Zwischenbericht


Kassensturz

So, nach 6 Wochen wurde es mal Zeit für einen richtigen Kassensturz.
Ich hab mir am 5. Februar kurz vor Abflug mein «Liquid-Konto» mit CHF 10’000.- gefüllt. Das soll meine aller aller aller oberste Grenze sein und muss für alles reichen; Flüge, Unterkunft, Essen, Trinken, Activities und auch für die Kosten Zuhause (Handyrechnung, Wohnungskosten, Krankenkasse etc pp.)

Alles in allem habe ich 18 Wochen Zeit. Am 15. Juni ist erster Arbeitstag im Zirkus. So. Das Konto sagt; nach 6 Wochen hab ich ca. CHF 2900.– gebraucht. Wie gesagt, inklusive allem. Und inklusive Bali, was nicht grade günstig war. Das würde also heissen, ich habe bisher pro Woche 483.- gebraucht. Phu — Davon muss ich unbedingt runterkommen. Aber auch wenn ich genau so weitermache, komme ich in 18 Wochen mit ca 8700.– durch. Aber das soll nicht das Ziel sein. Ich sollte günstiger leben.
Bei den Unterkünften möchte ich aber nicht unbedingt sparen. Da ist der Preisunterschied jeweils sowieso gering (ob jetzt 8.- oder 11.- pro Nacht..) und lieber zwei Franken mehr und dafür ein einigermassen gutes Hostel. Ich denke, ich gebe am meisten Geld aus beim Essen und Trinken. Und Taxi. Und Mojitos. Und Shoppen!

Vermissen + die Schweiz

Ich wurde schon öfters gefragt, was ich am meisten vermisse hier in Asien. Selbstverständlich neben Familie und Freunde.
Ich vermisse so einiges, aber eher Kleinigkeiten. An erster Stelle fällt mir da ein; Hahnenwasser! Oh mein Gott liebe ich Hahnenburger. Und hier soll oder will man keinen Schluck nehmen. Ich putz mir zwar die Zähne damit, aber an trinken ist hier nicht zu denken.
Dann freue mich, wenn ich zurück bin, endlich wieder mein Toilettenpapier in die Toilette zu werfen. Die, die schon mal hier rumreisten wissen was ich meine. Man darf hier nämlich sein Toilettenpapier nie in die Schüssel werfen, sondern immer in einen danebenstehenden Abfalleimer. Und dann immer diese schlechte Gewissen, wenn man es in schwachen Momenten (im Halbschlaf, oder schon ein bisschen angeschickert) es vergisst und das Papier total routinemässig im Klo landet.
Dann vermisse ich natürlich die Schweiz an sich. Und die Schweizer. Ich muss mich hier sehr oft erklären und die Schweiz erklären und warum dies und warum das, und wie direkte Demokratie funktioniert und woher die Banken das Geld nehmen und wie Schokolade gemacht wird, bla bla bla.
Das ist auch so ein Thema für sich. Ich glaube bei keiner anderen Nationalität wird man mit so viel Klischees beworfen sobald man sagt, man sei Schweizerin. Ich meine, ich hab noch nie eine Unterhaltung gehört, in der der eine sagt, er sei Engländer und der andere zählt Dinge auf, die ihm zu England einfallen?!

Ich hab hier eine kleine Rangliste was ich am meisten zu hören kriege (wenn es nicht mit Schweden verwechselt wird):

1. Oooh expensive country, lot of Money, Banks, everyone is rich, wieviel verdienst du
2. Schnee, Berge, und Oh schneit es grade? Wie kalt ist es? Hihihi
3. Chocolate, Uhren, Ricola
4. Oh also sprichst du vier Sprachen?! (schön wärs… das meinen übrigens auch viele Europäer. Dass wir alle viersprachig aufwachsen)
5. Little Germany (What the Hell, No!)
6. Roger Federer
7. Sterbehilfe (Das wir dafür «berühmt» sind ist auch fragwürdig…)
8. Schweden und Kanadier erwähnen hie und da auch Ice-Hockey, was mich natürlich sehr freut ☺

wenn ich dann (bei Nicht-Europäern) noch «Käse» erwähne, kommt oft «Nein nein, Käse kommt aus Holland!»
Nun ja, wenn du meinst. Und da es in Asien mehr Holländer gibt als Schweizer hab ich keine Chance dieses Bild zu drehen ☺ Kommt der Käse halt aus Holland.

