Bildhübsch

Europas Wälder sind toll und abwechslungsreich und zu meinem Glück konnte ich schon durch viele von ihnen wandern. An den vergangenen Wochenenden haben wir uns angesehen, was Kolumbien in dieser Hinsicht abseits der fußläufig erreichbaren Pfade in Bogotá zu bieten hat.

Valle Del Cocora

Zum Einstieg ein Auszug aus meinen Walderlebnissen: Der Glenmorangie-Forest in Schottland ist ein schieres Labyrinth, in dem wir uns auch mit Kompass verlaufen haben. Im Schwarzwald sind wir mal bei -10°C unterwegs gewesen und mussten danach 4 Stunden warten, bis wir es geschafft hatten, ein Tiefkühlhühnchen in eine Suppe zu verwandeln. Nahe Göteburg (Schweden) ist zu unserer Kanutour mit einer “kleinen Umtragestelle” eine 10km-Wanderung mit Boten und komplettem Gepäck durch feuchtes und damit mückenfreundliches Waldgebiet hinzu gekommen (das war die kleine Umtragestelle). Und trotzdem fand ich das alles ausgesprochen toll. Es ist nicht verwunderlich, dass ich die Natur und vor allem die Wälder hier in Kolumbien schön finde, dafür bin ich diesem Biotop einfach zu sehr verbunden. Aber die Artenvielfalt und der Reichtum an Grüntönen sind schon beeindruckend.

Der malerische Ort Salento

Unser Ausflug in die Kaffeeregion um Salento begann am Freitag des langen Wochenendes, bei dem wir schon durch sämtliche Kolumbianer davor gewarnt worden waren, mit dem Auto zu fahren, da dann nämlich auch alle Einheimischen aus der Stadt heraus und montags zurück fahren würden, was üblicherweise mit kilometerlangen Staus einhergeht. Wir hatten uns dennoch gegen das Fliegen entschieden und haben mit einer Bekannten gegen 16:00 den Roadtrip begonnen, was wohl gerade so noch vor der Rush-Hour lag, denn zumindest aus Bogotá heraus haben wir es gefühlt geschafft, bevor der Verkehr ein unnormales Niveau erreicht hatte. Es war einfach normales Chaos. Es hat dann etwas gedauert, bevor wir begriffen hatten, dass es wohl in Ordnung ist, rechts zu überholen, denn wir sind uns mittlerweile sicher, dass es hier so etwas wie ein Rechtsfahrgebot nicht gibt. Hat man sich aber damit arrangiert, dass die Leute einfach mit beliebiger Geschwindigkeit auf beliebigen Spuren fahren, dann läuft es ziemlich flüssig. Zumindest gilt das für den Teil der Strecke, der zweispurig ist. Etwas interessanter wird es im einspurigen Stück und ziemlich genau, als dieses begann, hatte auch die Dunkelheit eingesetzt und ich das Steuer übernommen. Fast 200 von 300 km in etwa 3,5 Stunden geschafft, das ließ hoffen für den Rest.

Im Prinzip ist die gesamte Strecke Bogotá-Girardot-Ibagué-Armenia wohl eine der meistgenutzten und auch teils gut ausgebauten Strecken hier im Land, aber gerade ab Ibagué merkt man, dass hier jeder unterwegs ist, der etwas zu transportieren hat. In dem Moment, wo die Straße beginnt sich die Bergkette hoch zu schlängeln, beginnt auch die Tortur (Ibagué liegt etwa auf 1000m). Es ist ja eine Sache sich hinter einen LKW zu hängen, der mit 20 km/h den kurvigen Anstieg beschleicht und darauf zu warten, dass sich eine sichere Möglichkeit zum Überholen bietet, aber eine ganz andere, den Kolumbianern beim Überholen an jeglicher Stelle zu zu sehen, die mir persönlich nicht geeignet erscheint. Aber ich bin Gast in diesem schönen Land, also habe ich versucht mich anzupassen. Das ist mir auch im Laufe der Nacht immer besser gelungen und ich habe einiges gelernt. Zum einen rechnet der Gegenverkehr auf solchen Straßen immer mit Verrückten, was einem entscheidende Momente gibt um statt einer Kollision wieder in die eigenen Reihen einzuscheren, zum anderen kann man eben guten Gewissens knapp vor Leuten einscheren, da diese ebenfalls immer damit rechnen und lediglich freundlich hupen. So haben wir es also auf den höchsten Punkt der Fahrt geschafft, nur um dort auf mittlerweile 3200m in völligem Nebel blind zu fahren. Die Abfahrt Richtung Armenie und schließlich Salento hat dann zwar eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit, die man nur der vielen Kurven wegen ständig reduzieren muss, dafür aber den eben beschrieben verrückten Gegenverkehr, was sich auch schon mal in einem Überholmanöver eines LKWs durch einen weiteren Lastwagen mitten in einer Kurve äußert. Fazit der Fahrt: Ankunft etwa 23:30, also mehr als 7 Stunden für 300km…

