsteht Innovation in einem umfassenden Sinne: Das Spiel ändert sich in seinen Spielregeln und Spielzügen zugleich.

Bei allen Vorzügen klingt dieses gleichzeitig nach einer sehr fordernden Aufgabe.

Natürlich ist dies durchaus anstrengend: So müssen wir oft von Null beginnen und alles in Eigenregie neu entwickeln, ohne die Unterstützung anderer Hochschulen. Jedes Formular, das Campus-Management-System, der Aufbau der Bibliothek — für nichts gab es am Anfang eine Grundlage, auf der wir aufbauen konnten. Zugleich müssen wir stets beweisen, dass wir eine normale Hochschule sind. Gerade in dieser vermeintlichen Normalität aber schaffen wir es, dass am Ende zwar nicht alles, wohl aber vieles eben doch grundlegend anders ist. Dies fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Welche Themen sind in der Gestaltung der Hochschule besonders wichtig?

Oh, sehr viele! Für mich als Philosophin, die intensiv zum Geld forscht, ist etwa wichtig, selbst die Finanzierung der Hochschule als einen kreativen Akt zu begreifen. Zum einen ist da natürlich die Verantwortung, dass, wie man so schön sagt, die Zahlen stimmen und wir das zum Leben haben, was wir brauchen. Was genau aber dieser Bedarf ist, ist bereits ein Thema, das wir immer wieder neu behandeln. Zugleich geht es uns nicht darum, uns einfach als bedürftig hinzustellen, obwohl wir bewusst abhängig von Spenden sind. Als Hochschule in freier Trägerschaft finanzieren wir uns zu ca. 30% aus Geldern, die unsere Studierenden beitragen, und zu fast 70% aus Mitteln, die uns Spenderinnen freiwillig geben. Beide Gruppen — die Studierenden einerseits und die Spender anderseits — finanzieren uns, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Und dabei wollen sie nicht etwas (ein Gut) haben, sondern möchten teilhaben an dem, was wir Neues und Einzigartiges in der Bildung schaffen — also an unseren Ideen, unserem Können und unseren Visionen.


„Fundraising wird so von einem bloß notwendigen und lästigen Geschäft zu einem neuen Gestaltungsprinzip von Gesellschaft.”


Ihre Ermöglichung unserer Hochschule durch die Gabe von Geld begründet also keinen Leistungsaustausch, sondern stiftet ein Netz an Beziehungen und einen neuen Ort des Möglichen. Fundraising wird so von einem bloß notwendigen und lästigen Geschäft zu einem neuen Gestaltungsprinzip von Gesellschaft! Mich begeistert daran, dass wir so neue Formen des Umgangs mit Geld tatsächlich erproben und leben, die ich zugleich in meinen Arbeiten philosophisch erforsche und sprachlichen Ausdruck zu verleihen suche. Handeln und Denken gehen Hand in Hand.

Der Creative Leadership Salon versammelt Menschen, die Unternehmertum, Kreativität und Führung miteinander verbinden. TwitterLinkedin

Lassen Sie uns das Thema wechseln. Sie arbeiten viel mit dem Netzwerk Plurale Ökonomik zusammen. Was ist dies Netzwerk und warum ist es wichtig für die Gesellschaft?

Das Netzwerk Plurale Ökonomik ist ein Dachverband von über 30 studentischen Initiativen an verschiedenen Hochschulstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihnen ist allen gemein, dass sie den Zustand der Forschung und Lehre in der Wirtschaftswissenschaft als zu einseitig kritisieren und — durchaus auch lautstark — Reflexion, Selbstkritik und Offenheit in der Volkswirtschaftslehre und angrenzenden Disziplinen einfordern.

Das Netzwerk hat seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 an Fahrt aufgenommen, weil immer mehr Studierende unzufrieden wurden mit ihren Studiengängen. Sie kamen zu der Erkenntnis, dass die Lehrangebote weder in der Lage waren, sie über das wirkliche Geschehen in der Welt da draußen aufzuklären, noch sie zur Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft zu befähigen. Daraus ist mit der Zeit dann eine immer größere Bewegung geworden.

Die Plurale Ökonomik ist also eine Strömung innerhalb der Volkswirtschaftslehre.

