Vielen Reitern stellt sich die Frage, wie sie ihr junges Pferd anreiten. Obwohl das Reiten mein Beruf ist, möchte ich an dieser Stelle dafür sprechen, dass jeder Reiter, unabhängig von seinen Erfahrungen, die Vorbereitung für das Anreiten selbst in die Hand nimmt.

Das junge Pferd in einen Ausbildungsstall zu geben, finde ich den falschen Weg. Denn der Besitzer soll das Pferd später reiten können, nicht der Trainer. Die vorbereitende Arbeit fördert, sinnvoll gemacht, die Bindung zum Pferd und das gegenseitige Vertrauen.

Hat man das junge Pferd schon als Fohlen gekauft, und holt es nun mit vier Jahren von der Jungpferdeweide, so ist es zunächst nur wichtig, es mit allen Dingen in Stall und Reitbahn vertraut zu machen, gleiches gilt für all die Arbeiten rund ums Satteln, Führen, Longieren, Tierarzt, Schmied und Spazieren gehen. Auch, falls ein gerittenes Pferd zur Verfügung steht, das Handpferdereiten.
Ich finde es nicht übertrieben, dafür einen Zeitraum von einem halben Jahr bis Jahr zu veranschlagen. In dieser Zeit, lernt das Pferd seine Umgebung und seinen menschlichen Partner kennen, es lernt Dinge um sich herum einordnen zu können, es beobachtet Abläufe und andere gerittene Pferde, es lernt Lob und positive Verstärkung kennen. Im besten Falle lernt es auch schon zu arbeiten, an der Longe ohne Hilfsmittel in Dehnungshaltung zu gehen, auf Stimme die Gangart zu wechseln, seitlich überzutreten und der Gerte zu weichen, an der Aufsteighilfe einzuparken, vielleicht, wenn der Mensch Spaß daran hat, diverse Zirkustricks oder das Verladen auf den Pferdehänger. Horsemanship kann hier auch eine gute Alternative sein, falls Langeweile aufkommt. Nützliche Dinge, wie frei stehen in der Stallgasse oder der Reithalle, zahlen sich später aus, da man dadurch, einen im Umgang angenehmeren, Partner hat.

Natürlich ist es ja nach Wissen und Können des Menschen angebracht, sich schon in dieser Zeit einen Trainer zu suchen, der möglichst über viel Erfahrung mit jungen Pferden verfügt und damit auch ein breites Wissen über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Jungpferdearbeit am Boden verfügt. Sich einmal pro Woche überprüfen zu lassen finde ich sinnvoll.
Ich spreche mich aus für tägliche Beschäftigung mit dem Youngster, nie zweimal das gleiche hintereinander, immer Abwechslung und nie die Einheiten solange machen, dass dem jungen Pferd aus Konzentrationsmangel die Lust vergeht. Meist reichen 20 Minuten vollkommen aus. Die Bewegung sollte dem Pferd durch gute Haltungsbedingungen ermöglicht werden. Lediglich die Spaziergänge dürfen etwas länger sein, vorausgesetzt, das junge Pferd bleibt ruhig dabei.

Hat man sich diese Zeit genommen, vielleicht ein halbes oder gar ein ganzes Jahr, wird man ziemlich sicher bei ersten Aufsitzen, mit Helfer, keine Probleme haben. Man steigt auf und wieder ab, zwei-dreimal und stellt das Pferd wieder weg. Dann folgt das Führen und später das Longieren im Schritt und Trab. Spätestens hier braucht man Hilfe. Ein Mensch seines Vertrauens übernimmt einen Teil, welchen, muss man von Fall zu Fall sehen.
Pferde die am Anfang der Ausbildung, diese Zeit bekommen haben, gehen zwar mit fünf noch keine A-Dressur, aber sie werden zwischen 7 und 8 Jahren, genauso weit sein, wie jene, die mit 3 Jahren angeritten wurden und mit 4 Jahren zum ersten Mal auf dem Turnier waren. Ein älteres Pferd, was gelernt hat ohne Angst und Überforderung lernen zu dürfen, lernt sehr viel schneller und nachhaltiger. Der positive Nebeneffekt: Es bleibt auch noch gesund dabei !
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