Kultur — Kulturdimensionen — Hofstede

“In the English language, as in many others, culture is a complicated word. It is used to de-scribe high art (classical music, theater, painting, and scultpure), and is often used to contraste these forms with popular art. […] Culture is the glue that binds groups together.” (Usunier, 2000)

„Culture is the collective programming of the mind that distinguishes the members of one group or category of people from others” (Hofstede)

Kultur zu definieren ist ein bücherfüllendes Unterfangen. Die dabei aufgestellten Thesen reichen von der Meinung, Kultur gar nicht zu definieren, bis hin zu einer sehr differenzierten Bestimmung des Begriffes. Die Definitionen an sich weisen eine sehr starke Ab-weichung voneinander auf. Die folgende Definition von Kultur zeigt ein handlungsbezogenes, jedoch differenziertes Bild auf.

Kultur ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Vorausset-zungen zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung. Durch die Definition von Kultur als Ortungssystem lassen sich sogenannte “Kulturstandards” definieren. Darunter versteht man jegliche Art von Wahrnehmung, Denken, Handlungen und Werten, die von den Mitgliedern einer Kultur als normal, selbstverständlich und typisch betrachtet wird. Verhalten wird auf Grundlage dessen beurteilt und reguliert.

Diese Standards werden dann als zentral betrachtet, wenn sie in völlig unterschiedlichen Situationen wirksam werden und in weiten Bereich der Handlungs-, Wahrnehmung-, und Beurteilungsprozesse zwischen Personen an Wichtigkeit gewinnen. Sie können in einer Kultur ein höheres Maß an Bedeutung haben, als in anderen oder sogar völlig fehlen. Verschiedene Kulturen können in unterschiedlichen Funktionen ähnliche Kulturstandards aufweisen. Diese können in verschiedenen Handlungsfeldern wirksam sein und unterschiedliche Toleranzbereiche aufweisen.

Kulturdimensionen

Die Basis des Konzeptes der Kulturdimensionen bildet die grundlegende Idee, dass es universelle Kategorien, beziehungsweise Themen gibt, mit welchen sich alle Kulturen weltweit auseinandersetzen und Antworten entwickeln müssen. Die Konsequenz aus dieser Annahme besteht in der Vergleichbarkeit der einzelnen Kulturen, sobald deren Antworten und Positionen zu den jeweiligen Weltfragen bekannt sind. Diese Herangehensweise kann als universell bezeichnet werden, da sie kulturübergreifend allgemeine Gültigkeit beansprucht. Davon ausgehend wurden verschiedene Konzepte der Kulturdimensionen entwickelt, das bekannteste stammt von Geert Hofstede. Dieser führte in den 1960er und 1970er Jahren eine Fragebogenerhebung in mehr als 70 Ländern durch. Die Fragen bezogen sich mehrheitlich auf die Wertvorstellungen im Arbeitsleben. Mittels Korrelations- und Faktorenanalyse wurden vier grundlegende Wert-, beziehungsweise Kulturdimensionen definiert. In den 1980er Jahren wurden die Dimensionen, nach einer in China durgeführten Studie, um eine fünfte erweitert. Die Dimensionen sind „Individualismus — Kollektivismus“, „Machtdistanz“, „Unsicherheitsvermeidung“ und „Maskulinität — Femininität“. Der von Hofstede als dritte Dimension eingeführte „Individualismus — Kollektivismus“ bildet die in Studien am meisten verwendete Dimension. Sie bildet Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft ab. Das heißt, in wie fern die Person in die Beziehung mit anderen eingebunden ist. Die „Machtdistanz“ hat die Ausprägung niedrig und hoch. Sie bezieht sich auf die menschliche Ungleichheit, welche in allen Kulturen existiert. Davon betroffen sind ins besonders die Bereiche Wohlstand, Prestige und Macht. Im beruflichen Kontext bildet sich in Ungleichheit vor allem in der Beziehung zwischen Chef und Angestellten. In Kulturen mit hoher Machtdistanz akzeptieren und erwarten die Angestellten ausgeprägte Machtgefälle zwischen ihnen selbst und ihren Chefs, während die Angestellten in Kulturen mit niedriger Machtdistanz darum bemüht sind, ein möglichst geringes Machtgefälle und damit gering ausgeprägte Hierarchien zu haben. Das Konzept der Unsicherheitsvermeidung handelt von dem Umgang mit einer unvorhersehbaren Zukunft. Der Mensch hofft, dies mit Hilfe von Religion, Regeln und Technik in den Griff zu bekommen. Ein großes Bedürfnis nach Sicherheit haben vor allem Kulturen mit einer hohen Unsicherheitsvermeidung und versuchen sich etwa durch ein verbindliches Regelsystem für die Unwägbarkeiten des menschlichen Zusammenlebens zu wappnen. Die letzte Dimension „Maskulinität — Feminität“ unter-scheidet zwischen männlichen und weiblichen Werten. Ersteres stellt hauptsächlich Karriere, Wettbewerb und Verdienst dar, während weibliche Werte soziale Werte wie Fürsorglichkeit und Warmherzigkeit umfassen.

Literatur

Thomas, Alexander/Utler, Astrid: Kultur, Kulturdimensionen und Kulturstandards, in: Genkova, Petia/Ringeisen, Tobias/Leong, Frederick T. L. (Hrsg.): Handbuch Stress und Kultur. Interkulturelle und kulturvergleichende Perspektiven, Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 2013, S. 41–58

Thomas, Alexander (Hrsg.): Psychologie interkulturellen Handelns , Göttingen [u.a.]: Hogrefe, Verlag für Psychologie, 1996.

Usunier, Jean-Claude: Marketing across cultures , Harlow [u.a.], 2000

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.