Eine sehr lustige Unterhaltung hatte ich mit meinem Surf-Instruktor. Er war etwa gleich alt wie ich und ursprünglich aus Java-Island. Seit einigen Jahren arbeitet er in Bali, mehr hat er von der Welt noch nicht gesehen und zur Schule ging er nur bis er zwölf war.
Er wollte ebenfalls wissen, woher ich komme. Die Schweiz kannte er vom Hören-Sagen. Er habe schon einige Schweizer Touristen kennengelernt. Dann fragte er mich, was ich heute denn den ganzen Tag gemacht habe. Ich erzähle ihm, ich sei seit dem Vormittag hier am Strand und geniesse es. Ob das nicht wahnsinnig langweilig sei. Ich erkläre ihm, dass ich halt zu Hause keinen Strand und kein Meer habe, drum muss ich das doch hier geniessen, wenn ichs schon mal hab. Er ist irritiert und fragt; Wie kein Strand? Kein Wasser?
- Doch wir haben viele Seen, aber kein Meer. Und somit kein Sandstrand. Und keine Wellen.
Er nickt, und studiert angestrengt. Dann meint er; Also besteht die Schweiz nur aus einer Insel? Oder wie viele Inseln gehören zur Schweiz?
Ich muss lachen und probiere ihm zu erklären, dass wir auch keine Insel sind. Rundherum sei Land. Damit gebe ich auf und begebe mich in sein Fachgebiet, dem Surfen, von dem ich keine Ahnung habe. Er hat wahrscheinlich ähnlich über mich gelacht, als ich fragte wo bei dem Brett nun hinten und vorne sei.

Reisen

Von A nach B zu kommen ist immer das Anstrengendste. Aber natürlich gemessen an all den Lazy-Days die ich sonst habe. Wenn ein Reise-Tag ansteht, muss man sich wieder an eine Zeit halten und ready sein (Auch etwas was ich vermisse — Uhren überall! Hier kannst du tatsächlich an einem Flughafen sein und siehst keine Uhr weit und breit!).
Langsam hab ich das aber ganz gut im Griff. Vor allem Fliegen… Ich fliege fangs so, wie ich zuhause Zugfahre. Als wärs nichts Besonderes. Auch mein Gepäck-Gewicht hab ich ganz gut im Griff. Obwohl ich in Bali mega viel eingekauft habe, ist mein Gewicht noch immer bei 18,4kg. Ich werf wirklich immer alte Sachen weg. Gestartet hab ich mit einem Gewicht von 17kg, in Koh Samui hatte ich 21kg. Aber die Luftfeuchtigkeit trägt natürlich ihren Beitrag dazu bei. Ich kann mir nicht vorstellen woher dieses Übergewicht in Koh Samui kam.
Ich hab mich jetzt zum Beispiel von meinem grossen Badetuch verabschiedet. Wenn ich baden gehe brauchte ich es nur zum draufliegen, trocken wird man innert Minuten von ganz allein. Ich hab jetzt nur noch einen Sarong zum draufliegen. Der braucht viiiel weniger Platz und ist nicht so schwer und saugt sich auch nicht so mit Feuchtigkeit voll wie das Frottée.

Tattoo

Zu Erstaunen vieler hab ich mich in Bali tatsächlich tätowieren lassen ☺ Das war aufregend! Ich hab schon lange vor Abflug an zwei Sujets rumgebastelt und wollte eigentlich noch eins machen lassen, kurz bevor ich gehe. Die Zeit reichte aber nicht. Als ich dann in Bangkok ankam, hab ich gesehen, wie sich hier Hinz und Kunz tätowieren lässt. Somit fasse ich den Entschluss, wenn ich wieder in Bangkok bin — wahrscheinlich kurz vor der Heimreise — mach ich hier auch noch eins. Es kam dann aber alles ein bisschen anders, weil ich ja entgegen meinem Plan wieder in Bali landete, und das da genauso angeboten wird. Ich denke mir, dass das eine super Story ist, wenn ich mir mein Tattoo auf einer meiner Lieblingsinsel mache. Anstatt in einer Stadt die ich eher anstrengend finde. Und schwupp-diwupp stand der Termin. Der Tattoo-Artist hat sich meinem Sujet angenommen und meine Bitte «Sowas bitte in Schön» total super umgesetzt.

Als ich ein paar Tage später seine Version davon sehe bin ich hin und weg. Und nach 2 Stunden bin ich auch schon fertig gestochen und üüüüberglücklich. Yay!