Die Probleme, die das Netzwerk aufzeigt, bestehen nicht nur in den Studiengängen der VWL. Vielmehr erfahren ca. 20% aller Studierenden allein in Deutschland eine äußerst einseitige und oftmals auch manipulative Lehre in ihren einführenden Lehrveranstaltungen der Mikro- und Makroökonomie. Denn betroffen sind etwa auch die meisten Studierenden der BWL, der Wirtschaftsinformatik und des Managements. Sie alle lernen im Grunde nur, in abstrakten Modellen zu rechnen, in denen die Marktwirtschaft als einzig funktionierende Form sozialer Kooperation stets schon vorausgesetzt ist. Viele Studierende hoffen, in den Wirtschaftswissenschaften etwas über das tatsächliche Wirtschaftsgeschehen zu lernen — über Produktion, Verteilung, Umweltfragen, Gerechtigkeit und Macht et cetera. Doch in Wirklichkeit lernen sie nur eine Sichtweise auf die Welt, die sie ausschließlich in Marktprinzipien denken lässt.


„Die Studierenden werden blindlings in abstrakte Scheinwelten entführt.”


Was ist verkehrt daran?

Es wäre nicht so dramatisch, würde man den Studierenden diesen Ansatz offen legen. Doch werden sie zumeist blindlings in abstrakte Scheinwelten entführt, deren Erkenntnisse dann wiederum als „brutale Wahrheiten“ einer scheinbar alternativlosen Wirklichkeit ausgegeben werden.
Eine plurale Ökonomie stellt im Gegensatz dazu wieder tatsächliche Probleme und Fragen der aktuellen, globalen Wirtschaft in den Vordergrund und lehrt, wie diese aus unterschiedlichen Perspektiven erkannt und angegangen werden können. Die Fähigkeit zur Diskussion um den richtigen Standpunkt und die Verantwortung dafür, von diesem Standpunkt aus Entscheidungen zu treffen, gehört dann mit einem Male ganz selbstverständlich zum Lehrprogramm dazu.

Wieso sind verschiedene, vielleicht sogar konkurrierende Ansätze wichtig?

Dazu möchte ich Thomas Mayer zitieren, der, als er noch Chefvolkswirt der Deutschen Bank war, einmal sagte: „Wir Ökonomen benehmen uns wie Piloten, die nur noch auf ihr GPS starren, unfähig den Berg zu erkennen, gegen den sie fliegen.“ Wer nur ein Schema im Kopf hat, droht dies leicht mit der Realität zu verwechseln. Es gibt keinen Unterschied mehr, der zwischen der Vorstellungswelt im Kopf und der Welt da draußen gemacht werden könnte. Damit aber werden wir zu Sklaven eines einseitigen Denkens — und dies wiederum mit fatalen Folgen für die Welt.

Wenn alle, die sich im Bereich der Wirtschaft ausbilden lassen, lediglich die eine gleiche Perspektive auf einen multiperspektivischen Untersuchungsgegenstand lernen, bleibt der allgemeine Blickwinkel dauerhaft sehr gleichförmig. Somit kann die Volkswirtschaft, und damit die Gesellschaft, nicht von den Denkwelten anderer Ansätze profitieren.

Das ist das eine und zusätzlich fehlt die Reflexion auf die eigene Perspektive. Die heutige Lehre verhält sich, als könnte sie Wahrheit vermitteln, ohne dass sie diese überhaupt noch hinterfragt. In einem sehr weit verbreitenden Lehrbuch ist gleich am Anfang von den „brutalen Wahrheiten der Ökonomik“ die Rede, die es vermitteln würde. Mit einem solchen Lehransatz geht der Blick für eine ganzheitliche Welterschließung von vornherein verloren. Und im öffentlichen Diskurs bekommen wir dann dafür alle die Quittung: Weil Ökonominnen nur noch in Sachzwängen und Alternativlosigkeit denken können und die Medien dies ebenso wie Politiker bedenkenlos aufnehmen und immer wieder reproduzieren.

Wie lautet Ihr konkreter Vorwurf?

Ich werfe der Ökonomik, also der Volkswirtschaftslehre vor, dass sie heutzutage nur zur Erkenntnis brutal vereinfachter Zusammenhänge ausbildet. Sie legt in jungen Menschen stereotype Erkennungsmuster an, die in der heutigen komplexen und oftmals gar chaotischen Welt schlicht nicht hilfreich sind. Man denke nur an Fragen des Klimawandels oder der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit.

In meiner Vorbereitung auf dieses Gespräch habe ich gelesen, dass Sie sich mit Ihrer Arbeit dafür einsetzen, den „freien, schöpferischen Geist wieder zurück in die Wirtschaft zu holen.“ Ich arbeite zwar mit ganz anderen Mitteln und Perspektiven mit der Wirtschaftswelt, habe mich beim Lesen dieser Aussage jedoch sehr vertraut gefühlt. Gerade da in unserer Arbeit die Gewinnung von neuen Perspektiven ebenso eine sehr zentrale Rolle spielt.

