Es gibt zu wenig SchäferInnen!

Wir brauchen jetzt ein bundesweites Förderprogramm für Ausbildungsstellen.

Sven de Vries
Jan 13, 2018 · 2 min read

Wir Schäfer stecken in der Klemme. Immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Berufsausbildung als Schäfer oder Schäferin. Gleichzeitig gibt es oft aus personellen oder finanziellen Gründen auch immer weniger Betriebe die eine Lehrstelle zu guten Bedingungen anbieten können.

Ich habe in der Vergangenheit durch meinen Stellenmarkt für Schäfer versucht Interessierte und Schäfereien zusammenzubringen. Auch habe ich versucht weitere Interessierte für Schaf und Schäferei über meine Aktivitäten bei Twitter und Facebook zu gewinnen. Bedingt durch meine aktuelle Situation, möchte ich mich in Zukunft auf weiteren Ebenen für den Erhalt der Schäferei einsetzen. Die Situation der Ausbildung „Tierwirt – Schäferei“ liegt mir besonders am Herzen.

Die Anforderungen an die älter werdenden Schäfer steigen und viele müssen sich seit Jahrzehnten alleine durchschlagen. Wie schön wäre es, wenn man ihnen junge Menschen zur Seite stellen könnte. Ich finde es daramatisch, dass das große Wissen unserer älteren Schäfer und Schäferinnen langsam aber sicher zu verschwinden droht.

Es wird Zeit nach vorne zu blicken und verstärkt an einer Zukunft für die Schäfereien in Deutschland zu arbeiten. Die Umweltministerinen haben unseren Notstand bereits erkannt und die Bereitschaft uns zu stärken, steigt. Viele Schafweiden stehen inzwischen aber ohne Schaf und SchäferInnen da und es drohen massive Verluste an Selten gewordenen Pflanzen, Tieren, Insekten und Pilzen, wenn weitere Flächen nicht mehr beweidet werden können. Insofern geht uns das Thema alle an und es geht nicht nur um eine Frage der Solidarität.

Wir brauchen echte und langfristige Perspektiven für unsere Schäfereien, Schäferinnen und Schäfer in Deutschland.

Die Betriebe also unsere Chefs und Chefinnen zu überreden wieder auszubilden, ihr Wissen weiterzugeben, ist Aufgabe der Verbände und von uns Schäfern und Schäferinnen selbst.

Aber auch die Politik muss irgendwann begreifen, dass Bekenntnisse allein uns nicht weiterhelfen. Ich sehe ein, dass es schwierig ist, in der aktuellen Lage die richtigen Töpfe zu finden aus denen man die Schäferei stützen könnte aber das Problem des Nachwuchses drängt und mit etwas Kreativität sollte sich doch etwas finden lassen.

Wir brauchen eine bundesweite Förderung von Ausbildungsstellen in der Schäferei! So gelingt es uns vielleicht auch wieder mehr Menschen für unseren Berufsstand zu begeistern und Betriebe zu finden, die bereit sind Auszubilden.

In anderen Berufszweigen haben solche Maßnahmen Erfolge gezeigt und alle Bemühungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte sind umsonst, wenn es keine gut ausgebildeten Leute gibt, die mit Herzblut und Elan der Schäferei eine langfristige Zukunft geben.

Ich habe mit einigen Verbänden gesprochen und viele versuchen seit langem das Thema in den Ministerien zu platzieren. Bisher ohne Erfolg. Nun hat sich die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (die Linke) der Sache angenommen und eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung gestellt.

Die Bundesregierung muss auf diese Frage antworten und eine Einschätzung abgeben. Vermutlich wird diese zunächst ernüchternd ausfallen, im besten Fall wird eingestanden, dass es überhaupt ein Problem gibt aber wir haben einen Ansatzpunkt.

Ich halte euch auf dem Laufenden!

Written by

Wanderschäfer. Auf Twitter und Facebook berichte ich über meinen Alltag.

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