frisch geröstete Kaffeebohnen

Aber es lohnt sich! (Abgesehen davon, dass der Flug 1h dauern würde). Samstag haben wir etwa 6h mit einer Führung auf einer kleinen Kaffeeplantage samt Rösten und Trinken des wahren schwarzen Goldes verbracht. Sonst dauern solche Touren nur etwa 3 Stunden, aber der Besitzer vom Plantation House -ihm gehören ein Hostel und die passende Kaffeefarm- ist ein recht redseliger Mensch und in der Tat hat man von und auf seiner Plantage einen tollen Blick und zumindest für die europäischen Besucher exotische Pflanzen, die alle fotografiert werden wollen. Den Abend kann man gemütlich in einer der Bars am oder in der Nähe des Dorfplatzes verbringen. Natürlich lebt der Ort von den Touristen, aber ich hatte schon das Gefühl, dass man dort authentisch sitzen kann, oft wird Livemusik gespielt und insgesamt war es eine tolle Atmosphäre.

verschiedene Stadien der Kaffeeherstellung; die Plantage hat auch noch vieles anderes zu bieten (z.B. Ananas)
Kaffeebohnen und -blüten
Blick von der Plantage über das Tal und in den eigenen Bambuswald hinein
grasende Kühe in der Valle del Cocora

Wir hatten kurz überlegt es nicht zu machen, haben dann für Sonntag aber dennoch das Touristenziel schlechthin angesteuert: Valle Del Cocora. Man nimmt von Salento aus einfach die öffentlichen Verkehrsmittel, nämlich Jeeps, um in das benachbarte Tal gebracht zu werden. Dort grasen Kühe unter Wachspalmen und diese freistehenden Bäume sind ein ganz besonderer Anblick. Wenn dazu noch die Wolken den Berg hinauf ziehen, so entsteht eine geradezu mystische Stimmung. Wir hatten uns von anderen Gästen aus dem Hostel erzählen lassen, dass eine Wanderung durch den Wald hinauf zum Kolibri-Haus sehr lohnenswert ist, was absolut stimmt, aber man muss definitiv früh dran sein und wohl auch ein wenig Glück mit dem Wetter haben. Denn einen Großteil der Strecke teilt man sich mit den Touristen, die Pferde mieten und daher kann es schon zu einer ziemlichen Schlammschlacht werden. Insgesamt hatten wir gute Bedingungen und konnten den Urwald mit den passenden Indiana-Jones-Hängebrücken vollends genießen.

Kolibri an der Tränke
die kolumbianischen Wälder haben eine besondere Flora zu bieten

Beim Schlendern durch den Ort hatten wir in einem der kleinen Läden schon am Samstag einen Schmuckhandwerks-Studenten kennen gelernt, der uns am Montag auf der Rückfahrt Gesellschaft lieferte (und die Fahrtkosten reduzierte). Das kam uns ganz gelegen, da wir im Endeffekt über 10 Stunden unterwegs waren und nun vorerst keine Roadtrips dieser Art mehr planen, sondern wieder aufs Flugzeug umsteigen, sobald man länger als 2h unterwegs ist. Über einen Ausflug in eine schöne Gegend hier in der Nähe von Bogotá, die man sehr gut noch mit dem Auto erreichen kann, schreibe ich als nächstes und auch da wird es einige grüne Bilder geben.

neben den imposanten Wachspalmen erfreuen gerade auch die filigranen Pflanzen das Auge
die Wanderung hatte einige Perspektiven zu bieten, die sicher auch in Abenteuerfilmen nicht fehl am Platz wären

Bis dahin.

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