Je komplexer die Situationen werden, umso stärker benötigen wir den freien Geist. Kennen Sie den Cynefin-Framework das walisischen Wissenschaftlers David Snowden? Er beschreibt vier unterschiedliche Arten von Situationen, in denen wir Menschen handeln: einfache, komplizierte, komplexe und chaotische Situationen.

Den Zustand des Chaotischen sollte man so weit es geht vermeiden. Auf einfache Situationen können wir hingegen mit stereotypen Wahrnehmungen reagieren und brauchen ihnen im Alltag kaum bewusste Beachtung zu schenken. Für das Meistern komplizierter Situationen ist die Ökonomik eigentlich einmal angetreten. Denn hier gilt es, verdeckte oder verschleierte kausale Wirkungszusammenhänge zu erkennen, die man mit viel Aufwand berechnen und sodann steuern, zumindest aber grob beherrschen kann. Doch heute leben wir oftmals nicht in komplizierten, sondern in komplexen Umgebungen, in denen Ursache und Wirkung allenfalls im Nachhinein festgestellt werden können und in denen es deswegen gilt, Sinn zu stiften und Situationen nicht zu steuern, sondern gemeinsam mit anderen zu gestalten. Ich trete für eine neue Form der Wirtschaftswissenschaften ein, die junge Menschen zu dieser Art der Gestaltung befähigt. Und genau deswegen habe ich auch den Masterstudiengang „Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung“ an unserer Hochschule initiiert.

In unserem Creative Leadership Salon laden wir genau diese Gestalterinnen der Welt ein, die erfolgreich jenseits der vertrauten Pfade neue, teilweise vielleicht sogar utopische Wege erkunden. Menschen, die begeisternde Konzepte initiieren, entgegen der gewohnten Regeln und damit außergewöhnlichen Wert für die Gesellschaft und den Planeten stiften.

In Fragen einer neuen Bildung für eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Gesellschaftsgestaltung geht es mir gar nicht so sehr um Utopien. Vielmehr verstehe ich die Bildung, die wir an der Cusanus Hochschule prägen, als futopisch: Sie ist kein „Niemandsland“, wie sich die Utopie wörtlich übersetzen lässt, sondern ein konkreter Ort (topos) innovativer Ideen und Praktiken, in dem das Morgen (futurum) bereits heute erprobt wir und so konkret Gestalt annimmt.

Kann das, mit Verlaub gefragt, noch wissenschaftlich sein?

Es kommt auf das Wissenschaftsverständnis an. Wenn ich die Welt nur als eine komplizierte Angelegenheit ansehe, dann ist Wissenschaft nur dafür da, nach Gesetzmäßigkeiten zu erforschen. Das Mittel der Wahl hierfür ist die kühle, distanzierte, ja oft mitleidlose Beobachtung, in der man sich niemals als ein Teil des Ganzen begreifen, sondern nur die Position des Außenstehenden einnehmen kann. Doch wenn die Welt nun einmal komplex oder gar chaotisch ist, dann hilft uns diese Haltung nicht weiter. Stattdessen müssen wir auch als Wissenschaftlerinnen lernen, dass wir inmitten dieser Welt leben und sie nur von innen erkennen können. Eine Außenperspektive ist nicht mehr möglich, wohl aber der sinnstiftende Diskurs mit anderen Menschen und die Fähigkeit, Vektoren der Veränderung von innen heraus zu entwerfen, anstatt Wirtschaft und Gesellschaft wie große Maschinen betrachten und manipulieren zu wollen.

Das Problem ist, dass viele Kollegen gar nicht mehr verstehen, warum sie eigentlich so abstrakt forschen, wie sie es tun. Für sie ist dies weder eine Frage der Entscheidung noch eine Frage der Angemessenheit im Hinblick auf die heutige Gestalt der Welt. Stattdessen gilt ihnen die distanziert-mathematische Forschung als alternativlos. Und da ist der blinde Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit Andersdenkenden gegenüber dann oft nicht mehr weit.

Welchen ich, als außenstehender Nichtwissenschaftler, immer als sehr absolut geäußert wahrnehme.

Ja, das ist richtig. Aber es hilft ja nichts. Wir brauchen eine Wissenschaft, die für unsere Zeit gemacht ist und auf ihre Probleme eingeht.



IIDas Gespräch führte Steffen Vogt, Mitgründer und Partner bei NAMENAME Creative Partners und Co-Initiator des Creative Leadership Salon.
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Steffen Vogt

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Harnessing the creative disciplines to build human enterprises. Partner at NAMENAME Creative Consultancy and Co-Initiator of the Creative Leadership Salon.

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